Literaturbericht zu Textausschnitten von Thomas von Aquins staatsphilosophischem Werk "De regimine principum" (Die Herrschaft der Fürsten)


Essay, 2014
9 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Kontext

3. Die Person Thomas von Aquin

4. Von Aquins Textgattung

5. Das staatsphilosophische Werk De regimine principum

6. Zusammenfassung

7. Quellenangabe

1. Einleitung

Thomas von Aquin ist einer der bedeutendsten Staatsphilosophen des Mittelalters, welcher noch Jahrhunderte später rezipiert wurde und in heutigen politikwissenschaftlichen Theorien, Lehren, wissenschaftlichen Arbeiten und dem Studium der Politikwissenschaft sowie in vielen weiteren Bereichen im breiten Spektrum aufgegriffen wird. In diesem Literaturbericht versuche ich anhand eines Textausschnittes aus seinem berühmten Werk De regimine principum (zu dt.: Herrschaft der Fürsten) seinen staatsphilosophischen Ansatz zu erläutern und seine Lösungsstrategie zu veranschaulichen, um einen erfolgreichen Einstieg in die politische Denkweise jener zeitgenössischen, christlich europäischen Autoren zu ermöglichen und versuche gleichzeitig die Unterschiede von Aquins Werk zu der üblichen scholastischen Form des Fürstenspiegels, welcher im Hochmittelalter und Spätmittelalter seine Blütezeit erlebte, aufzuzeigen.

2. Historischer Kontext

In der historischen Einordnung fassen wir den Zeitraum von ca. 1200 bis 1300 in Europa kurz und ohne Anspruch auf Vollständigkeit in seinen groben Zügen zusammen, da es wichtig ist die theoretischen Denkansätze der Staatsphilosophen historisch zu kontextualisieren, um sie hinreichend zu verstehen. Hierbei liegt die Fokussierung nur auf historischen Themengebieten, die helfen von Aquins Gedankengänge zu verstehen. Es muss bedacht werden, dass eine Theorie nicht eine aus der Luft gegriffene Idee ist, sondern sie entsteht in der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, meist die zu dem Zeitpunkt gegebene. Somit ist es unerlässlich, dass das Leben des Autors sowie die Gesellschaft jener Zeit rekonstruiert wird und diese Ergebnisse in den Erkenntnisprozess mit einbezogen werden.

Das Geschlecht der Staufer bildet im Hochmittelalter das Zentrum der weltlichen Macht im HRRDN. Seit 1125 sind die Staufer an der Macht, 1212 besteigt Friedrich II. den römisch-deutschen Thron als König und ist ab 1220 Kaiser des HRR. Zu Beginn des 13. Jh. ist Papst Innozenz III. Oberhaupt der katholischen Kirche. 1202-1205 zogen die Christen in den 4. Kreuzzug. Friedrich II. versprach als christlicher Herrscher selbst einen Kreuzzug zu führen, jedoch musste er diesen immer wieder, aufgrund seiner Regierungstätigkeit, verschieben, was dazu führte, dass er 1227 exkommuniziert wurde. Die Herrschaft Friedrich II. ist geprägt vom Streit zwischen weltlicher und geistiger Herrschaft, der schon seit Anfang des 10.Jh. im Zuge des Investiturstreits ausgebrochen war und einen seiner Höhepunkte im Gang zu Canossa erlebte. Ende des 13.Jh. ist die Christianisierung in Europa nahezu abgeschlossen und mit Ende des Mittelalters verliert die Kirche zunehmend an weltlicher Macht.

3. Die Person Thomas von Aquin

Thomas von Aquin, geboren 1225, stammt aus dem Hochadel im Königreich Sizilien und erlebte die Kämpfe des Stauferkaisers Friedrich II. mit dem Papsttum in seiner eigenen Familie mit: Einer seiner Brüder wurde aufgrund seines Parteienwechsels von Friedrich II. hingerichtet.

