Die vergleichende Analyse des Originaltextes "Harry Potter and the Philosopher’s Stone" von Joanne K. Rowling und der drei durch Klaus Fritz übersetzten Ausgaben von "Harry Potter und der Stein der Weisen" bildet den Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Untersucht werden soll dabei zum einen die Qualität des zwischensprachlichen Transfers, also Fritz’ übersetzungshandwerkliche Herangehensweise, und zum anderen die Textentwicklung der deutschen Fassung im Laufe weiterer Ausgaben. So wird festgestellt, wie sich der Übersetzer selbst auf der einen und der betreuende Verlag auf der anderen Seite um größtmögliche Treue zum Original bemühten. Maßgebend für meine Betrachtungen und Bewertungen war deshalb stets die Frage, wie stark dem Anspruch der größtmöglichen Nähe zum Ursprungstext Rechnung getragen wurde und wie im Sinne des Textverständnisses in der Zielsprache bisweilen Kompromisse gefunden wurden.
Im ersten Untersuchungsteil soll festgestellt werden, wie sehr sich Fritz im Allgemeinen, also mit Blick auf den Gesamttext, um die Einhaltung der Prämisse „Treue zum Original“ bemühte. Unabhängig von bekannten Schwierigkeiten der literarischen Übersetzung wird so offengelegt, welcher individuelle Leitfaden für seine Arbeit maßgebend war. Dazu werden die eklatantesten Abweichungen seiner Fassung vom Original aufgelistet und untersucht, ob und wie Bedeutungsveränderungen, Anpassungen sowie Auslassungen in der späteren deutschen Ausgabe 3 korrigiert wurden.
Der zweite Teil der Analyse widmet sich problematischen Aspekten, die in der Forschungsliteratur als typische Schwierigkeiten der literarischen Übersetzung beschrieben werden: An diesen Stellen stehen Übersetzer immer wieder vor der Entscheidung, ob der Treue zum Original auch zu Lasten der Verständlichkeit für die zielsprachlichen Leser stattgegeben werden sollte. Hierzu werde ich exemplarisch für Fritz’ Umgang mit problematischen stilistischen Aspekten seine Übertragung eines Dialekts untersuchen und bewerten. Anhand seiner Übersetzung der Personennamen soll gezeigt werden, wie Fritz einer in der Forschungsliteratur vielfach thematisierten inhaltlichen Schwierigkeit der literarischen Übersetzung begegnete.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Treue zum Original – zwischen Übersetzung und Bearbeitung
3 FRITZ’ Abweichungen vom Original
3.1 Übersetzungsfehler
3.2 Anpassungen von Kulturspezifika
3.3 Auslassungen
3.4 Inadäquate Übersetzungen
3.5 „Verbesserungen“ des Originals
3.6 Zwischenfazit
4 FRITZ’ Übertragung des Dialekts
5 FRITZ’ Umgang mit Personennamen
6 Gesamtfazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Qualität der deutschen Übersetzung von J. K. Rowlings "Harry Potter and the Philosopher’s Stone" durch Klaus Fritz. Dabei steht im Zentrum, inwieweit der Anspruch der "Treue zum Original" eingehalten wurde und wie sich die Übersetzung durch verschiedene Ausgaben weiterentwickelte, insbesondere im Hinblick auf sprachliche Präzision, kulturelle Adaptionen und die Charakterisierung von Figuren.
- Analyse der Übersetzungsstrategien von Klaus Fritz im Vergleich zum Originaltext.
- Untersuchung der dialektalen Übertragung der Figur Hagrid in eine deutsche Umgangssprache.
- Bewertung des Umgangs mit Personennamen und der damit verbundenen Herausforderungen.
- Vergleich verschiedener deutscher Ausgaben (Hardcover vs. Taschenbuch) zur Identifikation von Korrekturen.
- Diskussion über das Spannungsfeld zwischen Übersetzungstreue und notwendiger Bearbeitung.
Auszug aus dem Buch
3 FRITZ’ Abweichungen vom Original
Als Maßstab für meine Analyse und die Bewertung von Klaus FRITZ’ Übersetzung und die Prüfung, welche Priorität er der Treue zum Original einräumte, legte ich folgende Frage zugrunde: Würde eine Rückübersetzung der deutschen Fassung ins Englische eine Version hervorbringen, die nahezu identisch (wenn nicht vom Wortlaut, so doch zumindest vom Sinn her) mit dem Original von J. K. ROWLING wäre? Alle daraufhin zu vermerkenden Stellen in der deutschen Fassung wurden von mir sorgfältig und unter Zuhilfenahme verschiedener Quellen (Nachfrage bei englischen Muttersprachlern, Wörterbüchern, Forumsdiskussionen) geprüft, bevor ich sie in meine Auswertung einbezog.
Beim genauen Abgleich der betrachteten Kapitel 1 und 5 aus Original- und Übersetzungsfassung fallen immer wieder Übersetzungen auf, die im Sinne einer möglichst originalgetreuen Übersetzung aus unterschiedlichen Gründen als „misslungen“ bewertet werden können. Diese Abweichungen vom Ausgangstext wurden von mir in fünf Hauptgruppen unterteilt:
1. Offenkundige Übersetzungsfehler, also Übertragungen eines Wortes oder einer Wortfolge mit bestimmter Bedeutung zu einem Wort oder einer Wortfolge mit vom Original abweichender Bedeutung (entscheidend ist für die Einordnung als Übersetzungsfehler hierbei, dass die deutsche Sprache durchaus passende Äquivalente zu den ausgangssprachlichen Formulierungen geboten hätte, die ohne Einbußen für die Textverständlichkeit hätten verwendet werden können)
2. Textliche Veränderungen, die sich daraus ergeben, dass bestimmte Kulturspezifika für deutsche LeserInnen angepasst wurden, um verstanden zu werden
3. Auslassungen, also fehlende Wörter, Sätze oder Passagen
4. Übersetzungen, die nicht zwingend als falsch, zumindest jedoch als missglückt bzw. ungünstig bewertet werden können, weil sie z. B. einen Verlust an Witz oder sprachlicher Raffinesse gegenüber dem Ausgangstext mit sich bringen und in deutscher Fassung übermäßig umständlich klingen
5. „Verbesserungen“ von Formulierungen gegenüber dem Original.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Qualität der deutschen Übersetzung von Harry Potter zu untersuchen, und erläutert die methodische Herangehensweise anhand eines Vergleichs von Originaltext und verschiedenen deutschen Ausgaben.
2 Treue zum Original – zwischen Übersetzung und Bearbeitung: Dieses Kapitel erörtert das theoretische Spannungsfeld zwischen der geforderten Treue zum Original und der notwendigen Anpassung bei literarischen Übersetzungen, besonders für Kinder- und Jugendbücher.
3 FRITZ’ Abweichungen vom Original: In diesem Hauptteil werden spezifische Abweichungen, unterteilt in Übersetzungsfehler, Kulturanpassungen, Auslassungen und "Verbesserungen", tabellarisch präsentiert und deren Korrektur in späteren Auflagen kritisch gewürdigt.
4 FRITZ’ Übertragung des Dialekts: Dieses Kapitel analysiert die Herausforderung der Dialektübersetzung am Beispiel von Hagrids Sprechweise und bewertet die Strategie des Übersetzers, diesen in eine überregionale deutsche Umgangssprache zu übertragen.
5 FRITZ’ Umgang mit Personennamen: Die Untersuchung befasst sich mit der Translation von Eigennamen, hinterfragt die Inkonsequenz bei der Beibehaltung oder Übersetzung redender Namen und deren Auswirkungen auf die Authentizität des Textes.
6 Gesamtfazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, lobt die Kreativität des Übersetzers, moniert jedoch die Inkonsequenz bei der Namenswahl und betont die Verantwortung des Übersetzers für die Wirkung des Werkes in der Zielsprache.
Schlüsselwörter
Harry Potter, Klaus Fritz, Literaturübersetzung, Translation, Treue zum Original, Dialektübersetzung, Personennamen, Kulturspezifika, Übersetzungsfehler, Bearbeitung, J. K. Rowling, Carlsen Verlag, Jugendbuch, Sprachvergleich, Textkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer literaturwissenschaftlichen Untersuchung der deutschen Übersetzung des ersten Harry-Potter-Bandes durch Klaus Fritz, wobei ein besonderer Fokus auf der Treue zum Original liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Qualität des zwischensprachlichen Transfers, die Übersetzung von Dialekten (speziell bei der Figur Hagrid), der Umgang mit Personennamen sowie die Textentwicklung über verschiedene deutsche Ausgaben hinweg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ermitteln, welche Priorität der Übersetzer der "Treue zum Original" einräumte und wie er mit den spezifischen Herausforderungen, wie etwa dem Dialekt des Autors oder redenden Eigennamen, umging.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden Ansatz (Translation Review), indem sie den englischen Originaltext von J. K. Rowling mit den entsprechenden Passagen der deutschen Übersetzungsfassungen von Klaus Fritz abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Abweichungen (Fehler, Auslassungen, Kulturanpassungen) kategorisiert, die Dialektübertragung von Hagrid analysiert und die Inkonsequenz bei der Übersetzung von Personennamen kritisch hinterfragt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Literaturübersetzung, Translation, Treue zum Original, Personennamen, Dialekt, Kulturspezifika und Textkritik.
Wie geht der Übersetzer mit Hagrids Dialekt um?
Klaus Fritz überträgt den westenglischen Dialekt nicht in einen spezifischen deutschen Dialekt, sondern in eine überregionale, leicht saloppe Umgangssprache, um Hagrids gemütliche und etwas tollpatschige Art zu bewahren.
Warum ist die Übersetzung der Personennamen problematisch?
Die Problematik liegt in der Inkonsequenz: Während einige Namen unverändert übernommen wurden, um den britischen Schauplatz zu wahren, wurden andere Namen (wie z. B. bei Schulbuchautoren) übersetzt, was zu einer undurchschaubaren Mischung führt.
- Arbeit zitieren
- Wiebke Hugen (Autor:in), 2013, Probleme bei der deutschen Übersetzung von J. K. Rowlings "Harry Potter and the Philosopher’s Stone", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/266947