Das System fester Wechselkurse. Bretton Woods und der IWF


Seminararbeit, 2012

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Was sind feste Wechselkurse?

2 Die Funktionsweise fester Wechselkurse
2.1 Die Rolle der Zentralbank
2.2 Auswirkungen fester Wechselkurse auf die inländischen und aus­ländischen Märkte

3 Bretton-Woods und der IWF
3.1 Die Entwicklung des Marktes nach dem Abkommen von Bretton Woods
3.2 Die Aufgaben des IWF

4 Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Was sind feste Wechselkurse?

Derzeit gibt es weltweit 162 offizielle Geldwährungen.[1] Durch die Interaktion zwi­schen diesen Währungen entstehen Wechselkurse zwischen all diesen Währungen. Diese Wechselkurse können entweder komplett durch den Markt bestimmt werden, also flexibel sein, oder durch eine staatliche Stelle festgelegt werden, also fest sein In dieser Seminararbeit sollen die Funktionsweisen und Auswirkungen fester Wech­selkurse analysiert werden Gerade im Bereich des internationalen Handels spielt die Austauschbarkeit unter den vielen verschiedenen Währungen, die auf der Erde existieren, eine große Rolle. So möchte der Produzent einer Handelsware meist in der eigenen Währung bezahlt werden um, mit dem Geld seine Mitarbeiter bezahlen zu können. Um die Wäh­rungen untereinander austauschbar zu machen, müssen bestimmte Vereinbarungen getroffen werden, unter denen die Währungen ausgetauscht werden - die Wechsel­kurse. Diese drücken die unterschiedlichen Wertigkeiten der verschiedenen Wäh­rungen untereinander aus.

Bei festen Wechselkursen wird der Wechselkurs von einer staatlichen Stelle festge­legt und danach für eine längere Zeit konstant gehalten. Um die Devisentransaktio­nen zu vereinfachen, hat sich der Dollar als Leitwährung bewährt. Dies bedeutet, dass ein Großteil der internationalen Währungstransaktionen mithilfe des Dollars getätigt wird.[2] Alle Währungkurse werden somit in Bezug auf den Dollarkurs be­stimmt.

Die Wechselkurse werden über die Geldmenge und den Zinssatz bestimmt. Wenn die Geldmenge zunimmt, so wird die Nachfrage nach Geld weiter befriedigt und die Nachfrage nach Krediten nimmt ab. Durch eine gesunkene Nachfrage nach Kredi­ten sinkt auch der Zinssatz für diese. Wenn allerdings der Zinssatz für Geldanlagen sinkt, und damit, da der Wechselkurs aufgrund dessen fixierung, keine Veränderung erfährt, ebenfalls die Rendite sinkt, nimmt auch die Nachfrage nach der Währung ab. In dem Fall ist es nicht mehr so attraktiv die Währung zu kaufen, um sie dann zu dem niedrigeren Zinssatz anzulegen. Daraus ergibt sich, dass die Rendite in den verschiedenen Währungsräumen gleich sein muss, da sich ansonsten ein Ungleich­gewicht einstellt. Diese Bedingung wird Zinsparität genannt.[3]

Um in einem System mit festen Wechselkursen die Bedingung der Zinsparität zu erfüllen und ein Devisenmarktgleichgewicht herzustellen, müssen die Zinssätze in den beiden Währungsräumen, zwischen denen der feste Wechselkurs gilt, gleich sein. Sollten die Zinssätze nicht gleich sein, so würde es für die Kapitalmarktteil­nehmer attraktiver sein, Anlagen in der Währung mit den höheren Zinssätzen zu kaufen. In dem Währungsraum mit dem höheren Zinssatz würde das Angebot an Krediten die Nachfrage danach übersteigen. Um dieses Ungleichgewicht aufzulö­sen, würden die Anbieter von Krediten ihre Zinsforderungen senken bis die Zins­sätze in beiden Ländern wieder ausgeglichen wären.[4]

Heutzutage sind die meisten Wechselkurse weitestgehend flexibel. Im Jahr 1944 wurden aufgrund der Instabilitäten, die durch die zwei Weltkriege im ersten Teil des 20. Jahrhunderts hervorgerufen wurden, in Bretton Woods zwischen 44 Nationen feste Wechselkurse vereinbart. Weitere Gründe für die Einführung fester Wechsel­kurse war die Hyperinflation in den Zwischenkriegsjahren, die in Deutschland den Nationalsozialismus und damit den zweiten Weltkrieg mit verursacht hatte. Diese sollte durch die Einführung der festen Wechselkurse vermieden werden.[5] Dieses System der festen Wechselkurse hielt über 29 Jahre bis ins Jahr 1973, in dem die festen Wechselkurse zugunsten eines Systems flexibler Wechselkurse aufgegeben wurden. Der chinesische Yuan hatte bis ins Jahr 2005 einen festen Wechselkurs ge­genüber dem U.S.-Dollar. Die chinesische Regierung konnte diesen Wechselkurs allerdings nicht mehr aufrecht erhalten und musste diese Politik aufgeben.

