frau uber all frauwen. Die Figur der Ginover im mittelhochdeutschen ‚Prosa-Lancelot’


Magisterarbeit, 2008
110 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung: Problemstellung, Methodik und Ziel

2 Darstellung der Figur, ihrer Handlungen und ihres Verhältnisses zu anderen Figuren
2.1 Die Königin Ginover in hof und stat
2.1.1 Ginover, die byderbe, elementarer Bezugspunkt des 'Prosa-Lancelot'
2.1.2 Die Furt der Königin
2.1.3 Die entrechtete, aber innig geliebte Königin
2.1.4 Ginovers Darstellung ihrer Beziehung zu Lancelot in der Öffentlichkeit
2.1.5 Feindseligkeiten gegenüber der Königin
2.1.6 Dissonanzen zwischen der Königin und den Rittern der Tafelrunde
2.1.7 'Ginover in Gefahr'
2.1.8 Die Aufdeckung des Ehebruchs
2.1.9 Eine erste Profilierung
2.2 Ginover als Artus Ehegattin
2.2.1 Das einmütige Ehepaar
2.2.2 Herrscherehe als Formalität
2.2.3 Beiderseitige Untreue
2.2.4 Ginover als verstoßene Ehefrau
2.2.5 Das versöhnte Herrscherpaar
2.2.6 Artus riskiert Ginovers Verlust
2.2.7 Artus, Ginover und Lancelot
2.2.8 Ginover und Artus im finalen 'Tod des Königs Artus'
2.2.9 Die Profilierung der Figur als Artus' Ehegattin
2.3 Ginover und Lancelot
2.3.1 Die Lancelot-Ginover-Minne im Spiegel der Forschung
2.3.2 Ritter der Königin
2.3.3 Lancelot im Minnebann
2.3.4 Identifikation Lancelots als Minnediener
2.3.5 Die Erfüllung der Liebe
2.3.6 Zwischenfazit 1
2.3.7 Neue Perspektiven für das Liebespaar?
2.3.8 Mynne, die alle die lút wol ansehen mögen
2.3.9 Die Karrenritter-Episode
2.3.10 Versicherung der Liebesbindung
2.3.11 Zwischenfazit 2
2.3.12 Die Beziehung im Schatten des Grals
2.3.13 Das Turnier zu Camelot
2.3.14 Lancelot im falschen Bett
2.3.15 Die Ginover-Minne als Teufelswerk
2.3.16 Ginover und Lancelot im finalen 'Tod des Königs Artus'
2.3.17 Zwischenfazit 3
2.3.18 Profilierung der Figur im Rahmen der Lancelot-Ginover-Minne
2.4 Ginovers Verhältnis zu weiteren Figuren
2.4.1 Gawan, lieber nefe Ginovers
2.4.2 Galahot und Ginover: trach und serpant
2.4.3 Die Frau von Maloaut, Ginovers Vertraute
2.4.4 Die falsche Minne von Hectors Freundin
2.4.5 Ginovers Beziehung zu Hector, Bohort und Lionel
2.4.6 Das heilkundige Fräulein als Gegenbild Ginovers
2.4.7 König Claudas' Vernichtung
2.4.8 Ginovers Hilflosigkeit angesichts Mordrets Bestrebungen
2.4.9 Zusammenstellung der weiteren Aspekte der Ginover-Figur

3 Schluss: Fazit & Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang: Episodenfolge

1 Einleitung: Problemstellung, Methodik und Ziel

Der 'Prosa-Lancelot' umfasst drei ursprünglich in Nordfrankreich zwischen 1215 und 1230 in mehreren Bearbeitungsstufen entstandene Teile. Der erste Teil, der sehr um­fangreiche 'Lancelot propre', umspannt die Zeit des Arturischen Reiches von seinem Beginn bis zu seiner Höhe. In zwei wesentlich kürzeren Teilen wird Artus' Herr­schaft zu Ende geführt: in der 'Suche nach dem Gral' und in dem 'Tod des Königs Artus'. Diese Trilogie ist ab etwa 1230 ins Mittelhochdeutsche übertragen worden.[1] Nicht nur die Übersetzer, sondern bereits die Autoren des französischen 'Lancelot en prose' sind unbekannt.

Im Gegensatz zu dem in höfischen Versromanen vermittelten idealen Bild wird hier in einer Art 'Geschichtsroman'[2] eine Artuswelt dargestellt, die unter düsteren Vor­zeichen von Untreue und Schwermut zu ihrem Untergang geführt wird.[3] Die Ge­schichte des Artusreiches wird nach dem Gesetz der Fortuna – Aufstieg und Nieder­gang – in all ihren Höhen und Tiefen, eingeklammert durch Eroberungskriege und Verrat, erzählt und mit der Liebe zwischen der Artuskönigin Ginover und dem bes­ten Ritter Lancelot verknüpft.[4] Der höfischen Welt wird mit der Grals­thematik eine heilsgeschichtliche Dimension entgegen gesetzt. Hinter der neuen Form des 'Prosa-Lancelot' verbirgt sich, wie Michèle Remakel betont, "eine inte­ressante Konzeption im Spannungsfeld von Weltlichkeit und Religiosität"[5] oder, wie Cornelia Reil korri­giert und erweitert, "nicht nur eine Versöhnung von Weltlichem und Geistlichem, sondern auch von fiktionaler und historiographischer Tradition".[6]

Diesem Spannungsfeld ist auch die Figur der Königin ausgesetzt, deren Unter­suchung das Thema dieser Arbeit ist. Da die Gestalt der Ginover nicht in der Lancelot-Dichtung allgemein untersucht werden soll - hierzu müsste in erster Linie das altfranzösische Werk herangezogen werden -, sondern vielmehr die Berücksich­ti­gung der mit seiner Übertragung sich in der deutschen Literatur entfaltenden neuen dichterischen Möglichkeiten[7] und das sich in der Überlieferung entfaltende Sinn­potential beabsichtigt wird, ist der mittelhochdeutsche 'Prosa-Lancelot' Grund­lage dieser Arbeit. Auffällige Abweichungen zur Quelle[8] des im Grunde Vorlagen­treue anstrebenden deutschen Werkes[9] werde ich mit Blick auf gelegentliche Um­deu­tun­gen im Rahmen der Untersuchung anmerken.

Verwendet wird die Ausgabe von Hans-Hugo Steinhoff, die den 'Lancelot propre' in zwei Doppelbänden enthält sowie in einem fünften Band beide finalen Teile: 'Die Suche nach dem Gral' und 'Der Tod des Königs Artus'.[10]

Die Ginover-Figur ist eine zentrale Figur des Gesamtwerkes und gewiß nicht ersetz­bar. Ihre hoch differenzierte Gestaltung sowie ihre Funktion als Ausgangspunkt und auslösender Faktor für das epische Geschehen sind maßgebend für das methodische Vorgehen. Es gilt nicht nur ihren Stellenwert, ihren Anteil am Handlungsgeschehen und am Schicksal der anderen Figuren zu eruieren, sondern vielmehr die Viel­seitig­keit oder sogar Vielgesichtigkeit der Ginover-Figur zu profilieren. Ihre Unter­suchung erfolgt in der Betrachtung ihrer Darstellung und ihres Verhältnisses zu ein­zelnen Gestalten oder Figurengruppen. Mein Vorgehen im Analyseteil meiner Arbeit erfolgt innerhalb dieser Konstellationen chronologisch in der 'gelebten Zeit', d. h. linear mit sukzessiver Hypothesenbildung. Das induktive Verfahren folgt in erster Linie der Regel "Homäron ex Homärou saphenizein" (Homer aus Homer verdeut­lichen) der hellenistischen Philologie. Entsprechend der "caput et membra"-Regel – alle einzelnen Zeichen sind aus dem Ganzen und das Ganze aus allen Einzelnen zu verstehen – beabsichtige ich, aus den Details der Darstellung Ginovers im Selbst- und Fremdbild, ihrem Handeln und Erleiden Profile zu entwickeln und diese verschiede­nen Seiten, die sie in den unterschiedlichen Szenerien und Figuren­konstellationen zeigt, in eine komplexe Figur zusammen zu führen. Schließlich hoffe ich den Sinn des Facettenreichtums dieser Figur im Ganzen des epischen Geschehens aufzudecken. Ein philologisch-empirisches Vorgehen - Sichten, Ordnen und Auswerten aller Be­lege, die Ginover unmittelbar oder im weiteren Sinne betreffen - bereitet den Weg, um Gadamers Forderung des "imaginativen Einsatzes, um die verstummte Stimme in der Schrift wiederzuerwecken" zu folgen bzw. nach Husserl "Sinn aktivierendes Evidentmachen"[11] zu Wege zu bringen. Jede Hypothese im Vergleich sowohl der Beschreibungen der Figur als auch ihrer Handlungsmuster in den unterschiedlichen Kontexten werde ich jedoch unter Achtung von Schleiermachers erstem Gebot "Widerstehe der Wut des Verstehens!"[12] reflektierend prüfen, so dass der Text vor allzu reduktivem und aneignendem Zugriff bewahrt bleibt und Dissonanzen, Ver­schiebungen und Brüche zugestanden werden.[13]

Sofern ich in meiner Untersuchung von einem Erzähler spreche, ist notwendiger­weise eine subjektive Erzählergestalt in ihren Funktionen der Auswahl, Komposition und Darbietung gemeint, wie sie ausschließlich aus dem Werk selbst heraustritt. Auf eine weitergehende Analyse der Vorlieben oder Sympathien der Gestalt des Erzählers wird allein aufgrund der Überlieferungsgeschichte[14] verzichtet.

Was darüber hinaus mit Sicherheit interessant erscheint, aber leider in dieser Arbeit nicht geleistet werden kann, ist im Sinne des Konzeptes der Intertextualität die Figur der Ginover zu betrachten und zu vergleichen, wie sie in anderen Texten präsentiert wird, beispielsweise als äußerst zwielichtige, von Lanval verschmähte Königin in Marie de France' 'Lais'.[15]

2 Darstellung der Figur, ihrer Handlungen und ihres Verhältnisses zu anderen Figuren

2.1 Die Königin Ginover in hof und stat

In diesem Teil der Arbeit soll die Untersuchung der Figur der Königin aus zwei Blickrichtungen erfolgen. Zum einen wird betrachtet, wie sie im epischen Ge­sche­hen platziert wird, inwiefern damit ihr Stellenwert gegenüber einem Rezipienten betont wird und wie sie diesem dann durch den Erzähler präsentiert wird. Zum anderen soll analysiert werden, wie Ginover als Königin in der innerliterarischen Öffentlichkeit von hof, stat und volck situiert und wahrgenommen wird.

Die verwendete Gliederung wird durch den Gang der Erzählung geleitet, so dass sowohl deutlich wird, wie die Figur im Erzählen um diverse Aspekte bereichert wird, als auch Kontinuitäten im Figurenprofil aufgezeigt werden können. Das erste Kapitel befasst sich mit der einführenden Präsentation der Figur durch den Erzähler und ihrer Situierung am Hof, welche durch Darbietung ihrer Eigenschaften als Vorausset­zun­gen zur Erfüllung ihrer Funktion als Königin erfolgt. Im zweiten Kapitel wird eine historisierende Episode um Ginover betrachtet, im dritten das Verhältnis zur Hof­gesellschaft, wie es sich in der Verleumdungsepisode offenbart. Das folgende Kapitel betrachtet Ginovers höfische Selbstdarstellung, insbesondere in Bezug auf ihre ehe­brecherische Liebesbeziehung. Die letzten Analyse-Kapitel befassen sich schließlich mit Feindseligkeiten, wie sie einerseits von außen herangetragen werden, andererseits aus Unstimmigkeiten zwischen Königin und Artusrittern oder aus ihrer Verfehlung Artus gegenüber entstanden sind.[16] In dem abschließenden Kapitel wird zusammen­fassend ein erstes Profil der Figur entworfen.

