Ziel der Arbeit ist es, eine Einordnung der Ultras in das Konzept der Jugend(sub)kulturen vorzunehmen. Diese Art der Schreibweise soll die stetige Weiterentwicklung des Begriffes verdeutlichen. Die Analyse jugend(sub)kutureller Modelle, einhergehend mit der Betrachtung der Modernisierung westlicher Gesellschaften, soll eine Einordnung der Fanszene
der Ultras ermöglichen (Kapitel 2). Eine Betrachtung der Ultras setzt voraus, die ökonomische Entwicklung des Fußballsports und deren Auswirkungen auf die
Fußballfans darzustellen, sowie Möglichkeiten zur Ausdifferenzierung der Fanszene aufzuzeigen (Kapitel 3). Anschließend soll in einer Analyse der
Jugend(sub)kultur der Ultras (Kapitel 4) wesentliche Merkmale und Praxen eben jener ausgearbeitet werden, um eine Einordnung (Kapitel 5) in das Konzept der
Jugend(sub)kulturen anhand der in Kapitel 2 erarbeiten Kriterien vorzunehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Ziel und Inhalt der Arbeit
1.2. Methoden der Arbeit
2. Jugend(sub)kultur im Wandel
2.1. Annäherung an den Begriff Subkultur
2.2. Das Konzept der Jugendsubkultur
2.2.1. Das Subkulturmodell von Schwendter
2.2.2. Das Subkulturkonzept des CCCS
2.3. Diskussion der subkulturellen Modelle
2.4. Jugend und Subkultur im Wandel
2.4.1. Modernisierungsprozesse westlicher Gesellschaften
2.4.2. Die Ausweitung der Jugendphase
2.4.3. Milieuspezifik jugendkultureller Konzepte
2.5. Fazit
3. Fußball im Wandel
3.1. Professionalisierung und Kommerzialisierung
3.2. Auswirkungen auf die Fankultur
3.3. Ausdifferenzierung der Fanszene
3.3.1. Ausdifferenzierung aus Sicht der Ordnungsinstanzen
3.3.2. Ausdifferenzierung der Fanszene nach Heitmeyer und Peter
3.3.3. Der Generationwechsel in der Fanszene
3.4. Exkurs: Die italienischen Ultras
4. Ultras in Deutschland
4.1. Selbstverständnis der Ultras in Deutschland
4.2. Struktur und Organisation
4.3. Zentrale Praxen der deutschen Ultraszene
4.3.1. Der Support
4.3.2. Die Choreografie
4.3.3. Wettbewerb und Rivalität
4.3.4. Unabhängigkeit und Kritik
4.3.5. Finanzierung
4.3.6. Die Bedeutung des Internets
4.4. Werte und Einstellungen in der Ultraszene
4.4.1. Sexismus und Homophobie
4.4.2. Politische Einstellungen
4.4.3. Gewalt
5. Zusammenfassende Einordnung der Ultras in die Jugend(sub)kulturenanalyse
6. Kommentar
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das Phänomen der Ultras in Deutschland theoretisch zu verorten und in das Konzept der Jugend- bzw. Subkulturen einzuordnen. Dabei wird analysiert, wie sich die Fanszene im Kontext der zunehmenden Professionalisierung und Kommerzialisierung des Fußballsports entwickelt hat, welche internen Strukturen sie aufweist und durch welche Werte, Praxen und politischen Einstellungen sie geprägt ist.
- Wissenschaftliche Verortung der Ultras im Subkultur-Begriff
- Analyse der Auswirkungen von Kommerzialisierung auf die Fankultur
- Strukturelle Organisation und zentrale Praxen deutscher Ultras
- Untersuchung von Werten, Einstellungen und der Gewaltproblematik
- Vergleich zwischen der historischen italienischen und deutschen Ultraszene
Auszug aus dem Buch
3.1. Professionalisierung und Kommerzialisierung
Der Wandel westeuropäischer Staaten zu Dienstleistungs- und Wissensgesellschaften geht u.a. mit einem aufstrebenden Dienstleistungssektor, veränderten Konsumgewohnheiten, der Mediatisierung aller Lebensbereiche sowie der steigenden identitätsstiftenden Bedeutung der Freizeitaktivitäten einher. Für den Fußballsport läutete dieser Wandel seine Professionalisierung und Kommerzialisierung ein. Professionalisierung im Fußball meint, dass es Spieler gibt, die das Fußballspielen als Hauptberuf ausüben und ihren Lebensunterhalt komplett aus diesen Einnahmen bestreiten. Darüber hinaus gibt es Vereine, die sich wie Wirtschaftsunternehmen um die Einnahmen und Ausgaben aus dem Fußballspiel kümmern und die Angestellte beschäftigen, die dies für sie durchführen. Dieser Prozess vollzog sich vorerst langsam in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Kommerzialisierung des Fußballs setzte in den 1990er Jahren ein und breitete sich rasant aus. „Kommerzialisierung meint, dass Fußballspiele einerseits für sportfremde Zwecke vermarktet werden, z. B. im Fernsehen, und dass andererseits sportfremde Investoren erst die „Produktion sportlicher Leistung“ ermöglichen, z.B. die Sportrechte-Agenturen, die durch den Verkauf der Fernsehrechte eine Veranstaltung wie die Champions League erst möglich gemacht haben. (...) Außerdem profitieren die teilnehmenden Clubs von einer Ausweitung des Marktes für Merchandising-Produkte sowie bedingt durch die Medienpräsenz auch von einem wachsenden Wettbewerb für die Sponsoren.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Phänomen der Ultras in Deutschland ein und verdeutlicht die Relevanz des Themas im Kontext der modernen Fußballbegeisterung und Fankultur.