Aufgrund seiner beobachteten, langfristigen Stabilität wurde der U.S.-Dollar im Bretton-Woods-System als Leitwährung eingesetzt.

Im folgenden Teil wird zunächst die Theorie, die hinter dem System der festen Wechselkurse steht, besprochen. Dazu werden als erstes die Funktionsweise von festen Wechselkursen in der Theorie und im Anschluss daran die Rollen der Zentral­banken in den verschiedenen Währungsräumen, zwischen denen die festen Wech­selkurse gelten, besprochen.

Im zweiten Teil der Arbeit werden die Erkenntnisse aus der Theorie auf die Praxis übertragen. Im speziellen wird das Bretton-Woods-System behandelt. Da­zu wird zunächst die Entwicklung des Systems untersucht und danach auf den Internationalen-Währungs-Fonds eingegangen.

2 Die Funktionsweise fester Wechselkurse

Die Wechselkurse eines Währungsgebietes werden maßgeblich durch den Kauf und Verkauf von Devisenreserven beeinflusst. Verschiedene Akteure handeln auf dem Finanzmarkt mit fremden Währungen und beeinflussen auf diese Weise die Geld­menge und damit den Wechselkurs. Diese Akteure sind vor allem staatliche und private Banken, aber auch Privatpersonen, die Bargeld für Auslandsreisen Umtau­schen. Unter diesen Akteuren spielt die Zentralbank eines Währungsgebietes auf­grund der Handelsvolumina die weitaus größte Rolle. Die anderen Akteure, wie zum Beispiel Privatbanken und Privatpersonen, beeinflussen die Wechselkurse nicht in einem größeren Ausmaß. Im folgenden Modell wird daher davon ausgegangen, dass die Zentralbank die einzige Institution ist, welche Devisenreserven hält und die Geldmenge beeinflusst.[6]

Ebenso wird davon ausgegangen, dass die Vermögenswerte in den verschiedenen Währungen vollständig ersetzbar sind, dass also die Kapitalmarktteilnehmer immer die Währung anstreben, welche ihnen die höhere Rendite verspricht. Es wird davon ausgegangen, dass die Risiken einer Geldanlage in allen Währungen gleich sind.[7]

2.1 Die Rolle der Zentralbank

Eine der Hauptaufgaben der Zentralbank in einem System mit festen Wechselkursen ist die Konstanthaltung eben dieser. In diesem Kapitel wird beschrieben, welche Möglichkeiten der Zentralbank eines Währungsgebietes zur Verfügung stehen, um dieser Aufgabe gerecht zu werden.

Die Auswirkungen der verschiedenen Interventionen der Zentralbank lassen sich recht einfach anhand der Zentralbankbilanz erklären.

In der Zentralbankbilanz stehen auf der Aktiv-Seite die Verbindlichkeiten der Zen­tralbank in Form von Inlands- und Auslandsaktiva. Auf der Passiv-Seite der Bilanz stehen die Forderungen der Zentralbank. Dies sind Forderungen, welche die Zen­tralbank in fremden Währungen hält, sowie Forderungen, die in der eigenen Wäh­rung gehalten werden.

Die Mittelherkunft der Zentralbank sind beispielsweise Staatsanleihen des eigenen Staates, welche die Zentralbank hält - die Inlandsaktiva-, oder Währungsreserven der entsprechenden Währung, gegenüber der der feste Wechselkurs gilt - die Aus­landsaktiva.

Die Banknoten, welche im Umlauf sind, stellen Verbindlichkeiten der Zentralbank dar und befinden sich daher auf der Passiv-Seite der Bilanz. Ebenso stellen Einla­gen, welche die Geschäftsbanken bei der Zentralbank halten, Verbindlichkeiten die­ser dar und befinden sich ebenso auf der Passiv-Seite. Die Banknoten und Einlagen sind also die Mittelverwendung der Zentralbank. Die Einlagen bei der Zentralbank werden von vielen Staaten den Geschäftsbanken als Sicherungsmaßnahme gegen Insolvenz vorgeschrieben7[8]

Da, wie schon erwähnt, die Bilanz ausgeglichen sein muss, ergibt sich die Summe des В anknotenuml aufs В aus den übrigen Posten, also der Auslandsaktiva A A und der Inlandsaktiva IA abzüglich der Einlagen der Geschäftsbanken bei der Zentral­bank E zu

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um die Geldmenge ^ bei einem gegebenem Preisniveau P zu beeinflussen, hat die Zentralbank also insgesamt drei Möglichkeiten. Sie kann entweder die Auslands­aktiva AA, beziehungsweise die Inlandsaktiva IA verändern, oder die Zentralbank veranlasst die Geschäftsbanken dazu, ihre Einlagen bei ihr zu verändern.

