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Ästhetik des Verschwindens bei Christian Kracht

Zur Regression in "Faserland", "1979", "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" und "Metan"

Titel: Ästhetik des Verschwindens bei Christian Kracht

Masterarbeit , 2013 , 67 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Sören Benjamin Sobbe (Autor:in)

Didaktik für das Fach Deutsch - Literatur, Werke
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, wie das Verschwinden in den Büchern Christian Krachts behandelt wird, welche Funktion und Bedeutung es hat und welche Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Entwicklungen sich in Bezug auf das Verschwinden feststellen lassen. Als Ergebnis dieser Untersuchung soll anschließend eine Ästhetik des Verschwindens in den Romanen Christian Krachts formuliert werden.
Den Untersuchungsgegenstand bilden die drei ersten Romane von Christian Kracht, die in der Fachliteratur als eine Trilogie bezeichnet werden: Faserland (1995), 1979 (2001) und Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten (2008). Obwohl diese drei Bücher weder vom Autor noch vom Verlag als Tri-logie deklariert worden sind, wird sich zeigen, dass zwischen ihnen zahlreiche Gemeinsamkeiten, insbesondere mit Blick auf den Verschwindens-Diskurs, bestehen. Des Weiteren wird das Werk Metan analysiert, das Kracht 2007 zusammen mit Ingo Niermann veröffentlicht hat. Die beiden Autoren haben bereits gemeinsam am von Joachim Bessing herausgegebenen Sammelband Tristesse Royale (1999) mitgearbeitet. Metan, ein literarisches Experiment, stellt eine scheinbar wissenschaftliche Behandlung des Verschwindens dar, obwohl es sich bei diesem Buch eigentlich um Prosa handelt. Obgleich in einem ganz anderen Stil geschrieben, ist dieser Roman (?) eng mit der Trilogie Krachts verknüpft.
Die vorliegende Arbeit ist dreigeteilt: Im ersten Teil wird dargestellt, wie die Ästhetik des Verschwindens in der Philosophie von Jean Baudrillard und Paul Virilio verstanden wird, welche sich umfassend mit ihr beschäftigt haben und eine „Kunst des Verschwindens“ beschreiben, die wiederum trefflich auf die Literatur übertragen werden kann. Die philosophischen Überlegungen sollen einen gedanklichen Ausgangspunkt für die Betrachtung der Prosa im zweiten Teil darstellen. Dort nämlich werden die vier Bücher analysiert. Dieser Teil unterteilt sich in zwei Unterkapitel: das Verschwinden eines Einzelnen und das der gesamten Gesellschaft. Im dritten Teil werden schließlich die Ergebnisse zusammengefasst und strukturiert. Indem die Erkenntnisse über den Verschwindens-Diskurs vereint werden, ergibt sich eine Ästhetik des Verschwindens bei Christian Kracht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition der Ästhetik des Verschwindens

3. Verschwinden bei Christian Kracht

3.1 Jemand verschwindet

3.1.1 Faserland

3.1.1.1 Örtliches Verschwinden

3.1.1.2 Flucht vor Gesellschaft und Geschichte

3.1.1.3 Verschwinden aus dem Leben

3.1.2 1979

3.1.2.1 Herr-Knecht-Verhältnisse

3.1.2.2 Mavrocordato

3.1.2.3 Der Berg Kailas und das chinesische Arbeitslager

3.2 Alles verschwindet

3.2.1 Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten

3.2.1.1 Genremix

3.2.1.2 Die SSR

3.2.1.3 Das Réduit

3.2.1.4 Regression der Technologie und der Gesellschaft

3.2.2 Metan

3.2.2.1 Pseudo-Sachbuch mit abstrusen Kausalketten

3.2.2.2 Der neue „Mensch“

4. Ästhetik des Verschwindens bei Christian Kracht

5. Schlussgedanken

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das Motiv des „Verschwindens“ in den ersten drei Romanen von Christian Kracht sowie im literarischen Experiment Metan, um auf dieser Grundlage eine spezifische Ästhetik des Verschwindens bei Kracht zu formulieren und deren Bedeutung im Kontext zeitgenössischer gesellschaftlicher Entwicklungen zu beleuchten.

  • Analyse philosophischer Grundlagen des Verschwindens bei Jean Baudrillard und Paul Virilio.
  • Untersuchung des Verschwindens von Protagonisten als Fluchtreaktion und Identitätskrise.
  • Betrachtung gesellschaftlicher Auflösungsprozesse und technologischer Regression.
  • Vergleich der verschiedenen Ausprägungen des Verschwindens über das gesamte untersuchte Werk hinweg.