2.1.1 Ginover, die byderbe, elementarer Bezugspunkt des 'Prosa-Lancelot'

Der 'Prosa-Lancelot' setzt mit der Vorgeschichte Lancelots ein. Statt eines für höfi­sche Versromane obligatorischen Prologs werden topographische und historische Angaben eingesetzt, wie sie seit der Antike für die Geschichtsschreibung charakte­ristisch sind, wobei sich allerdings reale mit fiktiven Angaben mischen.[17] Im Zuge dieses Entwurfs der Konstellation und Handlungsräume des 'Prosa-Lancelot' wird nicht nur Artus als bekannt vorausgesetzt, sondern seine Krönung und seine Hoch­zeit mit Ginover fungieren als Zeitangabe:

Da der konig Aramunt was dot und Uterpandragon, und da der konig Artus hatt das lant alles in synen handen, da hub sich das urlag groß in Brytanien an manger statt, und da urlaget manig hoh man; und was da der konig Artus begunde gewaltig konig zu werden. Nochda enhatt er die koniginne Gynovier nicht lang gehabt, und er hatt viel zu thun an maniger statt.[18]

Eine Vorstellung der Ginover-Figur ist, bedingt durch die Entstehungs- und Rezep­tionsgeschichte, nicht erforderlich. Vielmehr ist sie in den Text eingeschrie­bener Fixpunkt, bevor sie selbst darin auftritt. Die Hochzeit des Königspaares ist der Beginn einer Zeitskala, auf der die Geschichte des Artushofes die chronologische Folie für den Gang der Handlungen bildet:[19]

Er enwas nit lang konig gewesen und hett nůwes die koniginn Jenovere genomen in den sieben monaden und in eim halben. Sie was ein die schonst frauw die ye in Brytanien kam, ane zwey aleine! Die ein frauw was von einr burg die lag in der mark von Galle und von den Francken; Gazewinde hieß die burg, und die frauw was genant Elaine on Gelichen, von der man gnug sprechen sol furter.[20]

Die erste Beschreibung Ginovers erfolgt zwar mit einem konventionellen Lobes­topos, jedoch nicht ohne diese Huldigung sofort zu relativieren: Sie war die schönste Frau - abgesehen von zwei anderen! Ginover wird im Zuge einer Vorausdeutung zum einen hinter Elaine Ohnegleichen zurückgestellt, die von Hector[21] aus der Gefangenschaft befreit werden wird, zum anderen hinter Amide-Elisabeth, mit der Lancelot Galaad zeugen wird:

Die ander frauw was des konigs dochter der geheißen was Afolerde, von der kam Galaad der gut ritter…[22]

Die Unterlegenheit Ginovers im Vergleich mit Galaads Mutter wird im nächsten Absatz wiederholt, mit einem Autoritätstopos belegt und bemerkenswert betont:

Das sagt uns die historia das Galaads mutter were ein die schonst frauw, also das man keyn finden mocht die ir glichen kund, und was genant zu zunamen Amide und zu rechtem namen Elizabeth. Sere schön was die konigin Jenovere, sie enkunde ir aber nicht glichen; sie was ein rose vor allen frauwen, byderb und hubsch, darzu gab ir gott so groß gnad das sie all die priseten die sie mit den augen sahen, vor allen frauwen.[23]

Diese Passage bleibt in ihrer Aussage singulär und ist ausschließlich im Hinblick auf die heilsgeschichtliche Dimension – die Gralsuche – zu verstehen. In weltlicher Per­spektive wird stets betont, Ginover übertreffe alle Frauen:

…es was keyn frauw in der welt die ir glichen mocht mit schonheit und mit gúte. Des was sie frau uber all frauwen die off erden lebten.[24]

Auch in Selbstdarstellungen – insbesondere im Selbstlob nach dem ersten Kuss, mit dem sie den Minnebund mit Lancelot besiegelt – betont Ginover ihre unangefoch­tene Spitzenposition:

...wann dhein frau in der werlt ist, von der man als groß ere gesaget hab als von mir und als groß byderbekeit.[25]

Ihre Makellosigkeit als Königin und höchste Minneherrin ist Voraussetzung zur Er­füllung einer ihrer Funktionen am Artushof: die Bindung neuer und die Förderung junger Ritter. Im Dienste der Königin erhalten ausgewählte Ritter die Gelegenheit zur Bewährung, um unter den entsprechenden Voraussetzungen und mit ausreichend Fürsprechern zu Rittern der Tafelrunde berufen zu werden.[26] Die offensichtlich vortreffliche Erfüllung dieser Aufgabe Ginvoers bildet die Grundlage für die Zu­neigung, die die Ritter für sie empfinden. Diese wird ausdrücklich betont:

Auch saget uns die hystory das nye frau so sere gemynnett wurde von ir herren lútden als die kónigin Jenovere was, des konig Artus wip.[27]

Darüber hinaus zeigt sich das gegenseitige Wohlwollen auch in nahezu zärtlicher Fürsorge, sowohl von Seiten der Ritter als auch seitens der Königin.[28]

2.1.2 Die Furt der Königin

Im dritten Kapitel 'Die Dolorose Garde' des ersten Bandes ist eine Episode von der Namensgebung einer Furt eingefügt, die zu den Erinnerungen an ein Artus-Ge­sche­hen außerhalb der Lancelot-Handlung gehört und "der Artuswelt 'historisches' Relief verleiht".[29] Die Furt hieß so, weil die Königin sie als erste entdeckt hatte, und zwar während Artus gegen sieben Könige Krieg führte. Diese entdeckten eines Morgens sein Lager; bei ihrem Überfall hatte die Königin solche Angst, dass sie durch den Humber ritt und so die Furt entdeckte. König Urien wollte ihr folgen, aber Key[30] widerspricht:

"Nu riten wir uber das waßer", sprach der konig Friens. "Der muß geuneret syn", sprach Key der truchses, "der dalang daruber gerytt, er hab dann zu allererst jostiert, der man wiedder den synen..."[31]

Lässt sich in dem Motiv – wären die Ritter Ginover durch das Wasser gefolgt, hätte es Schande über sie gebracht – eine Andeutung eines mangelhaften Verhaltens und des Schadens lesen, der daraus einem ihr folgenden Ritter erwachsen kann,[32] zumal in der Auslegung Artus' schicksalsweisender Träume auf Carduel Wasser die weltlichen Sünden bedeutet?[33] Allerdings ist dieses im 'Prosa-Lancelot' dominante Element äußerst unterschiedlich belegt: Da Lancelot im Lac aufwächst, wird er ein Kind der Welt, ist aber keineswegs identisch mit dem Teufel, der ja auch im Wasser wohnt. Wir finden Wasser vielfach im Sinne der geläufigen Vorstellungen sowohl eines Höllenpfuhls,[34] als auch eines Hindernisses, das es mittels Brücke oder Schiff zu über­queren gilt, oder aber eines erfrischenden Flusses oder einer Quelle, bei der insbe­sondere ein verwundeter Ritter Erquickung und Ruhe findet. Auch dem gedencken [35] und als schwermutig bezeichneten Nebenfiguren wird fließendes Wasser motivisch zugeordnet. Darüber hinaus gilt Wasser als eines der besten Medien für das Wirken magischer Gewalten. Geweihtes Wasser zeigt heilende Kraft.[36] Somit zeigt sich, dass zwar die Darstellung der Artuswelt im 'Prosa-Lancelot' auch mittels dieses Elements mit Hinweisen auf die vanitas und fallacitas der Welt durchsetzt ist, jedoch der in der einen Allegorese entfaltete Sinngehalt des Wassers als Symbol für irdische Laster nicht ohne weiteres übertragbar erscheint. Dass Ginover unreynen werltlichen sunden er­liegt, kann zwar nicht bestritten werden, dennoch wird auf die Zeichenhaftigkeit des Wassers des Humbers nicht hingewiesen. Da auf eine Erläuterung seitens des Erzäh­lers oder mittelbar über eine Figurenrede anderenorts kaum verzichtet wird, kann das Fehlen hier nicht ignoriert werden.[37] Festzustellen bleibt eine Königin, die sich fürchtet und auf die andere Seite des Flussufers flieht, während sich Artus und seine Ritter gegen eine Übermacht behaupten.[38]

Diese Episode um die Namensgebung ist in eine Aventüre Lancelots mit Alibons eingeschaltet, der - ohne einen Auftrag von ihr erhalten zu haben - die nach ihr be­nannte Furt bewacht. Nach seinem Kampf mit Lancelot reitet er schnellstmöglich zum Artushof und berichtet der Königin. In dieser Passage, die eine der wenigen ist, in denen die mittelhochdeutsche Fassung ausführlicher erzählt als die altfranzösische Vorlage,[39] reflektiert Alibons vor Ginover lange über die Schande eines Ritters, der gegen einen minderen Ritter antritt, worauf sie merkwürdigerweise nicht eingeht. Sie interessiert vielmehr, wer den anderen besiegt habe und ob Lancelot gesund sei.[40] Der Sinn dieser verhältnismäßig langen Rede offenbart sich in der Episode um die 'Falsche Ginover', als eben eine solche Konstellation von ungleichen Rittern verhin­dert, dass Gawan für Ginover gegen den altersschwachen Bertelac eintreten kann.[41]

2.1.3 Die entrechtete, aber innig geliebte Königin

In der Episode um die 'Falsche Ginover' wird die Königin Opfer einer schwer­wiegenden Verleumdung. Als der diffamierende Brief in der Öffentlichkeit verlesen werden soll, bricht der erste Schreiber erschrocken zusammen,[42] der zweite will sich eher köpfen lassen, als den Betrug vorzutragen:

"Owe frau", sprach er, "was großer unseligkeit ist hůt herre zu hoff komen!" und weint ußermaßen sere.[43]

Der Kaplan lässt sich, nachdem er sich mehr als zehn Mal bekreuzigte, dazu nötigen, den Inhalt preiszugeben: In der ersten Nacht nach der Trauung sei die wahre Ginover verschleppt und eine falsche an ihrer Stelle in Artus' Bett gelegt worden. Diese Anschuldigung löst allgemeine Bestürzung aus.[44] Die Botin erzählt ausführlich, wie der Betrug umgesetzt worden sei. In ihrer Rede wird eine Vorgeschichte zur Arturischen Tafelrunde erzählt, die im Widerspruch zur älteren Tradition und zu den Bemerkungen in der 'Gralsuche' steht. Diese Verquickung, so Steinhoff, deutet darauf hin, dass dieser Anschlag nicht nur Ginover gilt, sondern die gesamte Artus­gesellschaft gefährdet.[45] Alle Hofangehörigen verwünschen die Botin:

...alles das in dem hof was fluchet ir durch der konigin willen, so sere was sie geminnet von allem irm gesinde. Sie forchten das sie unrecht hett durch die wurtzeichen die die jungfrau dem konig gesagt hett...[46]

Sie lieben ihre Königin und befürchten, sie sei im Unrecht, deuten doch die glaub­würdigen Einzelheiten, wie sie vorgetragen wurden, auf die Wahrhaftigkeit der Anklage hin. Bevor aber auch der Rezipient etwa an Ginover zu zweifeln beginnt, wird der von Bertelac[47] inszenierte Betrug dargelegt. Seinerzeit wurde nämlich genau eine solche Täuschung vom Truchseß und dessen Tochter geplant. Das Vorhaben wurde jedoch entdeckt und vereitelt. Ihre Todesstrafe verhinderte seinerzeit barm­herzig und mild die Königin und ließ die Tochter des Truchseß' außer Landes schicken.[48]

Auch über dem folgenden weihnachtlichen Hoftag lastet der Schatten der Anklage:

Der hoff wart starck und groß, und die freud wart so groß; doch wer sie vil merer gewesen, wann das die konigin mit dem laster besaget was, das was allen den leit die da waren.[49]

Am festgesetzten Gerichtstag wird keine Einigkeit erzielt, sondern Bertelac zweifach Aufschub gewährt, der währenddessen einen Plan zur Entführung Artus' entwirft und diesen bei einer inszenierten Jagd erfolgreich umsetzt. Das Verschwinden des Königs hat katastrophale Auswirkungen: Die Barone des Landes beginnen sich zu befehden, Ginover ist machtlos, Gawan untröstlich. Allein Galahot[50] steht ihr zur Seite und arrangiert klug, dass Gawan zum Herrscher erhoben wird und so wieder Frieden einkehren kann.[51]

Während seiner Gefangenschaft in Tamelirde verfällt Artus der falschen Ginover. Er verlangt von seinen Baronen, Ginover zu verurteilen. Sie verweigern sich jedoch.
Als das von Artus selbst gefällte Urteil verkündet wird, entsteht nach Gawans Wider­spruch ein allgemeines Gedränge. Key will wie viele andere Ritter im Kampf auf Leben und Tod beweisen, dass das Urteil falsch ist.[52] Dem von Lancelot erzwun­genen Gerichtskampf[53] sehen an Ginovers Seite – von ihrer Unschuld überzeugt – Iwein und viele andere Artusritter zu und sind erleichtert über dessen glücklichen Ausgang, wie Galahot betont:

Bi uwern schulden ist es nit, das weiß myns herren gesinde alles wol und ist sin fro, wann ir im manige ere gethan hant; und darzu ist es alle die welt fro, das sy got gelobet![54]

Die allgemeine Stimmung, die Gawan Artus mitteilt, ist ganz auf Seiten der Königin:

Alle die welt spricht uch groß laster umb diße scheidung...[55]

Ginover erfreut sich großer allgemeiner Beliebtheit, auch in ihrem Exil in Sorelois wird ihr von sämtlichen Vasallen Galahots gehuldigt und wird sie in großen Ehren gehalten. Die Ritter der Tafelrunde kommen oft zu ihr, um nach ihr zu sehen, denn sie hetten sie ußermaßen lieb, und verkehrten wie ihre Damen so wenig wie möglich mit dem König.[56]

Die von Gottes Hand strafende Lähmung der falschen Ginover und ihres Ratgebers bringt diese zu einem Geständnis, womit die Königin nun endgültig rehabilitiert ist. Die meineidigen Barone von Tamelirde empfängt Ginover gnädig, als diese sie reu­mütig um Vergebung anflehen:

Die konigin was edel und barmherczig und hub sie off alweinende; da wurden sie allesampt ir manne, und sie vergab yn ir ubeln můt.[57]

2.1.4 Ginovers Darstellung ihrer Beziehung zu Lancelot in der Öffentlichkeit

Ginover bemüht sich um eine Integration ihres besonderen Verhältnisses zu Lancelot in die höfische Gesellschaft. So umarmt und küsst Ginover Lancelot vor aller Augen, nachdem er die Schlacht am Sachsenfels erfolgreich beendet sowie Artus und seine Ritter befreit hat.[58] Geschickt nutzt sie ihre Rolle der dankbaren Königin und die Doppeldeutigkeit des Minnebegriffs, wenn sie betont:

...diß han ich gethan, wann ich uch kein fruntschafft zu dißen zitten me gebieten durch der ere willen die ir mym herren und mir und darnach allen mynen frunden hant gethan hut an dißem tag. Darumb geb ich uch von dißem tag furbas ummer me myn fruntschafft und myn minne also lang als wir beide leben, als getruwe frau getruwen ritter minnen sol.[59]

Der nicht fest umrissene Begriff minnen kann als lieben, aber auch als schätzen und belohnen verstanden werden, schließt auch die körperliche Liebe nicht aus. Zwei­felsfrei wird die Hofgesellschaft ihre Küsse und ihre Worte hier nur ganz im Sinne des öffentlichen Dienstverhältnisses begreifen, das zu den Grundfesten des höfischen Systems gehört. Es muss, wie auch Michèle Remakel betont, für die Gesellschaft selbstverständlich sein, dass Ginover hier ihre besondere Erkenntlichkeit bezeugen will.[60] Der tiefere Gehalt der Rede kann nur Eingeweihten klar werden, ihre Motiva­tion wird in einer Paraphrase erklärt: umb das sie wolt das nymant an ir zweyer heime­liche nit ubels gedecht.[61]

Dieselbe Taktik verwendet sie, als sie in aller Öffentlichkeit von Morganes[62] Jungfrau der Liebe zu Lancelot angeklagt wird:

Des jehen ich aber wol, das Lancelot so vil durch mynen willen gethan hatt das ich im myn minne gab uff einen tag, also verre als sie ein frauwe eim fremden ritter zu recht geben solt, der ir als viel dienstes gethan hett als er mir getan hatt. Hett er auch dumber minne an mich gegeret, so mocht ichs im nit versagt han, ob mich gewalt von minnen darzu getriben hett. Der wölle der schelt mich darumb; der wölle der laß es! Ich weiß auch kein frauwen lebende so edel noch so schön, hett Lancelot so viel durch sie gethan als er durch mich gethan hat, die im zu recht ir minne versagen mocht, ob er sie darumb bete.[63]

Während sich offensichtlich die Hofgesellschaft irreführen lässt, obwohl Ginovers Ring[64] zum Beweis vorgezeigt wird, und auch Artus der Botin keinen Glauben schenkt, gibt es jedoch noch ein Nachspiel. Lancelot trifft, längst nachdem er sich aus Morganes Gefangenschaft und die entführte Ginover aus Gorre befreit hatte, auf den Ritter Margondes. Dieser fragt ihn, ob er vom Hof komme und die Königin gesehen habe:

So mögennt Ir wol sagenn, das Ir habenn gesehenn unnd erkhanntt die aller un­trewest fraw, die jhe uff erdtrich gewohnet hatt.[65]

Auch er hatte die Anklage der Botin Morganes gehört und ihr Glauben geschenkt. Die Worte der Königin hat er nicht höfisch interpretiert, sondern wörtlich ge­nommen:

Unnd da die junngkfraw solchs finngerlin zayget, da wardt es vonn der königin nicht widersprochenn, sonndernn sie sagt, es were wahr, das sie Lanntzeloten geliebt hett.[66]

Nachdem er allerdings im Kampf gegen Lancelot unterliegt, muss er schwören:

...das er wolltt sagenn, das seinn fraw die königin Genifre aine redliche fraw were allß sie inn der weldt seinn möchte.[67]

Darüber hinaus muss er um Ginovers Gnade bitten, die sie ihm großzügig gewährt: Er solle eine erträgliche Gefangenschaft haben und könne, nachdem er sich von seinen Wunden erholt habe, frei gehen, wohin er will. Margondes ist sehr dankbar.[68]

2.1.5 Feindseligkeiten gegenüber der Königin

Den Auftakt der Karrenritter-Episode bildet die Herausforderung Meleagants,[69] auf die Artus allerdings nicht eingeht. Jedoch lässt sich der Truchseß Key[70] reizen, der Artus unter Anwendung des Motivs der voreilig gewährten Bitte[71] dazu zwingt, die Herausforderung anzunehmen und Ginover als Geisel einzusetzen. Er werde die Schande für Artus abwenden und gegen den Provokateur antreten.[72] Ginover traut Key ganz offensichtlich keine ausreichenden Fähigkeiten zu:

...die konigin macht den grosten jamer von aller der welt und lieff in ein kammer so sere weinde das sie nymand getrösten kunt.[73]

Mit ihrer Einschätzung liegt Ginover richtig, Key wird sie an Meleagant verlieren, und zwar schon bei der ersten Tjost.[74] Das ahnen wohl auch Ritter des Hofes: Dodinel der Wilde warnt den König: Eidbruch wäre der durch den Verlust der Königin evozierten Schmach und Schande vorzuziehen.[75] Gawan reitet Key nach, er wird - wie auch Lancelot - der entführten Königin nach Gorre folgen.

Der Entführer Meleagant, so wird Key später Lancelot erklären, hätte zweifellos gern seinen Willen mit Ginover vollzogen, aber sein Vater König Bandemagus habe es nicht gestattet.[76] Dieser habe sie in hohen Ehren gehalten,[77] nachdem sie ihm weinend und über das Drängen seines Sohnes klagend ihm zu Füßen gefallen sei.[78] Meleagant will nach ihrer Rettung durch Lancelot noch einmal sein Glück versuchen und schleicht sich heimlich des Morgens in ihr Gemach. Er findet die Königin schlafend und ihr Bett blutig. Er nimmt an, das Blut stamme vom verwundeten Key, und erhebt schwere Vorwürfe, sie habe den unwerten Key vorgezogen und damit auch Lancelot entehrt. Ginover bestreitet dies, sie habe an Nasenbluten gelitten.[79] Als Meleagant von seinem Vater König Bandemagus fordert, er solle Gericht über sie halten, betont sie auch ihm gegenüber:

"Werlich", sprach sie, "ich bin des unschuldig, ob got wil, das Key mit mir icht gewúnne zu thun, Lancelot weiß dasselb wol..."[80]

Sicherlich weiß das Lancelot, denn das Blut stammt ja von ihm. Dies wird sie unzweifelhaft nicht offenbaren, stattdessen fügt sie hinzu:

...das man mich in myns herren hof fur ein so gewante frauwen nit hatt.[81]

Lancelot kann den von Meleagant geforderten Beweiskampf gegen die Behauptung, Key habe sein Blut auf dem Bett der Königin vergossen, unbeschwert antreten, da der Eid so formuliert wird, dass der eigentliche Tatbestand umgangen wird.[82] Dass Lancelot auch bei diesem Kampf gegen Meleagant die Oberhand gewinnt, diesem aber auf Bitten seines Vaters durch Ginover Schonung gewährt wird, sorgt nur für eine Steigerung von dessen Zorn.[83] Als er nach der Entführung Lancelots dann doch sein Ende unter Lancelots Schwerthieben finden soll, freut sich Ginover besonders:

Die königin die war dießes sehr frohe, dann sie sahe wol, das sie zue dießem mahl vonn der schannde unnd unehre gerochen wardt, so ir Meleagant mehr dann zue ainem mahl bewießenn hatt.[84]

Meleagant bittet um Schonung, auch Artus setzt sich für ihn ein, dennoch gibt Ginover Lancelot ain wartzeychen, das er ime seinn haubt abschlagenn solltte. [85]

Ginover ist offensichtlich nicht bereit, noch einmal Erbarmen zu zeigen. Dies wird vor dem Hintergrund der Episode von der 'Falschen Ginover' verständlich, in der es sich im Nachhinein als schädlich erwiesen hatte, dass sie seinerzeit nach dem ersten Betrugsversuch die Tochter des betrügerischen Truchseß' außer Landes schickte, anstatt das Todesurteil an ihr vollstrecken zu lassen. Die Problematik von milte gegenüber Gegnern, die nicht bereit sind von ihren Feindseligkeiten abzulassen, wurde in dieser Verleumungsepisode deutlich vorgeführt. Insofern ist ihr Handeln konsequent und nicht nur von einem – sicherlich auch berechtigterweise vorhande­nen - Bedürfnis nach Rache geprägt. Darüber hinaus stellt Meleagant aufgrund der von ihm geäußerten Anschuldigungen eine Bedrohung für die Geheimhaltung ihrer Verbindung mit Lancelot und somit für ihre ere dar. Im Rahmen der dieser Erzäh­lung innewohnenden Logik dient die Verweigerung von Erbarmen hier in erster Linie der Abwendung von einer Gefährdung des Artushofes, wie sie von diesem ehrlosen Kontrahenten ausgeht.