Wenn die Zentralbank nun die Geldmenge durch Devisenmarktinterventionen im­mer der Nachfrage anpasst, so kann sie den Zinssatz konstant halten. Dies geht aus dem Geldmarktgleichgewicht hervor.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hier ist L die Geldnachfrage in Abhängigkeit von dem Zinssatz im Ausland Z*, welcher, wie in Abschnitt 1 erläutert, in einem System fester Wechselkurse gleich dem Inländischen Zinssatz Z sein muss, und dem Bruttonationaleinkommen Y ist. Sollte der Zinssatz trotzdem steigen, so würde auch die Nachfrage danach steigen, Geld in der Währung mit dem gesteigerten Zinssatz zu halten. Durch die Steigerung dieser Nachfrage nach der Währung würde ohne eine Intervention der Zentralbank das Geldangebot abnehmen und dadurch der Wechselkurs steigen.

Um den Wechselkurs also konstant zu halten, muss die Zentralbank jederzeit die Geldmenge der aktuellen Nachfrage anpassen. Ebenso muss es der Zentralbank je­derzeit möglich sein, die Nachfrage nach Devisen zu decken. Sie muss also ausrei­chend Devisenreserven zur Verfügung stellen.[9]

Die Veränderung auf der Aktivseite, also die Veränderung der In- und Auslandsak­tiva, wird Devisenmarktintervention genannt.

Eine Devisenmarktintervention kann auf beiden Seiten der Bilanz Veränderungen aufrufen und damit eine Bilanzverlängerung oder Bilanzverkürzung darstellen. Dies passiert, wenn die Zentralbank mit Auslands- oder Inlandsaktiva handelt. Wenn die Bilanzsumme zunimmt, so liegt eine Bilanzverlängerung vor. Eine Bilanzverkür­zung hegt bei einer Abnahme der Bilanzsumme vor. Wenn die Zentralbank zwei entgegengesetzte Transaktionen durchführt, die nur auf einer Seite der Bilanz Ver­schiebungen auslösen und sich damit neutralisieren, so liegt eine neutralisierte De­visenmarktintervention vor. So kann die Zentralbank Inlandsaktiva verkaufen und Auslandsaktiva in der gleichen Höhe kaufen. Auf diese Weise bleibt das Saldo auf der Aktiv-Seite konstant und es findet keine Veränderung auf der Passiv-Seite statt. Mit einer neutralisierten Devisenmarktintervention wird also die inländische Geld­menge nicht verändert. Die neutralisierte Devisenmarktintervention kann auf der Passiv-Seite als Passiv-Tausch und auf der Aktiv-Seite als Aktiv-Tausch untemom-

[...]


[1] vgl. Amt für Veröffentlichungen (2012): Amt für Veröffenüichungen - Interinstitutionelle Regeln für Veröffentlichungen - Anhang A5 - Verzeichnis der Länder, Gebiete und Währungen. Amt für Veröffentlichungen. Online verfügbar unter http : //publications . europa. eu/code/ de/de-5000500. htm, zuletzt aktualisiert am 06.03.2012, zuletzt geprüft am 26.05.2012. [2]

[2] vgl. Frankel, Jeffrey A. (1995): Still the Lingua Franka: The Exaggerated Death of the Dollar. In: Foreign Affairs 74, S. 9-16 [4]

[3] vgl. Krugman, Paul; Obstfeld, Maurice; Melitz, Marc (2012): Internationale Wirtschaft. Theorie und Politik der Außenwirtschaft. 9. Aufl. München: Pearson. S. 498 [5]

[4] vgl. ebd. S. 628 [5]

[5] vgl. Bordo, Michael D. (1993): The Bretton Woods International Monetary System. A Historical Overview.S. 3-12 In: Barry J. Eichengreen und Michael D. Bordo (Hg.): A Retrospective on the Bretton Woods system. Lessons for international monetary reform. Chicago: University of Chicago Press (A National Bureau of Economic Research project report), S. 3-108. [3]

[6] vgl. Krugman, Paul; Obstfeld, Maurice; Melitz, Marc (2012): Internationale Wirtschaft. Theorie und Politik der Außenwirtschaft. 9. Aufl. München: Pearson.S. 428 [5]

[7] vgl. ebd. S. 642 [5]

[8] vgl. Samo, Lucio; Taylor, Mark P. (2001): Official Intervention in the Foreign Exchange Market: Is It Effective and, If so, How Does It Work? In: Journal of Economic Literature 39 (3), S. 840ff

[9] vgl. ebd. S.842 [7]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das System fester Wechselkurse. Bretton Woods und der IWF
Hochschule
Technische Universität Clausthal  (Institut für Wirtschaftswissenschaft)
Veranstaltung
Wirtschaftswissenschaftlisches Seminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V266768
ISBN (eBook)
9783656569473
ISBN (Buch)
9783656569329
Dateigröße
4642 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
system, wechselkurse, bretton, woods
Arbeit zitieren
Konstantin Sebastian Kubina (Autor), 2012, Das System fester Wechselkurse. Bretton Woods und der IWF, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266768

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