Qualität im Journalismus

Aus- und Weiterbildung als Qualitätsmerkmal


Hausarbeit, 2004

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wie sich dem Themenfeld Qualität genähert wird
2.1 Zwei Initiativen für Qualität
2.2 Blick über die Grenze: Qualitätssicherung in der Schweiz

3. Streitpunkt journalistische Aus- und Weiterbildung
3.1 Transparenz - Qualitätsnachweis im öffentlichen Interesse
3.2 Wo Transparenz benötigt wird

4. Unternehmen unter Fremdbewertung – Konsumenten in der Pflicht

5. Grundlage Recherche

6. Journalistenausbildung verstärken
6.1 Internationale Ausbildung

7. Schlussbemerkung

Bibliografie

1. Einleitung

Die Journalisten-Initiativen „Netzwerk Recherche“ und „Initiative Qualität im Journalismus“ beschäftigen sich seit 2001 beziehungsweise 1999 intensiv mit dem Themenfeld der journalistischen Qualität. Mit Foren, Diskussionen und Veröffentlichungen haben sie das Thema in die Öffentlichkeit gerückt. Und damit auch die Diskussion in der Öffentlichkeit selbst angeschoben. Trotzdem: Der Medienkonsument wird regelrecht erschlagen mit Angeboten. Zwischen guten und qualitativ schlechten Produkten zu differenzieren, fällt zunehmend schwer. Angeboten wird zumeist leichte Kost. Geschichten mit Tiefgang entziehen sich heute oft der journalistischen Praxis. Die Ursachen sind vielerorts zu finden. Die Grundlage für Qualität in der Praxis ist unter anderem die journalistische Aus- und Weiterbildung. Damit beschäftigt sich diese Arbeit im Speziellen: die Aus- und Weiterbildung als journalistisches Qualitätsmerkmal. Dabei richtet sich der Fokus einerseits auf die Bedeutung dieses Qualitätsverständnisses in der Öffentlichkeit. Andererseits auf die bisher geleistete Arbeit der beiden Initiativen im Hinblick auf deren Ziele, Ausarbeitungen und Erkenntnisse. Dabei stellen sich die Fragen, ob die journalistische Aus- und Weiterbildung im Interesse der Öffentlichkeit stehen muss. In der aktuellen Grundlagentheorie des Journalismus werden zum einen die unterschiedlichen Anforderungen, die heute an dieses Themengebiet gestellt werden, herausgehoben. Zum anderen aber geht es um Zukunftsforderungen, die unter verschiedenen Gesichtspunkten festlegen, dass es in der heutigen Medienlandschaft an Instanzen bedarf, die die Qualität journalistischer Produkte bewerten können. In diesem Zusammenhang steht die These, dass die Aus- und Weiterbildung von Journalisten Qualitätsmerkmal beziehungsweise „Gütesiegel“ für das ist, was der Rezipient später medial konsumiert.

Der erste Teil dieser Hausarbeit beschäftigt sich im Wesentlichen mit den theoretischen Grundlagen, der Näherungsfunktion an das Thema Qualität und mit den Schwerpunktfeldern der Aus- und Weiterbildung. Ferner wird die Problemstellung behandelt, ob es notwendig ist oder Sinn macht, Institutionen der Aus- und Weiterbildung einer zertifizierenden Kontrolle zu unterziehen. Gegenstand sind Untersuchungen und Ratschläge, die in bisher vergleichsweise wenigen Büchern und Dokumentationen von Journalisten und Kommunikationswissenschaftlern beschrieben werden. Der zweite Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit den zukunftsorientierten Maßnahmen für eine qualitätsreiche Aus- und Weiterbildung im Journalismus.

2. Wie sich dem Themenfeld Qualität genähert wird

Qualität lässt sich nicht definieren und schon gar nicht auf einen Punkt beschränken. „Qualität im Journalismus definieren zu wollen, gleicht dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln.“ (Ruß-Mohl, 1994, S. 94)

Das Problem besteht darin, objektive Bewertungsmaßstäbe für journalistische Qualität zu finden. Der Begriff Qualität ist nebulös. So auch Diskussionen, Kongresse oder Initiativen zu diesem Themenfeld. Eine Baustelle also, ein Risikofeld, das Sicherheitskontrollen und Professionalität abverlangt. Risiko herrscht immer da, wo das Geschäft eine zu große und die Qualität eine zu kleine Rolle spielt. Journalistische Fehlleistungen jeglicher Art führen zu Unbehagen beim Rezipienten. Daraus resultierender Glaubwürdigkeitsverlust des Journalismus stellt dessen Identität und die Leistungsstufe seiner Produkte zur Disposition. Unterhaltung, Public Relations, Technik und Marketing scheinen der Qualität zurzeit die größten Probleme zu bereiten. Qualität ist ein breites Faktoren-Spektrum, das von individuellen Voraussetzungen bis zu sozialen und professionellen Rahmenbedingungen reicht. Qualitätsverlust wird immer häufiger mit der Aus- und Weiterbildung sowie schlechter Recherche in Verbindung gebracht. (vgl. Weischenberg, 2001, S. 1ff) Bereits bestehende Niveaustandards, in Journalistenschulen zum Beispiel, resultieren zumeist aus komplexen Interaktionen, das Resultat dynamischer Prozesse unterschiedlicher Standpunkte. Qualität als eine solche Normenquelle oder dynamische Normenkonstellation entwickelt sich stetig mit den sich ändernden Messwerten und deren Beurteilung. (vgl. Wallisch, 1995, S. 97f) Eine weitere Möglichkeit, sich der Qualitätsdefinition zu nähern: Die Kommunikationswissenschaft legt dem Journalismus, anders als der Literatur oder bildenden Kunst, eine stärkere Bedeutung von kommerziellem Interesse zu Grunde. Journalismus wird als Ware definiert. Aber:

„Journalismus, der sich bewusst der Qualität als Priorität verpflichtet, muss also danach trachten, kommerzielles Denken aus dem Interessenkatalog (weitgehend) zu streichen.“ (ebd., S. 96)

Kommerzialisierung gilt als ein Merkmal des erkennbaren journalistischen Defizits, worunter die Aus- und Weiterbildung als auch die Recherche, die als methodisches journalistisches Prinzip bei allen Medienverantwortlichen und beim Publikum höchsten Stellenwert besitzt, in der Ausübung auf der Strecke bleiben.

2.1 Zwei Initiativen für Qualität

In einem scheinen sich alle einig zu sein: Qualität im Journalismus ist ein notwendiges Gut. Ein Gut, um als Journalist die täglichen Aufgaben angemessen erfüllen zu können. Und ein Gut für den Konsumenten, der ein glaubwürdiges und informatives Produkt erwartet. Mit der zunehmenden Kommerzialisierung, der Technisierung sowie der Medienkonzentration (auch Unternehmenskonzentration) sind den Medienschaffenden, aber auch der Öffentlichkeit Ende der neunziger Jahre erstmals Defizite der journalistischen Qualität aufgefallen. In der kritischen Diskussion stehen die Informationsleistung, Unabhängigkeit und die Glaubwürdigkeit von Medien.

Vor diesem Hintergrund hat der Deutsche Journalisten Verband (DJV) während seines Bonner Verbandstages im Dezember 1999 erstmals angeregt, mit Hilfe einer Arbeitsgruppe die eigenen Aktivitäten zur Qualitätssicherung in den Medien zu verstärken. Diese AG, deren Arbeit zwei Jahre später in der Gründung der „Initiative Qualität im Journalismus“ (IQ) mündet, hat sich nicht auf ein spezielles Arbeitsfeld beschränkt. Anregungen für Redaktionen, Aus- und Weiterbildung, Wissenschaft, Medienkontrolle und Internet sind beispielhafte Einzelschritte. IQ ist kein Verein, sondern eine dezentral organisierte Interessengemeinschaft. (vgl. Kaiser, 2002, S. 1ff)

Anders bei dem parallel dazu entstandenen Netzwerk Recherche. Der am 1. April 2001 gegründete Verein beschäftigt sich ausnahmslos mit dem Themenfeld Recherche. Die Vereinsarbeit wird, wie bei anderen Vereinen auch, durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert und durch den Vorstand vorangetrieben. (vgl. Netzwerk Recherche, 2003, S.7)

Im Wesentlichen wird nachfolgend (Punkte 3. bis 5.) auf Ergebnisse und Erkenntnisse der beiden Initiativen eingegangen, die seit dem Jahr 2000 in Arbeitskreisen oder der Gesamtheit erarbeitet wurden.

2.2 Blick über die Grenze: Qualitätssicherung in der Schweiz

Mit den unterschiedlichsten Instrumenten versuchen Initiativen oder Institutionen in Deutschland aber beispielsweise auch in der Schweiz (hier der Verein „Qualität im Journalismus“) Qualität zu sichern. Allerdings können redaktionelle Bemühungen, Qualität zu sichern, nur Sinn haben und effektvoll sein, wenn diese dort auch entsprechend akzeptiert werden. (vgl. Wyss, 2001, S.1) Eng damit verknüpft sind die Ausbildungsinstitutionen der Schweiz: Die „sind nur dann effektvoll, wenn sie auch Resonanz zeigen oder gekoppelt sind mit Anstrengungen innerhalb der Redaktion“. (ebd.) Und eben diese Kopplungen oder Vernetzungen lassen sich nicht erkennen. Was natürlich die Frage aufwirft, warum Initiativen zur Qualitätssicherung überhaupt nötig sind. Die deutsche „Initiative Qualität im Journalismus“ und das Schweizer Pendant in Vereins-Form wollen genau diese kommunikative Lücke schließen. So besteht in der Schweiz zum Beispiel zwischen dem Presserat, der Leitlinien für die journalistische Arbeit liefert, und den Ausbildungsstätten kaum Kontakt. Gleiches gilt zwischen Medienpolitik und Ausbildungsstätten. Eine Arbeitsgruppe des Schweizer Vereins beschäftigt sich mit Fragen rund um das Themenfeld der Aus- und Weiterbildung. Im Mittelpunkt steht beispielsweise die Transparenz der Kompetenzen von Journalisten und der Rekrutierungspraxis von Medienhäusern. Weiterhin verleiht der Verein den „Quality Award“, der nicht über guten oder schlechten Journalismus urteilt, sondern Qualitätssicherungsprozesse beurteilt. Da sind zum Beispiel Initiativen innerhalb der Redaktionen gefragt. (vgl. ebd., S.2ff)

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Qualität im Journalismus
Untertitel
Aus- und Weiterbildung als Qualitätsmerkmal
Hochschule
Hochschule Bremen
Veranstaltung
Medientheorie
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V267635
ISBN (eBook)
9783656586975
ISBN (Buch)
9783656586944
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
qualität, journalismus, aus-, weiterbildung, qualitätsmerkmal
Arbeit zitieren
Torben Brinkema (Autor:in), 2004, Qualität im Journalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267635

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Qualität im Journalismus



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden