Der Einfluss des Militärs in den Philippinen und Thailand im Vergleich


Seminararbeit, 2003
18 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Konzeptionalisierung des Einflusses von Militär

3. Einfluss des Militärs in Thailand
3.1 Politischer Einfluss
3.2 Wirtschaftlicher Einfluss
3.3 Gesellschaftlicher Einfluss

4. Einfluss des Militärs in den Philippinen
4.1 Politischer Einfluss
4.2 Wirtschaftlicher Einfluss
4.3 Gesellschaftlicher Einfluss

5.Vergleichendes Fazit

Literatur

1. Einleitung

Streitkräfte sind ein wichtiger Bestandteil von Nationen zum Schutz vor Angriffen von Außen und Wahrung der territorialen Integrität. Das Militär stellt jedoch auch einen Machtfaktor innerhalb des Staates dar. Aus diesem Grund wird in den Staaten mit demokratischen Regierungssystemen auf eine strikte Trennung von militärischen Aufgaben und innerstaatlichen Aufgaben großen Wert gelegt[1].

Gerade in Entwicklungsländern und Ländern, die sich in einer Umorientierung ihrer politischen System befinden, ist die Trennung zwischen ziviler Hoheit und Militär oft nicht gegeben. Die fehlende Trennung zeigt sich in Form von Einflüssen des Militärs in der Wirtschaft und einer starken Lobby innerhalb der Gesellschaft, bis hin zu offenen Militärdiktaturen.

Der asiatische Raum war geprägt von wechselnden Militärdiktaturen und einer starken Einflussnahme des Militärs innerhalb der Gesellschaften und der Politik. Hierbei heben sich besonders die Philippinen und Thailand hervor. Die Philippinen wurden nicht von einer klassischen Militärdiktatur regiert, jedoch wurde unter dem Diktator Marcos der Einfluss des Militärs stark ausgebaut.[2] Thailand, das einzige Land im asiatischen Raum ohne koloniale Vergangenheit, erlebte eine lange Phase von Militärdiktaturen und einen starken Einfluss des Militärs während der Demokratisierung[3].

Diese beiden Länder eignen sich im besonderem Maß zu einem Vergleich des Einflusses des Militärs innerhalb der Gesellschaft: Die Philippinen als ein Land mit langer kolonialer Vergangenheit, Diktaturen und innerstaatlichen Konflikten; Thailand mit der Besonderheit, als einziges Land ohne koloniale Vergangenheit in der Region, aber auch mit Diktaturen und innerstaatlichen Konflikten.

Die Arbeit untersucht Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Länder hinsichtlich des Einflusses des Militärs. Und beantwortet die Frage in welchem Land der Einfluss größer war.

Um dies zu untersuchen wurde auf verschiedene Literatur zurückgegriffen. Zu erwähnen sind die Bücher „Generäle in der Politik“[4] und „Das Militär in ASEAN-Staaten“[5]. Sie bieten einen umfangreichen Einblick in die Geschichte und Zusammenhänge in den beiden zu behandelnden Ländern. Sie beschreiben ausführlich die Entstehung des Militärs auf den Philippinen und Thailand und dessen gesellschaftlichen Einflusses.

Die Arbeit beginnt mit einer Konzeptionalisierung des Einflusses von Militär. In den darauffolgenden Kapiteln wird mit Hilfe dieses Konzeptes der Einfluss in den jeweiligen Ländern untersucht. Die Arbeit schließt mit einem vergleichenden Fazit.

2. Konzeptionalisierung des Einflusses von Militär

Um einen Vergleich zwischen den Philippinen und Thailand zu ermöglichen ist es zunächst notwendig, eine die Möglichkeiten der Einflussnahme des Militär in einem Staat vorzunehmen. Den Einfluss lässt sich in drei Hauptpunkte unterteilen:

- „Das Militär ist Träger von Modernisierungsprozessen, basierend vor allem auf den Beispielen Türkei, Birma und einigen Ländern des Nahen Ostens. Hierunter ist nicht nur Modernisierung im neutralen Sinn gemeint, sondern der politische Wille des Militärs, ein bestimmtes Entwicklungsmodell für das eigene Land, auch gegen Widerstand, durchzusetzen.“[6]
- „Das Militär als Garant für die politische Stabilität in prätorianischen Gesellschaften. (...) In der politischen Praxis handelt es sich um die vom Militär für richtig gehaltene politische Ordnung, die meist mit dem Status quo identisch ist. Es ist bereit, sowohl Regierungen zu stürzen, die seiner Auffassung nach die politische Ordnung gefährden, als auch zu verhindern, dass als gefährlich angesehenen politischen Gruppen, auch wenn sie gewählt wurden, die Regierungsgewalt übertragen wird.“[7]
- „Das Militär als Repressionsinstrument des nationalen, besonders aber des internationalen Kapitalismus und Imperialismus.“[8]