Der Karrenritter-Episode folgen in der Karren-Suite weitere, kleinere Szenen, in de­nen feindlich gesinnte Ritter auftauchen. Zunächst trifft Lancelot auf Margondes, der von Ginovers Schuld nach der Anklage durch Morganes Botin überzeugt war,[86] direkt anschließend auf den schwarzen Ritter Meliadus, der aus Hass auf die Königin jeden ihrer Ritter angreift. Seine Ursache hat dieser Hass in einer von Ginover aus Mitleid erzwungenen Freilassung eines von ihm gefangenen und aus Rache ge­schleiften Ritters, insbesondere da in dem Kampf um dessen Freigabe seine beiden Brüder getötet wurden. Nachdem Lancelot ihn besiegt hat, wird Meliadus dessen ungeachtet selbst erst Ritter der Königin, dann geschätzter Ritter der Tafelrunde.[87]

Allerdings wird in seinem Hass, der das Ergebnis von in seinen Augen ungerecht­fertigter milte ist, durchaus auch das Verhältnis von Rache und Erbarmen problema­tisiert, in dem das emotionale Bedürfnis nach Vergeltung dem höfischen Konzept der Barm­herzigkeit gegenüber gestellt wird. In dieser Szene soll milte durch die Hand der Königin erzwungen werden, wobei ein noch größerer Schaden – der Tod seiner Brüder – entsteht.

2.1.6 Dissonanzen zwischen der Königin und den Rittern der Tafelrunde

Vor dem Turnier zu Camelot, bei dem eine lange Suche nach Lancelot ihren Ab­schluss findet, reagieren die Ritter der Tafelrunde erstmals eifersüchtig auf dessen Ruhm.[88] Sie fühlen sich durch das maßlose Lob von Seiten des Königs herabgesetzt, so dass König Ider sich bemüßigt fühlt, dessen Qualitäten zu relativieren.[89] Ginover widerspricht:

"Conig Yderez, ir gewůnnent Lancelot noch nye lieb; so helff mir gott, were er wiedder die hie uß und dainne sint, er solt uns mit unserm großen hochmut uber­winden."[90]

Artus stimmt ihr zu, woraufhin sich die Ritter insgeheim verabreden, in jedem Falle gegen Lancelot zu kämpfen, auf welcher Seite auch immer. Die Königin erfährt da­von und will ihnen in ihrem Hochmut eine Lehre erteilen:

...ich wol weiß [...] das sie diß durch boßheit thun, darumb wolt ich das sie uberwunden wurden, besunder ein mal, sie bedorfften darnach ir heubter númmer off heben.[91]

Ginover schickt Lancelot eine entsprechende Botschaft, der die Herausforderung gern annimmt. Die erste Runde des Turniers können die Arturischen Ritter aller­dings für sich entscheiden, da Lancelot im Minnebann[92] seine Kraft verliert. Bei dem abendlichen Mal äußert sich König Ider wiederum abfällig über Lancelot.[93] Ginover ist verärgert:

...sie gedacht das im die rede schaden must ee dann die woch ußgieng.[94]

Sie lässt Lancelot durch Bohort[95] Iders schmähende Worte ausrichten und initiiert so die Fortsetzung des Turniers.[96]

In dieser Episode erfährt die Wertschätzung, die Lancelot bei Ginover wie bei Artus genießt, eine derartige Steigerung, dass sie beginnt, negative Auswirkungen – Neid und Zwietracht – unter den Artusrittern zu zeigen. Dass die Königin ihren Ritter Lancelot unter allen anderen Rittern der Tafelrunde bevorzugt, wird an der Aktivität deutlich, die sie entwickelt, damit den "hochmütigen" Rittern eine Lehre erteilt wird.

Das Ergebnis des zweiten Kampfes belehrt die Arturischen Ritter, wie auch Gawan feststellt: Lancelot sei der beste und kühnste Ritter.

Das hant ir hie off diß mal wol bewißt und inn solcher wise auch anderswo, also das es nummer men den von der tafelronde vergeßen sol, wann von uwer kunheit ist der hochmůt der von der tafelronde genÿdert und ir boßheit geoffenbart worden.[97]

Während Lancelot ihnen verzeiht,[98] tadelt Artus die Ritter und demütigt sie:

...so sagen ich uch das er der tafelrund me eren erwirbt dann ir alle. Dann were er nit, so solt sie me genÿdert werden dann von uch halben.[99]

Diese Worte schüren den eifersüchtigen Hass der Ritter auf Lancelot erheblich:

Der reden wurden sie so sere zornig das sie darnach Lanceloten nymmer me lieb gewunnen und haßten yn biß inn den dot.[100]

Sie lassen sich ihre Abneigung aber nicht anmerken, bis – so wird an dieser Stelle vorausdeutend bemerkt – die Liebe zwischen ihm und der Königin bekannt und Agravain[101] sie beieinander finden wird.[102] Durch diesen Erzählerkommentar wird verdeutlicht, welche schädlichen Auswirkungen die Forcierung des Konkurrenz­gebahrens der Artusritter hat und dass eine Strategie, die der Deeskalation gedient hätte, einen wertvolleren Beitrag zur Sicherung des Friedens unter den Artusrittern geleistet hätte. Ginover vernachlässigt in der offensichtlichen Bevorzugung Lancelots ihre Pflichten als Herrscherin: Sie müsste für die freundschaftliche Bindung unter ihren Artusrittern Sorge tragen und jeder eifersüchtigen Regung entgegen wirken, anstatt sie mit offener Degradierung zu schüren.

2.1.7 'Ginover in Gefahr'

Nach Beendigung der 'Gralsuche' verhalten sich Lancelot und Ginover so un­vor­sichtig, dass ihnen zunächst Gawans Bruder Agravain auf die Schliche kommt.[103] Als Agravain dem König erstmals seine Vermutung mitteilt, schenkt ihm Artus keinen Glauben.[104] Bevor er diesbezügliche Untersuchungen anstellen kann, wird die Epi­sode 'Ginover in Gefahr' eingeschoben: Ginover wird angeklagt, den Tod eines Rit­ters verursacht zu haben. Sie hatte unwissentlich vergiftete Früchte weiterge­reicht.[105] Da sich niemand findet, der für sie eintritt, ist Ginover schwer enttäuscht:

...da sie gesah das sich nÿmands regete und das sie die heubt alle nÿder schlugen und lusterten darzu, da wart sie als betrubt und als zornig...[106]

Die Schuld der Königin erscheint jedoch so offenbar – jeder hatte es mit eigenen Augen gesehen -, dass kein Ritter wagt, einen solch ehrlosen Kampf auf sich zu neh­men. Das Gottesgericht ist unfehlbar und würde nur Ginovers Schuld bestätigen. Da Lancelot Ginover über seine Ehre stellt,[107] ist er bereit für sie einzutreten, wenn er damit auch allem Anschein nach auf seiten des Unrechts steht. Erzählstrategisch wird allerdings eine derartige Zuspitzung vermieden, indem der Ankläger Mador, der Bruder des vergifteten Garheiß, sich in der Formulierung seiner Beschuldigung nicht auf die Ausführung beschränkt, sondern die Motivation mit einbezieht. So kann Lancelot diesen Faden aufgreifen und dafür eintreten, dass die Königin keinen Verrat im Sinn hatte. Gawan formuliert, wie sich das Blatt damit gewendet hat:

Sicherlich herre, nů mag ich wol gleuben das Mador in eyner bösen ansprach ist. Wann wie doch das sin brůder starb, ich schwúre wol off die heiligen, nach mynem gedanck das sie nit boßheit nach verretniß daran gedechte. Darumb möcht es im licht bald úbel gan...[108]

Insofern wird deutlich, dass letztlich die Zurückhaltung der Ritter nicht in der Person der Königin begründet liegt, sondern in einem problematischen Verständnis von Wahrheit: Wenn aus Augenzeugenschaft ein Wahrheitsanspruch bezüglich des Er­kennens einer Handlung abgeleitet wird, findet die Tatsache, dass eine Handlung nicht nur bloße Bewegung, sondern bewusstes Agieren ist, keine Berücksichti­gung.[109]

2.1.8 Die Aufdeckung des Ehebruchs

Lancelot und Ginover lieben sich nun noch mehr und verhalten sich nun so auffällig, dass es fast jeder am Hofe bemerkt.[110] Agravain nimmt größten Anstoß, gemeinsam mit Mordret[111] überzeugt er Artus von dem Betrug und veranlasst ihn zu dem Ver­such, Lancelot im Schlafzimmer der Königin zu stellen. Als eine Schar Ritter in ihr Gemach eindringt, weiß Ginover, dass dies Agravain zu verdanken ist.[112] Lancelot kann entkommen; als er fort ist, ergreifen die Ritter die Königin:

...und taden ir vil me unere und schmacheit dann sie billich solten und sprachen, nu weren sie der warheit gewar worden, nu mochte sie nit da von komen, sie múst darumb sterben. So taden sie ir vil schmacheit an, und sie was also betrúbet das es wunder was, und schrey herczlichen sere...[113]

Artus, Agravain und Mordret verlangen Ginovers Bestrafung mit dem Tod.[114] Als Ginover daraufhin dem Flammentod zugeführt werden soll, wird hervorgehoben, wie die Bewohner der Stadt sie auf ihrem Weg wie von Sinnen weinend begleiten:

...da mocht man gehört han das volck schryen zu allen enden, alt und jung, arm und rych. Und sprachen: "Ach suße frauw, von guter art und húbscher dann keyn ander frauwe, wo wollent arm lút nů gnad finden? Ach konig Artus, das du umb din ungetruwekeyt hast geworben nach irm tode, es muß dich kurczlich berúwen, und die verreter múßen kurczlich dar umb sterben."[115]

Die von seiten des volckes offenbarte Zuneigung kontrastiert scharf mit der Abwen­dung Artus' und seiner Ritter, von denen Ginover eine Schmähung erfahren muss, die als unangemessen und ungerecht gekennzeichnet wird. Dass die Entehrung so nicht gerechtfertigt erscheint – im Grunde ist sie es ja; Ehebruch wird üblicherweise mit Demütigung und Tod bestraft, wovon einige Beispiele, die in der Erzählung aufgeführt werden, zeugen[116] –, wird durch die Erzählstrategie evoziert[117] und hier noch verstärkt durch den Erzählerkommentar: vil me unere und schmacheit dann [...] billich. Entsprechend werden durch die Stimme des volckes ihre Verdienste um alle Leute des Arturischen Reiches, arm und rych, hervorgehoben sowie Verrat und drohendes Unheil vorhergesagt.

2.1.9 Eine erste Profilierung

Bereits in ihrer Rolle als Königin zeigt sich eine differenzierte Darstellung der Gestalt. Sie wird ohne Vorgeschichte als bestehende Größe eingeführt, lediglich im Rahmen der Verleumdungsepisode wird ihre gute Herkunft erwähnt. Thematisiert wird jedoch auch hier vielmehr ihre edle und milde Handlungsweise gegenüber der seinerzeit ertappten Betrügerin, die ihr nun zum Nachteil gereicht. Allerdings blei­ben milte und gúte als notwendige Eigenschaften der Königin durchweg positiv be­urteilt und die Episode wird durch Ginovers ebenfalls barmherzige Vergebung gegenüber den reumütigen Baronen von Tamelirde abgeschlossen.

