Die wechselseitige Blockierung der Strategien in einem asymmetrischen Konflikt (am Bespiel des Konflikt: Israel-Palästina in der Zeit von 1994 bis 2003)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
27 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Definition „Asymmetrischer Konflikt“

III. Strategien in einem asymmetrischen Konflikt
III.I Die palästinensische Seite
III.II Die Strategien der Israelis

IV. Die gewaltsame Eskalation des Konflikts

V. Die diplomatische Eskalation des Konflikts

VI. Fazit

VII. Bibliographie

Anhang: Historische Karte Israels

I. Einleitung

Vorliegende Hausarbeit behandelt das Thema „Die wechselseitige Blockierung der Strategien in der Eskalation eines asymmetrischen Konflikts“. Das zweite Kapitel soll dazu dienen, den asymmetrischen Konflikt vom Begriff des allgemeinen Konflikts zu distanzieren. Es wird aufgezeigt, dass man in einem asymmetrischen Konflikt spezielle Strategien verfolgen muss, um zu gewinnen. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der asymmetrische Konflikt direkt am Beispiel Palästina und Israel verdeutlicht. Welche Strategien diese Völker anwenden, wird im dritten Kapitel herausgearbeitet. Im vierten und fünften Kapitel soll anhand von tatsächlich stattgefundenen Ereignissen dargestellt werden, dass der Konflikt, trotz Anwendung verschiedener Strategien eskaliert. Dies geschieht nicht nur aufgrund von zunehmender physischer Gewalt, sondern auch die Diplomatie hat sich in eine Sackgasse manövriert. Politische Entscheidungsträger sind nicht willig, sich gegenseitig Zugeständnisse zu machen, solange die Gewalt anhält. Gewaltaktionen werden aber solange nicht beendet, wie auf politischer Ebene keine Fortschritte erzielt werden. Ein Dilemma, welches es in Zukunft zu lösen gilt. Hierbei spielt die internationale Gemeinschaft eine große Rolle. Die Kompromisslosigkeit auf Seiten der Beteiligten ist zu groß, als dass sie selber zu einer Lösung des Konflikts beitragen können. Nur wenn Palästinenser und Israelis bedingungslos Vorschläge der internationalen Gemeinschaft akzeptieren, ist die Hoffnung auf Frieden in dieser Region gerechtfertigt. Diese Arbeit zeigt dies auf. Beide Völker blockieren ihre Strategien, was durch gegenseitige Gewaltaktionen verdeutlicht werden wird, in dem Maße, dass auf diplomatischer Ebene interveniert werden muss, damit nicht noch mehr Blut für Land und Frieden vergossen wird.

II. Definition „Asymmetrischer Konflikt“

Zur Definition des asymmetrischen Konflikts soll zunächst der Konflikt allgemein betrachtet werden. Johann Galtung sagt hierzu: „Wir definieren Konflikt als eine Eigenschaft eines Systems, in dem es miteinander unvereinbare Zielvorstellungen gibt, so dass das Erreichen des einen Zieles das Erreichen des anderen ausschließen würde.“ (Senghaas, 1972:235)

Diese Definition ist sehr allgemein gefasst und um sich dem Konflikt zwischen Israel und Palästina anzunähern soll noch der Konfliktbegriff nach Frank R. Pfetsch hinzugefügt werden.

Er schreibt:

Kennzeichnend für politische Konflikte in und zwischen Staaten ist, dass sich die Interessensgegensätze auf nationale Werte wie territoriale Unabhängigkeit, nationale Selbstbestimmung, Verfügung über das Entscheidungsmonopol, dass heißt, allgemein auf die Merkmale, die einen Staat kennzeichnen, beziehen müssen, dass die Interessengegensätze mit einer bestimmten Dauer ausgetragen werden und eine bestimmte Reichweite besitzen, dass heißt weite Bevölkerungskreise mit einbeziehen. (Pfetsch, 1994:2)

Im palästinischen-israelischen Konflikt geht es genau hierum. Die Palästinenser beanspruchen für sich territoriale Unabhängigkeit, nationale Unabhängigkeit und die Verfügung über das Entscheidungsmonopol. Hierfür kämpfen sie seit über 50 Jahre.

