Besseres Rating durch aktive bilanzpolitische Maßnahmen


Hausarbeit, 2011

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Ziele der Arbeit und Vorgehensweise

2. Begriffsbestimmungen

3. Grundsätzliche Überlegungen zum Ratingverfahren
3.1. Qualitative und Quantitative Aspekte beim Ratingverfahren
3.2. Ausgewählte Kennzahlen zur Kreditwürdigkeitsprüfung

4. Aktive Bilanzpolitische Maßnahmen
4.1. Optimierung Fremdfinanzierung durch Forderungsverkauf
4.2. Liquiditätsverbesserung durch Leasing
4.3. Verbesserung der Kapitalstruktur
4.4 Pensionsrückstellungen
4.5. Optimierung und Bewertung Vorratsbestand

5. Zusammenfassung und Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

In den Medien kann man derzeit sehr intensiv verfolgen, welch gravierende Auswirkungen die Rating- einstufung für Staaten haben kann. So musste in den letzten Monaten unter anderem Griechenland schmerzhaft erfahren, wie negativ sich die Herabstufung ihres Ratings auf die Kapitalbeschaffung und die Kapitalkosten auswirkt. Auch für ein Unternehmen ist die Beurteilung durch ein Rating äußerst bedeutsam.

Während bei Staaten die Verschlechterung des Ratings als systemrelevant für die Volkswirtschaft eingestuft wird und deshalb mit der Bereitschaft zur Hilfe von starken Partnern (Europäische Währungsunion und IWF) gerechnet werden kann, ist ein Unternehmen in der Krise vollständig auf sich allein gestellt. Umso wichtiger ist es für Unternehmen, sich mit den Konsequenzen der jeweiligen Rating-einstufung und mit den Möglichkeiten zur Verbesserung eines Ratings auseinander zu setzen.

Dabei geht es nicht nur um die frühzeitige Erkennung einer bevorstehenden Insolvenz sondern viel mehr auch um die Ausnutzung der Möglichkeiten zur Unternehmensentwicklung bei einem guten Rating. Welche bilanzpolitischen Möglichkeiten ein Unternehmen hat, um sein Rating zu verbessern, soll in dieser Arbeit genauer untersucht werden.

Da Deutschland sehr stark durch mittelständische Unternehmen geprägt ist, soll sich die Arbeit auf diesen Unternehmenskreis konzentrieren. Bilanzpolitische Maßnahmen der Konzernrechnungslegung werden nicht behandelt. Für den Mittelstand wird die Bilanzierung nach dem neuen Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) im Vordergrund stehen und nicht die Bilanzierung nach den International Financial Reporting Standards (IFRS), so dass auch die Möglichkeiten im Rahmen der Bilanzierung nach IFRS an dieser Stelle nicht genauer betrachtet wird.

1.2. Ziele der Arbeit und Vorgehensweise

Ziel der Arbeit ist es, aktive Maßnahmen für eine Bilanzgestaltung im Rahmen der gesetzlich zulässigen Möglichkeiten aufzuzeigen und ihre Auswirkungen auf das Rating genauer zu betrachten. Daraus sollen Handlungsmöglichkeiten für mittelständische Unternehmen abgeleitet werden, um ihr Rating zu verbessern und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Als erstes werden grundsätzliche Kriterien angesprochen, die bei der Bonitätsbeurteilung eines Unternehmens eine Rolle spielen, um im Anschluss auf ausgewählte Bilanzkennzahlen näher einzugehen. Ein Überblick über verschiedene bilanzpolitischer Maßnahmen und ihre Auswirkungen auf das Rating runden die Arbeit ab.

2. Begriffsbestimmungen

Unter „Bilanzpolitik“ wird die bewusste und zweckorientierte Einflussnahme auf einen Jahresabschluss innerhalb der gesetzlich zulässigen Möglichkeiten durch das bilanzierende Unternehmen verstanden.[1]

Dagegen umfasst die „Bilanzanalyse“ alle systematischen Auswertungen des Jahresabschlusses inklusive Anhang und Lagebericht, mit Hilfe derer Informationen über das untersuchte Unternehmen gewonnen werden können.[2] Für den Bilanzleser ist entscheidendes Ziel, sich aus den vorliegenden Angaben ein umfassendes Bild über die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens zu verschaffen. Um aussagefähige Informationen aus den vorliegenden Daten zu erhalten, werden die vielfältigen Inhalte im Rahmen der Bilanzanalyse zu Kennzahlen verdichtet und adressatsbezogen ausgewertet.[3] Diese verdichtete Auswertung in Form von Bilanzkennzahlen fließt in die Ermittlung des Unternehmensratings mit ein.

