Die Rolle des Adels in "Das Gemeindekind" und "Er lasst die Hand küssen"


Hausarbeit, 2013
16 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltverzeichnis:

1. Einleitung Seite

2. Marie von Ebner-Eschenbach Seite

3. Die Dorfgeschichte im Realismus Seite

4. Das Gemeindekind Seite
4.1 Die Vertreter des Adels im Roman Seite

5. Er lasst die Hand küssen Seite
5.1 Die Vertreter des Adels in der Novelle Seite

6. Zusammenfassung Seite

7. Literaturverzeichnis Seite

1. Einleitung

Die Aufklärung und die französische Revolution hatten die Gedanken der persönlichen Freiheit und der nationalen Selbstbestimmung europaweit ins Leben gerufen. Nationalbewusstsein hatte sich entwickelt. Die Menschen träumten von Volkssouveränität und einem Verfassungsstaat. Dieser Traum scheiterte mit der Revolution von 1848. Die Aristokratie übernahm wieder die politische Macht, die Restauration blockierte die Liberalisierung. Die Meinungsfreiheit war beschränkt, die Pressezensur eingeführt.

Der Industrialisierungsprozess hatte zu gravierenden Veränderungen in der Gesellschaft geführt. Obwohl neue Arbeitsplätze geschaffen worden waren, konnte der Arbeitsmarkt aufgrund des starken Bevölkerungszuwachses den Bedarf nicht abdecken. Die Armut nahm zu, die soziale Not wurde immer größer. Auch das Bürgertum fühlte eine Bedrohung seiner Existenz. Aus Angst vor Willkürhandlungen der Unterschicht grenzte es sich gegenüber dem Proletariat ab. [1]

Auf der politischen Ebene entwickelten sich Sozialdemokratie und Kommunismus. In Deutschland war es jedoch beiden Bewegungen nicht möglich ihren selbstgestellten Aufgaben im gewünschten Maße nachzukommen. Sie wurden durch die Bismarck’sche Gesetzgebung niedergehalten und verboten.

Auch die öffentlich-politische Literatur hatte sich nach der Revolution zurückgezogen. [2] Manche Autoren waren emigriert. Die, die im Lande geblieben waren hatten sich mit den Gegebenheiten arrangiert. Allerdings gab es auch Mahner. Marie von Ebner-Eschenbach war eine von ihnen.

Wie sie das tat, versuche in nachstehend anhand von zwei Beispielen aus ihrem Schaffen, dem Roman „Das Gemeindekind“ und der Novelle „Er lasst die Hand küssen“, zu klären.

Zuerst skizziere ich ihren literarischen Lebensweg. Danach gehe ich kurz auf die Dorfgeschichte im Realismus ein. In Verbindung mit den Inhaltsangaben der Erzählungen versuche ich die unterschiedlichen Rollen der jeweiligen Vertreter der Aristokratie herauszuarbeiten. In der Zusammenfassung erörtere ich dieses Thema noch etwas näher, um letztendlich daraus abzuleiten, welche Verantwortung meines Erachtens Marie von Ebner-Eschenbach ihrer eigene Gesellschaftsschicht zuschrieb und welchen sozialen Verpflichtungen sie nachzukommen habe.

2. Marie von Ebner-Eschenbach

Die Österreicherin Marie von Ebner-Eschenbach (1830 -1916) stammte aus einer böhmischen Adelsfamilie. Sie wurde in Mähren geboren und wuchs dort auf einem Gut in ländlicher Umgebung, aber auch in der Landeshauptstadt Wien auf. Im Alter von 18 Jahren heiratete sie ihren Vetter Moritz von Ebner-Eschenbach. Während ihrer Kindheit auf Gut Zdislavic lernte sie die bäuerlichen Verhältnisse kennen, im Laufe ihrer Ehe hatte sie engen Kontakt zu Militärangehörigen des k.u.k.-Staates und zum Beamtentum. Durch ihre Zugehörigkeit zur österreichischen Aristokratie kannte sie sich auch in dieser Gesellschaftsschicht aus. [3]

Ihre ersten literarischen Werke waren Dramen, mit denen sie allerdings nicht erfolgreich war. Einem großen Leserkreis bekannt wurde sie mit der 1876 erschienen Erzählung „Bozena“, der Durchbruch gelang ihr 1880 mit „Lotti, die Uhrmacherin. [4] Danach folgten zahlreiche weitere Erzählungen und Novellen. Ihr zentrales Thema war das Verhältnis zwischen Dörflern und Landadel. Sie erkannte die Notwendigkeit sozialer Reformen im Habsburger Staat. Durch ihre 1883 und 1886 erschienen „Dorf- und Schlossgeschichten“ schärfte sie den Blick der Öffentlichkeit für die Lebenssituation des ländlichen Proletariats und formulierte damit ihre Kritik am Verhalten der österreichischen Aristokratie. Sie appellierte an deren Verantwortungsbewusstsein und sah in der Zugehörigkeit zur herrschenden Klasse die Verpflichtung, sich mit den Lebensverhältnissen der Unterschicht auseinander zu setzen und deren Situation zu verbessern.