Ein weiteres unentbehrliches Charakteristikum ist ihre Schönheit, die ihr von allen Seiten attestiert wird. Lediglich der Erzähler vergleicht ihre Wohlgestalt mit der anderer Frauen, wobei Ginover nicht nur hinter Elaine Ohnegleichen, sondern auch hinter Galaads Mutter zurückstehen muss. Die Huldigung, die Amide-Elisabeth als Mutter des guten Ritters gewidmet wird, ergibt sich aus deren tugendhafter Über­legenheit in der heilsgeschichtlichen Dimension. Sie ist nicht nur byderb und hubsch wie eine rose,[118] hinzu kommt Gottes groß gnad. So wird bereits hier Ginovers Versagen im Gralsgeschehen angedeutet. Da die äußere Schönheit der inneren entspricht, ist auch diese durch den Schatten der Sünden, derer sie sich aus christlich-asketischer Perspektive schuldig machen wird, getrübt.

Bezüglich des Begriffes byderbekeit, der oft im 'Prosa-Lancelot' fällt, weist Wiebke Freytag darauf hin, dass dieser anstelle des sonst für das höfische Epos charakteris­tischen Tugendkatalogs steht. Als Sammelbegriff für menschliche Tugenden ist byderbekeit zwar eine Gabe Gottes, die hohe Anerkennung findet, aber in ihren Wirkungen, insbesondere in ihrer Bindung ans Leibliche und ans Affektive, auch moralisch fragwürdig sein kann. Wiebke Freytag stellt fest: "Auch die biederbekeit unterliegt offensichtlich der Ambivalenz, die den Prosaroman prägt."[119]

Ihren Rittern ist sie eine über alles geliebte Königin, die sie auszeichnet, ihre ritter­liche Bewährung befördert und bestätigt. In ihrem Bemühen, gegenseitiger Achtung und Fürsorge erfüllen sowohl Ritter als auch höchste Minneherrin ihre Verpflichtun­gen in vollkommener Weise. Geschickt weiß Ginover auch die Beziehung zu Lancelot als ein solches höfisches Dienstverhältnis in der Öffentlichkeit darzu­stellen. Hierbei beweist sie eine Wortgewandtheit, die in der Ausnutzung von Doppel­deutigkeiten, höfischen Topoi und uneigentlicher Rede meisterlich ist.[120]

Auf die Ausführungen des selbsternannten Verteidigers der Furt, der ihr in einer relativ langen Rede die Schande darlegt, mit der sich ein Ritter bei einem ungleichen Kampf bedeckt, reagiert Ginover nicht. Eine Bestätigung derartiger ritterlicher Regeln ist jedoch seitens der Königin offensichtlich nicht erforderlich. Es findet sich ebenso keine Situation, in der höfische Doktrinen ihrerseits infrage gestellt werden. Allerdings ist die Bedeutung, Adressat einer solchen Ausführung zu werden, diesen Regeln in gleicher Weise unterstellt zu sein. Die Königin erscheint damit also nicht als Autorität über Recht und Moral, und zwar weder im Sinne einer Expertin, die allumfassende Kompetenz nachweisen könnte, noch im Sinne einer Legislative.[121]

In der Episode um die 'Falsche Ginover' wird die große Beliebtheit der Königin bei Hofe in besonderem Maße deutlich. Selbst eine mögliche Schuld Ginovers – sie steht also nicht außerhalb jeden Zweifels – tut der Zuneigung und Hingabe des Hofge­sindes keinen Abbruch. Ritter und Damen der Hofgesellschaft huldigen der Königin, sobald ihre Unschuld offenbar wird, und nehmen eine eindeutige Position gegen den König ein. Übertroffen wird diese bedingungslose Liebe vom volck, den Bewohnern der Stadt, die sich arm lút nennen und die verurteilte Königin beweinen, sogar Artus als ungetruwe bezeichnen und diesem prophezeien, er werde seine Tat bereuen.

Dass der König seine Macht ständig präsent halten muss, um ein Zerfallen des Reiches zu verhindern, und die Königin hierauf wenig oder sogar keinen Einfluss hat, wird nach der Entführung Artus' in der Episode um die 'Falsche Ginover' eben­falls deutlich. Herrschaft muss repräsentiert werden, diese Leistung kann die Königin allein nicht erbringen.

Ihre verführerische Schönheit, ihre Angewiesenheit auf ritterliche Verteidiger, die absolute Gebundenheit an herrschende Sitte und höfische Regeln, die nur mittels geschickter Wortwahl umgangen werden kann, treten in der Karrenritter-Episode wiederum deutlich hervor. Als neue Aspekte an der Figur erscheinen die Grenzen ihrer Barmherzigkeit und ein augenscheinliches Bedürfnis nach Rache gegenüber Meleagant nach dessen wiederholten Feindseligkeiten, das jedoch der Abwendung von Gefahren, die ihrer Person und dem Artushof drohen, dient. Ob das Konzept der milte uneingeschränkt in jeder Situation Anwendung finden kann, ist offensichtlich diskussionsfähig, wie es auch die Szene um den schwarzen Meliadus thematisiert.

Das nahezu zärtlich-fürsorgliche Verhältnis zwischen der Königin und den Artus­rittern verändert sich durch Ginovers Beziehung zu Lancelot gravierend. Eine Ab­qualifizierung Lancelots durch großsprecherische Reden seitens der Ritter kann Ginover nicht akzeptieren. Daher trägt sie für eine Demütigung der Ritter Sorge und schürt so Neid und Mißgunst. Wie von dem Erzähler bereits vorausgedeutet, entlädt sich diese Spannung bei der Ergreifung Ginovers in ihrem Schlafzimmer, nachdem ihr Liebhaber Lancelot geflüchtet war, in doppelt betonter Kränkung[122] und verächt­lichen Beschimpfungen.[123] Bereits vor diesem Höhepunkt der Mißachtung zeigen sich die Ritter, im Gegensatz zu ihrem Verhalten in der Episode um die 'Falsche Ginover', in der Situation der Anklage um die vergifteten Früchte merkwürdig distanziert. Der Grund ließ sich allerdings im problematischen Wahrheitsverständnis, das sich allein auf das Augenscheinliche bezieht, eruieren.

2.2 Ginover als Artus Ehegattin

Da in diesem Teil der Arbeit das Augenmerk auf die Darstellung der Ginover-Figur in ihrer Rolle als Artus' Ehefrau gerichtet werden soll, sind vorab einige Bemerkun­gen zur Präsentation der Artusfigur angebracht. Der legendäre König wird zu Be­ginn des Romans als das bekannte, traditionell unermesslich gute und gerechte Vor­bild geschildert; auch im weiteren Verlauf des Geschehens wird die dem Rezipienten ver­traute Idealgestalt immer wieder durch Figurenrede oder Erzählerkommentar be­stä­tigt.[124] Im konkret er­zählten Handeln jedoch wirkt der König oftmals unbeholfen und ratlos, wenn er auch im 'Prosa-Lancelot' weit aktiver und kämpferischer, also königlicher – wie Fritz Peter Knapp betont – dargestellt wird als bei Chrétien.[125]

Er diskreditiert sich durch Unentschlossenheit, Fehlentscheidungen und vordergründiges Ehrverständnis.[126] Aus den fatalen Folgen und der Vision des Untergangs gewinnt – wie Michèle Remakel feststellt – die Figur ihre unklassischen Züge.[127] Wie die Darstellung der Artusfigur im Herrschaftsbereich zwischen Lobeshymnen und Unfähigkeit pendelt, so bewegt sich auch die Verbindung zu Ginover zwischen höfischer Idealehe und beiderseitigem Fehlverhalten. Die folgende Untersuchung begleitet das Herrscherpaar in der Chonologie der erzählten Zeit, wobei allerdings allein aufgrund des Umfangs einige wenige Auslassungen erforderlich sind.

Das folgende, erste Kapitel befasst sich mit der Beziehung, wie sie zu Beginn des 'Prosa-Lancelot' präsentiert wird, das zweite mit der Ehe nach Ginovers Eingehen des Minnebundes durch den Austausch des ersten Kusses mit Lancelot. Im dritten Kapitel wird die Episode um die Schlacht am Sachsenfels betrachtet, im vierten die der 'Falschen Ginover' als Steigerung der ersten beiderseitigen Untreuehandlung. Mit dem Verhältnis nach Bewältigung dieser Krise befasst sich das fünfte Kapitel, das sechste mit der Artus-Ginover-Beziehung während der Karrenritter-Episode. Der außergewöhnlichen Dreieckskonstellation Artus-Ginover-Lancelot ist das siebte Kapitel gewidmet, das letzte Analyse-Kapitel befasst sich mit dem Paar im finalen Teil, dem 'Tod des König Artus'. Abschließend werden die Ergebnisse zu einem weiteren Profil der Ginover-Figur als Arturische Königin zusammengefasst.

2.2.1 Das einmütige Ehepaar

Das Zusammensein des Herrscherpaares findet hauptsächlich in der Öffentlichkeit statt. Wenn auch Ginovers und Artus' Handeln von Einvernehmen geprägt ist, deu­ten sich bereits im ersten Teil des 'Prosa-Lancelot' bei Lancelots Ankunft am Hofe unter­schiedliche Wahrnehmungen an: Artus betrachtet Lancelot wohlwollend auf­grund seines Auftretens, Ginover allerdings scheint es so, als sei er schlecht erzogen:

…sie ducht das er bößlich geleret was...[128]

Artus bemerkt dessen unpassendes Verhalten nicht. Die Ausgestaltung der Szene vermittelt bereits hier die Ginover-Figur als eine, die – im Gegensatz zur Artus-Figur – zu einer tiefgründigeren Wahrnehmung fähig ist. Dieses Bild wird im Folgenden verstärkt.

In der Darstellung des Herrscherpaares insbesondere vor dem Ehebruch Ginovers wird deutlich, dass der Königin eine ausgleichende Funktion zukommt. Sie steht ihrem Gatten mit Rat und Tat zur Seite.[129] Artus erhält von Ginover Belehrungen,[130] der bei mancher Gelegenheit tiefere Einsichten in das Geschehen zugeschrie­ben werden, allerdings ohne dass sie diese stets Artus mitteilt. So schweigt sie, als Artus Lancelot erlaubt, von der Dolorosen Garde fortzureiten, obwohl alle Leute der Burg rufen, er solle ihn festhalten. Später allerdings erklärt sie Lancelot gegenüber:

"Das was mir werlich leit", sprach sie; "hett er uch gefangen, so wer alles das zauber ab gethan das in der burg was..."[131]

Dieses Motiv, dass Ginover mehr weiß, als sie Artus mitteilt, wird immer wieder auf­tauchen, meistens harmlos verlaufen, aber in einem Falle zu einer tragischen Fehl­entscheidung von Artus führen.[132] Hier jedoch an dieser Stelle ist ihr Schweigen unproblematisch: Zum einen wird Artus ohnehin bereits lautstark aufgefordert, Lancelot nicht gehen zu lassen, zum anderen würde ein Eingreifen Ginovers in dieser Situation als respektlos gelten. Zum Zeitpunkt ihrer Erklärung, sie habe es besser ge­wusst, ist darüber hinaus die Erlösung der Burg bereits vollendet.