2. Jugend(sub)kultur im Wandel: Das Kapitel bietet einen theoretischen Überblick über den Wandel von Subkulturmodellen und diskutiert gesellschaftliche Modernisierungsprozesse im Kontext der Jugendarbeit.
3. Fußball im Wandel: Hier wird die Entwicklung des Fußballs vom Sport zum kommerziellen Event analysiert und die daraus resultierende Ausdifferenzierung und Sensibilisierung der Fanszenen beschrieben.
4. Ultras in Deutschland: Dieses Hauptkapitel untersucht detailliert das Selbstverständnis, die Organisation, die zentralen Praxen (wie Support und Choreografie) sowie die Werte und politischen Einstellungen der deutschen Ultraszene.
5. Zusammenfassende Einordnung der Ultras in die Jugend(sub)kulturenanalyse: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet die Ultraszene in den zuvor erarbeiteten theoretischen Rahmen ein.
6. Kommentar: Der Autor reflektiert kritisch über die vorhandene Literatur zur Thematik und benennt bestehende Lücken sowie Einschränkungen in der aktuellen Forschung.
Schlüsselwörter
Ultras, Fankultur, Fußball, Kommerzialisierung, Jugendkultur, Subkultur, Fan-Support, Choreografie, Professionalisierung, Fußballstadion, Ultra-Manifest, Gewalt, Politische Einstellung, Fanszene, Identitätsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und Entwicklung der Ultraszene in Deutschland als spezifische Jugend- bzw. Subkultur und deren soziologischer Einordnung.
Welches ist das zentrale Themenfeld?
Das zentrale Themenfeld ist die Schnittmenge zwischen Fußballfan-Dasein, subkultureller Theorie und den Auswirkungen wirtschaftlicher Entwicklungen auf die Fankurven.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie das Phänomen der Ultras in den Begriff der Jugend- und Subkulturen eingeordnet werden kann und welche Faktoren ihr Selbstverständnis und Verhalten prägen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine umfassende Literaturanalyse, ergänzt durch Internetrecherche und Videoanalyse als Analysemethoden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Wandel des Fußballs durch Kommerzialisierung, die Ausdifferenzierung der Fanszenen und detaillierte Aspekte der Ultraszene, einschließlich Organisation, Support-Praxen, Werte, politische Ausrichtung und die Rolle von Gewalt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Ultras, Fankultur, Subkultur, Kommerzialisierung, Identität, Support, Wettbewerb, Rivalität und gesellschaftliche Modernisierung.
Warum spielen italienische Ultras eine Rolle für die deutschen Gruppen?
Die italienischen Ultras dienen als historisches Vorbild und Orientierungspunkt, von denen die deutsche Szene Merkmale wie Choreografien, den organisierten Support und das Selbstverständnis einer aktiven, kritischen Fangruppe übernommen hat.
Welche politische Rolle nehmen Ultras ein?
Das politische Selbstverständnis ist heterogen; während sich viele Gruppen als unpolitisch bezeichnen, um den Zusammenhalt zu wahren, gibt es innerhalb der Szene sowohl links- als auch rechtspolitisch orientierte Gruppierungen.
Wie gehen Ultras mit dem Thema Gewalt um?
Gewalt wird in der Arbeit nicht als primäres Ziel, sondern als latente Bereitschaft und teilweise instrumentelles Mittel zur Abgrenzung, Verteidigung der "Farben" oder Reaktion auf polizeiliche Repressionen beschrieben.
- Arbeit zitieren
- Jens Wolfer (Autor:in), 2008, Die Ultras – eine Jugend(sub)kultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267509