Ebner-Eschenbach entwickelte sich zu einer der führenden Gestalten des österreichischen Spätrealismus. [5] Allerdings erkannte sie selbst die Grenzen ihres literarischen Schaffens. Fritz Martini zitiert ihre, in der „Österreichischen Rundschau“ [6] veröffentliche Aussage: „Eine einfache Herzensgeschichte könnte ich schreiben, verwickelte Lebensverhältnisse kann ich nicht ersinnen.“ [7]

In einer für ihre Generation typischen Weise ist sie langsam gereift, erst im Alter zu voller Kraft, zu ihrem begrenzten persönlichen Stil gelangt [8].

Marie von Ebner-Eschenbach stellte die von einem unbegreiflichen Gott geschaffene, anbetungswürdig schöne und dennoch elendgesättigte Welt so dar, daß die Kraft der Bejahung, der Enthusiasmus des Herzens das Schmerzliche überwog. [9]

3. Die Dorfgeschichte im „Bürgerlichen Realismus“

„Bürgerlicher Realismus“ ist die Bezeichnung für eine Literaturepoche, deren Beginn man nach der Revolution von 1848/49 ansetzte und die bis zur Jahrhundertwende andauerte. Wie jeder literaturgeschichtliche Begriff ist auch sie nicht exakt zeitlich abgrenzbar. Es gibt Übergangsphasen und Überschneidungen mit der vorangegangenen Romantik und dem nachfolgenden Naturalismus. Sabina Becker allerdings nennt konkrete Eckdaten:

Den zwischen 1850 und 1890 verfassten Werken liegt eine einheitliche Realitätserfahrung zugrunde, die zu einem homogenen künstlerischen Stil führte; dieser wurde von den Autoren selbst unter dem Begriff Realismus gefasst. [10]

Allerdings:

Trotz gemeinsamer Positionen lässt sich der Bürgerliche Realismus nicht als eine geschlossene literarische Bewegung beschreiben; dies liegt nicht zuletzt in seiner langen Wirkungszeit begründet. [11]

Muster realistischen Erzählens entwickelte vor allem die Dorfgeschichte durch die Beschreibung alltäglicher Details und durch einen plausiblen Handlungs-ablauf. [12] Sie beschränkte sich auf einen engen Wirkungsbereich: das Schloss, das Dorf, die Bewohner. Im Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft wird „Dorfgeschichte“ wie folgt definiert:

[...]


[1] vergl. Becker, Sabina: Bürgerlicher Realismus, Literatur und Kultur im bürgerlichen Zeitalter 1848-1900,
Tübingen, Basel 2003, S. 33.

[2] vergl. Martini, Fritz: Deutsche Literatur im bürgerlichen Realismus 1848-1898, Stuttgart 2 1964, S. 23.

[3] vergl. von Ebner-Eschenbach, Marie: Das Gemeindekind, in Klein, Johannes (Hrsg.): Das Gemeindekind
Novellen, Aphorismen, Darmstadt 1984, S. 955 ff.

[4] vergl. Kühlmann, Wilhelm, u.a. (Hrsg.): Killy Literaturlexikon Autoren und Werke des deutsch-
sprachigen Kulturraumes, Bd. 3, Berlin 2 2008. S. 167 f.

[5] vergl. Becker, Sabina: Bürgerlicher Realismus, Literatur und Kultur im bürgerlichen Zeitalter 1848-1900,
Tübingen, Basel, 2003, S. 259.

[6] s. von Weilen, Alexander: Marie Ebner, Österreichische Rundschau, 24, S. 520, in: Martini, Fritz,
Deutsche Literatur im bürgerlichen Realismus, 1848-1898, Stuttgart 2 1964, Seite 496.

[7] vergl. Martini, Fritz: Deutsche Literatur im bürgerlichen Realismus, 1848-1898, Stuttgart 2 1964,
Seite 496.

[8] Ebd. Seite 494.

[9] Ebd. Seite 495.

[10] s. Becker, Sabina: Bürgerlicher Realismus, S. 12.

[11] Ebd.

[12] vergl. Balzer, Bernd: Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus, Darmstadt 2 2012, S. 71.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des Adels in "Das Gemeindekind" und "Er lasst die Hand küssen"
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (FB 2 Gesellschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Realistitsches Erzählen vom Lande (Seminar)
Note
2,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V267585
ISBN (eBook)
9783656586616
ISBN (Buch)
9783656586623
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, adels, gemeindekind, hand
Arbeit zitieren
Gudrun Kahles (Autor), 2013, Die Rolle des Adels in "Das Gemeindekind" und "Er lasst die Hand küssen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267585

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