2.2.2 Herrscherehe als Formalität

Das eheliche Verhältnis zwischen Ginover und Artus wird zumeist als formell und distanziert dargestellt: Ginover spricht von ihrem Herrn und König[133], gewöhnlich schlafen sie in getrennten Gemächern oder Zelten. Allerdings betont Artus immer wieder seine große Liebe zur Königin.[134] Nach Lancelots Liebesgeständnis und der Begründung ihres Minnebundes befindet sich Ginover nicht nur in Hochstimmung, sondern neigt mehr und mehr dazu, ihren Gatten zu tadeln und regelrecht vorzu­führen. Besonders augenfällig wird dies am Morgen nach ihrem ersten Kuss:

Sie funden den konig off sym bet ligen; das det er umb myns herren Gawans willen und umb ander syner gesellen, das er sie wolt laßen rugen. "Diß ist werlich fast ubel getan", sprach die konigin, "herre, das ir zu dirre zitt tages off uwerm bette ligent!" Sie kerte umb und ging wiedder ußer jhem pavilun; die frau von Maloaut ging mit ir und noch dry frauwen und dazu jungfrauwen.[135]

Gerade in der Betonung, dass Artus nur die anderen Ritter ausruhen lassen wollte und daher noch länger liegen blieb, verstärkt die Erzählweise den Eindruck der hoch­mütig durch das Zelt rauschenden Damen. Herausgestellt wird Ginovers Gewissheit, dass sie mit der Bindung des besten Ritters an ihre Person hinsichtlich der inner­höfischen Machtverhältnisse im Vorteil ist.

Ginovers Beisammensein mit Artus beschränkt sich hauptsächlich auf höfische Funk­tionen,[136] in der Darstellung der Beziehung wird der Herrschaftsaspekt betont. Die Ehe als solche steht nicht im Vordergrund, so wird durch die Ginover-Figur zunächst keine Gewissensregung formuliert, kein Gedanke, dass die Vereinigung mit Lancelot dem Ehebündnis widersprechen könnte.

Taktisch klug erkennt Ginover, dass Treffen in der Öffentlichkeit wesentlich unver­fänglicher sind als geheime Rendezvous: So gehen der König in Begleitung vieler Ritter und die Königin mit vielen Hofdamen und Mädchen auf der Wiese am Ufer des Flusses spazieren; von hohen Stauden beschirmt umarmen sich die beiden Paare Ginover und Lancelot sowie die Frau von Maloaut und Galahot.[137] Auch nach ihrer Rückkehr an den Hof versucht Ginover Artus dafür zu benutzen, ein Treffen mit ihrem Geliebten zu arrangieren.[138] Dieses Verhalten wird weder durch Erzähler­kommentar noch irgendeine Figurenrede kritisiert oder auch durch in der Erzählung entwickelte Konsequenzen geahndet.

In diesem Falle gelingt ihr Vorhaben allerdings nicht: Artus versinkt in gedencken,[139] seine unbedachten Worte nötigen Gawan zur Suche nach Lancelot aufzubrechen. Der König bereut seine Worte, bittet Ginover ihn aufzuhalten, deren Bitten jedoch von Gawan nicht entsprochen wird. Artus lässt sich von Ginover nicht beruhigen und zieht sich untröstlich in sein Gemach zurück. Er wirft sich auf sein Bett und jammert laut, während Ginover klug und überlegt mit ihren Hinweisen an Gawan dafür Sorge trägt, dass dessen Suche nach Lancelot nicht vergebens sein wird.[140]

[...]


[1] Zur Genese vgl. Mertens, Volker: Der deutsche Artusroman. Philipp Reclam jun. Stuttgart 1998. S. 145-151; Tilvis, Pentti: Prosa-Lancelot-Studien I-II. Suomalainen Tiedeakatemia, Helsinki 1957; Rothstein, Katja: Der mittelhochdeutsche Prosa- Lancelot. Eine entstehungs- und überlieferungsge­schichtliche Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der Handschrift Ms. allem. 8017-8020. Diss. Köln 2003. Peter Lang, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2007 (Kultur, Wissenschaft, Literatur 15); Steer, Georg: Der Heidelberger 'Prosa-Lancelot'-Codex Pal. germ. 147. Fragen seiner Entstehung, Sprache und Herkunft. Schweinfurter Lancelot-Kolloquium 1984. Erich Schmidt Verlag, Berlin 1986 (Wolfram-Studien IX). S. 10-16.

[2] Cornelia Reil versteht "den Prosa-Lancelot als einen Text, der [...] in einer Verbindung aus histori­scher, fiktionaler und heilsgeschichtlich orientierter literarischer Tradition eine Art 'Geschichts-Roman' schafft, der der Geschichte des Artusreiches [...] ein Denkmal setzt." Reil, Cornelia: Liebe und Herr­schaft. Studien zum altfranzösischen und mittelhochdeutschen Prosa-Lancelot. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1996 (Hermaea, N. F., 78). S. 250-251.

[3] Vgl. Ruberg, Uwe: Raum und Zeit im Prosa-Lancelot. Wilhelm Fink Verlag. München 1965 (Medium Aevum 9). S. 10. Auch Rudolf Voß spricht von einer Artuswelt, die "als eine wenn auch großartige historische Erscheinung gesehen [wird], die den Schwankungen der Machtverhältnisse und dem Wider­spiel differierender sozialer Kräfte ausgesetzt ist," und sieht hierin das Ende der "hohen Zeit einer dichterischen Konzeption von Weltganzheit", an deren Stelle eine "radikale weltanschauliche Unsicher­heit" tritt. Voß, Rudolf: Der Prosa-Lancelot. Eine strukturanalytische und strukturvergleichende Studie auf der Grundlage des deutschen Textes. Diss. Mainz 1968. Anton Hain, Meisenheim am Glan 1968 (Deutsche Studien 12). S. 45, 67.

[4] Vgl. Reil, Cornelia: Liebe und Herrschaft. (Hermaea, N. F., 78). S. 235, 250-251.

[5] Remakel, Michèle: Rittertum zwischen Minne und Gral. Untersuchungen zum mittelhochdeutschen Prosa-Lancelot. Diss. Freiburg 1993. Peter Lang, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 1995 (Mikrokosmos 42). S. 10.

[6] Vgl. Reil, Cornelia: Liebe und Herrschaft. (Hermaea, N. F., 78) S. 247.

[7] Auf diese neuen Möglichkeiten weist u. a. Uwe Ruberg hin. Vgl. Ruberg, Uwe: Raum und Zeit im Prosa-Lancelot. (Medium Aevum 9). S. 11.

[8] Vertreten durch die Ausgabe von Alexandre Micha (Hg.): Lancelot. Roman en prose du XIIIe siècle. Bd. I-IX. 1978-1983 (Textes Littéraires Français Bdd. 247, 249, 262, 278, 283, 286, 288, 307, 315), hauptsächlich version longue oder version de Paris (α), Teile nach der version courte oder version de Londres (β).

[9] Danielle Buschinger konstatiert zwei Haltungen, die gegenüber dem deutschen 'Prosa-Lancelot' ein­genommen werden. Er wird als bloße – nicht einmal sorgfältige und genaue – Übersetzung des franzö­sischen Romans gesehen oder als selbstständige Gestaltung des überlieferten 'Stoffes', eine literarische Leistung, die an sich – ohne Beachtung des französischen Textes – zu werten ist. Vgl. Buschinger, Danielle: Zum Verhältnis des deutschen 'Prosa-Lancelot' zur altfranzösischen Vorlage. Schweinfurter Lancelot-Kolloquium 1984. Erich Schmidt, Berlin 1986 (Wolfram-Studien IX). S. 46-89, hier: S. 46.

[10] Lancelot und Ginover I und II. Lancelot und der Gral I und II. Die Suche nach dem Gral. Der Tod des Königs Artus. Prosalancelot I-V. Nach der Heidelberger Handschrift Cod. Pal. germ. 147, heraus­gegeben von Reinhold Kluge. Übersetzt, kommentiert und herausgegeben von Hans-Hugo Steinhoff. Deutscher Klassiker Verlag. Frankfurt am Main 2004 (Bibliothek des Mittelalters 14-18), im Folgenden zitiert als PL Bd. I, PL Bd. II, PL Bd. III, PL Bd. IV bzw. PL Bd. V.
Einen Überblick über die Episodenfolge bietet die Zusammenstellung im Anhang dieser Arbeit.

[11] Husserl, Edmund: Die Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phänome­nologie. Nijhoff, Den Haag 1962 (Husserliana VI). S. 372.

[12] Vgl. Hörisch, Jochen: Die Wut des Verstehens. Zur Kritik der Hermeneutik. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988.

[13] D. h. auch entsprechend des Hermeneutischen Zirkels unter Berücksichtigung Gadamers Aufforde­rung: "So gibt es gewiss kein Verstehen, das von allen Vorurteilen frei wäre, so sehr auch immer der Wille unserer Erkenntnis darauf gerichtet sein muss, dem Bann unserer Vorurteile zu entgehen." Gadamer, Hans-Georg: Wahrheit und Methode. Band 1. Mohr Siebeck, Tübingen 1990, S. 494.

[14] Katja Rothstein weist in ihrer Untersuchung darauf hin, dass aufgrund seiner diachronen Entstehung der mittelhochdeutsche 'Prosa-Lancelot' weder textgeschichtlich noch literarisch als geschlossen betrach­tet werden kann und dies ein wesentliches Merkmal nicht nur in entstehungsgeschichtlicher, sondern auch in literarischer Hinsicht darstellt. Vgl. Rothstein, Katja: Der mittelhochdeutsche Prosa- Lancelot. (Kultur, Wissenschaft, Literatur 15). S. 128.

[15] Marie de France: Die Lais. Übersetzt, mit einer Einleitung, einer Bibliographie sowie Anmerkungen versehen von Dietmar Rieger. Wilhelm Fink Verlag. München 1980. S. 224, Z. 259 bis S. 228, Z. 324.

[16] Das Verhältnis zu einzelnen Figuren wird in den folgenden vier Teilen der Arbeit genauer betrachtet werden: Teil 2.2 richtet den Blick auf die Herrscherehe zwischen Artus und Ginover, Teil 2.3 auf die Liebesbeziehung mit Lancelot. Im Teil 2.4 werden unterschiedliche Figurenkonstellationen untersucht.

[17] Vgl. Kommentar von Hans-Hugo Steinhoff. PL, Band II, S. 790-791.

[18] PL Bd. I, S. 12, Z. 19-25

[19] Vgl. Ruberg, Uwe: Raum und Zeit im Prosa-Lancelot. (Medium Aevum 9). S. 105 f.

[20] PL Bd. I, S. 86, Z. 2-9

[21] unehelicher Sohn des Königs Ban von Bonewig, Halbbruder Lancelots

[22] PL Bd. I, S. 86, Z. 9-11

[23] PL Bd. I, S. 86, Z. 15-22

[24] PL Bd. I, S. 366, Z. 13-14

[25] PL Bd. I, S. 800, Z. 28-29

[26] PL Bd. I, S. 324, Z. 7-13; S. 932, Z. 10-23

[27] PL Bd. I, S. 1246, Z. 2-5

[28] PL Bd. I, S. 1244, Z. 24 bis S. 1246, Z. 2; S. 1248, Z. 9-14

[29] Vgl. Kommentar von Hans-Hugo Steinhoff. PL Bd. II, S. 875 zu 418,19-420,13.

[30] Der Artusritter Key macht sich hier, in der Anfangszeit des Arturischen Reiches, um Artus so verdient, dass er später seine herausgehobene Position als Truchseß am Artushof einnehmen wird.

[31] PL Bd. I, S. 420, Z. 4-7

[32] Hans Fromm weist auf das Schema eines kontextlich erklärbaren, harmlosen Verhaltens als 'in der Tiefenstruktur' vorausweisendes Chiffre hin. Vgl. Fromm, Hans: Zur Karrenritter-Episode im Prosa-Lancelot. In: Medium Aevum deutsch. Beiträge zur deutschen Literatur des hohen und späten Mittel­alters. Festschrift für Kurt Ruh. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1979. S. 69-98, hier: S. 79.

