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Die Illusion der Willensfreiheit

Gerhard Roth und ein neurobioligisches Menschenbild

Title: Die Illusion der Willensfreiheit

Term Paper , 2012 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Claudia Eichenberg (Author)

Pedagogy - Theory of Science, Anthropology
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Die Neurobiologie gilt als die neue Leitwissenschaft unserer Zeit. Aufgrund schneller Fortschritte in der neurobiologischen Fortschritte wird das Wissen über die Funktionsweise des Gehirns permanent vermehrt. Die aktuellen neurobiologischen Erkenntnisse werden vielfach diskutiert, idealisiert oder auch kritisiert. Die Hirnforschung, als neuzeitliche Wissenschaft revidiert aktuell unser geisteswissenschaftlich geprägtes Menschenbild. “Der Mensch als “handelndes selbstbestimmtes Subjekt” wird durch Ergebnisse der neurobiologischen Forschung in Frage gestellt. “Dies schließt insbesondere eine Nivellierung der ursprünglich fundamentalen Unterschiede zwischen dem Menschen und der belebten und unbelebten Natur ein” (Pauen 2007, 41).
Natürlich können durch naturalistische Erklärungsmuster Akzente und Nuancen in der menschlichen Eigenwahrnehmung verändert werden. Ob neurobiologische Erkenntnisse unser Menschenbild verändern hängt nicht zuletzt davon ab, was wir als Erklärungsmuster akzeptieren und unter welchen Gesichtspunkten wir Experimente, wie das Libet-Experiment, interpretieren. Die wissenschaftliche Erörterung darüber, ob der Mensch ein selbstbestimmtes Wesen oder durch neuronal-determinierte Abläufe gesteuert ist, sorgt insbesondere unter Psychologen, Philosophen, Theologen und Neurologen für teils sehr emotionsgeladene Diskussionen.
Die bis dato sozialwissenschaftlich ausgerichtete Pädagogik hält sich bisher, in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen der Neurobiologie, zurück. Großes pädagogisches Interesse an Ergebnissen der Hirnforschung besteht insbesondere im Bereich der Themen Bildung und Lernen. Man erhofft sich aufgrund gewonnener Kenntnisse hilfreiche Hinweise, um Lernprozesse und pädagogischen Förderungsbedarf effizienter gestalten zu können. “Die Heilpädagogik erhofft sich von differenzierteren hirnorganischen Befunden mehr diagnostische Aussagekraft und dadurch ein besseres Verstehen dieser Kinder, z.B. bei dem immer häufiger beobachteten Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) oder Kinder mit Autismus” (vgl. Speck 2008, 12).
Eine intensive pädagogische Auseinandersetzung mit dem neurobiologischen Menschenbild hat bisher nicht stattgefunden. Dabei beeinflusst das der Pädagogik allgemein zugrundeliegende Menschenbild maßgeblich die pädagogische Haltung und hat erheblichen Einfluss auf pädagogische Zielsetzungen und Interventionen [..]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Menschenbilder

1.1 Das geisteswissenschaftliche Menschenbild

1.2. Das naturalistische Menschenbild

1.3 Auf dem Weg zu einem neuronalem Menschenbild?

2. Das neuronale Menschenbild nach Roth

2.1 Willensfreiheit als Tatsache oder lediglich ein Gefühl?

2.2 Das Libet-Experiment als Beweis für eine nicht existente Willensfreiheit?

2.3 Der neurobiologische Determinismus und die persönliche Schuldfrage

2.4 Der Homo neurobiologicus nach Roth

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit setzt sich kritisch mit den Thesen des Neurobiologen Gerhard Roth auseinander, um zu untersuchen, inwiefern die moderne Hirnforschung das traditionelle Verständnis von Willensfreiheit in Frage stellt und welche Konsequenzen dies für das pädagogische Menschenbild hat.

  • Gegenüberstellung geisteswissenschaftlicher und naturalistischer Menschenbilder
  • Analyse der neurobiologischen Determinismustheorie nach Gerhard Roth
  • Kritische Würdigung des Libet-Experiments und dessen Interpretationsspielraum
  • Diskussion der Vereinbarkeit von neurobiologischer Determination und persönlicher Verantwortung
  • Reflexion über die Rolle und Zukunft der Erziehungswissenschaften unter neurobiologischem Einfluss

