Brevier für Gäste

Ein Leitfaden für das 21. Jahrhundert


Ausarbeitung, 2014

34 Seiten


Leseprobe

KAPITELÜBERSICHT

VORWORT

1 VERANSTALTUNGSARTEN
1.1 FRÜHSTÜCK
1.2 BRUNCH
1.3 LUNCH
1.4 TEE
1.5 PICKNICK
1.6 MATINÉE
1.7 SPECTACULUM
1.8 EMPFANG
1.9 DINNER
1.10 KOLLEGIUM
1.11 SYMPOSIUM
1.12 GRILL
1.13 SOIRÉE
1.14 KAMINGESPRÄCH
1.15 BALL
1.16 SOUPER
1.17 TURNIER
1.18 JOURFIXE
1.19 STAMMTISCH
1.20 EXPEDITION

2 VERANSTALTUNGSCHARAKTER
2.1 STANDARDVERANSTALTUNGEN
2.2 GALAVERANSTALTUNGEN
2.3 PRIVATVERANSTALTUNGEN
2.4 PREMIEREN
2.5 VERANSTALTUNGSKOMBINATIONEN

3 KLEIDUNGSVORGABEN
3.1 ANZUGSARTEN
3.1.1 PARADEANZÜGE
3.1.1.1 PARADEANZUG
3.1.1.2 TAGESPARADEANZUG
3.1.2 KOSTÜMIERUNG
3.1.3 GESELLSCHAFTSANZÜGE
3.1.3.1 DUNKLERGESELLSCHAFTSANZUG
3.1.3.2 HELLERGESELLSCHAFTSANZUG
3.1.3.3 DUNKLERTAGESGESELLSCHAFTSANZUG
3.1.3.4 HELLERTAGESGESELLSCHAFTSANZUG
3.1.4 GESCHÄFTSANZÜGE
3.1.4.1 DUNKLERANZUG
3.1.4.2 HELLERANZUG
3.1.5 TRACHT
3.1.6 STRAßENANZUG
3.1.7 FREIZEITANZUG
3.1.8 SPORTANZUG
3.2 ERLEICHTERUNGEN
3.3 MASKERADEN
3.4 BEDIENSTETE
3.5 ÖFFENTLICHEVERANSTALTUNGSORTE

4 ETIKETTE
4.1 KLASSISCHESALONKULTUR
4.2 KLASSISCHEKLEIDUNGSKULTUR
4.3 KLASSISCHESPEISEKULTUR
4.4 KLASSISCHETRINKKULTUR
4.5 KLASSISCHERAUCHKULTUR
4.6 KLASSISCHETANZKULTUR

5 PERFEKTERKLEIDERSCHRANK
5.1(MINDEST-)SORTIMENTFÜRDAMEN
5.2(MINDEST-)SORTIMENTFÜRHERREN

LITERATURHINWEISE

VORWORT

Prien am Chiemsee, im Januar 2014

So wie ein guter Gastgeber über Pflichten, aber auch über Privilegien verfügt, werden im gesellschaftlichen Umgang vom guten Gast neben seinen Privilegien ebenfalls einige Pflichten abverlangt: Ein Gastgeber hat die Pflicht, für das Wohl des Gastes zu sorgen, und er hat das Privileg, die Art und den Charakter von Veranstaltungen zu bestimmen. Der Gast hat dagegen das Privileg, für sein Wohl sorgen zu lassen, und er hat die Pflicht, sein Auftreten an den Wünschen des Gastgebers auszurichten.

Damit ein Gast den Wünschen des Gastgebers gerecht werden kann, sind diese aus dessen Einladung ersichtlich. Hierzu gibt es einen verbindlichen Zeichensatz, der in dieser Schrift in aller Übersichtlichkeit vorgestellt werden soll, denn die meisten unangenehmen Situationen bei Gesellschaften ergeben sich aus Missverständnissen oder einem Mangel an Informationen.

Diese Abhandlung beschränkt sich dabei aus praktischen Gründen ganz bewusst auf die wesentlichen internationalen und für das 21. Jahrhundert gültigen Angaben und verzichtet weitgehend auf die Darstellung von historischen Entwicklungen und Hintergründen, sowie überkommenen Formen.

Aufgrund seiner umfassenden und übersichtlichen Struktur können sich Gastgeber in ihren Einladungen direkt auf dieses Brevier berufen, um sich damit lange Erklärungen und unangenehme Überraschungen zu ersparen und gleichzeitig auf einen reichen und sehr vielseitigen Katalog an klassischen Variationen zurückgreifen zu können.