[33] Die Priester, die zuerst Artus' Träume gedeutete hatten, sahen einen Wasserlöwen, aber: Die dir von dem lewen sageten die waren [...] mit werltlichen sunden bekumert, darumb ducht sie das sie den lewen in dem waßer sehen, wann sieselb in dem waßer waren, das was in den unreynen werltlichen sunden. Weren sie also gewesen als sie zu recht solten syn, getruwe und reyne, milt und barmherczig, geistlich und vol tugende, sie hetten den lewen in dem waßer nit gesehen. PL Bd. I, S. 670, Z. 18-25

[34] insbesondere unheimlich unterirdische pfucz oder pf ůle

[35] Hans-Hugo Steinhoff weist darauf hin, dass das durch Liebesgedenken, Sorgen oder Ahnungen aus­gelöste bannhafte Versinken in einen Zustand träumerischer Selbstvergessenheit zu den Chiffren gehört, mit denen die problematischen Charaktere des Prosa-Lancelot gekennzeichnet werden: Lancelot, Artus, Ginover. Vgl. PL, Bd. II, S. 851, zu 320,30. Das gedencken ist (im Gegensatz zum Erinnern im positiven Sinne als eine Rekapitulation der Ereignisse) geprägt von einem tiefen Sinnen, durch das der Denker schlagartig in Isolation gerät. Er vergisst nicht nur die Umwelt vollständig, sondern auch sich selbst. Vgl. Ruberg, Uwe: Raum und Zeit im Prosa-Lancelot. (Medium Aevum 9). S. 173-174.

[36] Zu den Landschaftselementen und ihrer Funktion, insbesondere der Gewässer, vgl. Ruberg, Uwe: Raum und Zeit im Prosa-Lancelot. (Medium Aevum 9). S. 52-57.

[37] Horst Koch weist darauf hin, dass die Möglichkeiten der Sublimierung im 'Prosa-Lancelot' zeitgemäß beschränkt sind und im Wesentlichen an eigentlicher Darstellungsweise festgehalten wird. Vgl. Koch, Horst: Studien zur epischen Struktur des Lancelot-Prosaromans. Diss. Köln 1965. S. 34, 36.

[38] Insbesondere Key tötet drei der feindlichen Ritter.

[39] vertreten durch die Ausgabe von Micha, s. S. 5, Fußnote 8 dieser Arbeit. Vgl. Kommentar von Hans-Hugo Steinhoff. PL Bd. II, S. 876, zu 422, 6-22: Indiz für emphatische Anteilnahme eines Bearbeiters oder des Übersetzers?

[40] PL Bd. I, S. 420, Z. 32 bis S. 422, Z. 22

[41] Gawan will im Gerichtskampf Ginovers Unschuld bezeugen. Da für die falsche Ginover der kampf­erprobte, aber bereits sehr alte Bertelac (vgl. Fußnote 47 auf S. 11 dieser Arbeit) eintreten soll, verbietet ihm seine ere, diesen ungleichen Kampf zu beginnen. PL Bd. II, S. 48, Z. 7 bis S. 50, Z. 23

[42] PL Bd. II, S. 32, Z. 5 bis S. 34, Z. 36

[43] PL Bd. II, S. 36, Z. 27-28

[44] PL Bd. II, S. 42, Z. 1-2
In der altfranzösischen Vorlage, vertreten durch die Ausgabe von Micha, s. S. 5, Fußnote 8 dieser Arbeit, sind beide Ginover Halbschwestern, die sich einander so ähnlich sahen, dass selbst jene, die sie aufzogen, Mühe hatten sie zu unterscheiden. Vgl. Kommentar von Hans-Hugo Steinhoff. PL Bd. II, S. 971, zu 52,20f.

[45] Vgl. Kommentar von Hans-Hugo Steinhoff. PL Bd. II, S. 969-970, zu 44,19-21.

[46] PL Bd. II, S. 52, Z. 14-17

[47] Bertelac, ein großer, starker Ritter mit grauem Haar und Narben, die von vielen erfolgreich ge­fochtenen Kämpfen zeugen, schon zu Zeiten der Krönung des Königspaares 'der Alte' genannt und in einem Alter, das verbietet Unrecht oder Verrat zu fördern, spürte jene Ginover, Tochter des Truchseß', auf, nachdem dessen Plan die Braut zu tauschen fehlgeschlagen war, und bietet ihr an sie zur Königin von Tamelirde zu machen. PL Bd. II, S. 32, Z. 34, S 40, Z. 6, S. 42, Z. 14-24, S. 52, Z. 30-32

[48] PL Bd. II, S. 52, Z. 19-30

[49] PL Bd. II, S. 88, Z. 2-5

[50] Galahot aus Sorelois, Sohn der Schönen Riesin, ehemals ein mächtiger Herrscher, hat sich um der Freundschaft Lancelots willen Artus unterworfen und ist einer seiner Ritter geworden.

[51] PL Bd. II, S. 96, Z. 29-36 bis S. 102, Z. 31; S. 106, Z. 17-27; S. 108, Z. 5-28; S. 112, Z. 31-35

[52] PL Bd. II, S. 122, Z. 15-23

[53] Im Ausgang des Kampfes der für die jeweilige Partei eintretenden Ritter offenbart sich Gottes Wille: Der für das Rechte Kämpfende wird durch Gott gestärkt, so dass sichergestellt ist, dass im Unterliegen des Anderen dessen Unrecht bezeugt ist. Der Ablauf ist festgelegt: Die Anklage wird erhoben, der ent­sprechende Eid formuliert, dann treten erst die Ritter in geregelter Tjost gegeneinander an.

[54] PL Bd. II, S. 138, Z. 17-20

[55] PL Bd. II, S. 140, Z. 16-17

[56] PL Bd. II, S. 146, Z. 2-5; S. 148, Z. 12-18

[57] PL Bd. II, S. 164, Z. 17-19

[58] PL Bd. I, S. 1284, Z. 7-8

[59] PL Bd. I, S. 1284, Z. 14-20

[60] Vgl. Remakel, Michèle: Rittertum zwischen Minne und Gral. (Mikrokosmos 42). S. 46.

[61] PL Bd. I, S. 1284, Z. 9-10

[62] Die Schwester oder Halbschwester Artus' spielt als eifersüchtige Feindin Ginovers die Gegenrolle zur Frau vom See. Morgane hasst Ginover - wie berichtet wird - seit langem. Inwiefern die Königin hierzu ihren Beitrag leistete, bleibt offen. Dass Ginover ihr allerdings vormals einen Ring geschenkt hat, der dem Lancelots so sehr ähnelt, dass sie ihn unbemerkt austauschen und Lancelots Ring hier als Be­weisstück vorlegen kann, spricht für einen ehemals freundschaftlichen Umgang, jedenfalls von seiten Ginovers. Nun weiß die Königin um die Gefährlichkeit Morganes, wie in ihren Worten zu sehen ist, mit denen sie Lancelot warnt: Herre, haßt uch Morgane, so múßent ir uch vor ir huten, wann es eyn wyb ist die wol zu forchten ist; sie mocht den besten und fr ůmsten man der welt umb syn ere bringen. PL Bd. III, S. 820, Z. 8-11

[63] PL Bd. II, S. 286, Z. 1-11

[64] Morgane entwendete Lancelot den Ring, den Ginover ihm als Minnepfand überlassen hatte, und lässt ihn von ihrer Botin hier als Beweismittel für deren unrechte Minne vorlegen. Vgl. oben: Fußnote 62.

[65] PL Bd. II, S. 488, Z. 10-12

[66] PL Bd. II, S. 488, Z. 23-26

[67] PL Bd. II, S. 492, Z. 8-10

[68] PL Bd. II, S. 516, Z. 18 bis S. 518, Z. 23

[69] Meleagant, Sohn des Königs Bandemagus von Gorre, erscheint am Artushof und fordert zunächst Lancelot heraus. Da dieser nicht anwesend sei, fährt Melegant mit seiner Provokation fort, sei Artus ge­sagt, dass sein Vater einige von Artus' Leuten in seiner Gefangenschaft habe. Er lasse diese frei, wenn ein Artusritter gegen ihn antritt und gewinnt, verliert dieser allerdings, werde er die Königin mitnehmen.

[70] Key oder Kei ist traditionell eine Kontrastfigur, unhöfische Gestalt des klassischen Artusromans, dessen Funktion als negativer Held allerdings im 'Prosa-Lancelot' verblasst, da er – wie Rudolf Voß feststellt – dem "allgemeinen Bild des Hofes insofern näher rückt, da er positiv wie negativ beurteilt wird, ohne dass sich [...] die verschiedenen Aspekte zu einem einheitlichen Charakterbild zusammenfügten." Voß, Rudolf: Der Prosa-Lancelot. (Deutsche Studien 12). S. 64. Seine herausgehobene Stellung am Artushof wird in historisierenden Elementen des 'Prosa-Lancelot' durch hervorragende Dienste für Artus gerecht­fertigt (vgl. Fußnote 30, S. 9, sowie 38, S. 10 dieser Arbeit), darüber hinaus hat Key hier eine durchaus ehrenhafte Moti­vation: die Befreiung der Gefangenen und die Abwendung von Schande für Artus.

[71] Eine Bitte wird vorgetragen, ohne jedoch ihren Inhalt zu spezifizieren. Deren Gewährung gehört zur costume und verweist hier auf Artus als großzügigen Herrscher, der keinem eine rechte Bitte abschlägt. Das "rash-boon"-Motiv ist im Artusroman ein weit verbreitetes Erzählmotiv und als Auslöser für Aven­türen besonders beliebt. Walter Haug weist darauf hin, dass dieses Motiv gelegentlich benutzt wurde, Kritik an der Leichtfertigkeit des Königs zu üben, es sich im Prinzip aber um ein neutrales Ansatzmotiv handelt, "um einen Mechanismus, der die Handlung in Gang zu bringen hat." Haug, Walter: Das Land, von welchem niemand wiederkehrt. Mythos, Fiktion und Wahrheit in Chrétiens 'Chevalier de la Charrete', im 'Lanzelet' Ulrich von Zatzikhoven und im 'Lancelot'-Prosaroman. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1978 (Untersuchungen zur deutschen Literaturgeschichte 21). S. 27. Zur Gefahr dieses Brauchs vgl. Köhler, Erich: Trobadorlyrik und höfischer Roman. Aufsätze zur französischen und pro­venzalischen Literatur des Mittelalters. Rütten und Loening, Berlin 1962 (Neue Beiträge zur Literatur­wissenschaft 15). S. 205-212 und S. 295-296.

[72] PL Bd. II, S 318, Z. 33 bis S. 320, Z. 11

[73] PL Bd. II, S. 320, Z. 12-14

[74] tjost: 1. Turnier- bzw. Zweikampf mit der Lanze, 2. auch (und hier gemeint): einzelner Lanzenstoß

[75] PL Bd. II, S. 320, Z. 16-27

[76] PL Bd. II, S. 410, Z. 32-33

[77] Die Königin wird ihm dafür immer dankbar und freundschaftlich zugetan sein, so verbindet sie ihn auch nach seinem Beitritt zur Tafelrunde mit Lancelot: Die konigin sprach: "Konig Bandemagus, ich han uch lieb, darumb bitt ich uch und Lancelot n ůn furbas me gesellen zu syn und getruw gesellschafft einander zu bewisen und uch frund und gesellen zu halten me dann ÿmands anders." PL Bd. III, S. 824, Z. 19-23

[78] PL Bd. II, S. 412, Z. 3-9

[79] PL Bd. II, S. 420, Z. 16-26

[80] PL Bd. II, S. 422, Z. 8-10

[81] PL Bd. II, S. 422, Z. 10-12

[82] Auf die Verbindung zwischen den verräterischen Blutspuren im Bett und dem Gottesgericht als szenisches Zitat aus dem 'Tristan' werde ich insbesondere mit Blick auf dessen Bedeutung für die Dar­stellung der Lancelot-Ginover-Minne im Kap. 2.3.10, S. 66-67, eingehen.