Doch zurück zur Definition des asymmetrischen Konflikts. Die aufgeführten Beispieldefinitionen zum Begriff „Konflikt“ sollen zunächst genügen. Im Gegensatz zur zweiten Definition ist die erste Definition sehr allgemein gehalten. Schon alleine an diesem Unterschied wird deutlich, wie schwierig es ist, eine passende für alle Konflikte gültige Definition zu finden. Betrachtet man verschiedene Definitionen von Konflikten, so stellt man fest, dass sie zudem nicht einheitlich sind, womit die kontroverse wissenschaftliche Diskussion über Konflikte wiedergespiegelt wird. Außerdem unterscheiden die verschiedenen Definitionen nicht klar zwischen einem neutralen Arbeitsbegriff, einer Bewertung des Phänomens Konflikt, sowie dessen Kontext und Ursächlichkeit.

Um zu einer brauchbaren Definition zu gelangen, muss man den Konflikt unvoreingenommen als sozialen Tatbestand betrachten. Wie in vielen Definitionen sollte man ihn nicht mit einer Austragungsform verwechseln. Außerdem darf er nicht durch einen Kontext unnötigerweise auf Merkmale reduziert werden, die seiner Komplexität nicht gerecht werden.

Bezüglich der Konfliktwahrnehmung unterscheidet man unter anderem zwischen symmetrischen und asymmetrischen Konflikt. Auch hierzu gibt es in der Literatur wieder verschiedene Definitionsversuche. Thorsten Bonacker und Peter Imbusch erklären, dass diese Differenzierung auf die Stärke und/oder Gleichberechtigung der Konfliktparteien abzielt. Symmetrisch wäre ein Konflikt, in dem die Voraussetzungen, Mittel und Kontexte der Konfliktparteien identisch sind. Das Ausmaß der Abweichungen von diesem Idealzustand würde den Grad der Asymmetrie verdeutlichen. (vgl. Imbusch/Zoll, 1996: 67)

Steven Metz schrieb in der Juli-August Ausgabe 2001 der Military Review einen interessanten Bericht bezüglich asymmetrischer Strategien. Diese müssen innerhalb eines asymmetrischen Konflikts angewandt werden und gehören somit auch zum Untersuchungsbereich, um sich der Natur des asymmetrischen Konflikts anzunähern. Steven Metz erklärt die strategische Asymmetrie folgendermaßen:

In den militärischen Angelegenheiten und in der Staatssicherheit ist Asymmetrie, unterschiedlich fungierend, organisierend, und denkend zu Konkurrenten, um relative Stärken, Schwächen, der Großstaatkonkurrenten zu maximieren oder größere Handlungsfreiheit zu gewinnen. Sie kann politisch-strategisch, militärisch-strategisch, funktionsfähig oder eine Kombination sein und hat unterschiedliche Methoden, Technologien, Werte, Organisationen oder Zeitperspektiven zur Folge. Sie kann kurzfristig, langfristig, überlegt oder impulsiv sein. Sie kann getrennt oder auch ausgeübt in Verbindung mit symmetrischer Annäherung ausgeführt werden.[1]

Betrachtet man verschiedene Konflikte zu verschiedene Zeitpunkten, so stellt man fest, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass es in fast jedem Konflikt Momente der Asymmetrie gibt – auch in bezug auf Kriege zwischen zwei Nationen. Hier verstand man unter Asymmetrie Methoden, in Form von Manövern oder technologischem Vorteil.

