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Die Zwiespältigkeit Jean-Baptiste Grenouilles in Süskinds "Parfum"

Title: Die Zwiespältigkeit Jean-Baptiste Grenouilles in Süskinds "Parfum"

Term Paper , 2013 , 24 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Julia Ratajczak (Author)

Didactics for the subject German - Literature, Works
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Summary Excerpt Details

Im achtzehnten Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche gehörte. […] Er hieß Jean-Baptiste Grenouille […].

Mit diesen Worten führt Patrick Süskind die Hauptfigur seines Weltbestsellers
„Das Parfum“ ein und führt dem Leser gleich zu Beginn die Zwiespältigkeit dieser Person vor Augen. Im Laufe des Romans begleitet der Leser das Geruchsgenie Grenouille bei seiner Lebensaufgabe – der Kreation des perfekten Parfums. Dabei lernt er ihn als gnadenlosen Serienmörder kennen, der 25 junge Frauen tötet, um sein Werk zu vollbringen. Doch ebenso tritt die Hauptfigur als verängstigtes Wesen auf, das darüber entsetzt ist, sich selbst nicht riechen zu können. Zwischen Bewunderung und Hass sowie Mitleid und Ekel gegenüber diesem einsamen, genialen Ungeheuer fühlt sich der Leser hin- und hergerissen. Ihm wird eine „Extremfigur“ mit „bizarre[m] Charakter“ präsentiert: Grenouille besitzt eine abgrundtief böse Seite und dennoch ist er in gewisser Weise eine zu bemitleidende Kreatur, die in totaler Einsamkeit und weit entfernt von jeglichen Gefühlszuwendungen lebt.
Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen sollen im Folgenden die zahlreichen, teils gegensätzlichen Eigenschaften Grenouilles an geeigneten Textstellen herausgearbeitet und untersucht werden. Welche Charaktere schreibt der Autor seinem Helden zu und worin besteht die Eigentümlichkeit der Figur? Wie kann eine so außergewöhnliche Persönlichkeit wie Grenouille trotz ihrer ambivalenten Charakterzüge funktionieren? In der Literatur beschäftigt man sich seit Jahren mit Süskinds rätselhaftem Genie, in zahlreichen Figureninterpretationen werden seine Eigenschaften erforscht und gedeutet. In dieser Arbeit wird insbesondere auf die Betrachtungen von Bernd Matzkowski, Friedel Schardt, Werner Frizen und Marilies Spancken zurückgegriffen, die sich intensiv mit Jean-Baptistes Wesen auseinandergesetzt haben. Interessante Aspekte liefern auch María Cecilia Barbetta und Katja Schettler, die die Hauptperson des „Parfums“ aus der Perspektive des Neo-Phantastischen bzw. der Postmoderne beleuchten. Auf die Werke dieser beiden Autorinnen wird ebenfalls Bezug genommen. Bei der Figurenanalyse liegt der Fokus auf nachstehenden Aspekten, die man Süskinds Protagonisten in der Forschungsliteratur überwiegend zuschreibt:
Grenouilles animalischer Charakter – sein Dasein als „Zeck“
Grenouille – das abscheuliche Mons

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grenouille – Süskinds Hauptfigur wird „unter die Lupe genommen“

2.1. Grenouilles animalischer Charakter – sein Dasein als „Zeck“

2.2. Grenouille – das abscheuliche Monstrum

2.3. Grenouille als Gespenst

2.4. Grenouille – Phänomen und Schöpfer

2.5. Grenouille – „Luzifer“ und „Dracula“

2.6. Grenouille – Die Geschichte eines Mörders

3. Schlussbemerkung

Zielsetzung und Themen

Diese wissenschaftliche Arbeit analysiert die vielschichtige und widersprüchliche Charakterzeichnung der Hauptfigur Jean-Baptiste Grenouille in Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“. Ziel ist es, durch die Untersuchung verschiedener gegensätzlicher Zuschreibungen – vom animalischen „Zeck“ bis zum göttergleichen „Schöpfer“ – die ambivalente Natur des Protagonisten zu durchleuchten und zu hinterfragen, wie diese komplexe Persönlichkeit in der literaturwissenschaftlichen Forschung interpretiert wird.

