Wenn ein Komitee einberufen werden muss, um der Regierung zu befehlen, wo welche Statue zu stehen hat, dann begibt sich die Kunst der Bildhauerei in Florenz zu Zeiten der Renaissance auf eine politische Ebene.
Diese politische Ebene verflochten mit den Meisterwerken der Renaissance möchte ich auf den nächsten Seiten versuchen zu beschreiben, zu analysieren, zu deuten und zu entschlüsseln. Die erste Skulptur wird die Gruppe Judith und Holofernes von Donato di Niccolò di Betto Bardi, im weiteren Verlauf und auch im üblichen Gebrauch Donatello genannt, sein. Dazu möchte ich den David von Michelangelo Buonarroti heranziehen, der knappe fünfzig Jahre nach der Gruppe Judith und Holofernes auf der Piazza della Signoria aufgestellt wurde. Ebenfalls behandelt werden sollen die Gruppe Perseus und die Gorgone Medusa von Benvenuto Cellini und die Raptus Gruppe Der Raub der Sabinerinnen von Giovanni Bologna, nachfolgend Giambologna genannt, die sich heutzutage in der Loggia dei Lanzi auf der Piazza della Signoria befinden. Vorrangehend wird es von allen vier Statuen eine Beschreibung, Analyse und Deutung inklusive der entweder christlichen, biblischen Geschichte, der antiken römischen Geschichte oder der griechischen mythologischen Geschichte geben. Im Hauptteil soll versucht werden, Beziehungen zwischen den Statuen herzustellen. Wichtig erscheint aber auch die Bedeutung der Skulpturen und deren biblische, antike oder mythologische Geschichte in Beziehung mit der Geschichte von Florenz zu setzen und den Personen, die damals zum Zeitpunkt der Aufstellung der Skulptur an der Macht waren und die den Auftrag für die jeweilige Skulptur gegeben haben. Welchen Eindruck sollte man als Fremder zu Zeiten der Renaissance in Florenz bekommen, wenn man zum ersten Mal auf dem Platz vor dem Rathaus stand und die Skulpturen zu sehen bekam und welche Wirkung hatten die Statuen auf die Florentiner? Ein besonderes Augenmerk möchte ich auf die Judith und Holofernes Gruppe von Donatello richten. Die Geschichte dieser Skulptur wird sich durch die gesamte Hausarbeit ziehen und ich möchte versuchen herauszufinden, warum eben diese Gruppe immer wieder ein Gesprächsthema im damaligen Florenz in der Renaissance gewesen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Piazza della Signoria
2.1 Donatello: Judith und Holofernes
2.2 Michelangelo: David
3. Loggia dei Lanzi
3.1 Cellini: Perseus und die Gorgone Medusa
3.2 Giambologna: Der Raub der Sabinerinnen
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Bedeutung und Symbolik ausgewählter Skulpturen auf der Piazza della Signoria und in der Loggia dei Lanzi in Florenz während der Renaissance, wobei insbesondere die Verlagerung der Skulpturen als Ausdruck sich wandelnder Machtverhältnisse und Geschlechterbilder analysiert wird.
- Politische Instrumentalisierung der Kunst im städtischen Raum
- Analyse der Skulpturen von Donatello, Michelangelo, Cellini und Giambologna
- Bedeutung der biblischen und mythologischen Narrative für Florenz
- Einfluss des zeitgenössischen Rollenverständnisses auf die Wahrnehmung der Statuen
Auszug aus dem Buch
2.1 Donatello: Judith und Holofernes
Die Judithgruppe von Donatello wurde 1457 auf der Piazza aufgestellt. Sie ist auch die erste Statue überhaupt, die auf der Piazza della Signoria aufgestellt wurde.