Der Mongolenführer Dschingis Khan zum Beispiel setzte eine Üebermacht an Streitkräften in Überraschungsangriffen gegen kleinere feindliche Einheiten ein und besiegte seinen Feind somit Stück für Stück. Die Deutschen verwendeten während des 2. Weltkrieges (1939-1945) dieselbe Taktik in ihrem Blitzkrieg. Dies ist eine Kampfmethode, durch die eine rasche militärische Entscheidung herbeigeführt werden sollte und die von der Wehrmacht in der Anfangsphase des 2. Weltkrieges u. a. in den „Feldzügen” gegen Polen, Norwegen und Dänemark, die Niederlande, Belgien und Frankreich umgesetzt wurde. Die Blitzkriegsstrategie sah einen überraschenden Einsatz massiver Panzerkräfte mit starker Luftunterstützung vor, um die feindlichen Kräfte zu zerschlagen. Die Grundlagen dieser Strategie wurden bereits in der Endphase des 1. Weltkrieges gelegt und in den zwanziger und dreißiger Jahren vor allem in Großbritannien und Deutschland theoretisch weiterentwickelt.

Heutzutage versteht man unter Asymmetrie zwar noch immer dasselbe und doch sind neue Arten der Konfrontation hinzugekommen. Wir leben heute in einer vieldeutigen Welt, mit Leuten, Gruppen und Regierungen, die nach den unterschiedlichsten und komplizierten Zielen handeln. Die Üebergänge und Interessensgrenzen zwischen Regierung, Volk und Militär haben sich verwischt, in der Öffentlichkeit und auch Privat. Die neue Art der Kriege basiert zum Teil auf Religion, Stammeszugehörigkeit und Kultur. Sie stürzen viele Länder in einen Zustand der Anarchie. Russland zum Beispiel kämpft gegen muslimische Zustände in der ölreichen Region rund um das Kaspische Meer. Im Balkan kämpft man gegen die Korruption und der Drogenkrieg in Kolumbien und Mexiko hat sich verschärft. Der Mittlere Osten, Nordkorea, Taiwan und Israel und Palästina bleiben weiterhin unstabil ohne Aussicht auf Befriedung. Intervenieren westliche Länder in diesen Konflikten mit Hilfe ihres Militärs, so setzen Gegner asymmetrische Taktiken ein, da sie auf herkömmliche Weise nicht gegen den Militärapparat ankommen. Genau dies geschieht auch in der Autonomiebehörde Palästina und in Israel. Die Palästinenser sehen sich einer der größten Militärmächte der Welt gegenüber und wenden daher die Strategie der asymmetrischen Kriegsführung an.

Zusammenfassend bis hier her stellt man also fest, dass in asymmetrischen Konflikten einer der Gegner dem Anderen überlegen ist, sei es auf taktischer, politischer oder militärischer Ebene. Die Überlegenheit muss nicht zwingend während der Dauer des Konflikts einseitig sein. Vielmehr ist es möglich, dass die Gegner sich wechselseitig Vorteile verschaffen und somit ihrem erklärten Ziel ein Stück näher kommen beziehungsweise von diesem sich distanzieren. Weiterhin verwischen in asymmetrischen Konflikten die Grenzen zwischen Zivilbevölkerung und Militär, also Nicht-Kombattanten und Kombattanten. Es existiert nicht mehr das klar definierte Kampffeld, sondern der Konflikt wird in die urbanen Gegenden und somit in die Heime der Bevölkerung getragen. Dies geschieht vor allem, da Völker wie die Palästinenser zum Beispiel nicht über einen eigenen Militärapparat verfügen. Unvorstellbar, dass sie auf einem Kampffeld die Panzer der Israelis mit Maschinengewehren besiegen könnten. Also wird der Gegner an seiner verwundbarsten Stelle, der Zivilbevölkerung angegriffen. Selbstmordattentate in Straßencafés und Bussen sind die Folge und Art der Kriegsführung. Durch solche Aktionen will man schockieren, beeindrucken und einschüchtern. Die Taten sollen wagemutig und gewalttätig sein, so dass sie die Aufmerksamkeit der Medien und damit die der Öffentlichkeit und der internationalen Regierungen auf sich ziehen. Scheint diese Art von Terrorismus zwar häufig wahl- oder sinnlos, so lässt sich doch eine Abfolge von Einzelprozessen erkennen. Bruce Hoffman listet diese in seinem Buch „Der unerklärte Krieg“ wie folgt auf.

