In dieser Arbeit soll nicht das Idealkonzept einer durchweg inklusiven Bildungslandschaft aufgegriffen werden. Es wird eher versucht, Spannungsverhältnisse zwischen dem aktuellen Schulsystem und der Idealvorstellung des Rechts auf Inklusion darzustellen und darauf aufbauend eine Unterrichtseinheit für den Deutschunterricht zu entwickeln, die der Phase des Übergangs gerecht werden kann und mögliche Hilfestellungen für die Lehrpersonen aufzeigt.
Der Bezug zum Deutschunterricht ist insofern interessant, als er in seiner aktuellen Ausrichtung vielen Anforderungen gerecht werden muss. So geht es nicht mehr nur um die Vermittlung fachlichen Wissens – in diesem Beispiel um Sprachwandel und Sprachbewusstsein im Teilbereich Reflexion über Sprache – sondern zusätzlich um die Lese- und Sprachförderung sowie die Vermittlung von Medien- und Methodenkompetenz. Die Herausforderung für die Lehrerperson besteht darin, in einem stark heterogenen Klassenzimmer möglichst allen Schülern gerecht zu werden, an geeigneter Stelle zu differenzieren, Hilfs- oder Fördermittel bereitzustellen und gleichzeitig die Anschlussfähigkeit der einzelnen Schüler zu gewährleisten. In der vorgestellten Unterrichtseinheit im vierten Kapitel wird auf diese Ansprüche Bezug genommen und versucht, in einem noch sehr strukturierten und noch nicht inklusiven Schulsystem die Arbeit im inklusiven Klassenzimmer realistisch darzustellen. Die Einbindung und Unterstützung der beiden geistig behinderten Schüler Björn und Lisa spielt dabei eine zentrale Rolle.
Im ersten Teil dieser Arbeit (Kapitel zwei und drei) werden – vorbereitend auf den Praxisbezug – zunächst das (Ideal-) Konzept der Inklusion sowie die Problematik, die sich bei der Umsetzung im aktuellen deutschen Schulsystem ergibt, vorgestellt. Zudem wird der Umgang mit Heterogenität durch den adäquaten Einsatz von innerer Differenzierung und Individualisierung aufgeführt, da diese die zentralen Bezugspunkte für die Aufgabenstellungen in der anschließenden Unterrichteinheit sein werden. Letztere umfasst elf Unterrichtsstunden zum Thema "Entwicklungen der deutschen Gegenwartssprache: Anglizismen", die für eine Regelklasse konzipiert und mit Differenzierungsmöglichkeiten und besonderen Hilfestellungen für die geistig behinderten Schüler Lisa und Björn ergänzt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Zielsetzung der Arbeit
1.2 Herleitung und Problemstellung
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Inklusion
2.1 Gesetzliche Grundlage
2.2 Der Aufbau eines inklusiven Bildungssystems in Deutschland
2.2.1 Inklusion als Qualitätsmerkmal?
2.2.2 Das „Doppelsystem“ aus Regel- und Sonderschulen als Hindernis
2.2.3 Die Übergangsphase zur Inklusion
3. Umsetzung eines inklusiven Unterrichts in der Schule
3.1 „Ein Bekenntnis zur Inklusion entspricht einem Bekenntnis zur Heterogenität“
3.2. Innere Differenzierung und Individualisierung
3.2.1 Differenzierender Unterricht
3.2.2 Aufgabenstellungen und Lernziele
3.2.3 Individuelle Förderung und Team-Teaching
4. Die Unterrichtseinheit – Konzeption und Differenzierungsmöglichkeiten
4.1 Der Anspruch an den Deutschunterricht
4.2 Lehr-Lern-Voraussetzungen
4.3 Lerninhalte und Lernziele
4.4 Unterrichtsverlauf und Differenzierungsmöglichkeiten
4.5 Fazit zur Konzeption der Unterrichtseinheit
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der theoretischen Konzeption und praktischen Umsetzung inklusiven Deutschunterrichts in der Sekundarstufe I, wobei ein besonderer Fokus auf die Integration geistig behinderter Schüler und den Umgang mit stark heterogenen Lerngruppen gelegt wird.
- Grundlagen des inklusiven Bildungssystems in Deutschland
- Methoden der inneren Differenzierung und Individualisierung
- Förderung geistig behinderter Schüler im Fach Deutsch
- Konzeption einer Unterrichtseinheit zum Thema "Sprachwandel: Anglizismen"
- Rolle des Team-Teachings und der kooperativen Lernformen
Auszug aus dem Buch
1.1 Zielsetzung der Arbeit
„In der inklusiven Schule entfällt […] die hergebrachte Einteilung nach Behinderungsarten ebenso wie eine klassifizierende und etikettierende Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs. Und es gibt auch nicht mehr Ressourcen für einzelne etikettierte Kinder mit Behinderungen, sondern Ressourcen für heterogene Lerngruppen und heterogene Systeme.“
Nach dieser Aussage zur Inklusion trägt der Titel dieser Arbeit einen Widerspruch in sich: „Arbeit mit Geistig Behinderten im inklusiven Deutschunterricht […]“. Denn das Kriterium der Dekategorisierung, das nach Wocken ein zentrales Merkmal der Inklusion ist, wird hier anscheinend übergangen. In dieser Arbeit soll allerdings nicht das Idealkonzept einer durchweg inklusiven Bildungslandschaft aufgegriffen werden. Es wird eher versucht, Spannungsverhältnisse zwischen dem aktuellen Schulsystem und der Idealvorstellung des Rechts auf Inklusion darzustellen und darauf aufbauend eine Unterrichtseinheit für den Deutschunterricht zu entwickeln, die der Phase des Übergangs gerecht werden kann und mögliche Hilfestellungen für die Lehrpersonen aufzeigt.
Der Bezug zum Deutschunterricht ist insofern interessant, als er in seiner aktuellen Ausrichtung vielen Anforderungen gerecht werden muss. So geht es nicht mehr nur um die Vermittlung fachlichen Wissens – in diesem Beispiel um Sprachwandel und Sprachbewusstsein im Teilbereich Reflexion über Sprache – sondern zusätzlich um die Lese- und Sprachförderung sowie die Vermittlung von Medien- und Methodenkompetenz. Die Herausforderung für die Lehrerperson besteht darin, in einem stark heterogenen Klassenzimmer möglichst allen Schülern gerecht zu werden, an geeigneter Stelle zu differenzieren, Hilfs- oder Fördermittel bereitzustellen und gleichzeitig die Anschlussfähigkeit der einzelnen Schüler zu gewährleisten. In der vorgestellten Unterrichtseinheit im vierten Kapitel wird auf diese Ansprüche Bezug genommen und versucht, in einem noch sehr strukturierten und noch nicht inklusiven Schulsys-
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt das Ziel der Arbeit vor, das Spannungsfeld zwischen aktuellem Schulsystem und Inklusion zu beleuchten und eine Unterrichtseinheit für den inklusiven Deutschunterricht zu entwickeln.
2. Inklusion: Erläutert die gesetzlichen Grundlagen der Inklusion und die Problematik des deutschen Doppelsystems aus Regel- und Sonderschulen.
3. Umsetzung eines inklusiven Unterrichts in der Schule: Diskutiert Ansätze der inneren Differenzierung, Individualisierung und kooperativen Lernens als zentrale didaktische Konzepte.
4. Die Unterrichtseinheit – Konzeption und Differenzierungsmöglichkeiten: Präsentiert die konkrete Planung einer Unterrichtssequenz zum Thema Anglizismen, inklusive differenzierter Arbeitsmaterialien.
5. Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Inklusion ein langwieriger Entwicklungsprozess ist, der eine Umstrukturierung der Lehrerausbildung erfordert.
Schlüsselwörter
Inklusion, Deutschunterricht, Heterogenität, Innere Differenzierung, Individualisierung, Sprachwandel, Anglizismen, Sekundarstufe I, Sonderpädagogik, Förderplan, Team-Teaching, Gemeinsamer Unterricht, Lernkultur, Inklusives Bildungssystem, Diagnosekompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit thematisiert die Herausforderungen und Chancen der Arbeit mit geistig behinderten Schülern im inklusiven Deutschunterricht der Sekundarstufe I innerhalb des aktuellen deutschen Schulsystems.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Inklusionspädagogik, der Umgang mit Heterogenität im Klassenzimmer, Konzepte der Binnendifferenzierung sowie die didaktische Planung von Deutschunterricht für leistungsheterogene Gruppen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die Entwicklung einer praxisnahen Unterrichtseinheit zum Thema "Sprachwandel und Anglizismen", die zeigt, wie Inklusion trotz systembedingter Hindernisse erfolgreich gestaltet werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller Inklusionsdiskurse sowie der fallbeispielorientierten Konzeption einer Unterrichtsreihe für eine fiktive, heterogene Klasse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (inklusive Pädagogik, Differenzierungsmodelle) und eine darauf aufbauende, detaillierte Unterrichtsplanung inklusive Förderplänen für zwei beispielhafte Schüler.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Inklusion, Differenzierung, Individualisierung, Sprachwandel, Anglizismen, Team-Teaching und Förderplanung.
Welche Rolle spielen die Schüler Björn und Lisa?
Björn und Lisa dienen als fiktive Fallbeispiele, an denen verdeutlicht wird, wie unterschiedliche Förderschwerpunkte und Leistungsniveaus durch differenzierte Aufgabenstellungen und Hilfestellungen in eine Regelklasse integriert werden können.
Warum ist das Thema "Anglizismen" für die Arbeit gewählt worden?
Dieses Thema bietet eine hohe Alltagsrelevanz, ermöglicht vielfältige methodische Zugänge und eignet sich hervorragend zur exemplarischen Darstellung von Sprachwandelphänomenen in einer heterogenen Gruppe.
- Arbeit zitieren
- Carina Zebrowski (Autor:in), 2013, Arbeit mit geistig Behinderten im inklusiven Deutschunterricht der Sekundarstufe I, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267137