Gefahren durch Adipositas im Kindes- und Jugendalter. Das Konzept der Bewegten Schule, ein geeignetes Präventionsmittel?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Übergewicht und Adipositas bei Jugendlichen und Kindern
2.1 Klassifizerung
2.2 Deutschland im internationalen Vergleich
2.3 Situation in Deutschland

3 Gefahren von Übergewicht und Adipositas im Jugendalter
3.1 Medizinische Folgeerscheinungen
3.2 Soziale Probleme
3.3 Psychische Probleme

4 Die Bewegte Schule
4.1 Definition
4.2 Begründungsansätze
4.2.1 Lerntheoretische Begründungsansätze
4.2.2 Medizinische Begründungsansätze
4.2.3 Soziale Begründungsansätze
4.3 Die Bewegte Schule als Adipositasprävention

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

Literatur

1 Einleitung

Im Rahmen der Vorlesung

”Sportpädagogische Fragestellungen im Kontext des Kinder- und Jugend- und Schulsports“ soll diese Arbeit zum Thema Adipositas im Kindes- und Jugendalter einen Überblick über die aktuelle Situation in Deutschland geben, um anschlie- ßend den Fokus auf die Risiken zu legen, die mit starkem Übergewicht einhergehen. Hierbei sollen sowohl physische, als auch psychische Faktoren betrachtet werden. Im letzten Teil werde ich das Konzept der Bewegten Schule als Präventionsmaßnahme analysieren.

2 Übergewicht und Adipositas bei Jugendlichen und Kindern

Im Zuge des nun seit über einem halben Jahrhundert stetig steigenden Wohlstandes in Deutschland hat das Thema ” Übergewicht von Kindern“ als gesellschaftliches Problem stets an Brisanz gewonnen. Besonders in Zeiten, in denen sich im Bereich der Nachrichten- erstattung freie Kapazitäten zeigten, erwies sich das Übergewicht der deutschen Jugend als beliebtes Thema. Der Höhepunkt dieser Medienpräsenz wurde zu Beginn der Jahrtausend- wende erreicht, als der Spiegel unter dem Titel ”SüßeSucht-Deutschlandsüberfütterte Kinder“ das Übergewicht der deutschen Kinder zu einer Epidemie stilisierte und fettes Essen und Bewegungsarmut zu deren primären Gesundheitsgefahr ernannte (vgl. Blech 2000).

Das Thema wurde folglich Gegenstand politischer Diskussionen und geriet in den Fokus wissenschaftlicher Forschung. Studien zeigen, dass sich die Situation seither nicht grundle- gend verändert hat. Dennoch fällt die Berichterstattung zu Zeiten von Terroranschlägen, der Irak- und Afghanistankriege, Wirtschaftskrisen und nuklearer Unfälle sehr viel geringer aus.

2.1 Klassifizerung

In der Klassifizierung von Übergewicht hat man sich auf die Verwendung des Body Mass Index (BMI) geeinigt. Dies hat vor allem den Grund, dass exakte Körperfettanteilmessungen sehr aufwendig sind und sich daher für viele Datenerhebungen nicht eignen. Mit einer Korrelation von ca. 0,8 zum tatsächlichen Körperfettanteil dient der BMI aber als gute Schätzgröße. Er berechnet sich als der Quotient aus Körpergewicht in kg und dem Quadrat der Körpergröße in m. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schlägt eine Klassifizierung des BMI in fünf Stufen vor:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Klassifizierung des BMI nach der DGE

Die unterschiedliche Klassifizierung bei Frauen und Männern leitet sich hierbei aus den unterschiedlichen konstitutionellen Voraussetzungen ab. Weiter ist zu sagen, dass der BMI in der Anwendung bei Kindern aufgrund anderer Körperrelationen einer gewissen Modulation bedarf. Durch Berücksichtigen der Altersgruppen lassen sich aber auch in der Kindheit vergleichbare Werte erhalten (vgl. Lehrke, Lassle 2010).

2.2 Deutschland im internationalen Vergleich

Die International Association for Study of Obesity (ISAO 2008) sammelt weltweit Daten zu Übergewicht und Adipositas und ermöglicht somit Vergleiche der Situationen in den einzelnen Nationen. Bei Betrachtung der Zahlen zeigt sich, dass Deutschland im internationalen Vergleich einen geringeren Anteil übergewichtiger und adipöser Menschen als z.B. die USA aufweist. Im europäischen Vergleich belegt das Land jedoch einen alarmierenden Platz in der Spitzengruppe (vgl. ISAO 2012).

