Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, was einen guten Religionslehrer bzw. eine gute Religionslehrerin ausmacht.
Wie bereits dem Titel zu entnehmen ist, soll hierbei die Relevanz der Persönlichkeit der Lehrperson in der Geschichte besondere Beachtung finden. Ich habe mich für die Epoche vom Ende des zweiten Weltkriegs bis zur Wiedervereinigung entschieden. Da jedes Land entsprechend seiner schulischen Geschichte und Zuordnung von Kirche und Staat unterschiedliche Reformen des Religionsunterrichts hervorgebracht hat, können in dieser Arbeit nur einige wichtige Aspekte des Religionsunterrichts und dessen Ansätze in Deutschland aufgegriffen werden.
Anhand einer komparativen Analyse von zwei exemplarisch ausgewählten Forschungsansätzen: Evangelische Unterweisung (Referenzquelle: Helmuth Kittel) und Problemorientierter Unterricht (Hans-Bernhard Kaufmann), möchte ich mich folgender Forschungsfrage widmen: Wie beschreiben die beiden Autoren die Relevanz der Persönlichkeit der Lehrperson vor dem jeweiligen gesellschaftlichen, theologischen und kirchlichen Kontext?
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Begriffserklärung
2.1 Relevanzbegriff
2.2 Persönlichkeitsbegriff
2.3 Religionspädagogik und Religionsunterricht
3 Das Konzept der Evangelischen Unterweisung
4 Das Konzept des Problemorientierten Unterrichts
5 Gesamtzusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht im Rahmen einer komparativen Analyse den Wandel des Verständnisses der Lehrerpersönlichkeit im Religionsunterricht zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Wiedervereinigung, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, wie zwei zentrale Forschungsansätze – die Evangelische Unterweisung und der problemorientierte Unterricht – die Relevanz der Persönlichkeit der Lehrperson vor ihrem jeweiligen theologischen, kirchlichen und gesellschaftlichen Kontext beschreiben.
- Vergleich der Konzepte "Evangelische Unterweisung" und "problemorientierter Religionsunterricht"
- Analyse der Rolle der Lehrperson als kirchlicher Verkündiger versus empathische Bezugsperson
- Untersuchung des gesellschaftlichen und theologischen Wandels in der Religionspädagogik
- Bedeutung der Persönlichkeitsstruktur und individueller Lebenserfahrungen im schulischen Kontext
Auszug aus dem Buch
3 Das Konzept Evangelische Unterweisung (1945-1960)
Nach dem Zusammenbruch des Hitler-Regimes und dem der gesamten staatlichen Ordnung, bahnen sich zu Beginn der sechziger Jahre „sowohl pädagogische, didaktische und organisatorische Neuansätze an.“ 17 Viele Menschen sind von den Entnazifizierungs-Bemühungen betroffen. Auch Lehrer, die meistens Parteimitglieder waren.18 Bis gegen Ende der 50er Jahre „dominierte in der Diskussion um den evangelischen RU ein Konzept, das unter dem Namen Evangelische Unterweisung in die Geschichte des Religionsunterrichtes eingegangen ist.“19 Diesen Begriff führt Helmuth Kittel 1947 (1902-1984) ein, „in der Absicht, das in der Zeit des Nationalsozialismus kompromittierte Schulfach Religionsunterricht (RU) durch ein nicht mehr am Begriff der Rel., sondern an den Inhalten des Evangeliums orientiertes, von Grund auf neu konzipiertes Unterrichtsfach zu ersetzen.“20 Kittel stellt in seinem Werk „Evangelische Religionspädagogik“ die These auf, dass der damalige RU „nur noch so wenig christliche Substanz“ 21 besaß, dass „ihm die Unterscheidungsfähigkeit abhanden gekommen war.“22
Der Unterrichtende wird laut Kittel, verschiedenen Belastungen ausgesetzt, wie z.B. Anspruch und Einfluss der Kirche auf seinen Unterricht. Er muss in der Lage sein Situationen abzuwägen und Entscheidungen zu treffen, in der Hinsicht, „ob gewissen staatlichen Intentionen mehr als gewissen kirchlichen nachzugeben ist […].“23 Dies erfordert m. E. eine Festigung der Persönlichkeit des Lehrers, damit er überhaupt in der Lage ist richtige Entscheidungen treffen zu können. Durch das „vermittelt-unmittelbare Hören-Können des Wortes Jesu Christus“24, wird ihm, so Kittel, gewissermaßen die Freiheit geschenkt, die er für seine Entscheidungen benötigt.25 Er soll somit in seinem Denken und Handeln ermutigt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung definiert die Forschungsfrage bezüglich der Relevanz der Lehrerpersönlichkeit im Religionsunterricht und grenzt den zeitlichen Rahmen auf die Ära von 1945 bis 1990 ein.
