Mafiose Organisationen in Italien

Entstehung und wirtschaftliche Entwicklung


Seminararbeit, 2013

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mafia
2.1 Begriffsdefinition nach Arlacchi
2.2 geschichtlicher Hintergrund
2.3 Mafiose Organisationen in Italien
2.3.1 Cosa Nostra
2.3.2 'Ndrangheta
2.3.4 Camorra

3. wirtschaftliche Entwicklungen
3.1 Agrarwirtschaft
3.2 Baubranche
3.3 Gastronomie

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1 selbstständige erschienene Werke
5.2 Quellen aus dem Internet
5.2.1 Artikel
5.2.2 Youtube-Videos

6. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die Mafia. Ein Begriff, der fast jedem Menschen geläufig ist. Viele von ihnen denken dabei insbesondere an kriminelle Vereinigungen, bei denen es ausschließlich um Drogen, Prostitution und Mord geht. Ob es sich dabei nun um kolumbianische Drogenkartelle, chinesische Triaden oder die italienischen Organisationen handelt, spielt keine Rolle. Des Weiteren werden oftmals korrupte Regierungssysteme mit der Mafia in Verbindung gebracht, allen voran bezieht man sich hierbei oftmals auf die umstrittene Person Silvio Berlusconis. Diese Aspekte werden vor allem durch die Filmindustrie in den Köpfen der Menschen verankert, einhergehend mit dem Klischee, dass alle Italiener Mafiosi seien. Dies wird nicht zuletzt von der Presse gestärkt, in dem fast tagtäglich die Machenschaften der mafiosen Organisationen aufgedeckt werden oder gezeigt wird, wie ihre Mitglieder verhaftet werden. Als aktuellstes Beispiel hierfür dient die im italienischen Kalabrien ansässige 'Ndrangheta. Die 'Ndrangheta investierte in den vergangen Jahren in Windparks mit Hilfe deutscher Firmen, unter anderem der HSH Nordbank. Einmal mehr sorgte die 'Ndrangheta mit dieser Schlagzeile für Aufsehen. Erstmals wurde den Deutschen bewusst, dass es die Mafia auch in Deutschland und nicht nur in Italien gibt, als im Jahre 2007 sechs Mitglieder einer zur 'Ndrangheta gehörenden Familie in Duisburg ermordert wurden. Hintergrund war eine seit langem schwelende Fehde zweier verfeindeter Familienclans.

Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, ein anderes Bild der mafiosen Organisationen aufzuzeigen, vor allem ihr starker Einfluss in legale Geschäfte. Somit erfolgt zu Beginn die Begriffsdefinition des Wortes Mafia nach Pino Arlacchi. Danach erfolgt ein geschichtlicher Abriss, wie es zur sogenannten Mafia kam und wie sich daraus die drei größten Organisationen Italiens herausbildeten. Um den ersten Block abzuschließen wird noch einmal genauer auf die sizilianische Cosa Nostra, die kalabresische 'Ndrangheta und die kampanische Camorra eingegangen. Im zweiten Teil der Arbeit soll die Verbindung zwischen dem geschichtlichen Hintergrund und der wirtschaftlichen Entwicklung der mafiosen Organisationen geschlossen werden. Dabei soll noch einmal auf den wirtschaftlichen Beginn der Agrarwirtschaft eingegangen werden, um im folgenden Verlauf die Entwicklung zur Baubranche und schließlich zur Gastronomie aufzuzeigen. Am Ende der vorliegenden Arbeit folgt schließlich die Auswertung über die vorangegangen Kapitel.