2.3 Situation in Deutschland

Moss et al. (2011) analysierten im Zuge einer Studie Zahlen, die sie deutschlandweit aus Schuleingangsuntersuchungen zusammengetragen hatten.

Sie verglichen hierbei im Jahr 2004 erhobene mit aktuellen Daten und konnten feststellen, dass die relative Anzahl übergewichtiger Schulanfänger in den letzten Jahren nicht zugenommen hat. In einigen Bundesländern konnte sogar ein leichter Rückgang nachgewiesen werden. Dies steht im Widerspruch zu Daten, welche den gesamten Bevölkerungsquerschnitt abbilden. Hier zeichnet sich ein fortlaufender Trend der Zunahme der Anzahl von Übergewichtigen ab (vgl. Lehrke, Lassle 2010).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder in % nach Moss et al.

Moss et al. konnten des weiteren zum Teil große Unterschiede zwischen den Bundesländern und sogar einzelnen Regionen feststellen. Als Gründe hierfür werden die sozialen Umstände, in denen die Kinder aufwachsen, genannt. So konnte nachgewiesen werden, dass die Anzahl übergewichtiger Kinder in Familien mit Migrationshintergrund größer ist, als in Familien ohne Migrationshintergrund. So seien beispielsweise in Berlin 11,9 % der türkischen Kinder übergwichtig gegenüber 5,6 % unter den deutschen Kindern (Moss et al. 2012).

Die festgestellte Stagnation der Zunahme an übergewichtigen Kindern in Deutschland scheint hierbei einen Trend, wie er in weiten Teilen Europas zu beobachten ist, widerzuspiegeln. So konnte auch in Dänemark und Frankreich eine Stabilisierung der Zahlen für Kinder zwischen 2 und 19 Jahren ermittelt werden (Moss et al. 2012). Gründe für diese Stagnation sind noch nicht erforscht. Es wird angenommen, dass die Übergewichtsraten unter Kindern und Jugendlichen einen Grenzwert erreicht haben. Ob dieser Grenzwert Initiativen zur Übergewichtsprävention oder schlicht einer Sättigung des jungen Teils der Gesellschaft mit Übergewichtigen zuzuschreiben ist, bleibt unklar. Sollte sich der angedeutete Trend zur Abnahme der Zahlen jedoch bestätigen, so wäre dies ein Indiz für die Wirksamkeit der vielen Initiativen, die in der Vergangenheit ins Leben gerufen wurden. Weiter unklar bliebe dann jedoch, warum sich ein solcher Trend nicht auch bei den Erwachsenen einstellt, denn auch hier gibt es Sport- und Ernährungsinitiativen zur Übergewichtsprävention.

3 Gefahren von Übergewicht und Adipositas im Jugendalter

Knoll und Hauner (2008) haben in einer Studie die Volkswirtschaftliche Belastung, die durch Übergewicht und Adipositas entsteht, für das Jahr 2003 mit etwa 13 Milliarden Euro beziffern können. Berücksichtigt wurden hierbei die Kosten durch Verlust an Lebensqualität, Produktionsverlust, kranheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit, vorzeitige Berentung, etc.

Diese Zahl spiegelt somit in ihrer Größe die Menge der Risiken, die Übergewicht und Adipositas mit sich bringen, wider. Sie beinhaltet jedoch die gesamte Breite der Bevölkerung und lässt somit keine differenzierten Aussagen über die Probleme in der Kindheit und Jugend zu. Dass die Annahme, Kinder seien durch ihr junges Alter vor Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes, Gelenkfehlstellungen, etc, die eher mit älteren Menschen assoziiert werden, geschützt, nicht zulässig ist, zeigt sich bei Betrachtung der vorzufindenden Krankheitsbilder.

Löst man sich weiter von der ökonomischen Sichtweise von Knoll und Hauner, treten soziale Probleme der Kinder zu Tage, die für ihre Entwicklung eine große Gefahr darstellen. Meist fehlen ihnen effektive Bewältigungsstrategien, die helfen können, die persönliche Situation zu verbessern. Und so kommt es, dass bei übergewichtigen Kindern eine starke Persistenz ihrer Situation, nicht selten über die gesamte Lebensspanne, beobachtet werden kann (vgl. Lehrke, Lassle 2010).

