Der Beitrag des Atheismus zu einem ethischen Leben


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Der Schatten über dem Atheismus

2 Abschied von Gut und Böse

3 Der Atheismus als „neue Religion“?

4 Spiritualität im Atheismus

5 Schluss: Der Weg zu einer praktischen Ethik durch den Atheismus

6 Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Hausarbeit möchte sich mit dem Thema Atheismus beschäftigen und mit dessen Beitrag zu einem ethischen Leben. Da mich dieses Thema persönlich interessiert, habe ich diesen Titel gewählt. In Kapitel 1 soll geklärt werden, was man unter dem Begriff Atheismus bzw. Atheist versteht. Es wird veranschaulicht, wie sehr er unter den Religionen gelitten hatte. Die Präsenz des Atheismus in Deutschland wird ebenfalls angesprochen. In Kapitel 2 wird das Thema der moralischen Kategorisierung nach Michael Schmidt-Salomon diskutiert und dessen Konsequenz mit der die Menschen heute leben. Die Selektion in „Gut“ und „Böse“ ist ebenso ein Thema, wie die Dehumanisierung des Menschen. Auch werden die Nachteile einer Religion bezüglich Ingroup-Outgroup-Denken veranschaulicht.

Kapitel 3 stellt Überlegungen dazu an, was unter Religion zu verstehen und ob der Atheismus eine solche zu bezeichnen ist. Die Hausarbeit geht auf einzelne religiöse Merkmale ein und analysiert, ob diese auf den Atheismus zutreffen. In Kapitel 4 wird versucht die Spiritualität eines Atheisten zu ergründen. Es wird herausgestellt, welche Vorteile sie für ihn hat. Kapitel 5 schließt die Überlegungen mit den gewonnenen Ergebnissen ab.

1 Der Schatten über dem Atheismus

„Atheismus (v. griech. átheos, >gottlos<), Haltung, die die Existenz eines oder mehrerer Götter bzw. des Göttlichen leugnet.“

Der Begriff Atheist, wie man ihn in der heutigen Zeit versteht, ist per se noch sehr jung. Er ist in dieser Form eine negative Bezeichnung, denn die Übersetzung A-theist (ohne Gott) weist einen Mangel von etwas auf. In der Vergangenheit wurde dieser Begriff oft mit Luzifer oder Teufel gleichgestellt. Wenn man sich nun das Wort Luzifer anschaut was zu Deutsch „Lichtbringer“1 bedeutet, erkennt man die Parallele zum Zeitalter der Aufklärung (engl. Age of Enlightenment), das Licht in das „dunkele“ Mittelalter bringen sollte. „Sapere Aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Ist also der Wahlspruch der Aufklärung“2 und damit ein bewusster Gebrauch des Verstandes. Das Wort Atheist entstammt der Wortschöpfung von Gottgläubigen und man wird als ein solcher bezeichnet bzw. laut deren Meinung abgewertet. Das spricht nicht unbedingt für eine tugendhafte Toleranz der Religionen. Schon früh in der Geschichte der Menschheit wurde Philosophen wie Epikur Atheismus vorgeworfen. Jedoch beweisen seine Fragmente das Gegenteil:

„Es entspricht nämlich seiner Lehre, dass Götter existierten, weil es notwendig sei, dass es eines außerordentliche Natur gebe, im Vergleich mit der es nichts Besseres geben könne.“3 Es wird kein Gott negiert, wie es das Wort Atheist suggeriert, sondern gleicht eher einem Bekenntnis zum Polytheismus. Vielen kritischen Menschen, ob Gläubige oder Priester wurden atheistische Neigungen in ihren Werken oder Aussagen angekreidet, um sie so zu bestrafen, sei es im Arrest oder auf dem Scheiterhaufen. Und das meist nur, weil sie sich intellektuell mit den Fragen des Lebens auseinandersetzen oder auch Dogmen kritisch analysierten. Von den vier Freiheiten die Präsident Roosevelt propagiert, ist man hier noch Jahrhunderte entfernt. So schreibt auch der französische Philosoph Michel Onfray:

„Atheist ist weniger eine Bezeichnung für den Gottesleugner, sondern ein Mittel, um den Gedanken an ein von den Autoritäten und von der gesellschaftlichen Bevormundung des Denkens befreites Individuum zu verfolgen und zu bestrafen.“4

Dann kam der Mann, der behauptete „(…)ich bin mehr Dynamit als Mensch(…)“5 und verdeutlichte, dass der Atheismus nicht als Endziel dienen sollte. Das Vakuum, das durch den Wegfall Gottes entstehen könnte, muss durch eine neue Moral und eine neue Ethik kompensiert werden. Friedrich Nietzsche. Oft in seinem post-christlichen Denken kontrovers diskutiert zog er die Aufmerksamkeit der westlichen Welt auf sich.

So divergierend die drei Monotheismen auch sind, so geschlossen verurteilen sie den „amoralischen“ Atheismus. Dass dieser jedoch keineswegs ohne moralische Werte daherkommt, möchte diese Hausarbeit in einem späteren Kapitel erläutern. Nicht ungeachtet sollte hingegen die Tatsache bleiben, dass, was sich in den drei großen Religionen in den letzten Jahrtausenden an unmoralischen Verbrechen ereignet hatte. Die „Sünden“, um im Wortschatz der Beschuldigten zu artikulieren, füllen unzählige Seiten der Literatur, von den Kreuzzügen bis hin zu der Bartholomäusnacht, von den Hexenverbrennungen bis hin zu den religiös-motivierten „heiligen“ Kriegen. Das die heiligen Schriften Grund genug dazu gaben, gefährliche Verbrechen zu rechtfertigen ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere, vielleicht noch schwerwiegendere Untat, ist die Minderheit von positiven Vorbildern der Religionsvertreter. Weder Päpste noch Imame oder Rabbiner geben heutzutage noch öffentlich ein positives Beispiel ab, wie man sich ethisch verhalten sollte. Negative Schlagzeilen drängen sich stattdessen auf die Zeitungen. Die Menschen sind beschämt über ihre „ethischen Vorbilder“. Titel wie: Kindesmissbrauch, Karikaturenstreit oder die Veruntreuung von Spendengeldern sind nur ein kleiner Auszug der der Kirche eine Flut von Austritten bescherte. Man bedenke nur, was geschehen würde, hielte man lediglich an jenes Gebot aus der Bibel: „Du sollst nicht töten!“6. Das Fundament einer echten Ethik, das in einem friedlicheren Zusammenleben resultieren könnte.

Nachrichten aus dem Alltag beweisen jedoch das Gegenteil. Fundamentalisten mit religiösem Hintergrund sprengen sich in Menschmengen in die Luft bzw. unterstützen die katholischgeprägten Hutu am Völkermord der atheistischen Tutsi in Ruanda. Im letzteren Fall wurden etliche katholische Priester und Nonnen beschuldigt, “(…)bei dem Blutbad teilnahmslos zugesehen oder gar den Mördern geholfen [zu haben, M. J.], die binnen hundert Tagen 800.000 Menschen umbrachten.“7. Doch nicht alle wurden zur Rechtfertigung gezogen. „Über diejenigen aber, die fliehen konnten, halten Vatikan und Kirchenfürsten ihre schützenden Hände.“8. Dies war keine Ausnahme, denn schon während des Terrorregimes der

Nationalsozialisten gab es keinen Einspruch der geistlichen Obrigkeit bezüglich den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 oder Reichskristallnacht von 1938. Ganz im Gegenteil, der Klerus gewährte dem Hitlerregime Einblicke in die Abstammungsurkunden, die offen legten wer ein Christ war und wer keiner.