2. Mafia

2.1 Begriffsdefinition nach Arlacchi

Der Begriff mafiosi tauchte erstmalig in der Komödie I mafiusi di la Vicaria in den Jahren 1862 auf. Nur zwei Jahre später ist der Terminus maffia schriftlich festgehalten worden. Beide Begriffe bezeichneten mit ihrer Definition verdächtige Personen oder Straßenräuberbanden, die sich gegen jede soziale Ordnung stellten, und konnten sich in den nächsten Jahren festigen (vgl. Lupo 2005: 9 f.). Laut dem Duden ist die Mafia eine erpresserische Geheimorganisation (vgl. Duden 2006: 659). Diese Begriffsdefinition hat meist auch die allgemeine Bevölkerung im Kopf. Arlacchi (1989: 29) hingegen meint: "Die Mafia ist ein Verhalten und eine Macht, nicht eine formale Organisation." Demnach gibt es für Arlacchi nur ein mafioses Verhalten, das aus mehreren Aspekten besteht, vor allem sich wie ein Ehrenmann (uomo d'onore) zu verhalten. Des Weiteren sollte sich ein Mafioso den nötigen Respekt gegenüber anderen verschaffen können, seine Gegner zu kränken und sich oder seine Familie zu rächen. Insgesamt gesehen soll der Ehrenmann die folgenden Merkmale mitbringen: Mut, Intelligenz, Gewalttätigkeit und Betrügerei (vgl. Arlacchi 1989: 29). Besonders wichtig ist hierbei der Hang zur Gewalttätigkeit, denn ohne einen Mord kann sich der Mafioso nicht den nötigen Respekt verschaffen (vgl. Arlacchi 1989: 39). Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Begriff Mafia das ehrenvolle (onorevole) Verhalten einer Gruppe von Personen, auch mafiosi oder uomini d'onore genannt, bezeichnet (vgl. Arlacchi 1989: 56). Woher dieses mafiose Verhalten kam und wohin es führte, soll im nächsten Kapitel erläutert werden.

2.2 geschichtlicher Hintergrund

Die Entstehung der ersten mafiosen Organisationen geht bis auf das 19. Jahrhundert zurück. Zur damaligen Zeit stand Süditalien unter der Herrschaft der spanischen Bourbonen und wurde ab dem Jahr 1816 das Königreich beider Sizilien genannt. Wie auf der Karte zu sehen ist, gehörte sowohl Sizilien als auch Kalabrien, Apulien und Kampanien zum Reich der Spanier, welche später die Territorien der Mafia-organisationen darstellen (vgl. GermanOnlineDokus5 2013: 03:05 - 03:40, [Onlinevideo]). Bevor es zur Entstehung der ersten mafiosen Organisation kam, spielten die Großpächter (Gabellotti) und die Verwalter in der Agrarwissenschaft eine wichtige Rolle. Die Aufgabe der Verwalter im 19. Jahrhundert war es, Schwefelminen, Latifundien und Zitrusbaumplantagen zu führen. Die Großpächter, die eine Art Kontrolle ausübten und für die Ländereien zuständig waren, wurden von Feldhütern, den sogenannten campieri, unterstützt. Sie fungierten als eine Art Privatmiliz die sich aus Ex-Banditen zusammensetzte um den Gegnern Angst einzujagen, denn der Viehraub war zur damaligen Zeit eine gute Einnahmequelle (vgl. Lupo 2005: 45 ff.). Durch das mangelnde Interesse an Sizilien durch die spanischen Herrscher, mit Sitz in Neapel, konnten die Pächter ihre kriminellen Machtstrukturen ausbauen und festigen. Dies änderte sich auch nach dem Ende der Herrschaft der Bourbonen nicht (vgl. Hofmann 2003: 110 f.). Die spanische Herrschaft über das Königreich beider Sizilien endete im Jahr 1860, als Giuseppe Garibaldi, unterstützt durch Großpächter und ihren campieri, den ersten mafiosen Gruppen, die Machthaber stürzte. Ein Jahr später wurde schließlich der Nationalstaat Italien ausgerufen. In der Folge konnten mehrere Großpächter Ländereien kaufen und einige von ihnen bekamen einen Adelstitel zugesprochen. Da Garibaldi jedoch zu vielen Landwirten einige Ländereien versprochen hatte, dieses Versprechen allerdings nicht in die Tat umsetzen konnte, kam es zum Ausbruch des Banditentums (vgl. GermanOnlineDokus5 2013: 31:43 - 35:44, [Onlinevideo]). Fortan wurden Mafiosi als Kriminelle bezeichnet und verfolgt. In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu blutigen Ausschreitungen zwischen den Mafiosi und der italienischen Regierung. Infolgedessen wurde ein Kompromiss geschlossen, der den Mafiosi erlaubte ihre kriminellen Handlungen weiterzuführen, wenn sie der Polizei dabei halfen Banditen aufzuspüren (vgl. Hofmann 2003: 112).