Thomas studierte an der 1224 von Friedrich II. gegründeten Universität Neapels und schloss sich, nicht wie es sich seine Familie gewünscht hatte, dem altehrwürdigen Benediktinerkloster an, sondern dem neu gegründeten Bettlerorden der Dominikaner. Er blieb bis zu seinem Tod 1274 Dominikaner und führte bis dahin ein Leben als Student und Hochschullehrer, welches er an den Universitäten und Ordensstudien in Neapel, Rom, Orvieto, Köln und Paris verbrachte.1 Die Würde eines Erzbischofs von Neapel lehnte er ab und trotz seiner geraumen Zeit am päpstlichen Hof gilt Thomas von Aquin als Gelehrter und nicht als Höfling oder Politiker.

Von Aquin beschäftigte sich mit nahezu jeder der damaligen Wissenschaften, welches eine umfangreiche Masse an Veröffentlichungen belegt. Trotz der aufgeschlossenen Bemühungen in den Wissenschaften tat von Aquin dies stets mit einem theologischen Weltbild.

Thomas von Aquin äußerte sich zunächst nicht gesondert über Politik, erst als ein Ordensbruder aristotelische Texte aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzte, begann von Aquin sich mit der aristotelischen Weltsicht auseinanderzusetzen. Seine Kommentare zur Politik konnten von Aquin, vermutlich wegen schwerer Krankheit und seinem anschließenden Tod, nicht vervollständigt werden.2

4. Von Aquins Textgattung

Zur Zeit des Mittelalters herrschte an den Universitäten und Hochschulen Europas die Denkweise der Scholastik vor. Scholastik ist eine philosophisch theologische Bewegung und stellt eine wissenschaftliche Methode dar, die auf Grundlage der aristotelischen Lehren versucht (christliche) Phänomene zu erklären und somit das reine theologische Denken, wie es beispielsweise von Augustinus praktiziert wurde, verdrängte. Es ist die Verknüpfung zwischen Ratio, der Vernunft, und dem Glauben. Scholastik ist eine wissenschaftliche Methode, die die Epoche der frühen Neuzeit und der Aufklärung erst ermöglichte und aus dem Aufschwung des Städtewesens resultierte. Wichtigste Vertreter der Scholastik sind u.a. Albertus Magnus und Thomas von Aquin, die mit dem Studium des Aristoteles und deren Kommentare die Scholastik mitgestaltet haben. Das Mittelalter gilt im Allgemeinen als Ignorant der Kultur und der Geschichte der Antike, diese Aussage muss jedoch relativiert werden, da während des 12. und 13. Jh. die Lehren der Antike neu rezipiert wurden.

Die bekannteste Textgattung der Scholastik war der Fürstenspiegel. Ihr Ziel war eine Fürstenethik, welche darauf abzielte, die weltlichen, als auch die geistlichen Herrscher moralisch auf Berufung religiöser Sitten in ihrem Verhalten zu ermahnen. Ein weiteres Ziel konnte es sein, dem Herrscher ein Verhalten nahe zulegen, welches ihm politische Ziele, wie Machtexpansion oder Machterhalt, ermöglichte.

[...]


1 Ryan, Alan (2012): On Politics. A history of political thought from Herodotus to the present, London: Penguin Group, Page 226-228.

2 Maier, Hans/Denzer, Horst Hrsg. (2007): Klassiker des politischen Denkens. Bd. 1 Von Platon bis Hobbes, 3., überarbeitete Auflage, München: C.H.Beck, S. 80.

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Details

Titel
Literaturbericht zu Textausschnitten von Thomas von Aquins staatsphilosophischem Werk "De regimine principum" (Die Herrschaft der Fürsten)
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Autor
Jahr
2014
Seiten
9
Katalognummer
V267571
ISBN (eBook)
9783656589839
ISBN (Buch)
9783656589884
Dateigröße
800 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thomas von Aquin, von Aquin, Thomas, Scholastik, politische Theorien, Staatsphilosoph, Theoretiker, Mittelalter, Monarchie, Demokratie, Tyrannei, Klassiker des politischen Denkens, Theorie
Arbeit zitieren
Wolf Merker (Autor), 2014, Literaturbericht zu Textausschnitten von Thomas von Aquins staatsphilosophischem Werk "De regimine principum" (Die Herrschaft der Fürsten), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267571

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