Scheidung und die Folgen für die psychische Entwicklung von Kindern


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

15 Seiten, Note: 2+


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Veränderungen durch die Scheidung
2.1. Die Scheidung

3. Fundament der Adoleszenz bzw. die Bedeutung des Vaters in der Kindheit
3.1. Die psychosoziale und pschosexuelle Entwicklung des Kleinkindes
3.2. Beeinträchtigung der Individuation und der Objektbeziehungen

4. Folgen einer unvollständigen Triangulierung infolge der Scheidung

5. Adoleszenz

6. Pädagogische Konsequenz
6.1. Im Bezug auf die Eltern
6.2. Im Bezug auf die Kinder

7. Fazit:

8. Quellenverzeichnis:

1. Einleitung

Die nachfolgende Arbeit befasst sich mit den Folgen, die eine elterliche Scheidung auf die psychische Entwicklung des Kindes hat und dem Umgang der Kinder mit der Adoleszenz als Krise.

Die Auswahl des Themas orientiert sich an dem im Sommersemester 2013 besuchten Seminar über “Adoleszenz und junges Erwachsenenalter”. Im Zuge des Seminars fand eine Beschäftigung mit unterschiedlichen Aspekten innerhalb der Bewältigung der Adoleszenz statt. Da das Thema Scheidung noch nicht zur Sprache kam, wird sich damit in dieser Arbeit näher befasst. Außerdem scheint mir das Thema Scheidung und die Folgen für die psychische Entwicklung von Kindern in der gegenwärtigen Zeit zunehmend an Bedeutung zu gewinnen. Immerhin wird in Österreich etwa jede dritte Ehe geschieden - am häufigsten zwischen dem vierten und neunten Ehejahrjahr, also in einer Zeit in der die Kinder aus der Ehe noch relativ jung sind. (vgl.: Österreisches staatliches Zentralamt 1996, S. 509, 514 zit. nach:Niese 1998, S. 5) Somit werden auch Pädagogen mit den durch die Scheidung belasteten Kindern konfrontiert und müssen mögliche Wege finden jene in dieser ereignisreichen Zeit adäquat zu unterstützen. Zur Beantwortung meiner Frage möchte ich mich zuerst der Scheidung als Trennungsphänomen mit unterschiedlichen Phasen widmen. Weiterhin werden die Konsequenzen erläutert, die sich aus dem Verlassen eines Elternteils aus der Familie für die psychische Entwicklung des Kleinkindes ergeben. Danach wird die Adoleszenz als Reinszenierung dieser ungelösten Probleme in der Kindheit genauer betrachtet. Schlussfolgernd wird versucht mit dieser Phase den Umgang der Scheidungskinder im Gegensatz zu Nicht-Scheidungskindern darzustellen. Dazu möchte ich mich ausschließlich auf den Aspekt des Mangels an Selbstvertrauen und der Konsequenz, die sich im sexuellen Verhalten während der Frühadoleszenz zeigt, konzentrieren.

2. Veränderungen durch die Scheidung

Im Folgenden soll dargestellt werden mit welchen äußeren und inneren Umständen sich Erwachsene und vor allem ihre Kinder während einer Scheidung konfrontiert sehen und inwieweit das die psychische Entwicklung der Kinder beeinflusst.

2.1. Die Scheidung

Eine Scheidung ist ein einschneidendes Erlebnis für alle Familienmitglieder. Auf vielen Ebenen haben die Betroffenen mit Veränderungen und Umstellungen zurecht zu kommen. Jedoch kann man dieses Phänomen nicht als ein punktuelles Ereignis sehen. Textor beschreibt die Scheidung als einen phasenhaften Prozess, der sich in die Vorscheidungs- bzw. Ambivalenz-phase, die Scheidungsphase und die Nachscheidungsphase gliedert (vgl. Textor 1991b, S. 8 - 80).

Die Vorscheidungs- oder Ambivalenzphase

Während dieser Zeit durchlaufen Eltern und deren Kinder bereits eine unruhige Zeit. Einer der beiden Partner macht sich möglicherweise schon Gedanken über eine Trennung und erhofft sich davon bessere Lebensumstände oder eine glücklichere Beziehung mit einem anderen Partner (Wallerstein 1994, S. 168). Es kommt immer wieder zu Konflikten zwischen den Eltern und die Kinder versuchen meist vergebens die Eheleute zu beschwichtigen und deren Beziehung zu retten (Wallerstein 1994, S. 178). Versucht wird dies unter anderem, indem Kinder die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, um die Eltern somit von ihren Problemen abzulenken (Figdor 2012, S.149). Figdor spricht hier von so genannten Scheidungssymptomen der Kinder (Figdor 2012, S.15). Sitzt der Konflikt jedoch zu tief, ist eine Scheidung unumgänglich.

