Die helfe-Thematik in Hartmann von Aues "Iwein"

Untersuchung der Bedeutung der helfe-Taten für die Rückkehr Iweins an den Artushof


Hausarbeit, 1997

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Vorbemerkungen

2 Die helfe -Taten des zweiten âventiure -Zyklus im Einzelnen
2.1 Gegenseitige Unterstützung während Iweins Wahnsinn, 3286ff.
2.2 Iweins Erwachen aus dem Wahnsinn, helfe für Iwein von der Gräfin von Narison und helfe für die Gräfin, 3359ff.
2.3 helfe für den Löwen, 3836ff
2.4 Selbstmordgedanken, helfe für Lunete und den von Harpin erpreßten Burgherrn, 3923ff.
2.5 helfe für die 300 Jungfrauen, 6080ff.
2.6 helfe für die jüngere Schwester vom schwarzen Dorn im Erbschaftsstreit, 5964ff. u. 6877ff.

3 Schlußbetrachtung

Literaturangaben

Einleitung

Die Hausarbeit behandelt die Thematik der helfe[1] in Hartmann von Aues "Iwein". In der Forschungsliteratur zum "Iwein" wird dieses Thema stiefmütterlich behandelt. Häufig taucht es nur am Rande oder als Unterpunkt eines übergeordneten Themas auf, teilweise fehlt der Aspekt der helfe ganz. Dabei scheint es durchaus denkbar, die âventiure des zweiten Handlungsteils in erster Linie als âventiuren im Zeichen von helfe für jemanden zu betrachten. Diese Arbeit kann natürlich nicht im entferntesten das Ziel verfolgen, das Thema der helfe im Iwein erschöpfend zu behandeln, vielmehr werden nur einige Aspekte, die bei der Untersuchung dieser helfe -Episoden in Bezug auf bestimmte Fragestellungen von besonderem Interesse sind, eingehender untersucht.

Da Iwein vor dem Wiedereintritt in die höfische Gesellschaft eine Reihe von helfe -Taten leistet, ist die Frage interessant, wie diese Taten die Rückführung in die höfische Gesellschaft unterstützen und was die helfe -Taten für Iwein selbst bedeuten. Bei Iweins Rückführung an den Hof stellt sich auch die Frage, ob Iwein nach der Heilung vom Wahnsinn, wieder "nur" derselbe Iwein ist, wie vor dem Wahnsinn oder ob er sich darüber hinaus weiterentwickelt. Da die helfe hauptsächlich im Dienste des Mitmenschen geleistet wird, fragt sich auch, ob Iwein im zweiten Teil evtl. eine neue, von sozialem Handeln bestimmte innere Identität als Ergebnis seiner Weiterentwicklung erlangt. Mit Blick auf die helfe -Taten wäre dann zu klären, ob sich an den helfe-Taten eine Entwicklung Iweins nachvollziehen läßt oder ob sich gar ein neues Bewußtsein des Helden, besonders gegenüber dem ersten Teil des Werks an der helfe zeigt. Um diese Frage zu klären, ist es notwendig nach der Motivation für die helfe im einzelnen zu fragen, weswegen die helfe -Taten des zweiten Zyklusses einzeln beleuchtet werden. Somit interessieren also in erster Linie die Fragen, die klären, inwieweit die helfe, die Iwein leistet, für den Helden selbst eine Rolle spielen. Deshalb werden die helfe -Taten, die von anderen Personen ausgehen, auch nur insoweit näher behandelt, soweit sie der Klärung obiger Fragestellung zuträglich sind.

Noch einige Worte zur Vorgehensweise im einzelnen. Die Arbeit beginnt mit einigen Vorbemerkungen zum Wort helfe selbst, um die Bedeutung des Wortes zu Vergegenwärtigen. Es folgt eine Einordnung der wichtigsten helfe -Taten in den Werkkontext. Das Hauptaugenmerk richtet sich schließlich auf die von Iwein im zweiten Handlungszyklus geleistete helfe. Zu diesem Zweck werden die Episoden, einschließlich der Episode in der Iwein als ein dem Wahnsinn Verfallener in Kooperation mit einem Einsiedler lebt, immer mit Blick auf helfe-Taten und deren Funktion und Wirkung, näher untersucht. Ob diese Episode ein Teil des zweiten Zyklusses, des ersten oder weder noch ist, kann hier allenfalls am Rande interessieren. Dies zu klären ist auch nicht Ziel dieser Arbeit. Aber schon in dieser Episode zeigen sich einfache Formen gegenseitiger Unterstützung, die auf einem primitiven Verhältnis gegenseitiger Verpflichtung zum wechselseitigen Nutzen beruhen.

