Spricht man von „Jugendsprache“, so scheint deren Definition dezidiert zu sein. Diese Beschreibung jugendspezifischen Sprachgebrauchs impliziert, dass es sich um eine eigene Sprache handelt, die von allen Jugendlichen gesprochen wird, vergleichbar mit anderen Sondersprachen. Diese und ähnliche Fehldeutungen erschweren eine konkrete Begriffsbestimmung des Terminus. Peter SCHLOBINSKI insistiert auf der Notwendigkeit, die Jugend als heterogene Gruppe zu betrachten, die nicht durch die „eine“ Jugendsprache, sondern durch Variation gekennzeichnet ist. Diese Aussage soll für den weiteren Verlauf dieser Arbeit richtungsweisend sein und die Basis für die folgenden Beiträge konstituieren.
Die als Anhang erwähnten Quellenartikel sind in dieser Veröffentlichung nicht enhalten!
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Begründung und Relevanz des Themas
1.2 Allgemeine Vorgehensweise
2 Theoretischer Rahmen – Jugendsprache im Kontext sprachlicher Varietäten
2.1 Die Lebensphase Jugend und Jugendkultur
2.2 Die Jugendsprachen
2.2.1 Die sprachliche Varietät
2.2.2 Historische Entwicklung jugendspezifischen Sprachgebrauchs
2.2.3 Abgrenzung der Jugendsprachen zur Standardsprache
2.3 Die Jugendsprachforschung – Ein Überblick
3 Exemplarische Analyse
3.1 Der Untersuchungsgegenstand – Vorstellung und Begründung
3.1.1 Betrachtung des bildlichen und sprachlichen Erscheinungsbildes von Jugendzeitschriften
3.1.2 Die „Bravo“
3.2 Das Analysemodell der integrativen Textanalyse nach Klaus Brinker
3.3 Schwerpunkte und Zielerhebung der Untersuchungen
3.4 Die exemplarische Analyse
3.4.1 Funktionale Dimension
3.4.2 Strukturell-thematische Dimension
3.4.3 Strukturell-grammatische Dimension
3.5 Auswertung der Analyse
4 Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Jugendsprache im Kontext sprachlicher Varietäten und analysiert exemplarisch, wie jugendspezifische Sprechweisen in der Jugendzeitschrift „Bravo“ repräsentiert werden, um deren Authentizität und Funktion zu hinterfragen.
- Definition und Differenzierung der Begriffe „Jugend“ und „Jugendsprache“
- Historische Einordnung und aktueller Forschungsstand der Jugendsprachforschung
- Analysemodell der integrativen Textanalyse nach Klaus Brinker
- Strukturelle und funktionale Analyse von Artikeln der Jugendzeitschrift „Bravo“
- Reflexion über die mediale Vermittlung von Jugendlichkeit und Identität
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Lebensphase Jugend und Jugendkultur
Allgemein umfasst die Lebensphase Jugend die Zeit zwischen Pubertät und Erwachsensein. Sie kann in drei Abschnitte gegliedert werden: Die frühe Jugendphase, auch pubertäre Phase genannt (12 - 17 Jahre); die mittlere Jugendphase (nachpubertäre Phase) von 18 - 21 Jahren und die späte Jugendphase (22 - 27 Jahre), welche als Übergang ins Erwachsenenalter bezeichnet wird. Jedoch beruht diese Einteilung auf statistischen Schätzungen und kann nicht verallgemeinert werden. Der Übergang von einer Teilphase zur nächsten ist oftmals verschwommen und nur schwer festlegbar. (vgl. Schäfers 1994: 29f und Hurrelmann 2007: 41). Der Zeitpunkt der einsetzenden Geschlechtsreife findet aber nach Ergebnissen der Shell Jugendstudie von 2002 immer früher statt (vgl. Hurrelmann/Albert 2002: 31).
Die Lebensphase Jugend ist geprägt von einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen, sich noch entwickelnden Person, bedingt durch die Veränderungen des eigenen Körpers und der Psyche. Hierbei kommt es häufig zu Spannungen zwischen der Entwicklung der Ich-Identität, der persönlichen Individuation und der sozialen Integration. Ein wichtiges Ziel dieser Phase ist demnach eine Balance zwischen beiden zu finden und diese dann auch zu stabilisieren (vgl. Hurrelmann 2003: 117ff).