  • Analyse der animalischen und monströsen Charakterzüge von Grenouille
  • Untersuchung der Rolle von Grenouille als „Gespenst“ und Außenseiter
  • Betrachtung der genialen Schöpferkraft im Kontrast zur zerstörerischen Mördernatur
  • Einordnung der Figur in den Kontext literarischer Archetypen wie Luzifer oder Dracula
  • Herausarbeitung der Paradoxa zwischen menschlicher Bedürftigkeit und gesellschaftlicher Isolation

Auszug aus dem Buch

2.1. Grenouilles animalischer Charakter – sein Dasein als „Zeck“

Am 17. Juli 1738 wird Jean-Baptiste Grenouille in Paris geboren. Von der eigenen Mutter als „neugeborene[s] Ding“ bezeichnet, das sie „bestimmt würde haben verrecken lassen“ und verstoßen von allen weiteren Menschen, die ihm im Leben noch begegnen sollten, steht Grenouilles tragende Rolle in der Gesellschaft vom Tag seiner Geburt an fest: Er ist von Anfang an ein Außenseiter infolge seiner Andersartigkeit. Vier Ammen lehnen das Neugeborene ab, „[k]eine wollte es länger als ein paar Tage behalten.“ Normalerweise wird Säuglingen mit Liebe, Zuwendung und Geborgenheit begegnet – nicht so Grenouille. Doch warum erfährt gerade dieses Kind Abneigung und Lieblosigkeit? Die Figur wird bereits zu Beginn des Romans mit animalischen Zügen beschrieben. Das Riechorgan des Protagonisten wird als „Nüstern“ bezeichnet, mit denen er schon als Säugling seine Umgebung „schnupperte“. Pater Terrier nimmt das Neugeborene für kurze Zeit in seine Obhut, nachdem die Amme Jeanne Bussie sich weigert, den Jungen weiterhin zu ernähren. Anfangs bezeichnet der Pater den Säugling noch als „arme[s] kleine[s] Kind“ und „unschuldige[s] Wesen“, das friedlich „schlummert“. Doch als das Baby erwacht und ihn mit seiner „gierigen kleinen Nase“ auswittert, ekelt sich Terrier vor Grenouille. Von diesem Moment an sieht der Mann im Säugling „ein feindseliges Animal“, bezeichnet ihn als „Ding“ und vergleicht ihn mit einer „Spinne“. Auch die Beschreibung von Grenouilles Augen erinnert vielmehr an ein neugeborenes Tier als an ein neugeborenes Kind: Die Augen waren von unbestimmter Farbe, zwischen austerngrau und opal-weiß-cremig, von einer Art schleimigen Schleier überzogen und offenbar noch nicht sehr gut zum Sehen geeignet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die literarische Problematik der ambivalenter Figur Jean-Baptiste Grenouille ein und benennt die zentralen wissenschaftlichen Bezugspunkte der Untersuchung.

2. Grenouille – Süskinds Hauptfigur wird „unter die Lupe genommen“: Das Kapitel gliedert sich in verschiedene analytische Perspektiven, die das Wesen des Protagonisten beleuchten.

2.1. Grenouilles animalischer Charakter – sein Dasein als „Zeck“: Es wird die frühe soziale Ausgrenzung und die animalische Natur Grenouilles analysiert, die ihn von Beginn an zum Außenseiter stempelt.

2.2. Grenouille – das abscheuliche Monstrum: Dieser Abschnitt befasst sich mit der Wahrnehmung Grenouilles als monströse Gestalt und der gesellschaftlichen Furcht vor dem Andersartigen.