Zunächst wollen Terroristen durch dramatische Aktionen Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dies geschieht häufig mit Hilfe der Medien. Diese lenken durch ihre Berichterstattung das Interesse der Öffentlichkeit auf die Terroristen und auf die Sache, wofür sie kämpfen. Ist es ihnen einmal gelungen, das Interesse der internationalen Gemeinschaft auf vergessene Probleme zu lenken, so bemühen sie sich ihre Berühmtheit in Bestätigung, vielleicht auch in die Gewinnung von Sympathisanten für ihre Ziele umzusetzen. Sind diese zwei Bedingungen erfüllt, nämlich Aufmerksamkeit und Bestätigung, wollen sie Gewinn aus ihren Aktionen ziehen. Die internationale Gemeinschaft muss ihre Ziele als Rechtens anerkennen und somit legitimieren. Die terroristische Organisation beansprucht für sich die Rolle der Sprecherin für das Volk in internationalen Konferenzen. Einmal anerkannt versucht man im nächsten Schritt aufgrund der Legitimierung die nötige Autorität zu erlangen, um Veränderungen in Regierungen und/oder Gesellschaften zu bewirken. Zu den Veränderungen können die Verlagerung geographischer Grenzen, die Neuverteilung von materiellen Gütern und die Anerkennung von Minderheitsrechten gehören. Im letzten Schritt versucht man die Regierung zu übernehmen. Man beansprucht die Kontrolle über den Staat und das Volk.

Nachvollziehen kann man diese Ausführungen am Beispiel der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Die PLO wurde im Mai 1964 auf einem Kongress im jordanischen Teil Jerusalems gegründet. Die Organisation wollte das palästinensische Volk mobilisieren ihre „rechtswidrig geraubte Heimat zurückzuerobern“. Nach zahlreichen terroristischen Akten in Israel wurde die Organisation 1974 auf einem Gipfeltreffen der Arabischen Liga als einzige legitime Vertretung des palästinensischen Volkes anerkannt. Außerdem erhielt sie von den Vereinten Nationen (UN) den Status eines Beobachters. 1996 fanden im Palästinensergebiet die ersten allgemeinen Wahlen statt, in denen Jassir Arafat, seit 1968 an der Spitze der PLO, zum Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde gewählt wurde. 50 von 88 Sitzen im palästinensischen Parlament gingen an die PLO. In einem Zeitraum von etwa 30 Jahren entwickelte die PLO sich von einer Befreiungsorganisation zur regierungstellenden Partei mit der absoluten Mehrheit.

Zum Abschluss dieses Kapitels soll ein Blick in die Geschichte des Krieges helfen, den asymmetrischen Konflikt weiterhin von anderen Konflikten abzugrenzen. Eine Gegenüberstellungen zwischen asymmetrischem Konflikt und Kriegen zwischen Staaten soll dazu dienen, die Unterschiede zu verdeutlichen und somit nochmals die Charakteristika des asymmetrischen Konflikts klar hervorzuheben. Ein Artikel von Martin Hoch in „Krieg und Politik im 21. Jahrhundert“ sollen hierzu herangezogen werden.

Er stellt fest, dass der internationale Krieg nur in einer vergleichsweise kurzen historischen Phase und einem beschränkt geographischen Raum vorrangig war.

