Axel Honneth: Arbeitslosigkeit zwischen Menschenwürde und Gerechtigkeit

Kampf um Anerkennung


Hausarbeit, 2013
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2 Arbeitslosigkeit
2.1. Der Begriff der Arbeitslosigkeit
2.2. Bedeutung der Arbeitslosigkeit für die Gesellschaft
2.3 Bedeutung der Arbeitslosigkeit für das Individuum

3 Menschenwürde und Gerechtigkeit
3.1 Der Begriff der Menschenwürde
3.2 Das Existenzminimum als menschenwürdige Existenzsicherung
3.3 Gerechtigkeit als Grundgedanke des Sozialstaates

4 Axel Honneths kritische Theorie
4.1 Die drei Sphären der Anerkennung
4.2 Gerechtigkeitstheorie

5 Sorgt der Staat für Menschenwürde, Gerechtigkeit und Anerkennung unter den Bürgern?

1. Einleitung

Letztes Jahr hat die Hartz IV Reform ihren 10. Geburtstag gefeiert. Nichts fürchten die Deutschen mehr, als arbeitslos zu werden. Gleichwohl wird Deutschland von seinen Nachbarn für seine stabile Wirtschaft und seine niedrigen Arbeitslosenquoten beneidet. (Schmergal 2012) Der Begriff „German Jobwunder“ hat das Zeug, zu einem neuen deutschen Lehnwort im Englischen zu werden. Dennoch ist Arbeitslosigkeit eines der größten Probleme im modernen Sozialstaat. 2012 betraf dies im Jahresdurchschnitt 2.897.000 Menschen, davon wurden 902.000 von den Agenturen für Arbeit und 1.995.000 von den Jobcentern betreut. (Bundesagentur für Arbeit 2013: 16) Dabei handelt es sich zwar um die geringste Höhe seit 1991, aber die Erfahrung mit Arbeitslosigkeit bzw. der Thematisierung von Arbeitslosigkeit hat die Angst davor geschürt. Welche Auswirkungen dieses auf Gesellschaft sowie seine Individuen hat und welche Bedeutung Gerechtigkeit und Menschenwürde in diesem Zusammenhang haben, soll im Folgenden dargestellt und mit der kritischen Theorie der Anerkennung Axel Honneths verbunden werden.

2 Arbeitslosigkeit

2.1. Der Begriff der Arbeitslosigkeit

Nach § 16 des Dritten Sozialgesetzbuches (SGB III) sind Arbeitslose Personen, „die vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung stehen und sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben.“ Als vorübergehende Beschäftigungslosigkeit ist in Deutschland das Fehlen einer mindestens 15 Wochenstunden umfassenden Beschäftigung oder einer selbstständigen Tätigkeit zu verstehen. Es gibt vielfältige Entstehungsgründe und Arten der Arbeitslosigkeit. So zum Beispiel herrscht vermehrte Arbeitslosigkeit in Industrienationen, in denen immer mehr Maschinen und keine Arbeiter mehr zum Einsatz kommen. Außerdem führt der Mangel an Absatzmöglichkeiten zu vermehrter Entlassung, veränderte Klimabedingungen, machen eine bestimmte Tätigkeit nur saisonal ausführbar, eine zu geringe Schulbildung erschwert den Einstieg in den Arbeitsmarkt sowie die Langzeitarbeitslosigkeit, die durch fehlende Arbeitserfahrung oder zu hohes Alter zu einem erschwerten Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt führt. Des Weiteren ist noch die institutionelle Arbeitslosigkeit zu nennen, die impliziert, dass Arbeitslose keinen Anreiz haben, eine Beschäftigung aufzunehmen, deren Bezahlung unter dem Arbeitslosengeld liegt. (Oschmiansky 2010)

2.2. Bedeutung der Arbeitslosigkeit für die Gesellschaft

Arbeitslosigkeit bedeutet für die Gesellschaft eine hohe Kostenbelastung. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt aus den Sozialversicherungsbeiträgen zur Arbeitslosenversicherung Arbeitslosengeld (Arbeitslosengeld 1) aus und übernimmt auch die Sozialversicherungsbeiträge zur Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. Damit wird über Versicherungsbeiträge ein weiteres Sozialversicherungssystem gestützt. Für den Betroffenen handelt es sich jedoch um eine Versicherungsleistung. Wenn die Kosten der Arbeitslosigkeit nicht durch die Sozialversicherungsbeiträge gedeckt werden können, steigt entweder die allgemeine Steuerlast oder der Sozialversicherungsbeitrag für Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird erhöht. Dies belastet wiederum den Preis für Arbeit über höhere Löhne und Gehälter und führt gegebenenfalls dazu, dass weniger Menschen eingestellt werden. Es erhöht insbesondere den Druck auf niedrig bezahlte Arbeit. Wenn der Bezug von Arbeitslosengeld 1 beendet ist, besteht für die Betroffenen Arbeitslosengeld 2, bekannt auch als Hartz 4, zu beantragen. Dies setzt eine Bedürftigkeitsprüfung und damit eine Offenlegung der finanziellen Verhältnisse voraus. Im Sinne des Forderns und Förderns als Grundgedanken der Hartz-Gesetze sind die Bezieher verpflichtet, alles zu unternehmen, um die Arbeitslosigkeit zu beenden.

