»Ja, aber wir machen hier keine Vorschläge. Sonst haben wir morgen einen 'Shitstorm' zu gewärtigen […] Da müssen wir jetzt vorsichtig sein.« (Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einem Bürgergespräch in Heidelberg)
Angela Merkel gilt derzeit nicht nur als mächtigste Frau Deutschlands, sondern vermehrt auch als die mächtigste Frau von Europa oder gar der ganzen Welt. Ihr eindeutiger Wahlerfolg bei der Bundestagswahl 2013 unterstrich diesen zugeschriebenen Status zumindest in Deutschland eindrucksvoll. Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation in Europa hätte sie durchaus Grund, sich vor Ereignissen, wie zum Beispiel dem Zusammenbruch der Eurozone oder Chaos in den südeuropäischen Ländern, zu fürchten. Stattdessen erfüllt ein Internetphänomen eine Person mit solch einer Machtfülle mit Furcht. Was steckt dahinter und wie konnte es dazu kommen? Dies möchte die vorliegende Forschungsarbeit untersuchen.
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Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
I. THEORETISCHER TEIL
2. FORSCHUNGSSTAND UND FORSCHUNGSFRAGE
3. METHODIK UND VORGEHENSWEISE
4. PHÄNOMEN SHITSTORM – EINE KONZEPTUALISIERUNG
4.1. BEGRIFF, ENTSTEHUNG, VERWENDUNG
4.2. SKANDALTHEORIE
4.2.1. ÖFFENTLICHKEIT ALS ENTSTEHUNGSRAUM
4.2.2. KERNPUNKTE EINES SKANDALS
4.2.3. SKANDAL ALS KRISE
4.2.4. SKANDALVERLAUF
4.2.5. MEINUNGSBILDUNG IM SKANDALKONTEXT
4.3. SOZIALE NETZWERKE ALS NÄHRBODEN
4.3.1. ENTWICKLUNG NEUER NUTZUNGSMUSTER
4.3.2. TWITTER – 140 ZEICHEN FÜR DEN ERFOLG
4.3.3. KNOTEN, KANTEN UND DAS POWER-LAW
II. EMPIRISCHER TEIL
5. FORSCHUNGSDESIGN
5.1. ANALYSEEBENE 1
5.1.1. IDENTIFIKATION DER GRUNDGESAMTHEIT
5.1.2. STICHPROBENZIEHUNG
5.2. ANALYSEEBENE 2
5.3. ANALYSEEBENE 3
6. ERGEBNISSE DER UNTERSUCHUNG
6.1. PROTESTSTÜRME IM UNTERSUCHUNGSZEITRAUM
6.2. BELA RÉTHY
6.3. CLAUDIA ROTH
6.4. WOLFGANG THIERSE
6.5. MARIO GÖTZE
6.6. AMAZON
6.7. ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE
7. SCHLUSSFOLGERUNG UND FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Shitstorms auf Twitter, um dessen kommunikative Inhalte und die zugrundeliegenden Beziehungsstrukturen zu identifizieren. Ziel ist es, ein theoretisch fundiertes Verständnis über die Dynamik dieser Proteste zu erlangen und die berechtigte Furcht vor ihnen wissenschaftlich zu hinterfragen.
- Analyse der Entstehung und Konzeptualisierung des Shitstorms
- Anwendung der Skandaltheorie auf Online-Kommunikation
- Strukturanalyse von Twitter-Diskursen anhand von Knoten und Kanten
- Empirische Untersuchung von fünf realen Protestfällen
- Einordnung der medienwissenschaftlichen Relevanz von Online-Protesten
Auszug aus dem Buch
4.2.1.Öffentlichkeit als Entstehungsraum
Erst im 18. Jahrhundert bekam der Skandal im Rahmen der Etablierung einer Öffentlichkeit in der Gesellschaft seine heutige Bedeutung verliehen (vgl. Bösch 2011: S. 31). Das Verständnis von Öffentlichkeit beruht zu einem großen Teil auf den Theorien von Jürgen Habermas (1993). In seiner Studie „Der Strukturwandel der Öffentlichkeit“ arbeitete er heraus, „[…] wie sich in der Aufklärung und der frühen bürgerlichen Gesellschaft die Öffentlichkeit als diejenige Sphäre herausbildete, in der sich ein räsonierendes Publikum politischer bzw. staatsbürgerlicher Belange genauso wie universell gültiger Werte vergewissert“ (Schmidt 2013a: S. 35). Auch der folgende Wandel „[…] vom räsonierenden zum konsumierenden Publikum […]“ (ebd.), bedingt durch das Aufkommen der Massenmedien, stellte Habermas ausführlich dar. Die Herstellung einer Öffentlichkeit erfolgt in modernen Gesellschaften hauptsächlich über die Massenmedien (vgl. Schicha 2000: S. 173). Mediensysteme „[…] produzieren [Skandale], indem sie sozialen Zuständen, Ereignissen oder Entwicklungen ein spezifisches narratives Framing geben, das als Skandal etikettiert wird“ (Burkhardt 2011: S. 132). Damit gelten sie „mit [ihrer] öffentlichen Deutungshoheit