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Aspekte der Freiwilligkeit und Wahlfreiheit nach Aristoteles

Title: Aspekte der Freiwilligkeit und Wahlfreiheit nach Aristoteles

Term Paper , 2011 , 23 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Elena Hordt (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
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Die Philosophie des Aristoteles hat auch in unserer modernen Welt noch eine immense Bedeutung und bildet die Basis unseres heutigen Weltbil-des und unserer Denkweise.
Aristoteles’ Ethik ist in drei Schriften überliefert und stellt trotz ihres Alters bis heute eine wichtige Orientierung in den Grundfragen des Menschen dar. In seiner Philosophie behandelt er Fragen des guten Lebens, der Freiwilligkeit und Entscheidung, der Freundschaft und Willensschwäche und die der Berufung des Menschen. Er definiert grundlegende Begriffe und entwirft ein Modell der menschlichen Handlung welches, bis zur Wil-lensethik von Kant, unangefochten die philosophische Welt dominierte.
In einem seiner wichtigsten Werke, der Nikomachischen Ethik (im Folgenden abgekürzt als EN), setzt sich Aristoteles unter anderem mit dem Begriff der Freiwilligkeit auseinander. Diese folgt im Wesentlichen der praktischen Philosophie, welche von Handlungen und Entscheidungen ausgeht, die die wahrnehmbare Wirklichkeit beeinflussen und verändern. Nach Aristoteles liegt das Ziel oder das Gute der Handlungen jedoch nicht in einem zukünftigen noch zu erreichenden Zustand, sondern in den Handlungen selbst, die zu einem „guten und glücklichen Leben“ führen sollen. Dabei sei nicht das reine Wissen oder Erkenntnis für das gute, gelingende Leben entscheidend sondern die erfolgreichen Handlungen.
Jedoch soll in dieser Hausarbeit nicht primär die Thematik des guten Le-bens und Handelns behandeln werden, sondern wie Aristoteles die Aspekte der Freiwilligkeit und der Wahlfreiheit philosophisch angeht. Wann eine Handlung einer Person mit ihren vollen Konsequenzen zuschreibbar ist, hängt davon ab, wo man die Grenzen der Freiwilligkeit und Willentlichkeit zieht. Diese Grenzen, die Aristoteles als einer der Ersten systematisch analysierte, bestimmen bis heute unsere moralischen Konventi

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Leben von Aristoteles

3 Das gute Leben (eudaimonia)

3.1 Die dianoetischen Tugenden (aretê dianoetikê)

3.2 Die ethischen Tugenden (aretê ethikê)

4 Die gute und die kluge Handlung (eupraxia und phronêsis)

5 Die Freiwilligkeit der Handlung (hekousion)

5.1 Die Unfreiwilligkeit aus Zwang (bia)

5.2 Die Unfreiwilligkeit aus Unwissenheit (agnoia)

6 Wahlfreiheit oder die Freiwilligkeit der Entscheidung (prohairesis)

7 Das Problem der Willensschwäche (akrasia)

7.1 Das Sokratische Paradox

7.2 Aristoteles zur Willensschwäche

8 Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das aristotelische Modell der Freiwilligkeit und Wahlfreiheit, um zu klären, unter welchen Bedingungen Handlungen einem Individuum zugeschrieben werden können. Der Fokus liegt dabei auf der philosophischen Analyse der ethischen Verantwortung bei bewussten Handlungen sowie der Abgrenzung zu unfreiwilligen Einflüssen wie Zwang und Unwissenheit.

  • Die Definition des guten Lebens (Eudaimonia) als Ausgangspunkt der Ethik.
  • Die Differenzierung zwischen dianoetischen und ethischen Tugenden.
  • Die Analyse der Handlungsbedingungen hinsichtlich Zwang und Unwissenheit.
  • Die Untersuchung der Willensfreiheit durch den Begriff der Prohairesis.
  • Das philosophische Problem der Akrasia (Willensschwäche) im Vergleich zu Sokratischen Ansätzen.

Auszug aus dem Buch

Die Unfreiwilligkeit aus Zwang (bia)

Unfreiwillige Handlungen entstehen, wenn wir durch einen äußeren Zwang dazu gebracht werden etwas zu tun ohne eine andere Wahlmöglichkeit zu haben. Im Unterschied zur freiwilligen Handlung liegt hier also die Bewegungsursache außerhalb und nicht in der ausführenden Person selbst. Zum Beispiel könnte jemand unsere Hand nehmen und damit jemanden schlagen. Wenn wir uns dagegen nicht wehren können, können wir diese Handlung auch nicht verhindern, sind also auch nicht verantwortlich für entstehende Konsequenzen.

Konkret deutet Aristoteles die aus Zwang resultierte Unfreiwilligkeit so, dass jede Handlung unfreiwillig ist, solange ihr Ursprung (archê) nicht in dem Handelnden selbst liegt, sondern von Außen zugeführt wird.

Da es auch Handlungen gibt, die nicht klar freiwillig oder unfreiwillig sind, fügt Aristoteles noch die Kategorie der gemischten Handlungen ein. Diese treten immer dann auf, wenn zwar ein äußerer Zwang den Handelnden dazu treibt, etwas zu tun, was er eigentlich nicht möchte, jedoch hat der Handelnde immer noch die Entscheidungshoheit dem Druck nachzugeben oder es nicht zu tun. Somit handelt derjenige in der konkreten Situation eher freiwillig als unfreiwillig. Dies wäre zum Beispiel der Fall bei einer Erpressung. Man müsste sich nicht den Forderungen beugen, denn man könnte sich auch für andere Möglichkeiten entscheiden so ein Dilemma zu lösen. Falls in solchen Situationen Wahlmöglichkeiten und Handlungsspielräume bestehen, wird die Handlung teilweise freiwillig. Denn die Entscheidung etwas letztendlich zu tun, liegt beim Handelnden, auch wenn der Ursprung des Handlungszwangs nicht im Handelnden lag.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der aristotelischen Ethik ein und umreißt die Fragestellung zur moralischen Zuschreibbarkeit von Handlungen.