Die Auffassung vom Krieg als einem Rechtszustand zwischen Staaten setzte sich zuerst in der Folge des Dreißigjährigen Krieges in Europa durch und ist in engem Zusammenhang mit der Herausbildung des Territorialstaates zu sehen. […] Einhegung des Krieges: Er sollte von nun an nach kodifizierten Regeln eines immer weiter ausdifferenzierten Kriegsrechts und Kriegsvölkerrechts geführt werden. […] nur noch die Streitkräfte des Gegners als legitimes Ziel militärischer Handlungen gelten sollten, nicht aber die Zivilbevölkerung. (Welttrends, 2002: 18f.)

Hier liegt der erste Unterschied zum asymmetrischen Krieg. Es gibt keine anerkannten Regeln und die Unterscheidung Kombattanten oder Nicht-Kombattanten ist auch aufgehoben. Weiterhin kennzeichnet sich der asymmetrische Krieg heutzutage dadurch aus, dass er selten zwischen Staaten ausgetragen wird, sondern vielmehr treffen reguläre Streitkräfte von Staaten auf nichtstaatliche Akteure. Im Konflikt zwischen den Israelis und den Palästinensern ist es das israelische Militär, welches gegen Angehörige von Terrororganisationen wie PFLP (Volksfront für die Befreiung Palästinas), Hamas (das Kürzel „Hamas” steht für den arabischen Namen der Organisation Harakat al-Muqawama al-Islamiya, „Islamische Widerstandsbewegung”) und Islamischer Heiliger Krieg (Islamischer Jihad) kämpft.

Ein weiterer Unterschied liegt in den fließenden Grenzen zwischen Krieg und Frieden. Zwischen Staaten sind diese klar definiert. Im asymmetrischen Konflikt jedoch nicht. Natürlich gibt es Zeiten des Waffenstillstands, doch darf man diese Situation nicht mit der Aufhebung des Konflikts verwechseln. In solch einem Zustand ist die Hemmschwelle, den Konflikt durch Waffengewalt fortzusetzen niedriger, als wenn es echten Frieden auf Grundlage von Verträgen geben würde.

Weiterhin erwähnt M. Hoch, dass in einem asymmetrischen Krieg diese als „entgrenzt“ zu betrachten ist. Dies bedeutet, dass alle Mittel zum Einsatz kommen. Besonders brutale Eigenschaften zeichnen diese Konflikte aus. Wie schon erwähnt wird nicht mehr unter Militär und Zivilbevölkerung unterschieden. Die Symmetrie, nämlich die Beschränkung des Kampfes auf Kombattanten ist nicht mehr gegeben.

Dadurch, dass die Gesamtheit des Volkes als Feind betrachtet wird, verlagert sich der asymmetrische Konflikt oft in Großstädte und schwer zugängliche Regionen. Sinn dieser Verlagerung ist die Entschärfung schwerer und hochtechnologischer Kampf- und Aufklärungsmittel der regulären Streitkräfte. Eine Autobombe, die 20 Zivilisten tötet, trifft den Gegner stärker, als ein auf einem Kampffeld zerstörter Panzer.

Durch die Zunahme nicht-staatlicher Organisationen, die mit der Regierung um die Machtausübung konkurrieren, werden auch in Zukunft asymmetrische Kriege weiterhin zunehmen[2]. Dies wiederum wird eine fundamentale Transformation des Gesamtphänomens Krieg bewirken. Für die Entscheidung zum Krieg kommen neben zweckrationalen Erwägungen ideologische und emotionale Gründe hinzu. Dies kommt vor allem in Kriegen zum Ausdruck, in denen Kriegsführende um ihre Existenz oder als Ausdruck ihrer Existenz Krieg führen, so wie es bei den Palästinensern der Fall ist.