Auszug aus dem Buch

3.1.1.1 Örtliches Verschwinden

Die Enden der Kapitel beziehungsweise die Übergänge zwischen den Kapiteln fallen mit dem jeweiligen Verschwinden des Protagonisten an und von einem Handlungsort zusammen. So endet das erste Kapitel mit dem Satz „Ich glaube, ich werde nicht mehr nach Sylt fahren.“ und das zweite beginnt damit, dass der Protagonist im Zug nach Hamburg sitzt. Das zweite Kapitel schließt mit einer Taxifahrt weg von einer Party, bei welcher der Protagonist, wie so häufig, spontane Referenzen auf den Nationalsozialismus aufzeigt:

Das Taxi fährt los, und ich beobachte, wie der Rauch sich aus dem Fenster schlängelt, das ich einen Spalt weit geöffnet habe. Hamburg wacht auf, denke ich, und dann muß ich plötzlich an die Bombennächte im Zweiten Weltkrieg denken und an den Hamburger Feuersturm und wie das wohl war, als alles ausgelöscht wurde […].

Das Besondere bei diesem Verschwinden ist, dass der Protagonist bewusst zu Nigels Wohnung zurückkehrt, obwohl er sich sonst treiben lässt. Er verschwindet also einerseits – fluchtartig – von der Party, kehrt aber an einen bereits bekannten Handlungsort zurück. Aufgrund der Orgie in Nigels Bett verlässt er die Wohnung sofort wieder und fliegt mit dem Flugzeug nach Frankfurt. Dem Leser erklärt der Ich-Erzähler die Wahl des Reiseziels nicht. Es darf angenommen werden, dass er es selbst nicht weiß. Auf jeden Fall genießt er beim Fliegen den Gang zwischen Flughafen und Maschine:

Dieser Moment ist fast das Beste am Fliegen, wenn man aus dem Bus steigt und der Wind den Mantel hochweht und man den Koffer fester mit der Hand umschließt, […]. Das ist so eine Art Übergang von einem Leben ins andere oder eine Mutprobe. Irgend etwas ändert sich im Leben, alles wird für einen kurzen Moment erhabener.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Popliteratur von Christian Kracht, Vorstellung des Verschwindens als zentrales Motiv und Darlegung der dreigeteilten Struktur der Arbeit.

2. Definition der Ästhetik des Verschwindens: Philosophische Fundierung des Verschwindens durch die Theorien von Jean Baudrillard und Paul Virilio als Prozess der Entfremdung und Technisierung.

3. Verschwinden bei Christian Kracht: Hauptteil, der in zwei Unterkapiteln das Verschwinden des Einzelnen in den ersten Romanen sowie das Verschwinden ganzer Gesellschaften in den späteren Werken analysiert.

3.1 Jemand verschwindet: Analyse des Verschwindens von Protagonisten in den Romanen Faserland und 1979 als Ausdruck von Identitätskrise und Flucht.

3.1.1 Faserland: Untersuchung der Deutschlandreise des namenlosen Protagonisten und seiner Suche nach einer Fluchtmöglichkeit aus der Leere bis hin zum finalen Verschwinden.

3.1.1.1 Örtliches Verschwinden: Beschreibung der wechselnden Aufenthaltsorte als Stationen einer Verschwindens-Tour durch ein als unerträglich empfundenes Deutschland.

3.1.1.2 Flucht vor Gesellschaft und Geschichte: Analyse der Oberflächlichkeit und der Verdrängung historischer sowie emotionaler Zusammenhänge durch den Protagonisten.

3.1.1.3 Verschwinden aus dem Leben: Deutung der Suizidvorahnungen und des finalen Verschwindens auf dem Zürichsee als logische Konsequenz der Sinnsuche.

3.1.2 1979: Analyse des zweiten Romans, in dem der Protagonist in eine revolutionäre Umwelt gerät und von anderen Instanzen gelenkt wird.

3.1.2.1 Herr-Knecht-Verhältnisse: Untersuchung der Abhängigkeit des Protagonisten von wechselnden Autoritätsinstanzen bei gleichzeitiger innerer Leere.

3.1.2.2 Mavrocordato: Analyse der Funktion Mavrocordatos als mysteriöse Projektionsfläche für die Verschwindensthematik des Romans.

3.1.2.3 Der Berg Kailas und das chinesische Arbeitslager: Untersuchung der religiösen Sinnsuche und der anschließenden Läuterung durch physische Unterwerfung.

3.2 Alles verschwindet: Übergang von der Betrachtung des Individuums hin zur Analyse der Auflösung ganzer Gesellschaften im Werk Krachts.

3.2.1 Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten: Analyse der dystopischen alternate history, in der eine Gesellschaft im ewigen Kriegszustand stagniert und sich auflöst.

3.2.1.1 Genremix: Untersuchung der bewussten Verwendung verschiedener Genre-Elemente als Ausdruck einer inhaltlichen Leere.

