Norbert Elias ist in seinen Theorien dafür bekannt, im Gegensatz zu den meisten anderen vorrangegangenen Soziologen, keine Trennung von Individuum und Gesellschaft vorzunehmen. Er versuchte stattdessen in seinen Büchern und Theorien Individuum und Gesellschaft zu verbinden und eine Definition für diesen Zustand zu finden. Der von Elias geprägte Begriff der Figuration ist Kernaussage seiner Theorien, denn die Figuration ist die Verflechtung von Individuum und Gesellschaft, also die Verflechtung von einander abhängigen Individuen, die im Großen die Gesellschaft bilden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Haupttext
2.1 Nobert Elias: Prozess- und Figurationssoziologie
2.2 Empirische Studie: Etablierte und Außenseiter
2.2.1 Mikrokosmos: Winston Prava
2.2.2 Makrokosmos: Japan und Indien
3. Fazit und persönliche Überlegungen
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das soziologische Konzept der Figuration von Norbert Elias, um die Verflechtungen zwischen Individuum und Gesellschaft zu verstehen, und analysiert Machtasymmetrien anhand der Etablierten-Außenseiter-Thematik in historischen und aktuellen Fallbeispielen.
- Grundlagen der Prozess- und Figurationssoziologie nach Norbert Elias
- Machtchancen und ihre Verschiebungen im Zivilisationsprozess
- Analyse der Etablierten-Außenseiter-Figuration am Beispiel von Winston Parva
- Übertragung auf globale Gesellschaftsstrukturen (Japan, Indien)
- Kritische Reflexion heutiger Phänomene der sozialen Ausgrenzung
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Mikrokosmos: Winston Prava
In seinem Buch Etablierte und Außenseiter behandelt Elias ein universal-menschliches Thema, welches im Makrokosmos der großformatigen Gesellschaften genau so auftritt, wie im Mikrokosmos eines Vorortes in England. Im Buch trägt der Ort den Namen Winston Parva. Es geht um die Beziehung zwischen alteingesessenen Bewohnern und einer Gruppe von später Zugezogenen und die Machtdifferenzen die zwischen diesen beiden Gruppen entstehen können, verglichen mit größeren Gesellschaften, die ähnliche Probleme aufzuweisen haben.
„Immer wieder läßt sich beobachten, daß Mitglieder von Gruppen, die im Hinblick auf ihre Macht anderen, interdependenten Gruppen überlegen sind, von sich glauben, sie seien im Hinblick auf ihre menschliche Qualität besser als die anderen.“ (Elias 1965: 7)
Die Menschen des Vorortes Winston Parva unterscheiden sich weder in ihrer Nationalität oder in ihrer Hautfarbe, noch in ihrer sozialen Klasse, dem Bildungsniveau oder ihrer Religion voneinander. Der einzige Unterschied besteht darin, dass eine Gruppe lediglich schon mehrere Generationen in diesem Vorort lebt und die andere neu zugezogen ist. (Elias 1965: 15) Die mächtigere und gleichzeitig die alteingesessene Gruppe sieht sich selbst als die bessere Menschengruppe an und kann die Zugezogenen sogar teilweise davon überzeugen, dass diese minderwertig sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Kernkonzept der Figuration von Norbert Elias ein und stellt die Forschungsfragen zu Machtbeziehungen sowie die Relevanz der empirischen Studie Etablierte und Außenseiter dar.
2. Haupttext: Dieser Abschnitt erläutert die theoretischen Grundlagen der Prozess- und Figurationssoziologie und analysiert Machtkonstellationen sowohl im lokalen Kontext (Winston Parva) als auch in makrosoziologischen Beispielen wie dem indischen Kastensystem.
3. Fazit und persönliche Überlegungen: Die Autorin reflektiert die Aktualität der Elias'schen Theorien anhand gegenwärtiger gesellschaftlicher Herausforderungen wie der deutschen Wiedervereinigung und der Gentrifizierung.
Schlüsselwörter
Norbert Elias, Figuration, Soziologie, Machtbalance, Etablierte, Außenseiter, Zivilisationsprozess, Winston Parva, Stigmatisierung, Kastensystem, Machtverschiebung, Fremdzwang, Selbstzwang, soziale Integration, Gruppenidentität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen Theorie von Norbert Elias, speziell mit dem zentralen Begriff der Figuration, und untersucht die Dynamiken zwischen etablierten und ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind der Prozess der Zivilisation, die Verflechtung von Individuum und Gesellschaft sowie die Entstehung und Aufrechterhaltung von Machtasymmetrien zwischen verschiedenen Gruppen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die theoretischen Ansätze von Elias auf ihre Anwendbarkeit in verschiedenen geschichtlichen und modernen Kontexten zu prüfen und zu zeigen, wie Machtkämpfe zwischen Gruppen funktionieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse soziologischer Standardwerke von Norbert Elias und vergleicht diese mit empirischen Fallstudien sowie aktuellen gesellschaftlichen Beobachtungen.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Figurationskonzepts und die detaillierte Analyse der Fallstudie Winston Parva sowie Vergleiche mit dem indischen Kastensystem und der japanischen Burakumin-Problematik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Figuration, Machtbalance, Stigmatisierung, Fremdzwang, Selbstzwang sowie Etablierte und Außenseiter.
Warum ist das Kastensystem in Indien für Elias ein wichtiges Beispiel?
Elias nutzt das Kastensystem als historisches Extrembeispiel für eine verhärtete Etablierten-Außenseiter-Figuration, die über Jahrhunderte durch religiöse und soziale Ausgrenzung stabilisiert wurde.
Wie überträgt die Autorin die Theorie auf heutige Probleme in Deutschland?
Die Autorin zieht Parallelen zwischen der Machtasymmetrie bei Elias und dem fortbestehenden sozialen Gefälle zwischen Ost- und Westdeutschen sowie der sozialen Dynamik bei der Gentrifizierung in deutschen Großstädten.
- Citation du texte
- Marlene Mertsch (Auteur), 2013, Norbert Elias: Figuration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267479