Zusammenfassend kann man also feststellen, dass der asymmetrische Konflikt auf allen Ebenen, der politischen, der taktischen und der militärischen Ebene asymmetrisch sein kann. Politische Asymmetrie bedeutet, dass reguläre Streitkräfte beziehungsweise Staaten gegen Angehörige nicht-staatlicher Organisationen oder sogar gegen die komplette Zivilbevölkerung kämpfen. Taktisch ist der Konflikt, sobald er nicht mehr durch Regeln oder bestimmte Territorien festgelegt ist. Die Taktik der Palästinenser, eben nicht in der überschaubaren Wüste mit Maschinengewehren gegen Panzer zu kämpfen, sondern den Krieg in die Häuser und Straßen der Zivilbevölkerung zu tragen, verhilft ihnen, den Konflikt möglichst lang aufrecht zu erhalten und somit vielleicht am Ende doch ihre Forderungen durchzusetzen. Aus der Tatsache des andauernden Konflikts gewinnen die Palästinenser zum Teil Bestätigung der eigenen Ziele, sowie Legitimität und Anerkennung auf internationaler Ebene. Dies wiederum unabhängig vom eigenen militärischen Erfolg. Auf militärischer Ebene bedeutet Asymmetrie die unterschiedliche Verteilung von Waffen. Besitzt eine Kriegspartei mehr und bessere Waffen, so ist sie seinem Gegner gegenüber im Vorteil. Dies jedoch nur, wie schon erwähnt, wenn diese auch in vollem Umfang zum Einsatz kommen können. Die Israelis zum Beispiel haben den Palästinensern gegenüber waffentechnisch einen klaren Vorteil in bezug auf ihre Luftwaffen. Palästinenser besitzen hiervon keine und könne somit auch keine Luftangriffe fliegen. Hauptsächlich wird der Konflikt aber in Städten ausgetragen, was wiederum israelische Soldaten demoralisiert, die nicht voll aus ihrem militärischen Arsenal Nutzen ziehen können. Demoralisierung und einseitige Luftangriffe sind also auch Ausdruck asymmetrischer Kriegsführung.

III. Strategien in einem asymmetrischen Konflikt

Wie schon im vorhergehenden Kapitel angedeutet handelt es sich bei dem israelischen-palästinensischen Konflikt um einen der asymmetrischen Art. Der Staat Israel kämpft unter Einsatz seines Militärapparats gegen das Volk der palästinensischen Autonomiebehörde. Aufgrund dieses Umstandes lässt sich schon erahnen, dass der Konflikt nicht symmetrisch sein kann. Kämpfen zwei Staaten gegeneinander, so ist es möglich, dass diese Staaten über ein vergleichbar starkes Militär verfügen, welches hauptsächlich den Krieg unter Ausschluss der Zivilbevölkerung führt. Weiterhin können geographische Grenzen ausgemacht werden. Betrachtet man nun den vorliegenden Konflikt, so stellt man fest, dass genau diese Faktoren komplett fehlen. Da die Palästinenser die Strategie des Terrors gewählt haben, um den Konflikt aufrecht zu erhalten, ist eine Unterscheidung zwischen Kombattanten und Nicht-Kombattanten nicht möglich. Theoretisch kann jeder Palästinenser, egal ob Mann oder Frau, zu einem mit Bomben bestückten Selbstmörder werden. Dieser Umstand zwingt die israelische Armee zu einem Kampf gegen das gesamte palästinensische Volk. Die Asymmetrie liegt hier also in dem Kampf Volk gegen Armee. Weiterhin liegen keine genauen geographischen Grenzen vor. Palästinenser befinden sich in ihnen zugeteilten Zonen auf „israelischem Gebiet“, wie zum Beispiel im Gazastreifen und in der Westbank. Israel will den Kampf in diesen Ballungszentren eigentlich vermeiden, da ihre militärische Maschinerie hier nicht vollständig zum Einsatz kommen kann und doch lässt es sich nicht vermeiden, da sie vor allem im Gazastreifen immer wieder Angehörige radikaler Organisationen ausfindig machen und sie an Ort und Stelle gefangen nehmen, was selten friedlich von statten geht.