Am Ende der Arbeit steht eine kurze Schlußbetrachtung, die die wichtigsten Ergebnisse zusammenfassen soll.

Wichtige Anregungen zu meiner Arbeit habe ich vor allem den Texten von Hedda Ragotzky und Barbara Weinmeyer, von Rudolf Voß und von Christoph Cormeau und Wilhelm Störmer entnommen, siehe hierzu die Literaturangaben.

1 Vorbemerkungen

Die nhd. Wörter "helfen", "Hilfe" und deren Ableitungen treten mit leichten Bedeutungsunterschieden in Erscheinung. An dieser Stelle sei darauf kurz eingegangen, für weitere und ausführlichere Informationen vgl. Grimm: Deutsches Wörterbuch. Bd.IV, besonders die Spalten 949ff.; 1323ff., dessen Werk die folgenden Ausführungen entspringen. Die eine Bedeutungsvariante stellt die Förderung und Unterstützung zum Erreichen eines Zwecks dar, z.B. die Hilfe bei einer Arbeit. Die andere Variante bezeichnet mehr den Beistand in Gefahr und bei Ungemach, eine Unterstützung zum Übergang von einer üblen in eine angenehmere Lage. Der Übergang zwischen diesen Bedeutungsvarianten ist fließend, eine Zuordnung zu einer der beiden Varianten im konkreten Fall ist weder immer möglich, noch immer sinnvoll. In beiden Fällen kann die Hilfe bewußt geleistet werden oder unbewußt zufällig. Die Übersetzung des mhd. Wortes helfe und dessen abgeleiteter Formen, einschließlich abgeleiteter Formen, wie helfaere, sind weitestgehend unproblematisch mit den nhd. Formen der Wörter "helfen", "Hilfe", "Helfer" und den entsprechend abgeleiteten Formen zu bewerkstelligen. Die Variationen der Bedeutung ergeben sich aus dem Kontext.

Im "Iwein" ist helfe als Teil der âventiure -Fahrt des Helden von Bedeutung. In diesem Zusammenhang ist vornehmlich die zweite oben genannte Bedeutungsvariante des Begriffs relevant. So wird die helfe im Iwein als Rettung und Unterstützung aus bedrohlichen Situationen wichtig. Einige bedeutende Formen der helfe, die auch konkret im Iwein auftauchen, seien kurz genannt (einige dieser helfe-Leistungen spielen, mit Blick auf die einleitend genannte Fragestellung, eine untergeordnete Rolle in dieser Untersuchung): -Der Kampf für jemanden (z.B. Iwein für Lunete; Gawein für die ältere Schwester); -die gastfreundschaftliche Aufnahme (z.B. der Burgherr, der den verletzten Iwein aufnimmt (5578f. )[2] ); -die Pflege für Verletzte und Kranke (z.B. geleistet von der Dame von Narison für Iwein); -auch Worte können der helfe dienen (z.B. Lunetes Überredungskunst zu Iweins Gunsten). Von diesen helfe- Formen ist der Kampf für jemanden die helfe des rîters, diese Art der helfe spielt die bedeutendste Rolle in dieser Arbeit. Die beiden letztgenannten Formen gehen vornehmlich von Frauen aus.