Das Buch Judit in den Apokryphen des Alten Testamentes um 150 v. Chr. wahrscheinlich in Jerusalem oder Judäa, auf Hebräisch verfasst, enthält unter anderem die Geschichte von Judith und Holofernes. Das Buch Judit wird allgemein als fiktionale Erzählung aufgefasst so sind Judith und Holofernes wahrscheinlich keine historischen Gestalten. Holofernes soll ein assyrischer Feldherr und General des babylonischen Königs Nebukadnezar II sein, der auf Befehl des Königs ausgeschickt wurde um die Länder zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer einzunehmen, als Rache dafür, dass diese Länder Nebukadnezar im Krieg gegen den medischen König Arphaxad nicht unterstützt hatten. Judith sei eine reiche, schöne und fromme Witwe gewesen, dessen Stadt Betulia im judäischen Bergland von Holofernes belagert wird. Es droht eine Wasserknappheit und die Menschen der Stadt Betulia sind bereit sich zu ergeben. Einige Anwohner der Stadt fordern jedoch eine Frist von fünf Tagen, in der Gott sie noch retten kann. Judith betritt zwischenzeitlich mit ihrer Magd das Lager des Holofernes und schafft es mühelos durch ihre Schönheit und Weisheit in das Zelt des assyrischen Feldherren. Derselbe ist betört von der Schönheit Judiths und lädt sie, nachdem sie seit drei Nächten im Zeltlager des Holofernes geschlafen hatte, zu einem Abendessen in sein Zelt ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die politische Dimension der Skulpturen auf der Piazza della Signoria ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach deren Bedeutung im Kontext der florentinischen Machtverhältnisse.
2. Piazza della Signoria: Dieses Kapitel erläutert die historische und politische Rolle des Platzes als Zentrum der florentinischen Herrschaft und behandelt die Skulpturen von Donatello und Michelangelo.
3. Loggia dei Lanzi: Hier wird die Funktion der Loggia als öffentlicher Raum beschrieben und die Skulpturen von Cellini und Giambologna im Hinblick auf ihre mythologischen und politischen Aussagen untersucht.
4. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und verdeutlicht, wie sich der Wandel der Skulpturen von einer Darstellung moralischer Tugend hin zu Symbolen männlicher Dominanz vollzog.
Schlüsselwörter
Florenz, Renaissance, Piazza della Signoria, Donatello, Michelangelo, Cellini, Giambologna, Politische Ikonographie, Judith und Holofernes, David, Perseus, Raub der Sabinerinnen, Geschlechterrollen, Tugenddarstellung, Machtrepräsentation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische Bedeutung und die symbolische Wirkung von vier bedeutenden Renaissance-Skulpturen auf der Piazza della Signoria und in der Loggia dei Lanzi in Florenz.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Verknüpfung von Kunst und Machtpolitik, dem Wandel ikonographischer Deutungen im Laufe der Renaissance sowie der Darstellung gesellschaftlicher Rollenbilder.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Gründe für die Aufstellung und die spätere Standortveränderung der Skulpturen zu entschlüsseln und zu zeigen, wie diese Werke die politischen Machtansprüche der damaligen Zeit reflektierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin verwendet eine kunsthistorische Analyse, die Beschreibung, Deutung und den Vergleich der Skulpturen mit ihrem historischen Kontext sowie zeitgenössischen Textquellen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Beschreibung und Analyse der Werke "Judith und Holofernes", "David", "Perseus und die Gorgone Medusa" sowie "Der Raub der Sabinerinnen".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Machtrepräsentation, Renaissance-Skulptur, Politische Ikonographie und Geschlechterrollen in der Kunstgeschichte charakterisiert.
Warum musste der "David" von Michelangelo die "Judith" von Donatello ersetzen?
Die männlich dominierte Regierung sah in einer Frau, die einen Mann tötet, keine angemessene Botschaft mehr für den politischen Mittelpunkt der Stadt; stattdessen wurde mit dem David ein heroischeres Symbol gesucht.
Welche Rolle spielt das Geschlechterverhältnis in der Argumentation der Arbeit?
Die Arbeit arbeitet heraus, dass die Verschiebung der Skulpturen auch eine zunehmende Marginalisierung weiblicher Heldinnen zugunsten einer Verherrlichung männlicher Stärke und Dominanz widerspiegelt.
- Citar trabajo
- Marlene Mertsch (Autor), 2013, Die politische Bedeutung der Skulpturen auf der Piazza della Signoria und in der Loggia dei Lanzi zu Zeiten der Renaissance, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267482