In der Nachkriegszeit kam es in Süditalien schließlich zu einem Wandel, der die Mafia veränderte. Aufgrund von massiven Abwanderungen in den Norden, auf Grunde der massiven Arbeitslosigkeit im Süden und des Arbeitskräftemangels im Norden, waren die alten Organisationen mit dem Problem konfrontiert, nicht genügend Mitglieder rekrutieren zu können (vgl. Arlacchi 1989: 65). Die Transformation von der alten zur neuen Mafia wird vor allem durch den kulturellen Wandel verdeutlicht. Die Werte der verschiedenen mafiosen Organisationen des Mezzogiornos änderten sich. Es zählte nicht mehr nur die Ehre, die durch Heldentaten erlangt wird, sondern zunehmend der Reichtum eines jeden Mafioso beziehungsweise eines Clans. Die Entwicklung zur neuen Mafia war zu Beginn der siebziger Jahre abgeschlossen (vgl. Arlacchi 1989: 66, 89).

Seit der Transformation konnten die Camorra, die 'Ndrangheta und die Cosa Nostra beträchtliche Gewinne einfahren, der Wirtschaftszweig spielte dabei keine Rolle. Der Jahresumsatz dieser Organisationen beläuft sich mittlerweile auf ein geschätztes Vermögen von 120 bis 180 Milliarden Euro. Von diesen Profiten werden die Familienmitglieder beziehungsweise Angestellten bezahlt. Die folgende Abbildung beziffert, wie viele Arbeitsplätze durch die Mafias geschaffen werden. Die Zahlen belaufen sich auf die arbeitsfähige Bevölkerung der jeweiligen Region, die der Mafia zugehörig ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Arbeitsplätze (Abb. nach Forgione 2011: 21)

Des Weiteren wird ein Großteil des Geldes in illegale Geschäfte, wie den Drogenhandel, reinvestiert und ein anderer Teil kommt den legalen Machenschaften der Organisationen zugute (vgl. Forgione 2011: 21). Drei der legalen Wirtschaftszweige, die Agrarwirtschaft, die Baubranche und die Gastronomie sollen im späteren Verlauf der Arbeit noch einmal genauer beschrieben werden.

2.3 Mafiose Organisationen in Italien

In den folgenden drei Unterkapiteln werden zunächst die drei bekanntesten mafiosen Organisationen genauer beleuchtet. Dabei wird vor allem auf die Etymologie, die Hierarchie, die Entwicklung und schließlich auf die territoriale Ausdehnung der Cosa Nostra, 'Ndrangheta und Camorra eingegangen.

2.3.1 Cosa Nostra

Wie bereits beschrieben, wiesen die Landpächter des 19. Jahrhunderts mafiose Machtstrukturen auf. Aus diesen kristallisierte sich schließlich die sizilianische Cosa Nostra heraus (vgl. Hofmann 2003: 111).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Mafiose Organisationen in Italien
Untertitel
Entstehung und wirtschaftliche Entwicklung
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Romanistik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
22
Katalognummer
V267619
ISBN (eBook)
9783656581826
ISBN (Buch)
9783656580423
Dateigröße
20210 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mafia, Cosa Nostra, 'Ndrangheta, Camorra, Agrarwirtschaft, Baubranche, Gastronomie
Arbeit zitieren
Franziska Janke (Autor), 2013, Mafiose Organisationen in Italien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267619

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