Drei Kernpunkte lassen sich hieraus ableiten. Erstens: Der Einfluss auf die Wirtschaft eines Landes. Zweitens: Der Einfluss des Militärs in der Politik. Hierbei muss wiederum zwischen einer aktiven und einer passiven Teilnahme an der Politik unterschieden werden. Unter eine aktive Teilnahme lassen sich Militärdiktaturen einordnen, in denen das Militär als alleinige politische Macht auftritt. Unter passiv fällt demnach die Einflussnahme des Militärs im Hintergrund des politischen Lebens. Sie kann vom Einsetzen eines dem Militär nahe stehenden Politikers in führende Ämter, bis hin zu Vetorechten in der Politik reichen.[9] Drittens: Der Einsatz des Militärs als Repressionsmittel gegen die Bevölkerung.

Um einen Vergleich zwischen Thailand und den Philippinen zu ermöglichen, werden drei Punkte aus den oben beschriebenen Einflüssen zum Vergleich herangezogen. Der Einfluss des Militärs, in der Politik, der Wirtschaft und den jeweiligen Gesellschaften.

3. Einfluss des Militärs in Thailand

Seitdem 1932 eine „Gruppe unzufriedener Staatsbeamter“[10], mit der Unterstützung des Militär die absolute Monarchie stürzte und in eine parlamentarische Monarchie umwandelte, ist Thailand geprägt von wechselnden Amtsträgern die nicht durch demokratische Wahlen legitimiert waren.[11] Neben der in Thailand stark vertretenen Bürokratie, dem Königshaus und den seit dem Beginn des Modernisierungsprozesses entstandenen Mittelschichten, ist das Militär einer der entscheidenden Machträger in Thailand. In einer Militärdiktatur spielte das Militär bis heute eine große Rolle in der Politik von Thailand.[12]

3.1 Politischer Einfluss

„Der Regierung von Premierminister Chuan Leekpai ist es als Ergebnis einiger, wie es bislang scheint, erfolgreicher Reformmaßnahmen unter anderem gelungen, die Position des Militärs in der politischen Arena zu schwächen und gleichzeitig Rolle und Stellung der politischen Parteien zu stärken.“[13] Welchen Einfluss übte das Militär bis 1995 auf die Politik in Thailand aus?

Um dies hinreichend zu beantworten, wird, wie in Kapitel zwei, zwischen aktiver und passiver Einflussnahme auf das politische System unterschieden.

Unter der aktiven Einflussnahme kann man die mehr als 17 Militärputsche bis 1995 bezeichnen.[14] Seit der Einführung der parlamentarischen Monarchie 1932 bis 1995 ist es keiner Regierung gelungen, eine reguläre Legislaturperiode durchzustehen.[15] So gab es zwischen 1932 und 1972 nur zwei Phasen von ziviler Herrschaft[16]. In den zahlreichen Militärputschen nahm das Militär aus unterschiedlichen Beweggründen aktiv Einfluss auf die politische Landschaft.

Die Gründe für das Eingreifen der Militärs reichten von einer angestrebten Zurückdrängung des Militärs aus der Politik bis hin zu politischen Unruhen, die das Militär zum Anlass nahm, für Ruhe und Ordnung zu sorgen[17]. Eine Ursache für das häufige Eingreifen des Militärs und seiner starken politischen Stellung bis 1995 ist, u.a. in der bis 1997 gültigen Verfassung von Thailand zu finden. Das Militär baute in seiner langen Herrschaftszeit in Form einer Diktatur seine politische Stellung weiter aus. So bestand die Regelung, dass ein Premierminister von außerhalb der politischen Parteienlandschaft zu kommen hatte.[18] Ausserdem konnte der Premierminister nur im Einverständnis der Militärführung nominiert werden.[19] Dies führte dazu, dass in dem Zeitraum von 1932 bis 2000 die Militärs eindeutig eine vorherrschende Position einnahmen. Seit 1932 regierten 22 Premierminister Thailand. Von diesen waren zwar „nur“ 7 Militärs, aber von der Zeit ihrer Regierung von fast 46 Jahren eindeutig länger an der Macht als ihre zivilen Gegenparts.[20] Der politische Einfluss der Militärs ist demnach eng mit dem Demokratisierungsprozess Thailands verbunden. Es waren Militärs die die konstitutionelle Monarchie einführten mit einem Putsch gegen den König und nahmen seitdem eine dominante Rolle innerhalb der Politik von Thailand ein. Der politische Einfluss der Militärs bliebt jedoch nicht nur auf die Politik begrenzt. Das Interesse der Machterhaltung und des Machtausbaus erstreckt sich auch auf die Wirtschaft.