Bei aller Regelung soll dieses Brevier aber nicht als Einschränkung, sondern, aufgrund der gebotenen Vielfalt der Möglichkeiten, als Befreiung verstanden werden: Es gilt stets, dass die Regeln den Menschen dienen und nicht umgekehrt – wer aber keine Regeln kennt, verfügt auch nicht über die Freiheit, gegen sie zu verstoßen.

Simon Beckert

1 VERANSTALTUNGSARTEN

Nachfolgend werden die gängigsten Veranstaltungsarten kurz dargestellt. Selbstverständlich steht es dem Gastgeber frei, darüber hinaus weitere Veranstaltungen anzubieten, oder sich auf nur wenige von den genannten zu beschränken.

1.1 FRÜHSTÜCK

Das Frühstück ist die erste Mahlzeit des Tages und findet in der Regel nur im engsten familiären oder freundschaftlichen Rahmen statt. Die übliche Uhrzeit ist zwischen 6 und 9 Uhr und es dauert etwa eine halbe bis eine Stunde. Tischgespräche können hier zugunsten der Zeitungslektüre entfallen.

1.2 BRUNCH

Das Brunch findet insbesondere an Wochenenden oder an Feiertagen statt und dient engen Freunden und besonderen Gästen zum lockeren Einstieg in den Tag. Mit dem Brunch werden das Frühstück und das Lunch ersetzt. In der Regel werden hier daher, neben den üblichen Frühstücksspeisen, auch kleine warme Gerichte in Form eines Buffets bereitgestellt. Ein Brunch findet üblicherweise in einer Zeit zwischen 9 und 13 Uhr statt und dauert zwei bis drei Stunden.

1.3 LUNCH

Das Lunch ist die Hauptmahlzeit des Tages. Es umfasst in der Regel mindestens drei Gänge und es wird ein warmes Hauptmenü gereicht. Das Lunch findet in der Regel in einer Zeit zwischen 11 und 13 Uhr statt, dauert etwa eine Stunde und es ist üblich daran anschließend einen kleinen Spatziergang in der Natur zu vollziehen.

1.4 TEE

Der Tee findet üblicherweise gegen 16 Uhr statt, dauert etwa eine halbe Stunde und stimmt auf die zweite Hälfte des Tages ein. Neben Tee wird häufig auch Kaffee und Gebäck gereicht. Üblicherweise dient der Tee auch zum näheren oder erstmaligen Kennenlernen von Gästen und Kollegen.

1.5 PICKNICK

Das Picknick findet in einer lockeren Freizeitatmosphäre im Freien statt. Oftmals wird diese Veranstaltung mit lockerem Freizeitsport verbunden. Die Speisen werden auf einer Picknickdecke frei angerichtet und jeder kann sich nach Belieben daran bedienen. Häufig wird beim Picknick auch gegrillt. Das Picknick beginnt in der Regel in den Nachmittagsstunden und mehrere Stunden in Anspruch. Es ersetzt entsprechend das Lunch und/oder das Dinner.

1.6 MATINÉE

Als Matinée wird eine künstlerische oder gesellschaftliche Veranstaltung bezeichnet, die vor 18 Uhr stattfindet. Dies kann ein Konzert, ein Theaterstück, eine Ausstellung oder ähnliches sein. Die Ausgestaltung ist sehr unterschiedlich, daher sind genauere Angaben aus der jeweiligen Einladung ersichtlich. Oftmals steht in der Einladung statt „Matinée“ auch einfach die Art der Veranstaltung (z.B. Konzert, Kleinkunstveranstaltung).

1.7 SPECTACULUM

Als Spectaculum wird eine künstlerische oder gesellschaftliche Veranstaltung bezeichnet, die nach 18 Uhr stattfindet. Ansonsten entsprechen die Bedingungen der Matinée. Oftmals steht in der Einladung statt „Spectaculum“ auch einfach die Art der Veranstaltung (z.B. Feuerwerk, Opernstück).