Besonders im kulturellen Bereich lässt sich eine verstärkte Individualisierung und Präsenz einer gesellschaftlichen Subkultur beobachten. Einige Soziologen betrachten die Bildung einer Subkultur als eine Reaktion auf eine unzureichende Gesellschafts- und Kulturstruktur. Die Orientierung an altershomogenen Gruppen ersetze zumindest teilweise Defizite in den Sozialisationsinstanzen wie die Familie oder Schule (vgl. Baacke 2007: 115 u. 127f). Die Jugend grenzt sich durch Mode, Musik und Sprache von den anderen Mitgliedern ihrer Gesellschaft ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel begründet die Relevanz des Themas und erläutert die methodische Vorgehensweise bei der Untersuchung von Jugendsprache im Medienkontext.
2 Theoretischer Rahmen – Jugendsprache im Kontext sprachlicher Varietäten: Hier werden zentrale Begriffe definiert, die Lebensphase Jugend sowie die historische und aktuelle Jugendsprachforschung beleuchtet und von der Standardsprache abgegrenzt.
3 Exemplarische Analyse: Dieses Hauptkapitel untersucht anhand von vier Artikeln aus der „Bravo“ mittels des Brinker-Modells, wie Jugendsprache medial konstruiert und funktionalisiert wird.
4 Abschließende Bemerkungen: Das Fazit fasst zusammen, dass „die“ Jugendsprache als homogene Sprache nicht existiert, sondern durch eine differenzierte, an der Standardsprache orientierte Varietät gekennzeichnet ist.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, Jugendkultur, Sprachvarietät, Soziolekt, Identitätsfindung, Peer-Group, Medienlinguistik, Textanalyse, Bravo, Jugendsprachforschung, Sprachwandel, Kommunikation, Sozialisation, Anglizismen, Sprachstil
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen „Jugendsprache“ und hinterfragt, ob es sich um eine eigenständige Sprache handelt oder um eine an der Standardsprache orientierte Varietät, die von Jugendlichen zur Identitätsbildung genutzt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die Soziologie der Jugendphase, die Geschichte der Jugendsprachforschung, die Funktion von Jugendsprache sowie die mediale Darstellung dieser Sprachform in Jugendzeitschriften.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Repräsentation von Jugendsprache in der Zeitschrift „Bravo“ zu analysieren und zu klären, ob diese Texte authentische jugendliche Sprechweisen abbilden oder eher künstliche, von Erwachsenen produzierte Formulierungen darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt zur Analyse der „Bravo“-Artikel das Modell der integrativen Textanalyse nach Klaus Brinker, welches funktionale und strukturelle Dimensionen berücksichtigt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst sowohl theoretische Grundlagen zur Lebensphase Jugend und zur Jugendsprachforschung als auch die konkrete, exemplarische Analyse von vier ausgewählten Presseartikeln hinsichtlich ihrer grammatischen, thematischen und funktionalen Gestaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Jugendsprache, Identitätsfindung, Medienlinguistik, Soziolekt und der spezifische analytische Bezug zur Zeitschrift „Bravo“.
Welche Rolle spielen Peer-Groups für die Jugendsprache laut der Arbeit?
Peer-Groups fungieren als Katalysatoren für die Entwicklung von Normen, Werten und Sprechweisen, die Jugendlichen zur Abgrenzung und Demonstration von Gruppenzugehörigkeit dienen.
Warum wird die „Bravo“ als Untersuchungsgegenstand gewählt?
Die „Bravo“ gilt als auflagenstärkste Jugendmarke, die einen maßgeblichen Einfluss auf die mediale Repräsentation von Jugendlichkeit hat und somit ein geeignetes Fallbeispiel für die linguistische Untersuchung bietet.
- Citar trabajo
- Janine Lacombe (Autor), 2011, Jugendspezifischer Sprachgebrauch im Kontext sprachlicher Varietäten in der BRAVO, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267178