2 Begriffserklärung: In diesem Kapitel werden die zentralen Fachbegriffe wie Relevanz, Persönlichkeit sowie das Fachverständnis von Religionspädagogik und Religionsunterricht theoretisch hergeleitet.
3 Das Konzept der Evangelischen Unterweisung: Dieses Kapitel erläutert den kerygmatischen Ansatz der Evangelischen Unterweisung als bewusste Abkehr vom Religionsunterricht der Vorkriegszeit und betont die Rolle des Lehrers als kirchlicher Verkündiger.
4 Das Konzept des Problemorientierten Unterrichts: Es wird die Hinwendung zur Lebenswelt der Schüler und die Funktion des Religionslehrers als beratende, empathische Begleitperson innerhalb eines gesellschaftskritischen Unterrichtskonzepts dargestellt.
5 Gesamtzusammenfassung: Das Fazit stellt den historischen Wandel der Lehrerrolle von einem "Zeugen Christi" hin zu einer "empathisch agierenden Bezugsperson" fest und reflektiert die Abhängigkeit dieser Rollen von den jeweiligen politischen und theologischen Rahmenbedingungen.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Persönlichkeit, Lehrperson, Evangelische Unterweisung, problemorientierter Unterricht, Religionspädagogik, Kirche, Schule, Verkündigung, Lebenswirklichkeit, Theologie, Erziehung, Schulentwicklung, Werteorientierung, historischer Wandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den historischen Wandel der Rolle und Relevanz der Lehrerpersönlichkeit im evangelischen Religionsunterricht zwischen 1945 und 1990.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Religionspädagogik, das Spannungsfeld zwischen Kirche und staatlichem Bildungsauftrag sowie die unterschiedlichen Anforderungen an Religionslehrkräfte in verschiedenen Epochen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie Autoren wie Helmuth Kittel und Hans-Bernhard Kaufmann die Relevanz der Persönlichkeit der Lehrperson im Kontext ihres jeweiligen gesellschaftlichen und theologischen Hintergrunds beschreiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Die Autorin wendet eine komparative Analyse an, um zwei exemplarische Forschungsansätze (Evangelische Unterweisung und problemorientierter Unterricht) gegenüberzustellen.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsarbeit, die detaillierte Darstellung des Modells der "Evangelischen Unterweisung" und die Untersuchung des "problemorientierten Religionsunterrichts".
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen gehören die Lehrerpersönlichkeit, Evangelische Unterweisung, problemorientierter Unterricht, religiöse Erziehung, kirchliche Verkündigung und die Schülerorientierung.
Inwiefern unterscheidet sich das Konzept der Evangelischen Unterweisung vom späteren problemorientierten Unterricht?
Während die Evangelische Unterweisung den Lehrer als kirchlichen Verkündiger in den Mittelpunkt stellt, der primär das Evangelium vermittelt, betont der problemorientierte Unterricht den Lehrer als Begleiter, der die Lebenswelt und die individuellen Fragen der Schüler einbezieht.
Welche Rolle spielt die Zeitgeschichte bei der Entwicklung der Unterrichtskonzepte?
Die Konzepte reagierten unmittelbar auf politische Krisen und gesellschaftliche Veränderungen: von der Entnazifizierung und dem Wunsch nach einer christlichen Neuorientierung (EU) bis hin zu den gesellschaftskritischen Bewegungen der späten 1960er Jahre (problemorientierter Unterricht).
- Arbeit zitieren
- Anna Hasse (Autor:in), 2013, Geschichte des evangelischen Religionsunterrichts: Relevanz der Lehrerpersönlichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267378