Mit der Einführung der „Hartz-Gesetze sanken die Kosten für Arbeitslosigkeit in den Jahren von 2005 bis 2001 um rd. 32 Mrd. oder 36 Prozent auf 56 Mrd. Euro. Gut ein Drittel der Kosten entfallen auf Leistungen unter den Bedingungen von Hartz 4. (Bach, Spitznagel 2012: 1f) Weitere 16 Mrd. Euro werden für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen eingesetzt, um Betroffene möglichst schnell wieder in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren. Neben positiven finanziellen Folgewirkungen kann für den Einzelnen ein positiver psycho-sozialer und gesundheitlicher Einfluss angenommen werden. (Bach, Spitznagel 2012: 9)

2.3 Bedeutung der Arbeitslosigkeit für das Individuum

Arbeitslosigkeit verursacht eine besondere Form der Anspannung, denn arbeitslos zu sein, ist nicht gleichbedeutend mit Urlaub oder Freizeit. Zunächst ist die Arbeitslosigkeit ein Schock für den Betroffenen und meist auch die Angehörigen, ist jedoch in den ersten paar Monaten danach noch von Optimismus und Motivation eine neue Arbeitsstelle zu finden geprägt. Dies nimmt jedoch mit größerem Misserfolg immer weiter ab. Veränderungen die sich einstellen sind:

- Untätigkeit ist nicht gleich Freizeit. Was im Übermaß vorhanden ist, verliert an Wert.
- Freizeit-, Weiterbildungs- und Umschulungsprogramme werden zur Belastung.
- Zu viel Entspannung wird zu Stress und das Zeitgefühl geht verloren.
- Geistiger und körperlicher Trainingsverlust erschweren selbst banale Aufgaben.
- Der zentrale Punkt des Tages den der Arbeitsplatz dargestellt hat ist verloren.
- Die Betroffenen verlieren stetig ihre Selbstachtung und ziehen sich zurück.
- Durch Leistungs- und Konsumgesellschaft fühlen sie sich als „Menschen 2. Klasse“.

Diese Entwicklung kann für den Einzelnen zu schwerwiegenden psychischen, psychosomatischen, seelischen und sogar organischen Beschwerden führen. Die Betroffenen sind pessimistisch, vorwurfsvoll, mürrisch, aggressiv, suchen auch häufig Trost im Alkohol, grübeln, fühlen sich wertlos, weisen Konzentrationsstörungen auf und entwickeln Probleme mit der Atmung, Magen-Darm Beschwerden, Schlafstörungen und Kopfschmerzen. Diese Folgen belasten das Gesundheitssystem immens und führen auch dort zu höheren Ausgaben.

Am stärksten trifft es Männer, da sich Frauen offenbar eher wieder in die Familie integrieren können und der Mann sein Ideal als „Ernährer der Familie“ nicht aufrechterhalten kann. Am härtesten trifft es ältere Arbeitslose jenseits der 50. Jüngere überstehen die Phase der Arbeitslosigkeit meist besser, da sich andere Ideale haben als „nur“ Arbeit und Leistung. (Wenzel 2008)

3 Menschenwürde und Gerechtigkeit

3.1 Der Begriff der Menschenwürde

Der Begriff der Menschenwürde wird fast „leichtfertig“ verwendet als wüsste jeder, was dies ist. Während Griechen und Römer die Würde nicht als angeborene Eigenschaft verstanden haben, sonderndignitas et excellentiaals das Ergebnis individueller Leistung und sozialer Anerkennung verstanden, wird die Menschenwürde heute als Wesensmerkmal und als Gestaltungsauftrag interpretiert. Dies führte dazu, dass die Begriffe Menschenwürde und Menschenrechte eng zusammengehören. Franz Josef Wetz beschreibt dies so: „…die Menschenrechte fußen auf der Idee der Menschenwürde, die ihr höchster Bestimmungsgrund“ ist. (Wetz o.J.: 6f)

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Details

Titel
Axel Honneth: Arbeitslosigkeit zwischen Menschenwürde und Gerechtigkeit
Untertitel
Kampf um Anerkennung
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Soziologie)
Veranstaltung
Seminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V267102
ISBN (eBook)
9783656578550
ISBN (Buch)
9783656578536
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
axel, honneth, arbeitslosigkeit, menschenwürde, gerechtigkeit, kampf, anerkennung
Arbeit zitieren
Catharina Haertel (Autor), 2013, Axel Honneth: Arbeitslosigkeit zwischen Menschenwürde und Gerechtigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267102

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