1.8 EMPFANG

Der Empfang dient der formellen Feier oder Bekanntgabe besonderer Ereignisse (z.B. Geburtstag, Trauung, Beförderung, Einstand) außerhalb des engen Familien– und Freundeskreises. Die Veranstaltung findet im Stehen und im Rahmen kleiner wechselnder Gesprächsrunden statt. Dazu werden kleine Snacks und Getränke (auch Cocktails) gereicht oder platziert. Die Gastgeber begeben sich im Wechsel mit ihren Gästen ins Gespräch. Zur Begrüßung und Verabschiedung werden diese dann von den Gästen jeweils persönlich aufgesucht. Empfänge beginnen üblicherweise in einer Zeit zwischen 18 und 20 Uhr. Üblicherweise erscheint man innerhalb einer Stunde nach dem Einladungsbeginn und verweilt dann etwa eine Stunde, bis man sich selbständig wieder verabschiedet. Eine Stunde nach dem offiziellen Beginn sind kleine Reden möglich, da zu diesem Zeitpunkt alle Gäste zugegen sein sollten.

1.9 DINNER

Das Dinner ist im Verlauf des Tages, neben dem Lunch, die zweite Möglichkeit für eine mehrgängige Mahlzeit. Üblicherweise werden auch hier mindestens drei Gänge serviert, allerdings häufig in kleineren Portionen und mit einem Schwerpunkt auf exklusivere Gerichte. Das Dinner beginnt üblicherweise in einer Zeit zwischen 18 und 20 Uhr und es dauert etwa ein bis zwei Stunden. Zwischen den Gängen können kleine Reden gehalten werden.

1.10 KOLLEGIUM

Kollegien sind sehr unterschiedliche Zusammenkünfte, die durch einen zeremoniellen Rahmen charakterisiert sind. Häufig schließen diese Veranstaltungen ein Dinner oder Symposium mit ein. Kollegien stehen immer im Zusammenhang mit einem Verein, einem Klub, einer Loge oder sonstigen Interessensgemeinschaften und sind daher sehr unterschiedlich ausgestaltet. Üblicherweise beginnen Kollegien nicht vor 18 Uhr und dauern bis zu vier Stunden. Oftmals wird der Begriff Kollegium durch weitere Begriffe ergänzt (z.B. Tabakkollegium, Parlamentskollegium, Billardkollegium), die auf Besonderheiten bei der Ausgestaltung hinweisen.

1.11 SYMPOSIUM

Das Symposium ist der vornehme Begriff für eine Party. Es beschreibt also eine besonders gesellige Runde, die dem rauschhaften Genuss gewidmet ist. Üblicherweise wird auf Symposien auch gemeinsam musiziert, getanzt und gesungen. Derartige Veranstaltungen beginnen meist nicht vor 18 Uhr und können bis in die Morgenstunden andauern. Es bietet sich allerdings immer an, dann aufzubrechen, wenn es am schönsten ist – so ist man für das nächste Symposium stets bei besten Kräften.

1.12 GRILL

Der Grill ist eine festliche Veranstaltung, die unter freiem Himmel stattfindet. Dabei wird in der Regel auf offenem Feuer gegrillt und an einer Tafel gegessen. Es gibt keine feste Speisenfolge sondern eine Auswahl an Speisen, die reihum bzw. frisch vom Grill gereicht werden. Alternativ kann ein Buffet vorgesehen werden. Ein Grill ersetzt das Lunch oder das Dinner und dauert etwa drei bis vier Stunden.

1.13 SOIR É E

Unter einer Soirée versteht man abendliche Gesprächsrunden in einer lockeren Atmosphäre. Üblicherweise werden dabei kulinarische Kleinigkeiten (z.B. Sandwichs, Schnittchen) gereicht. Neben Gesprächen bieten sich dabei auch Billard-, Brett- und Kartenspiele, Literaturbesprechungen, Lesekreise, Vorträge, Filmvorführungen und ähnliche Aktivitäten in einem inoffiziellen Rahmen an. Eine Soirée beginnt üblicherweise nicht vor 18 Uhr und dauert etwa zwei bis drei Stunden.

1.14 KAMINGESPR Ä CH

Ein Kamingespräch ist eine informelle Gesprächsrunde in einer kleinen Gruppe zu einem bestimmten Thema. In der Regel unterliegen Kamingespräche einer besonderen Vertraulichkeit, da hierbei Strategien entwickelt und unvollendete Ideen ausgetauscht werden. Üblicherweise stehen für ein Kamingespräch eine Bar und Rauchwaren bereit, Speisen sind nicht üblich. Kamingespräche beginnen in der Regel frühestens ab 18 Uhr und dauern etwa eine Stunde.