Die Scheidungsphase

In dieser Phase findet zumeist die tatsächliche Trennung statt. Die Ehepartner sind nun damit beschäftigt die gemeinsame Wohnung, die gemeinsamen Konten, die gemeinsame gerichtliche Ehe, sowie das gemeinsame Sorgerecht aufzulösen. Zumeist werden Kinder unter 10 Jahren nicht danach gefragt bei welchem Elternteil sie lieber leben wollen. Daher kann es durch eine Sorgerechtsregelung, die der Mutter das Sorgerecht zuspricht, dazu kommen, dass sich Kinder völlig übergangen und ungehört fühlen, da sie beispielweise lieber beim Vater bleiben würden (vgl. Textor 1991a, S. 99-100). Falls die Eltern in die Scheidung emotional stark eingebunden sind, können Kinder in solchen Sorgerechtsstreiten dazu ausgenutzt werden, vor dem ehemaligen Ehepartner seine Machtposition auszuspielen (Wallerstein 1994, S.171). Eben solche Machtkämpfe stürzen Kinder in starke Loyalitätskonflikte und führen zum Zwang sich mit einem Elternteil gegen den anderen zu verbünden (Figdor 2012, S. 47). Am Schlimmsten erlebt wird diese Zeit von Kindern deren Eltern durch die Folgen der Scheidung in eine tiefe Depression verfallen und ihnen die nötige Unterstützung, die sie selbst in dieser Zeit benötigen würden, nicht bieten können. Innerpsychisch gesehen empfindet das Kind die Trennung des Vaters von der Mutter allerdings als eine Trennung von sich selbst. Dies ist in der egozentrischen Sicht der Welt, die Kinder etwa bis zu ihrem achten Lebensjahr haben, begründet (Figdor 2012, 34). Es verbindet die Scheidung nicht so sehr mit den Konflikten der Vorscheidungsphase (Wallerstein 1994, S.174), sondern glaubt an die eigene maßgebliche Beteiligung an der Entscheidung des Vaters, indem es etwas Schlimmes verbrochen habe oder nicht liebenswert gewesen sei (Wallerstein 1994, S. 174). Zur erfolgreichen Bewältigung der Scheidungsphase und dem Eintreten des psychologischen Scheidungszeitpunktes müssen Eltern aus diesem Grund mit ihren Kindern sprechen und ihnen auf kindgerechte Art und Weise erklären, aus welchen Gründen sie sich dazu entschlossen haben (Figdor 2012, 153). Der psychologische Scheidungszeitpunkt ist bei Figdor jener Zeitpunkt, an dem Kinder die Trennung der Eltern tatsächlich wahrgenommen haben und das Fernbleiben nicht mehr als vorrübergehender Zustand interpretiert wird (vgl. Figdor 2012, S.27). Erfolgt dies nicht, so können Kinder die Scheidung nicht richtig verarbeiten und es werden innere Konflikte noch bis ins Erwachsenenalter hineingetragen und kommen möglicherweise in eigenen Partnerschaften und Beziehungen zum Tragen (Cierpka 1999, S. 86).

Die Nachscheidungsphase

Die Nachscheidungsphase kann über mehrere Jahre andauernd und im Falle einer Unfähigkeit der Eheleute sich emotional voneinander zu lösen, auch überhaupt keinen Abschluss finden (vgl. Textor, 1991a, S. 93-94). In diese Phase geht es darum, die Rollen innerhalb der Familie neu zu ordnen (Wallerstein 1994, S.174). So können Mütter nach der Trennung wieder einen Beruf annehmen. Nach der Scheidung fällt es vielen Eltern schwer, Verantwortung für den Schmerz zu übernehmen, den die Scheidung im Kind verursacht hat (vgl. Figdor 2012, S.58), weswegen viele Eltern dazu neigen, ihren Kindern keine klare Gründe für den Auszug des einen Elternteiles zu nennen. Gerade in einer Zeit, in der sich die Eltern ein möglichst “braves” Kind wünschen, benötigen Kinder doppelt so viel Zuwendung von ihren Bezugspersonen. Primär lässt sich erkennen, dass Kinder mit vermehrter Angst, Depression, Trauer und auch Wut reagieren (vgl. Edinger,S. 2012). Dies kann sich in Verhaltensweise wie Bettnässen, Ruhelosigkeit, Schlafstörungen und aggressiven Handlungen am noch vorhandenen Elternteil äußern (vgl. Figdor 2012, S. 13). In erster Linie sehen die Kinder die Scheidung allerdings als ein Verlassenwerden von einem Elternteil an. Deswegen verlangt das Kind unbewusst von der Mutter, Mutter und Vater gleichzeitig zu sein (Figdor 2012, S.59). Besonders schlimm erleben Kinder die Nachscheidungsphase, wenn der Kontakt zum nicht erziehungs-berechtigten Elternteil durch den erziehungsberechtigten Elternteil unterbunden wird. Der fehlende Kontakt kann sich negativ auf die psychische Entwicklung des Kindes auswirken. Umsomehr ist eine Kooperation zwischen den beiden Elternteilen von enormer Wichtigkeit. Sollte das Kind wenig Kontakt zum nicht erziehungsberechtigten Elternteil haben, kann das Selbstwertgefühl darunter leiden, weil es den fehlenden Kontakt als Desinteresse des Vaters interpretiert (vgl. Werneck 2000, S.168). Nach Wallerstein geht das Kind viel eher davon aus, dass der betreffende Elternteil, in den meisten Fällen der Vater, es selbst aufgrund seines schlechten Verhaltens verlässt. Dadurch kann es massive Schuldgefühle und Selbstzweifel durchleben (vgl. Wallerstein 2002, S.303).

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Scheidung und die Folgen für die psychische Entwicklung von Kindern
Hochschule
Universität Wien  (Philosophie)
Note
2+
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V267390
ISBN (eBook)
9783656584124
ISBN (Buch)
9783656584339
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
scheidung, folgen, entwicklung, kindern
Arbeit zitieren
Sophie Klammer (Autor), 2013, Scheidung und die Folgen für die psychische Entwicklung von Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267390

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