Die Erforschung des Mittelalters stützt sich, sieht man von Ausgrabungen diverser Burgen und dementsprechenden archäologischen Untersuchungen ab, im Wesentlichen auf schriftliche Quellen. Neben Viten und Chroniken stellen die Diplome, die Urkunden der weltlichen und geistlichen Großen, eine unverzichtbare Fülle von Informationen für die Mediävistik dar.
Für die Zeitgenossen waren sie ebenfalls ein unerlässliches Gut, galten sie doch inhaltlich nicht nur der Rechtsverbindlichkeit und Legitimierung von Schenkungen, Gewährung des Münzrechts oder Klostergründungen. Auch waren sie Ausdruck der Beziehung der jeweiligen Herrscher zu ihren Untertanen und fungierten u.a. durch das Siegel, das Herrschermonogramm und die aufwendig gestaltete Elongata, zusammengefasst also durch die äußere Erscheinung, als Vermittlungsobjekt zwischen jenen Parteien im System mittelalterlicher Königsherrschaft. Zuständig für die Entstehung und Anfertigung der Diplome war in erster Linie die capella regis, die Hofkapelle, mit dem ihr an der Spitze stehenden Erzkapellan. Aus ihr entstand später die Kanzlei, welche eine der wichtigsten ,,Institutionen" des Reisekönigtums im Ottonischen Zeitalter des 10. und 11. Jhdt. war.
Als nennenswert erweist sich aus jener Zeit nicht nur der für die Diplomatik nicht unbedeutende Umstand der Veränderung des Urkundensiegels, sondern auch die sogenannte Heiratsurkunde Ottos II. und Theophanu aus dem Jahre 972. Sie macht auf unverkennbare Weise die politischen und kulturellen Beziehungen des Ottonischen mit dem Oströmischen Reich deutlich, obgleich ihr Inhalt und der, einer sich ihr thematisch anschließenden Urkunde aus dem Jahr 974, sich nicht ausschließlich jenem bilateralen Gefüge unterwirft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Die Untersuchung der Diplome und die Kontextualisierung dieser in die Zeit des 10. Jhdt
2.1.1 DD O. II. 21 (972)
2.1.2 DD O. II. 76 (974)
2.2 Die Besitzungen im Einzelnen und mögliche Hintergründe ihrer Auswahl
3. Zusammenfassung
Quellenverzeichnis
Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Bedeutung der Heiratsurkunde von Otto II. und Theophanu?
Die Urkunde von 972 dokumentiert die politisch-kulturelle Verbindung zwischen dem Ottonischen und dem Oströmischen Reich und ist ein Meisterwerk der Diplomatik.
Welche Rolle spielte die Hofkapelle (capella regis) bei Urkunden?
Die Hofkapelle war für die Entstehung und Anfertigung herrscherlicher Diplome zuständig und fungierte als wichtigste Institution des Reisekönigtums.
Warum sind Diplome so wichtige Quellen für die Mediävistik?
Sie liefern unverzichtbare Informationen über Schenkungen, Rechtsverhältnisse, Klostergründungen und die Legitimation von Herrschaft im Mittelalter.
Was verraten die äußeren Merkmale einer Urkunde?
Siegel, Monogramme und aufwendige Schriftgestaltungen (Elongata) dienten als Vermittlungsobjekte der königlichen Macht gegenüber den Untertanen.
Was wurde in den Urkunden von 972 und 974 geregelt?
Neben der Heiratsverbindung behandelten sie auch spezifische Besitzungen und deren rechtliche Zuordnung im bilateralen Gefüge der Reiche.
- Arbeit zitieren
- Markus Biewald (Autor:in), 2013, Ottos II. und Theophanus Heiratsurkunde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/267902