Kerngedanke des Ratings ist es, die gegenwärtige und zukünftige Zahlungsfähigkeit eines Schuldners durch Gebrauch einer mehrstufigen Scala einzuordnen.[4] Diese Kernaussage greift jedoch zu kurz, da allein durch Basel II für die unterschiedlich hohen Risiken unterschiedlich hohe Risikopuffer bei Banken vorgehalten werden sollen und damit eine differenziertere Betrachtung notwendig ist. Im Vordergrund steht die Beurteilung der Wahrscheinlichkeit, ob ein Schuldner seinen Verpflichtungen vollständig und rechtzeitig nachkommen wird, bezogen auf ein Jahr (Einjahresausfallwahrscheinlichkeit).[5] Ein Unternehmen verbindet mit dem Rating die ihm gegebenen Möglichkeiten zur Beschaffung von Fremdkapital und die Höhe des dafür zu zahlenden Zinssatzes beziehungsweise auch die Reduzierung von Fremdkapitalkosten durch ein besseres Rating. Deshalb ist die Verbesserung des Ratings ein mögliches Ziel bei der Gestaltung seines Jahresabschlusses.

3. Grundsätzliche Überlegungen zur Ratingermittlung

Mit dem Rating werden Tatbestände erfasst, die sich auf die Vermögens-, Finanz-, und Ertragslage des Unternehmens beziehen.[6] Man unterscheidet dabei externe Ratings (im Auftrag und auf Kosten des zu ratenden Unternehmens)[7] und interne Ratings (Bankrating). Für mittelständische Unternehmen ist die klassische Bankfinanzierung immer noch eine der wichtigsten Finanzierungsquellen. Aus diesem Grund sollen im Rahmen dieser Arbeit nur die Auswirkungen von bilanzpolitischen Maßnahmen auf interne Ratingverfahren betrachtet werden. Die Ratingmethoden beziehen quantitative und qualitative Faktoren sowie Frühindikatoren (Warnindikatoren) und Brancheneinschätzungen in die Beurteilung mit ein. Welche Faktoren dabei betrachtet werden und mit welcher Gewichtung diese in das Rating einfließen, differenziert von Institut zu Institut. Immer noch besteht die größte Schwierigkeit in einer Prognose über die zukünftige Entwicklung eines Unternehmens. Gravierende volkswirtschaftliche Veränderungen, wie beispielsweise die Finanzkrise, können deshalb zu Anpassungen in den Ratingparametern führen und aber auch die Entwicklung eines Unternehmens stark beeinflussen.

3.1. Qualitative und quantitative Aspekte beim Ratingverfahren

Unternehmenskrisen und Insolvenzen weisen ähnliche Kombinationen von Schwachstellen auf. Diese Erfahrungen machen sich die Institute zu nutze bei der Bestimmung von Aspekten, die in ein Rating einfließen. Bei der Betrachtung einer Unternehmenssituation wird nach quantitativen (Informationen aus dem Jahresabschluss in Form von Bilanzkennzahlen) und qualitativen Kriterien unterschieden.

Bilanzpositionen (quantitative Kriterien) geben dem Bilanzleser, für sich betrachtet, noch keinen Überblick über die Unternehmenssituation. Erst die verdichtete Sicht durch die Bildung von Kennzahlen und Kennzahlensystemen (kombinierte Betrachtung von Kennzahlen) erlauben eine Aussage.[8] Problematisch bei einer ausschließlichen Beurteilung auf Grund von Bilanzanalysen sind die statische und vergangenheitsorientierte Betrachtung. Daher reichen die Erkenntnisse nicht aus, um die zukünftige Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens genauer einzuschätzen. Entscheidende negative Erkenntnisse aus der Bilanzanalyse kommen für den Kapitalgeber unter Umständen viel zu spät. Aus diesem Grund werden für die Beurteilung der Unternehmensbonität weitere Faktoren wie qualitative Aspekte und Frühindikatoren herangezogen.