2 Das Leben von Aristoteles: Ein kurzer biografischer Abriss über die Lebensstationen und den prägenden Wirkungskreis des Philosophen.

3 Das gute Leben (eudaimonia): Erläuterung der ergon-Argumentation und der Bedeutung der Vernunft für ein gelingendes, tugendhaftes Leben.

3.1 Die dianoetischen Tugenden (aretê dianoetikê): Vorstellung der durch Belehrung erworbenen Tugenden des verstandesmäßigen Seelenteils.

3.2 Die ethischen Tugenden (aretê ethikê): Beschreibung der durch Gewöhnung entwickelten Charaktertugenden und des Strebens nach der Mitte (mesotês).

4 Die gute und die kluge Handlung (eupraxia und phronêsis): Untersuchung der zentralen Rolle der praktischen Vernunft bei der Entscheidung in Einzelsituationen.

5 Die Freiwilligkeit der Handlung (hekousion): Grundlegende Definition des Freiwilligkeitsbegriffs bei Aristoteles und dessen Bedeutung für die Verantwortlichkeit.

5.1 Die Unfreiwilligkeit aus Zwang (bia): Analyse externer Zwangsbedingungen und der Kategorie der gemischten Handlungen.

5.2 Die Unfreiwilligkeit aus Unwissenheit (agnoia): Differenzierung zwischen entschuldbarem Unwissen über Situationen und selbstverschuldeter Unwissenheit.

6 Wahlfreiheit oder die Freiwilligkeit der Entscheidung (prohairesis): Erörterung der bewussten Entscheidung als Ausdruck praktischer Vernunft.

7 Das Problem der Willensschwäche (akrasia): Behandlung der Diskrepanz zwischen Wissen und tatsächlichem Handeln.

7.1 Das Sokratische Paradox: Darstellung der Sokratischen These, dass absichtliches Handeln immer das Gute anstrebt.

7.2 Aristoteles zur Willensschwäche: Aristoteles' Lösungsansatz unter Verwendung eines Syllogismus, der den Einfluss von Emotionen auf das Wissen berücksichtigt.

8 Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur moralischen Verantwortlichkeit und der Aktualität des aristotelischen Modells.

Schlüsselwörter

Aristoteles, Nikomachische Ethik, Freiwilligkeit, Wahlfreiheit, Prohairesis, Eudaimonia, Phronêsis, Tugend, Zwang, Unwissenheit, Akrasia, Willensschwäche, Handlungsverantwortung, Ethik, Praktische Vernunft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht die philosophischen Grundlagen der Freiwilligkeit und der Zurechenbarkeit menschlichen Handelns nach Aristoteles, insbesondere im Kontext seiner Nikomachischen Ethik.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder umfassen das Konzept des guten Lebens, die Unterscheidung zwischen tugendhaftem Handeln, die Bedingungen für freiwilliges Tun sowie das Phänomen der Willensschwäche.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu analysieren, wie Aristoteles die Grenzen zwischen freiwilligen und unfreiwilligen Handlungen zieht und wie er die moralische Verantwortlichkeit einer Person begründet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine textanalytische philosophische Arbeit, die sich auf die Nikomachische Ethik stützt und diese durch fachwissenschaftliche Sekundärliteratur interpretiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Zwang und Unwissenheit als Entschuldigungsgründe, die Bedeutung der Prohairesis für die Wahlfreiheit sowie die Klärung des Phänomens der Akrasia.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Eudaimonia, Phronêsis, Hekousion, Prohairesis, Akrasia, Zwang, Tugend und ethische Verantwortung charakterisiert.

Wie unterscheidet Aristoteles zwischen freiwilligem und unfreiwilligem Handeln?

Aristoteles betrachtet Handlungen als unfreiwillig, wenn sie durch äußeren Zwang oder Unwissenheit über Einzelumstände verursacht werden. Alles, was nicht durch diese "guten Entschuldigungsgründe" gedeckt ist, wertet er als freiwillig.

Was genau ist das "Sokratische Paradox" und wie löst es Aristoteles?

Sokrates behauptete, dass Willensschwäche unmöglich sei, da man immer das tue, was man für das Beste hält. Aristoteles löst dies, indem er erklärt, dass Wissen durch Emotionen blockiert werden kann, sodass man zwar theoretisch das Gute kennt, in der Einzelsituation jedoch anders handelt.

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Details

Title
Aspekte der Freiwilligkeit und Wahlfreiheit nach Aristoteles
College
University of Applied Sciences North Rhine-Westphalia Köln
Grade
1,3
Author
Elena Hordt (Author)
Publication Year
2011
Pages
23
Catalog Number
V267149
ISBN (eBook)
9783656570158
ISBN (Book)
9783656570110
Language
German
Tags
Philosophie Aristoteles Freiheit Wahfreiheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Elena Hordt (Author), 2011, Aspekte der Freiwilligkeit und Wahlfreiheit nach Aristoteles, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267149
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