1.15 BALL

Beim Ball steht der Volks- oder Gesellschaftstanz im Vordergrund. Er ist häufig mit einem Buffet verbunden und besteht im Kern aus einem Wechsel zwischen Tanz, Gespräch und Essen. Die Art der Tänze wird in der Regel in der Einladung angekündigt, ist jedoch auch zumeist bereits an der Kleidungsvorgabe erkennbar: Volkstanz wird in Tracht oder Straßenanzug getanzt, Gesellschaftstanz in Geschäftsanzug oder einer höherwertigen Anzugart. Der Freizeitanzug wird dagegen nur zu Freistiltänzen (Diskomusik) getragen.

1.16 SOUPER

Mit dem Souper klingt der Tag aus. Es beginnt üblicherweise nicht vor 20 Uhr, kann jedoch auch noch um Mitternacht beginnen. Es dauert im privaten Rahmen etwa eine Stunde, im Galarahmen kann es auch über zwei Stunden dauern. Das Souper kann, je nach Zeitpunkt, auch als Ersatz für das Dinner eingesetzt werden und besteht im Kern aus einer Suppe mit Brot und Wein. Im familiären Rahmen findet es im engen Familien– und Freundeskreis sowie mit besonderen Gästen, die damit quasi zur Familie gezählt werden, statt. Im Galarahmen gilt das Souper als höchstes offizielles Ereignis. Eine Einladung zum Souper ist für Gäste immer eine besondere Ehrung. Häufig wird mit dem nächtlichen Souper auch eine andere abendliche Veranstaltung (z.B. Ball, Konzert) abgeschlossen (oftmals sind hierzu auch die Künstler einer Darbietung geladen). Gespräche unterliegen hier einer ganz besonderen Vertraulichkeit und werden, sofern nicht gesondert freigegeben, der Verschwiegenheit anheim gegeben. Somit stellt die Einladung zum Souper und der Umgang des Gastes damit, einen gegenseitigen Vertrauensbeweis dar.

1.17 TURNIER

Turniere dienen dem sportlichen Wettkampf. Es ist üblich, dass dabei kleine Speisen und Getränke zur Stärkung gereicht werden und es können Wetten abgeschlossen werden (der Sieger darf z.B. das Buffet eröffnen oder erhält gratis eine Bratwurst). In der Einladung wird üblicherweise zwischen dem empfohlenen Anzug für Wettkämpfer und dem für Zuschauer unterschieden.

1.18 JOURFIXE

Unter einem jour fixe versteht man einen festen Termin, zu welchem ein Salon geöffnet hat. Wurde man einmal in die Gesellschaft eines Salons eingeführt, so ist man üblicherweise stets als Gast zum jour fixe willkommen. Hierbei ist dann keine Voranmeldung notwendig. Salongesellschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie unter der Leitung einer Gastgeberin oder auch eines Gastgebers interessante Persönlichkeiten zusammenbringen und so unkonventionelle Kontakte, Projekte und interessante Gespräche ermöglichen. Die Verpflegung ist dabei nebensächlich, so dass häufig nur Tee und Butterbrote gereicht werden. Auf diese Weise können die Gastgeber ohne großen Aufwand auf die stets wechselnden Gästezahlen reagieren. Ein jour fixe hat immer den Charakter „Privat“, weshalb diese Ergänzung in der Einladung nicht zusätzlich genannt wird. Die Kosten für die Veranstaltung tragen die Gastgeber, eine Gegenleistung vonseiten der Gäste ist nur ihre interessante Persönlichkeit.

1.19 STAMMTISCH

Unter einem Stammtisch versteht man eine Gemeinschaft, die in festen Intervallen zu Lunch, Dinner oder Soirée zusammenkommt. Wurde man einmal in die Gesellschaft eines Stammtisches aufgenommen, so kann man immer wieder ohne Voranmeldung daran teilnehmen. Da Stammtische grundsätzlich in öffentlichen Lokalen stattfinden, haben sie immer den Charakter „Privat“, weshalb diese Ergänzung in der Einladung nicht zusätzlich genannt wird.

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Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Brevier für Gäste
Untertitel
Ein Leitfaden für das 21. Jahrhundert
Autor
Jahr
2014
Seiten
34
Katalognummer
V267044
ISBN (eBook)
9783656569404
ISBN (Buch)
9783656569381
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dieses Brevier bietet Gastgebern und Gästen einen gemeinsamen Anhalt für die Ausgestaltung gesellschaftlicher Veranstaltungen.
Schlagworte
Gesellschaft, Brevier, Etikette, Stil, Kleidung, Veranstaltung, Gastgeber, Gast
Arbeit zitieren
Simon Beckert (Autor), 2014, Brevier für Gäste, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267044

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