[83] PL Bd. II, S. 424, Z. 1-32

[84] PL Bd. II, S. 474, Z. 25-29

[85] PL Bd. II, S. 476, Z. 8-9

[86] Vgl. Kap. 2.1.4, S. 14 dieser Arbeit.

[87] PL Bd. II, S. 496, Z. 3-5; S. 502, Z. 4-32; S. 518, Z. 30 bis S. 520, Z. 2

[88] Ausgenommen werden müssen nicht nur seine Verwandten Bohort, Lionel und Hector, sondern auch Gawan, der - wie auch sein Bruder Gaheries - selbst nach der Entdeckung des Verhältnisses mit der Königin seine Zuneigung zu Lancelot bewahrt. Vgl. Kap. 2.4.1, S. 82-83 dieser Arbeit.

[89] PL Bd. III, S. 748, Z. 9-12

[90] PL Bd. III, S. 746, Z. 34 bis S. 748, Z. 9

[91] PL Bd. III, S. 750, Z. 9-12

[92] Im Minnebann verliert sich der Minneritter im Anblick der Geliebten: Er ist verdacht nach ihr. Die Steigerung Lancelots schwerem gedencken zur Minneohnmacht und dessen Permanenz unterscheidet es vom trûren Parzivals und vom panser der Helden Chrétriens. Vgl. Ruberg, Uwe: Raum und Zeit im Prosa-Lancelot. (Medium Aevum 9). S. 176. Zum gedencken vgl. Fußnote 35, S. 10 dieser Arbeit.

[93] PL Bd. III, S. 752, Z. 32-34; S. 766, Z. 35 bis S. 768, Z. 35; S. 780, Z. 18-28

[94] PL Bd. III, S. 782, Z. 32-33

[95] Lancelots Vetter, Sohn des Königs Bohort von Gaune

[96] PL Bd. III, S. 784, Z. 1-5

[97] PL Bd. III, S. 806, Z. 17-21

[98] PL Bd. III, S. 806, Z. 22-24

[99] PL Bd. III, S. 814, Z. 27-29

[100] PL Bd. III, S. 814, Z. 32 bis S. 816, Z. 2

[101] Dieser Bruder Gawans wird nicht etwa als Musterritter präsentiert, sondern wird von Gawan wegen Verschlagenheit und unfuge kritisiert, vom Erzähler als hochvertig und unbarmherczig charakterisiert: Er greift einem Ritter hinterrücks an und lähmt ihm den Arm. Eine Jungfrau, die er zunächst vergewal­tigen wollte, verschmäht er unter Beschimpfungen, als er einen Aussatz an ihrem rechten Bein sieht. Für diese Untaten wird er verflucht und erkrankt an Arm und Bein. Gawans Blut heilt sein Bein, Lancelots kann sein Arm heilen. PL Bd. I, S. 954, Z. 5 bis S. 966, Z. 28.

[102] PL Bd. III, S. 816, Z. 2-5

[103] Darüber hinaus sind – wie angekündigt – alle Aventüren zu Ende, nachdem die höchste, die Suche nach dem Gral, bestanden wurde. Artus veranstaltet zwar noch Turniere, um die Ritter zu beschäftigen, aber die Aufmerksamkeit der Ritterschaft ist nicht mehr anderweitig in Anspruch genommen und somit nicht mehr von den Vorgängen bei Hofe abgelenkt.

[104] PL Bd. V, S. 550, Z. 23-36

[105] Es handelt sich um einen Mordanschlag von Avalan, der Gawan gilt. Die Königin bietet die Früchte dem in ihrer Nähe sitzenden Garheiß von Tharahen an. PL Bd. V, S. 666, Z. 19-36

[106] PL Bd. V, S. 686, Z. 8-10

[107] Artus und Lancelot handeln unter verschiedenen Bedingungen, vgl. Kap. 2.2.8, S. 36f. dieser Arbeit.

[108] PL Bd. V, S. 716, Z. 21-26

[109] Einen weiteren Gedanken zu dieser Szene möchte ich im Zusammenhang mit der Figur des Mordret in Kap. 2.4.8, S. 94-96 dieser Arbeit entwickeln.

[110] PL Bd. V, S. 720, Z. 18-33

[111] Mordret stammt aus dem inzestuösen Verhältnis zwischen Artus und dessen Halbschwester, der Mutter Gawans, und lebt offiziell als Artus' Neffe am Hof.

[112] PL Bd. V, S. 724, Z. 13-36; S. 734, Z. 34-37

[113] PL Bd. V, S. 742, Z. 6-11

[114] PL Bd. V, S. 744, Z. 28-30

[115] PL Bd. V, S. 746, Z. 27-33

[116] Zum Beispiel: PL Bd. I, S. 518, Z. 6 bis S. 520, Z. 2

[117] Vgl. S. 87 unter Kap. 2.4.4 und S. 93-94 unter Kap. 2.4.7 dieser Arbeit.

[118] Begriffe, mit denen auch die Figur der Ginover belegt wird

[119] Vgl. Freytag, Wiebke: Mundus fallax. Affekte und Rechte oder exemplarisches Erzählen im Prosa-Lancelot. Schweinfurter Lancelot-Kolloquium 1984. Erich Schmidt Verlag, Berlin 1986 (Wolfram-Stu­dien IX). S. 134-194, hier: S. 174, Anm. 144.

[120] Margondes, der für klug gesetzte Worte nicht empfänglich erscheint und Böses dabei denkt, wird von Lancelot mit Lanze und Schwert davon überzeugt, dass Ginover eine redliche Frau sei.

[121] So weitreichend ist nicht einmal die Autorität des Königs.

[122] ...und taden ir vil [...] schmacheit [...] So taden sie ir vil schmacheit an... PL V, S. 742, Z. 5-11

[123] Wobei das differenziert gezeichnete Bild des Hofes, auf das Rudolf Voß hinweist, nicht zu ver­nachlässigen ist. Die Divergenzen reichen bis in die Familie des Königs hinein: Gawan und sein Bruder Gaheries wenden sich auch nach der Aufdeckung des Ehebruchs weder von Lancelot noch von Ginover ab, während die übrigen Brüder, insbesondere Agravant, gegen sie arbeiten. Vgl. Voß, Rudolf: Der Prosa-Lancelot. (Deutsche Studien 12). S. 48.

[124] Beispielsweise durch Claudas und dessen Knappen: Vgl. PL Bd. I, S. 88, Z. 1 bis S. 90, Z. 31.

[125] Fritz Peter Knapp verknüpft die Darstellung des Königs mit seiner Feststellung, dass den ethischen Wertmaßstäben des herrschenden Kriegeradels in toto ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt wird. Das Selbstverständnis des Adels sei insbesondere dadurch gesprägt, dass jedem möglichen Prestigeverlust durch glanzvolle Demonstration von Leistung und Nützlichkeit entgegenzusteuern sei. Der 'monar­chischen' Spitze werde dabei eine mehr oder weniger passive Rolle zugeteilt. Eine Rangordnung solle sich allein durch persönliche Leistung begründen, die Pflichterfüllung manifestiere sich im Modell des chevalier errant und erhalte aus der fin' amor ihren Leistungsantrieb. Vgl. Knapp, Fritz Peter: Chevalier errant und fin' amor. Das Ritterideal des 13. Jahrhunderts in Nordfrankreich und im deutschsprachigen Südosten. Studien zum 'Lancelot en prose', zum 'Moriz von Craûn', zur 'Krone' Heinrichs von dem Türlin, zu Werken des Strickers und zum 'Frauendienst' Ulrichs von Lichtenstein. Passavia Universi­tätsverlag, Passau 1986 (Schriften der Universität Passau, Geisteswissenschaften 8). S. 71-74.

[126] Cornelia Reil weist darauf hin, dass Artus' Schwäche nicht – wie in Chrétiens Romanen oder im Tristanroman – rollentypisch oder strukturell zu verstehen sei. Sein Auftreten als Heerführer oder Kämpfer ließen sein Versagen, das bewusst gegen die chronikalischen Texte gesetzt erscheine, umso deutlicher hervortreten. Reil, Cornelia: Liebe und Herrschaft. (Hermaea, N. F., 78). S. 111.

[127] Vgl. Remakel, Michèle: Rittertum zwischen Minne und Gral. (Mikrokosmos 42). S. 43.

[128] PL Bd. I, S. 366, Z. 36-37

[129] Ratschläge erteilt Ginover beispielsweise in PL Bd. I, S. 604, Z. 17-20; Z. 22-25. Vor der Dolorosen Garde übernimmt Ginover Artus' Aufgaben, während er in Gedanken versunken an einem Bach sitzt, des was die konigin sere zu ungemach und die mit ir waren. PL Bd. I, S. 482, Z. 22-27

[130] PL Bd. I, S. 506, Z. 17-24

[131] PL Bd. I, S. 790, Z. 12-14

[132] Das Verschweigen der Prophezeiung seines Todes: Vgl. S. 38-39 unter Kap. 2.2.8 sowie Kap. 2.4.8, S. 94-96 dieser Arbeit.

[133] PL Bd. I, S. 718, Z. 21

[134] PL Bd. I, S. 770, Z. 16-19; PL Bd. II, S. 114, Z. 11 u.a.

[135] PL Bd. I, S. 808, Z. 34 bis S. 810, Z. 7

[136] PL Bd. I, S. 812, Z. 24-34

[137] PL Bd. I, S. 812, Z. 37 bis S. 814, Z. 36 – Die Frau von Maloaut hat sich als Vertraute Ginovers qualifiziert und wurde von dieser mit Galahot, dem Herrn von Sorelois, der sich um Lancelots Freund­schaft willen Artus untergeordnet hatte, in einer parallelisierten Liebesbeziehung verbunden.

[138] PL Bd. I, S. 826, Z. 16-19

[139] Zum gedencken vgl. Fußnote 35, S. 10 dieser Arbeit. Insbesondere Artus' gedencken wird allgemein als ein Ärgernis empfunden: "Wer gedenckt, ist nicht mehr imstande, aus eigener Kraft eine zukünftige Annäherung von idealem Bild und realer Wirklichkeit anzustreben." Vgl. Ruberg, Uwe: Raum und Zeit im Prosa-Lancelot. (Medium Aevum 9). S. 174-175.

[140] PL Bd. I, S. 836, Z. 19-29

Ende der Leseprobe aus 110 Seiten

Details

Titel
frau uber all frauwen. Die Figur der Ginover im mittelhochdeutschen ‚Prosa-Lancelot’
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Ältere Sprache und Literatur
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
110
Katalognummer
V266688
ISBN (eBook)
9783668196230
ISBN (Buch)
9783668196247
Dateigröße
1336 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Aus dem Gutachten: C. H. hat sich von dem in mancher Hinsicht monströsen deutschen 'Prosa-Lancelot' faszinieren und nicht abschrecken lassen und hat sich, was bislang noch niemand getan hat, die Figur der Ginover ausgesucht, um von dieser Figur und ihrer Rolle einen Zugang zu diesem "Geschichts-Roman" zu finden... einer im Ganzen durchaus überzeugenden Leistung...
Schlagworte
figur, ginover
Arbeit zitieren
Carola Puhle (Autor), 2008, frau uber all frauwen. Die Figur der Ginover im mittelhochdeutschen ‚Prosa-Lancelot’, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266688

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