3.1 Medizinische Folgeerscheinungen

Übergewicht und Adipositas zeigen in der Regel viele Begleiterkrankungen, die eine Vielzahl von Organsystemen betreffen können. Besonders gefährdet ist das Herz-Kreislaufsystem, dessen Erkrankung die häufigste Todesursache in Deutschland darstellt (vgl. Kartner 2012). Die Ausprägung und der Grad der Erkrankung korreliert hierbei mit dem BMI. So zeigt sich bis zu einem Wert von 30 ein nur leichter Anstieg der Mortalilät und Morbidität aufgrund von übergewichtsbegleitenden Erkrankungen. Ab einem BMI von 30 nimmt dieser Anstieg jedoch stark zu.

Dass Kinder und jugendliche durch ihr junges Alter vor Begleiterkrankungen geschützt sind, darf, wie bereits gesagt, nicht angenommen werden. Auch bei ihnen treten Adipositas-assoziierte Begleiterscheinungen auf, die Auswirkungen auf ihren gesamten Lebensverlauf haben können (vgl. Lehrke, Lassle 2010). So fanden Most et al. (2012) heraus, dass Menschen, die als Kinder stark übergewichtig waren, nach 55 Jahren ein erhöhtes Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko aufweisen, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt einen durchschnittlichen BMI haben. Zusammen mit der Tatsache, dass sich bei üebergewichtigen Kindern eine erhöhte Wahrscheinlichkeit zeigt, auch im Erwachsenenalter noch übergewichtig zu sein, zeigt dies, wie wichtig es ist, Übergewicht und Adipositas so früh wie möglich zu bekämpfen.

Es seien im folgenden einige der am häufigsten im Zusammenhang von Übergewicht auftretenden Veränderungen und Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter genannt:

- Erhöhter Blutdruck

Ein erhöhter Blutdruck kann sehr lange ohne Symptome oder Beschwerden vorliegen. Dennoch geht von ihm eine große Gefahr aus, besonders wenn ihm Organe über länge- re Zeit ausgesetzt sind. Betroffen sind dann meist die Nieren, Augen, das Herz sowie das Gehirn. Häufigste Todesursache nach einem Bluthochdruckleiden sind Schlagan- fall und Herzinfarkt. Auch wenn sich im Kindesalter selten Symptome zeigen, kann es bereits zu Schädigungen kommen. Eine Behandlung ist demnach unerlässlich. Sie kann zum einen in Form von Medikamenten vollzogen werden, sollte aber auch eine Veränderung des Lebensstils beinhalten. Maßnahmen, denen eine Wirksamkeit nach- gewiesen werden konnten, sind z.B. regelmäßige körperliche Akitivität im Bereich der Ausdauer, Reduktion der Aufnahme von gesättigten Fettsäuren und Kochsalz, Verzicht auf Tabak- und Alkoholkonsum (vgl. Freischem 2012).

- Störung des Glukosemetabolismus

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Zuckerkrankheit schon im Kindes- und Jugend- alter ausbildet, steigt mit zunehmendem Übergewicht. Zu nennen ist hier besonders der Typ 2 Diabetes, der etwa 90 % aller Fälle ausmacht. Während man diese Insulin- resitenz früher auch als Altersdiabetes bezeichnete, wird dieser Begriff aufgrund der immer jüngeren Patienten heute in der Regel nicht mehr verwendet (vgl. Scherbaum 2012).

[...]

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Details

Titel
Gefahren durch Adipositas im Kindes- und Jugendalter. Das Konzept der Bewegten Schule, ein geeignetes Präventionsmittel?
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Sportwissenschaften)
Veranstaltung
Sportpädagogik Vertiefung
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V267530
ISBN (eBook)
9783656579397
ISBN (Buch)
9783656579380
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gefahren, adipositas, kindes-, jugendalter, konzept, bewegten, schule, präventionsmittel
Arbeit zitieren
Tim Behrens (Autor), 2012, Gefahren durch Adipositas im Kindes- und Jugendalter. Das Konzept der Bewegten Schule, ein geeignetes Präventionsmittel?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267530

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