2 Die helfe-Taten des zweiten âventiure-Zyklus im Einzelnen

Im ersten Handlungsteil des "Iwein" erlangt Iwein sehr schnell, durch den Sieg über Ascalon und mit Hilfe von Lunete, deren Zauberring und Überredungskünsten, hohes Ansehen, eine Frau und die Herrschaft über ein Land. "Nach der Hochzeit erbittet Iwein sich von seiner Frau die Erlaubnis, ein Jahr lang mit den Artusrittern auf Turniere ziehen zu dürfen. Er versäumt jedoch den gelobten Termin, woraufhin Laudine ihn vor der Öffentlichkeit des Artushofs der Untreue bezichtigt und sich feierlich von ihm lossagt. Dieser Bruch treibt Iwein in den Wahnsinn. Längere Zeit lebt Iwein als Waldmensch, bis ihn zufällig die Gräfin von Narison schlafend antrifft und ihn mit einer Zaubersalbe heilt." (Bumke: Geschichte der deutschen Literatur im hohen Mittelalter. 157.) Die folgenden âventiuren im Zeichen der helfe sind es, die für diese Untersuchung von gesteigertem Interesse sind. Iwein hilft auf seiner âventiure- Fahrt durch Kampf nacheinander der Gräfin von Narison und dem Löwen, der ihn fortan begleitet. Er trifft auf die bedrängte Lunete, sagt ihr helfe zu, gerät in Terminnot, da er erst dem von Harpin erpreßten Burgherrn hilft, rettet dann aber immer noch rechtzeitig Lunete. Es folgen helfe für 300 gefangene Jungfrauen im Kampf gegen zwei Riesen und helfe für die jüngere Tochter des Grafen vom schwarzen Dorn im Kampf gegen Gawein. "Dann wird er wieder als hochgeehrtes Mitglied in die Gesellschaft des Artushofes aufgenommen. Zuletzt begibt er sich erneut in Laudines Land; und durch Lunetes List gelingt es ihm, Laudine zu versöhnen und den Liebes- und Ehebund wiederherzustellen" (ebd. 158).

Am Ende des zweiten Teils steht die gelungene Rückführung Iweins in die höfische Gesellschaft. Er erlangt êre, hof, Herrschaft und Frau zurück. Gelingen tut Iwein dies aufgrund einer Reihe von âventiuren, an denen auffällig ist, daß sie helfe- Taten als wesentlichen Bestandteil aufweisen, so daß die helfe Iwein bei der Rückführung in die höfische Gesellschaft unterstützt.

2.1 Gegenseitige Unterstützung während Iweins Wahnsinn, 3286ff.

Iwein befindet sich in einem Stadium, in dem er nicht Herr über sich selbst ist. Das Überleben als Irrer in der Wildnis wird ihm leichter gemacht durch Kooperation zwischen ihm und einem Einsiedler. Iweins "Hilfe" besteht hier eigentlich mehr aus einem egoistisch motiviertem Tauschhandel. Im Rückgriff auf die genannten Bedeutungsvarianten der Hilfe greift hier die erste Variante, eine Unterstützung zum Erreichen eines Ziels. Die Motivation dem Einsiedler zu helfen, ist, sich selbst zu helfen. Höfische, christliche und andere ethische Motive müssen Iwein in seinem Zustand fremd sein, da er nicht bei Verstand ist. Weil Iwein sich nach der Heilung von seinem Wahnsinn nicht mehr an diese Zeit zu erinnern scheint, kann diese Stufe der Gegenseitigen helfe nicht von Iwein im weiteren Verlauf selbst reflektiert werden und somit auch nicht zu seiner bewußten Entwicklung beitragen. Vielmehr wird an dieser einfachen gegenseitigen Unterstützung der große Nutzen selbst primitiver helfe-Taten, die auf einem einfachen trîuwe Verhältnis beruhen, demonstriert.

[...]


[1] Einige mhd. Wörter werden unübersetzt, ohne Versangabe, kursiv in den Text übernommen, schon deshalb, um sie gegenüber dem Nhd. kenntlich zu machen. Es handelt sich um gängige mhd. Begriffe, deren Übersetzung z.T. der Rechtfertigung bedürfte. Zur Übersetzung der Wörter vgl. folgende Hilfsmittel zur Textübersetzung: Benecke/Müller/Zarncke; Beate Hennig; Matthias Lexer.

[2] Versangaben aus dem Iwein erfolgen als bloße Zahlenangaben ohne weitere Zusätze. Die Angaben beziehen sich auf die in der Literaturangabe genannte Ausgabe des "Iwein".

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die helfe-Thematik in Hartmann von Aues "Iwein"
Untertitel
Untersuchung der Bedeutung der helfe-Taten für die Rückkehr Iweins an den Artushof
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar Hartmann von Aue, Artusepik
Note
1,0
Autor
Jahr
1997
Seiten
20
Katalognummer
V266777
ISBN (eBook)
9783656571193
ISBN (Buch)
9783656571162
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Umfang: 20 Seiten (6140 Wörter nach Zählung des Schreibprogramms "word")
Schlagworte
Artusepik, Artusroman, Iwein, Hartmann, Hartmann von Aue, Artus
Arbeit zitieren
Alexander Pieper (Autor:in), 1997, Die helfe-Thematik in Hartmann von Aues "Iwein", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266777

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