2.3. Grenouille als Gespenst: Hier wird die metaphysische und soziale Unsichtbarkeit Grenouilles thematisiert, die ihn wie ein Gespenst durch die Welt wandeln lässt.

2.4. Grenouille – Phänomen und Schöpfer: Dieser Teil beleuchtet Grenouilles außergewöhnliche Geruchsbegabung und seine Ambition, als Schöpfer von Düften eine eigene Ordnung zu erschaffen.

2.5. Grenouille – „Luzifer“ und „Dracula“: Es werden die dämonischen und vampirartigen Züge des Protagonisten im Kontext mythologischer Deutungsmuster hinterfragt.

2.6. Grenouille – Die Geschichte eines Mörders: Dieser Abschnitt analysiert die psychologische und moralische Dimension von Grenouilles Werdegang zum Serienmörder.

3. Schlussbemerkung: Die Zusammenfassung resümiert die Widersprüchlichkeit der Figur und bestätigt ihre Bedeutung als faszinierendes literarisches Rätsel.

Schlüsselwörter

Grenouille, Das Parfum, Patrick Süskind, Geruchssinn, Literarische Analyse, Identität, Außenseiter, Monster, Genialität, Moral, Serienmörder, Anthropologie, Animalität, Phantastik, Symbolik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die vielschichtige Charakteristik von Jean-Baptiste Grenouille, dem Protagonisten von Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“, unter Einbeziehung verschiedener literaturwissenschaftlicher Interpretationen.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Analyse?

Zentrale Themen sind die menschliche Isolation, die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn, die animalische Natur sowie die moralische Ambivalenz des Protagonisten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die widersprüchlichen Eigenschaften Grenouilles (z. B. zwischen Genie und Monster) detailliert herauszuarbeiten und zu untersuchen, wie Süskind diese Ambivalenz erzählerisch umsetzt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Autorin verwendet eine textanalytische Methode, basierend auf der vergleichenden Literaturanalyse und der Einbeziehung etablierter Sekundärliteratur zum Werk.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden verschiedene Aspekte der Figur Grenouille – unter anderem als „Zeck“, „Monstrum“, „Gespenst“ und „Schöpfer“ – anhand von Textstellen analysiert und diskutiert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Grenouille, Geruchssinn, Außenseiter, Genialität, Moral und literarische Symbolik.

Warum wird Grenouille im Text oft mit einem „Zeck“ verglichen?

Der Vergleich dient dazu, Grenouilles Fähigkeit zur absoluten Anpassung, seine Zähigkeit in widrigen Umständen und sein parasitäres Dasein gegenüber der Gesellschaft zu verdeutlichen.

Welche Rolle spielt die „Geruchslosigkeit“ für die Charakterisierung?

Die Geruchslosigkeit ist essenziell für Grenouilles Identitätslosigkeit; sie macht ihn für die Umwelt unsichtbar und ist zugleich der Ausgangspunkt für seinen Drang, durch künstliche Düfte Macht auszuüben.

Inwiefern wird Grenouille als eine „göttliche“ oder „schöpferische“ Figur gedeutet?

Er wird als Schöpfer von Düften inszeniert, der eine „eigene Welt“ erschafft, wobei der Autor durch Anspielungen auf das Alte Testament die Hybris seines göttergleichen Selbstverständnisses unterstreicht.

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Details

Title
Die Zwiespältigkeit Jean-Baptiste Grenouilles in Süskinds "Parfum"
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für deutsche Literatur)
Course
Vergleichende Literatur- und Filmanalyse
Grade
2,0
Author
Julia Ratajczak (Author)
Publication Year
2013
Pages
24
Catalog Number
V267197
ISBN (eBook)
9783656573142
ISBN (Book)
9783656573128
Language
German
Tags
zwiespältigkeit jean-baptiste grenouilles süskinds parfum
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Ratajczak (Author), 2013, Die Zwiespältigkeit Jean-Baptiste Grenouilles in Süskinds "Parfum", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267197
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