Qualitative Aspekte (softfacts) werden nicht in Form von Kennzahlen abgebildet, sondern sind subjektive Einschätzungen zur Unternehmenssituation anhand eines Fragenkataloges . Dabei werden die Qualität des Managements, das Vorhandensein eines leistungsfähigen Controllings, Planungsqualität und –sicherheit, die Informationsbereitschaft, Produkt- und Marktsituation[9], Lösungen zu anstehenden Nachfolgeregelung hinterfragt. Qualitative Aspekte können je nach Institut und je nach Kundengruppe unterschiedlich stark für die Ratingnote verantwortlich sein, sind aber wesentliche Faktoren für die Bonitätsbeurteilung. Frühindikatoren, auch als Warnhinweise bezeichnet, resultieren aus Erfahrungen der Vergangenheit und konzentrieren sich auf das Aufzeigen von negativen Aspekten, die erste Anzeichen für negative Unternehmensentwicklungen geben können. Dazu zählen Negativauskünfte und ein angespanntes Kontoführungsverhalten, bis hin zu Lastschriftrückgaben. Auch die Einschätzung und Entwicklung der gesamten Branche, abgebildet in einem Branchenrating, fließen in die Ermittlung eines Gesamtratings ein.

Die Gestaltungsmöglichkeiten im Rahmen der Bilanzerstellung bilden damit nur einen kleinen Teil der Einflussfaktoren bei der Ratingverbesserung ab, der in dieser Arbeit genauer untersucht werden soll.

3.2 Ausgewählte Kennzahlen zur Kreditwürdigkeitsprüfung

Bevor auf einzelne bilanzpolitische Maßnahmen eingegangen wird, sollen hier wichtige Bilanzkennzahlen, die für ein internes Rating relevant sein können, kurz angesprochen werden. Wesentliche Aspekte bei der Bilanzanalyse sind die Betrachtung der Liquidität, der Aktivität, der Rentabilität und der Kapitalstruktur.[10] Für eine Beurteilung der Liquidität des Unternehmens werden die Bilanzpositionen nach ihrer Liquidierbarkeit gegliedert[11] und in Kennzahlen wie dem Liquiditätsgrad 1, Liquiditätsgrad 2 und Liquiditätsgrad 3 abgebildet (Kennzahlenübersicht siehe Anhang). Unter Liquiditätsgesichtspunkten sind Positionen des Anlagevermögens eher problematisch zu sehen, da die Liquidierbarkeit gering ist und damit die Reaktionsfähigkeit bei unvorhersehbaren Ereignissen des Unternehmens eingeschränkter ist.[12]

[...]


[1] Vgl. Künkele; Petersen; Zwirner, Bilanzanalyse und Bilanzpolitik nach BilMoG, 2010, S. 2

[2] Vgl. Groll, Das Kennzahlensystem zur Bilanzanalyse, 2004, S. 1

[3] Vgl. Künkele; Petersen; Zwirner, Bilanzanalyse und Bilanzpolitik nach BilMoG, 2010, S. 6

[4] Vgl. Everling, Wesen und Bedeutung des Finanzratings, 2007, S.4

[5] Vgl. Everling, Wesen und Bedeutung des Finanzratings, 2007, S.5

[6] Vgl. Everling, Wesen und Bedeutung des Finanzratings, 2007, S.8

[7] Externe Ratings werden von Ratingagenturen erstellt und werden z.Bsp. für die Mittelbeschaffung am Kapitalmarkt
benötigt.

[8] Vgl. Groll, Das Kennzahlensystem zur Bilanznalyse, 2004, S. 13

[9] Bei der Produkt- und Marktsituation werden beispielsweise Kunden- und Lieferantenabhängigkeiten, Risiken durch
Produktinnovationen oder Nachfrageveränderungen hinterfragt und überprüft, inwieweit das Unternehmen auf diese Situa
tion angemessen vorbereitet ist. (Erfahrungen aus meiner Tätigkeit als Geschäftskundenbetreuerin bei einem Kreditinstitut)

[10] Vgl. Jacobs; Weinrich, Finanzanalyse und Finanzrating, 2007, S. 25 und S. 28

[11] Vgl. Jacobs; Weinrich, Finanzanalyse und Finanzrating, 2007, S. 25

[12] Vgl. Jacobs; Weinrich, Finanzanalyse und Finanzrating, 2007, S. 27

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Besseres Rating durch aktive bilanzpolitische Maßnahmen
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V267380
ISBN (eBook)
9783656584292
ISBN (Buch)
9783656581222
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilanzpolitik, Bilanzanalyse, Rating, Ratingverfahren, Bilanzmanagement, Bilanzoptimierung
Arbeit zitieren
Doreen Becker (Autor), 2011, Besseres Rating durch aktive bilanzpolitische Maßnahmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267380

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