Für den Atheismus ist charakterisierend, dass er sämtliche Anschauungen kritisch begutachtet. Es ist also nicht verwunderlich, dass Atheisten z. B. die Religion des Christentums weitaus besser kennen, als so mancher Katholik oder Protestant. Der SPIEGEL berichtete über eine Umfrage zum Thema Glaubensinhalte, Geschichte und Vertreter von Weltreligionen, die in den USA durchgeführt worden war9. Die Gelehrsamkeit der Atheisten und Agnostiker übertraf das Fachwissen der Gläubigen, was darauf schließen ließ, dass diese sich ernsthaft mit verschiedenen Religionsinhalten beschäftigten. Die Zahl der Atheisten in Deutschland steigt jährlich und liegt mittlerweile bei 34,6 %. Sie übersteigt damit die römisch-katholische (29,7 %), die protestantische (29,6 %) und die muslimische (4,4 %) Religion.10

Heute gibt es etliche Vereinigungen von Atheisten z. B. die Giordano Bruno Stiftung, die ihren Sitz in Masterhausen im Hunsrück hat. Die Stiftung beschäftigt sich mit den Fragen des evolutionären Humanismus und dem naturalistischen Weltbild, der Religionskritik/Säkularismus, der Ethik und der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie.11

Mit diesem kurzen Exkurs wollte dieses Kapitel nochmals verdeutlichen, wie sehr der Atheismus unter den Religionen gelitten hat und welche ethischen Verstöße letztere gegen ihre Normen noch heute verüben. Viele Atheisten waren gläubig, bis sie ihre heilige Schrift mit einem kritischen Auge lasen.

2 Abschied von Gut und Böse

Um die Ursache dieser Kategorisierung anzusprechen, muss die Situation zu Eva zurückgeführt werden, die den besagten Apfel des Baumes der Erkenntnis pflückte, um ihn ihrem Gatten zum Verzehr anzubieten. Hier entsprang nach theologischer Auffassung die so genannte Erbsünde. Jenes Vergehen, das die gesamte Menschheit von Geburt an schuldig spricht. Erst mit dem Sakrament der Taufe wird diese Schuld neutralisiert. Michael SchmidtSalomon geht hier von zwei Axiomen aus. Das erste besagt, das man grundsätzlich über „Willensfreiheit“ und prinzipiell immer über alternative Entscheidungsmöglichkeiten verfügt.

1 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2009

2 Kant, Immanuel: Die Kritiken. Neu-Isenburg 2008, S. 633

3 Epikur: Wege zum Glück. Düsseldorf/Zürich 2005, S. 33, Fragment Nr. 53

4 Onfray, Michel: Wir brauchen keinen Gott. München 2006, S. 50

5 Colli, Giorgio und Montinari, Mazzino: Friedrich Nietzsche - Ecce homo. KSA 6. München 2008, S. 365

6 Luther, Martin: Die Bibel. Stuttgart 1999. 2. Mose 20,13

7 Schwarz, Birgit: Mit Weihrauch und Machete. 03.01.2000. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d- 15348789.html (Stand: 25.11.2010)

8 Ebd.

9 Bojanowski, Axel: Ungläubige kennen Religionen am besten. 30.09.2010 http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,720441,00.html (Stand 25.11.2010)

10 Dr. Frerk, Carsten: Weltanschauungen in Deutschland (2010), http://fowid.de/: (Stand: 25.11.2010)

11: http://www.giordano-bruno-stiftung.de (Stand: 25.11.2010)

[...]


Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Beitrag des Atheismus zu einem ethischen Leben
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Kulturwissenschaften/Ethik)
Veranstaltung
Friedrich Nietzsche und die Antichristen
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V266839
ISBN (eBook)
9783656571575
ISBN (Buch)
9783656571490
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Atheismus, Atheist, Religionskritik
Arbeit zitieren
Marco José (Autor:in), 2010, Der Beitrag des Atheismus zu einem ethischen Leben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266839

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