[...]


[1] Wie zum Beispiel in Deutschland.

[2] Vgl. Siemers, Günter: Die Streitkräfte auf den Philippinen – Von der Rolle des Zuschauers zur Teilnahme an der Politik, in: Dahm, Bernhard/ Weyand, Rita (Hrsg.): Das Militär in ASEAN- Staaten auf der Grundlage unterschiedlicher soziokultureller Voraussetzungen, Hamburg 1993, S. 116- 144, hier: S. 126

[3] Vgl. Bünte, Marco: Probleme der demokratischen Konsolidierung in Thailand, Hamburg 2000, S. 25

[4] Kreuzer, Peter: Generäle in der Politik. Politische Kultur, Streitkräftekultur und das Verhalten militärischer Eliten im politischen Raum: China – Japan- Thailand, Frankfurt am Main/ Berlin/ Bern u.a. 1996

[5] Dahm, Bernhard/ Weyand, Rita (Hrsg.): Das Militär in ASEAN- Staaten auf der Grundlage unterschiedlicher soziokultureller Voraussetzungen, Hamburg 1993

[6] Heinz, Wolfgang S.: Politik und Militär in Südostasien – Vergleichende Perspektiven, in: Dahm, Bernhard/ Weyand, Rita (Hrsg.): a.a.O., S.15- 31, hier: S.16

[7] Heinz, Wolfgang S.: a.a.O., S. 16

[8] Ebd., S. 16

[9] Vgl. ebd., S. 16

[10] Sander, Ingvar/ Reinecke, Gerhard (Hrsg.): Thailand: Aktuelle Wandlungsprozesse in Politik, Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft, Hamburg 2000, S. 23

[11] Vgl. ebd., S. 23

[12] Vgl. Bünte, Marco: a.a.O., S. 76

[13] Dosch, Jörn: Der beschwerliche Weg zur rechtsstaatlichen Demokratie in Südostasien, Politik und Zeitgeschichte, Nr. 21, 2000, S. 2

[14] Vgl. Dingemann, Rüdiger: Krisenherde der Welt. Konflikte und Kriege seit 1945, Braunschweig 1996, S. 738

[15] Vgl. Sander, Ingvar/ Reinecke, Gerhard (Hrsg.): Thailand: Aktuelle Wandlungsprozesse in Politik, Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft, Hamburg 2000, S. 22

[16] Vgl. Bünte, Marco: a.a.O., S. 76

[17] Vgl. Rüland, Jürgen: Das thailändische Militär – Soziokulturelle Grundlagen, Selbstverständnis und politische Rolle, in: Dahm, Bernhard/ Weyand, Rita (Hrsg.): a.a.O., S. 32- 61, hier: S. 42

[18] Vgl. Su- Mei, Ooi: Globalisation and Security: The Role of International Financial Institutions in Pacific Asian Security, 1. Auflage, Baden- Baden 2001, S. 77

[19] Vgl. ebd., S. 77

[20] Vgl. Sander, Ingvar/ Reinecke, Gerhard (Hrsg.): Thailand: Aktuelle Wandlungsprozesse in Politik, Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft, Hamburg 2000, S. 24

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss des Militärs in den Philippinen und Thailand im Vergleich
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Veranstaltung
Aktuelle politische Entwicklungen in Ost- und Südostasien im Vergleich
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V26716
ISBN (eBook)
9783638289672
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einfluss, Militärs, Philippinen, Thailand, Vergleich, Aktuelle, Entwicklungen, Ost-, Südostasien
Arbeit zitieren
Andreas Feld (Autor), 2003, Der Einfluss des Militärs in den Philippinen und Thailand im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26716

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