Ausführungen zu finanziellen Ausgaben[3] bezüglich der Verteidigung sollen die hohe Asymmetrie des Konflikts einmal konkret verdeutlichen. Den Palästinensern stehen jährlich ungefähr 300 Millionen US $ für ihre Verteidigung zur Verfügung. Den Israelis hingegen 11,1 Milliarden US $. Von der internationalen Gemeinschaft erhielt die palästinensische Autonomiebehörde 85 Millionen US $ und Israel 3 Milliarden US $. Israel besitzt Luft-, Land-, und Seestreitkräfte und ist eine der größten Militärmächte der Welt. Zahal (Verteidigungsarmee Israels) verfügt über 630.000 Soldaten, denen wiederum 4000 Panzer, über 600 Kampfjets, 80 Transportflugzeuge, 290 Hubschrauber, sechs U-Boote, 20 Kampfschiffe und 30 Patrouillenboote zur Verfügung stehen. Dieser Macht stehen die Palästinenser ohne Armee gegenüber, da das Abkommen von Oslo ihnen eine eigene Streitkraft untersagt. Lediglich für die innere Sicherheit darf das palästinensische Parlament eine Polizeitruppe unterhalten. Zu dieser Gruppe gehören normale Polizeidienste, eine nationale Sicherheitstruppe, der militärische Abschirmdienst und die vorbeugenden Sicherheitsdienste im Gazastreifen und im Westjordanland. Inoffiziell gehören auch Jassir Arafats Leibgarde, die Force 17 und die Untergrundmiliz Tansim zu den palästinensischen Sicherheitstruppen. Eine Asymmetrie, die die Palästinenser zwingt, den offenen Kampf auf dem Schlachtfeld zu vermeiden und den Konflikt in weniger für die Streitkräfte zugängliches Terrain zu verlagern.

Eine weitere Asymmetrie ist bezüglich der Wirtschaftlichkeit beider Länder festzustellen. Israel hat ein mit Deutschland vergleichbares Bruttosozialprodukt, exportiert jährlich Produkte im Wert von 14 Milliarden US $, verfügt über einen hohen technologischen Standart und ist international in Geldgeschäfte eingebunden. Die Rede ist also von einem Land, welches sich durchaus mit industrialisierten Ländern der „Ersten Welt“ messen kann. Der Großteil der palästinensischen Bevölkerung lebt in Armut und ist auf Arbeit in israelischem Gebiet angewiesen.

Diese asymmetrischen Tatsachen lassen die Palästinenser zu besonderen Strategien greifen, damit sie ihren Zielen Nachdruck verleihen können.

[...]


[1] Steven Metz: „Strategic Asymmetry“. http://www-cgsc.army.mil/milrev/english/JulAug01/met.asp (15.05.2003)

[2] Diese Tatsache, dass Staaten nicht länger das Gewaltmonopol innehaben, nennt man auch „Die Rückkehr des Mittelalters in die Sicherheitspolitik“.

[3] Israel (1999). http://www.bmlv.gv.at/truppendienst/milint/td_milint-laenderinfo.php?id_c=77 (05.05.2003). Auf diese Webseite beziehen sich alle folgenden Informationen des Kapitels.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die wechselseitige Blockierung der Strategien in einem asymmetrischen Konflikt (am Bespiel des Konflikt: Israel-Palästina in der Zeit von 1994 bis 2003)
Hochschule
Universität zu Köln  (Politisches Institut der Universität zu Köln)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
27
Katalognummer
V26675
ISBN (eBook)
9783638289436
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vorliegende Arbeit stellt Strategien in einem asymmetrischen Konflikt vor und diese werden auf Israel und die Autonomiebehörde Palästina angewandt. Weiterhin wird die gewaltsame und auch diplomatische Eskalation des Konflikts beschrieben.
Schlagworte
Blockierung, Strategien, Konflikt, Bespiel, Israel-Palästina, Zeit, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Marion Klöckner (Autor), 2003, Die wechselseitige Blockierung der Strategien in einem asymmetrischen Konflikt (am Bespiel des Konflikt: Israel-Palästina in der Zeit von 1994 bis 2003), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26675

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