3.2.1.2 Die SSR: Beschreibung des Stillstands einer Gesellschaft, deren Zukunftsvisionen sich als hohl erweisen.

3.2.1.3 Das Réduit: Analyse der unterirdischen Festungsanlage als hohler Raum und Symbol für den Verlust der gesellschaftlichen Ordnung.

3.2.1.4 Regression der Technologie und der Gesellschaft: Untersuchung der bewussten Rückkehr zu primitiveren Lebensformen als Ausweg aus der technisierten Sackgasse.

3.2.2 Metan: Analyse des pseudo-wissenschaftlichen Experiments, das die Erschaffung eines neuen, auf Methan basierenden Menschen thematisiert.

3.2.2.1 Pseudo-Sachbuch mit abstrusen Kausalketten: Untersuchung der absurden Argumentationsstruktur des Textes als Persiflage einer Verschwörungstheorie.

3.2.2.2 Der neue „Mensch“: Beschreibung der Transformation zu post-humanen Wesen durch die Ersetzung von Sauerstoff durch Methan.

4. Ästhetik des Verschwindens bei Christian Kracht: Zusammenfassende Synthese der Analyseergebnisse zu einer Ästhetik des Verschwindens im gesamten betrachteten Werk.

5. Schlussgedanken: Ausblick auf die weitere literarische Entwicklung Krachts mit Blick auf seinen Roman Imperium als Kontrastkonzept.

Schlüsselwörter

Christian Kracht, Faserland, 1979, Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten, Metan, Verschwinden, Ästhetik des Verschwindens, Popliteratur, Jean Baudrillard, Paul Virilio, Identitätskrise, Regression, Dystopie, Technisierung, Globalisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das wiederkehrende Motiv des Verschwindens in den ersten drei Romanen von Christian Kracht sowie in seinem Werk Metan und verknüpft dieses literarische Motiv mit philosophischen Theorien über das Verschwinden in einer technisierten Moderne.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den zentralen Themen gehören Identitätsverlust, die Oberflächlichkeit der postmodernen Gesellschaft, die Rolle von Technologie, gesellschaftliche Regression sowie der Akt des Aussteigens bzw. Verschwindens als radikale Reaktion auf Sinnlosigkeit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Verschwinden in den behandelten Büchern thematisiert wird, welche Funktionen es erfüllt und daraus abschließend eine Ästhetik des Verschwindens bei Christian Kracht zu formulieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Textanalyse der vier ausgewählten Werke Krachts, die durch die Anwendung philosophischer Konzepte von Jean Baudrillard und Paul Virilio theoretisch gerahmt und durch Rückgriff auf einschlägige Fachliteratur ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Abschnitte: Zuerst das Verschwinden von Individuen in den Romanen Faserland und 1979, danach die Analyse der Auflösung ganzer Gesellschaften in Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten sowie in Metan.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Zentrale Begriffe sind neben dem Verschwinden selbst auch Begriffe wie Identitätskrise, Popliteratur, Regression, Dystopie, Enttechnisierung und die philosophischen Entwürfe von Baudrillard und Virilio.

Welche Rolle spielt der Protagonist Mavrocordato im Roman 1979?

Mavrocordato fungiert als vielschichtige Projektionsfläche und Katalysator für das Verschwinden, indem er den Protagonisten zu der Reise zum Berg Kailas animiert und so den Prozess der physischen und mentalen Auflösung des Erzählers einleitet.

Was ist die Bedeutung des „Réduit“ im Roman Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten?

Das Réduit dient als Mikrokosmos und Symbol für die Stagnation und Dekadenz der gesamten SSR; als hohler Raum, der keine reale Funktion mehr erfüllt, spiegelt es die Sinnlosigkeit der dortigen Gesellschaft wider.

Warum wird Metan als ein pseudo-wissenschaftliches Werk bezeichnet?

Der Text wird so bezeichnet, da er mittels langer, teils abstruser Kausalketten und einer Zirkellogik eine fiktive, wissenschaftlich wirkende Darstellung einer weltweiten Methanisierung und Terraformierung konstruiert, um eine Persiflage auf verschwörungstheoretisches Denken zu erzeugen.

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Details

Titel
Ästhetik des Verschwindens bei Christian Kracht
Untertitel
Zur Regression in "Faserland", "1979", "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" und "Metan"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,0
Autor
Sören Benjamin Sobbe (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
67
Katalognummer
V266865
ISBN (eBook)
9783656582328
ISBN (Buch)
9783656580270
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ästhetik Verschwinden Kracht Faserland 1979 Ich werde hier sein Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten Metan
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sören Benjamin Sobbe (Autor:in), 2013, Ästhetik des Verschwindens bei Christian Kracht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266865
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  67  Seiten
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