seit dem 20. Jahrhundert [als] wichtigste[r] Skandalproduzent […]“ (ebd.). Nach Preiser (1990) gäbe es daher „[o]hne Medien […] Skandale allenfalls auf dem lokalen Niveau […]“ (Preiser 1990: S. 15f.). Durch diese Geltung übernimmt er gleichzeitig eine wichtige gesellschaftliche Funktion: „Weil im Zuge eines Skandales auf Missstände aufmerksam gemacht wird, Skandale zur Stärkung der sozialen Normen beitragen und in ihrer Konsequenz zur Abstellung von Missständen zwar nicht führen müssen, aber durchaus führen können“ (Bulkow/Petersen 2011: S. 14). Ergebnisse von Kepplinger (2009) belegen diese These, sodass „Skandale […] zweifellos ein wichtiges Korrektiv für das Versagen von Kontrollmechanismen in einer demokratischen Gesellschaft“ (Kepplinger 2009: S. 201) bilden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die gesellschaftliche Relevanz des Shitstorms und Herleitung der Forschungsfrage sowie Zielsetzung der Arbeit.
2. FORSCHUNGSSTAND UND FORSCHUNGSFRAGE: Darstellung des aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstands zu Skandalen und Empörungswellen sowie Begründung der eigenen Fragestellung.
3. METHODIK UND VORGEHENSWEISE: Erläuterung der inhalts- und netzwerkanalytischen Methoden zur Untersuchung von Twitter-Daten.
4. PHÄNOMEN SHITSTORM – EINE KONZEPTUALISIERUNG: Theoretische Fundierung des Shitstorms durch Einbettung in Skandaltheorien und Analyse sozialer Netzwerke als Nährboden.
5. FORSCHUNGSDESIGN: Detaillierte Vorstellung des dreistufigen Forschungsaufbaus inklusive Identifikation der Grundgesamtheit und Stichprobenziehung.
6. ERGEBNISSE DER UNTERSUCHUNG: Präsentation und Analyse der Ergebnisse für die fünf untersuchten Fallbeispiele sowie Zusammenfassung der Erkenntnisse.
7. SCHLUSSFOLGERUNG UND FAZIT: Abschließende Beantwortung der Forschungsfrage und Reflexion über die Rolle von Twitter bei Proteststürmen.
Schlüsselwörter
Shitstorm, Skandaltheorie, Twitter, Online-Kommunikation, Medienwissenschaft, Empörung, Netzwerkanalyse, Protestkultur, Inhaltsanalyse, soziale Netzwerke, Online-Forschung, Diskurs.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Phänomen des "Shitstorms" auf der Plattform Twitter, um dessen kommunikative Struktur und inhaltliche Merkmale wissenschaftlich zu beleuchten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Konzeptualisierung von Skandalen im digitalen Raum, die Rolle sozialer Netzwerke als Nährboden für Empörung sowie die empirische Untersuchung von Twitter-Diskursen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, dem Phänomen Shitstorm durch eine fundierte theoretische Einordnung und eine empirische Analyse ein Gesicht zu geben und die tatsächliche Bedrohungslage durch solche Online-Proteste zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein methodischer Mix aus inhaltsanalytischen und netzwerkanalytischen Verfahren angewendet, basierend auf einer Grounded Theory-Logik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil, der Skandaltheorien erläutert, und einen empirischen Teil, der fünf spezifische Proteststürme (z.B. gegen Amazon oder Mario Götze) analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Shitstorm, Skandaltheorie, Twitter, Empörung, Netzwerkanalyse und Kommunikationskultur.
Wurde nachgewiesen, dass Shitstorms eine große Gefahr darstellen?
Nein, die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Anatomie eines Twitter-Shitstorms keinen Grund zur Beunruhigung darstellt, da die Kommunikation dort meist sachlich bleibt.
Wie nutzen Twitter-Nutzer die Plattform in einem Shitstorm?
Die Untersuchung zeigt, dass viele Nutzer Twitter primär zur Information verwenden und die für Twitter charakteristischen Vernetzungsmöglichkeiten (wie Retweets) weitgehend ungenutzt lassen.
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- Dennis Greveldinger (Autor), 2013, Anatomie eines Proteststurmes, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267739