Auszug aus dem Buch

2.2 Das Libet-Experiment als Beweis für eine nicht existente Willensfreiheit?

Die experimentelle Grundlage für die Annahme der Neurowissenschaftler, der Mensch verfüge über keinen freien Willen, ist das Experiment von Benjamin Libet, welches in der 80er Jahren stattfand. Der amerikanische Neurophysiologe wollte in diesem Experiment die zeitliche Abfolge einer bewussten Handlungsentscheidung und der entsprechenden körperlichen Reaktion messen. Die Versuchspersonen wurden darauf trainiert, innerhalb einer gegebenen Zeit spontan den Entschluss zu fassen, einen Finger der rechten Hand oder die ganze rechte Hand zu beugen. Um den Zeitpunkt der Handlungsentscheidung zu bestimmen benutzte Libet eine Art Uhr. Ein Lichtpunkt bewegte sich auf einer kreisförmigen Skala, und der Proband sollte sich zum Zeitpunkt seiner Entscheidung die Position des Lichtpunkts auf der Skala merken. Durch diese Anordnung konnte Libet den Zeitpunkt der bewussten Wahrnehmung des Probanden auf etwa 50 Millisekunden genau bestimmen. Außerdem wurden die Hirnströme und Muskelbewegungen des Probanden gemessen, so dass sich nicht nur der genaue Zeitpunkt einer motorischen Bewegung bestimmen ließ, sondern auch das Ansteigen des sogenannten Bereitschaftspotentials, das heißt, der Vorbereitung einer Bewegung im motorischen Cortex des Gehirns. Es zeigte sich, dass das Gehirn die Bewegung der Hand bereits zu einem Zeitpunkt vorbereitete, zu dem der Proband selbst noch gar nicht die Absicht hatte, die Bewegung tatsächlich auszuführen. Bis zu einer Sekunde vor der tatsächlichen Entscheidung signalisierte die Aktivität des motorischen Cortex bereits die erst später folgende Handlungsabsicht. Die Schlussfolgerung Libets aus diesem Experiment lautete, dass Willenshandlungen von unbewussten, subcortialen Instanzen in unserem Hirn vorbereitet werden und somit nicht völlig frei sind. Es besteht lediglich ein sogenanntes „Veto“ mit dem das initiierte Bereitschaftspotential abgeblockt werden kann (vgl. Roth 2003, 520). Diese Ergebnisse wurden und werden vielfach diskutiert. Nicht zuletzt deshalb, da sie herangezogen werden, um die Willensfreiheit des Menschen grundsätzlich in Frage zu stellen. Ein Hauptkritikpunkt am Libet-Experiment stellt die Tatsache dar, dass es sich bei den ausgeführten Bewegungen um sehr einfache und eingeübte Reaktionen handelte, welche nicht mit komplexen Willensentscheidungen, welche ein gründlichen Abwägen von Argumenten voraussetzen, gleichzusetzen ist.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den wachsenden Einfluss der Neurobiologie als Leitwissenschaft und hinterfragt deren Herausforderung für das traditionell geisteswissenschaftlich geprägte Menschenbild in der Pädagogik.

1. Menschenbilder: Dieses Kapitel differenziert zwischen geisteswissenschaftlichen und naturalistisch-deterministischen Menschenbildern und diskutiert deren jeweilige normative Bedeutung für das gesellschaftliche Selbstverständnis.

2. Das neuronale Menschenbild nach Roth: Hier werden die Kernthesen Gerhard Roths zu Willensfreiheit, Determinismus und Autonomie untersucht, wobei insbesondere die Rolle des limbischen Systems und die Kritik am freien Willen im Zentrum stehen.

3. Fazit: Das Fazit resümiert die Auswirkungen neurobiologischer Erkenntnisse auf die Pädagogik und warnt vor einer drohenden Selbstdegradierung der Disziplin durch eine unkritische Übernahme deterministischer Menschenbilder.

Schlüsselwörter

Neurobiologie, Willensfreiheit, Determinismus, Gerhard Roth, Libet-Experiment, Menschenbild, Geisteswissenschaften, Hirnforschung, Pädagogik, Handlungsautonomie, limbische System, Verantwortung, Schuldfrage, neuronale Prozesse, Neurobiologischer Determinismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Herausforderung der modernen Neurobiologie an unser traditionelles, auf Willensfreiheit basierendes Menschenbild und beleuchtet die daraus resultierenden Konsequenzen für die pädagogische Praxis.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themen umfassen die Gegenüberstellung von geisteswissenschaftlichen und naturalistischen Sichtweisen, die neurobiologische Theorie von Gerhard Roth, die Debatte über den freien Willen und die Verantwortung des Menschen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Ziel ist es, die Thesen von Gerhard Roth kritisch zu hinterfragen und zu analysieren, wie ein neurobiologisch determiniertes Menschenbild den pädagogischen Auftrag und das Verständnis von Verantwortung verändert.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung und Literaturanalyse neurobiologischer und philosophischer Positionen, ergänzt durch die Reflexion über erziehungswissenschaftliche Konsequenzen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Begrifflichkeiten von Freiheit und Determinismus, diskutiert das berühmte Libet-Experiment, beleuchtet Roths Konzept des "Homo neurobiologicus" und fragt nach der persönlichen Schuld bei neurobiologischer Determination.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Neurobiologie, Willensfreiheit, Determinismus, Gerhard Roth, Hirnforschung und Pädagogik.

Wie bewertet die Autorin die Rolle der Pädagogik in diesem Diskurs?

Die Autorin kritisiert die bisherige passive Haltung der Erziehungswissenschaften und warnt davor, dass diese Zurückhaltung zu einer Selbstdegradierung der Disziplin führt, wenn pädagogische Fragen nur noch durch deterministische Sichtweisen ersetzt werden.

Welche Rolle spielt die Schuldfrage im neurobiologischen Menschenbild nach Roth?

Roth argumentiert, dass persönliche Schuld bei einer biologischen Determination des Menschen im klassischen Sinne wissenschaftlich nicht begründbar ist, weshalb er von einer "Verantwortung ohne persönliche Schuld" spricht.

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Details

Title
Die Illusion der Willensfreiheit
Subtitle
Gerhard Roth und ein neurobioligisches Menschenbild
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Erziehungswissenschaften)
Course
Aktuelle Debatten der Erziehungswissenschaft
Grade
1,3
Author
Claudia Eichenberg (Author)
Publication Year
2012
Pages
18
Catalog Number
V267010
ISBN (eBook)
9783656577621
ISBN (Book)
9783656577645
Language
German
Tags
illusion willensfreiheit gerhard roth menschenbild
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Claudia Eichenberg (Author), 2012, Die Illusion der Willensfreiheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267010
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