Die Existenz von Unternehmen ist in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend an die Fähigkeit gekoppelt, im Wettbewerb um das Neue zu bestehen. Vor diesem Hintergrund ist die Innovationsforschung daran interessiert, allgemeingültige Erklärungsschemata des Innovationsphänomens aufzustellen und damit Ursachen-Wirkungs-Zusammenhänge aufzudecken (vgl. Reichert 1993, S. 20).
Das Anliegen dieser Arbeit besteht darin, die in der Literatur vertretenen Erklärungsmodelle von Innovationen zu beschreiben, zueinander in Beziehung zu setzen und hinsichtlich ihres Erklärungsgehaltes sowie ihrer Anwendbarkeit auf den unternehmerischen Innovationsprozess zu bewerten. Es gilt zu untersuchen, welche unterschiedlichen Paradigmen den vorgestellten Modellen zugrunde lagen und welche Ursachen für ihren Wechsel im historischen Kontext ausschlaggebend waren. Dabei sollen auch die in der Literatur vertretenen Einteilungen der Modelle nach Modellgenerationen kritisch hinterfragt werden.
Im Anschluss folgt zunächst eine Klärung der grundlegenden Begriffe dieser Arbeit. Das darauffolgende Kapitel ist der Darstellung und kritischen Würdigung der Modelle sowie ihrer Beziehungen zueinander gewidmet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Begriffsdefinitionen
1.2.1 Erklärungsmodell
1.2.2 Innovation und Innovationsprozess
2 Erklärungsmodelle von Innovationen
2.1 Technologischer Fortschritt als Black Box
2.2 Innovationsmodelle des linearen Paradigmas
2.2.1 Technology-Push-Modell
2.2.2 Market-Pull-Modell
2.2.3 Kritische Würdigung
2.3 Innovationsmodelle des interaktiven Paradigmas
2.3.1 Kopplungsmodell (‘Coupling’ model)
2.3.2 Chain-linked-Modell
2.3.3 Kritische Würdigung
2.4 Innovationsmodelle des Netzwerkparadigmas
2.4.1 Theorie der Innovationssysteme und innovativen Milieus
2.4.2 Cyclic Innovation Model (CIM)
2.4.3 Kritische Würdigung
2.5 Das evolutionstheoretische Paradigma der Innovation
2.5.1 Theoretische Grundannahmen
2.5.2 Ausblick und kritische Würdigung
3 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die in der Literatur existierenden Erklärungsmodelle von Innovationen systematisch zu beschreiben, in einen historischen und konzeptionellen Kontext zu setzen sowie hinsichtlich ihres theoretischen Erklärungsgehalts und ihrer praktischen Anwendbarkeit für unternehmerische Innovationsprozesse kritisch zu bewerten.
- Historische Entwicklung von Innovationsparadigmen
- Vergleich von linearen, interaktiven und netzwerkbasierten Modellen
- Kritische Analyse von Modellgenerationen
- Evolutionstheoretische Perspektiven auf Innovationsprozesse
- Anwendbarkeit von Erklärungsmodellen in der Unternehmenspraxis
Auszug aus dem Buch
2.3.2 Chain-linked-Modell
Auf den Prinzipien des Kopplungsmodells aufbauend und ebenfalls von sehr großem Einfluss (vgl. Mahdjoubi 1997, S. 1) ist ferner das 1985 von Stephen Kline vorgestellte Chain-Linked-Modell (CLM). Charakteristisch sind darin die Entkopplung der Forschung von den übrigen Teilprozessen, die eigenständige Berücksichtigung einer Wissensbasis sowie die Integration des Feedback-Gedankens (siehe Abb. 3). Der Output eines Teilprozesses stellt danach den Input nicht nur des folgenden, sondern ggf. auch des soeben oder eines noch früher abgelaufenen Teilprozesses dar und bewirkt deren nochmalige, veränderte Ausführung.
Neben der zentralen Innovationskette (C) werden vier weitere Informations- und Kooperationspfade definiert (vgl. Kline/Rosenberg 1985, S. 289 ff.):
- Feedback-Schleifen (f) zwischen den Teilprozessen, wobei der Exploration neuer, innovationstreibender Märkte überragende Bedeutung zukommt (F). F und f führen zu einer laufenden Erneuerung bestehender Produkte und Prozesse.
- Kommt es in der zentralen Innovationskette zu Störungen, wird erst dann auf Forschungsaktivitäten (R) zurückgegriffen, wenn sich die Störung weder mit Hilfe der organisationsinternen noch der verfügbaren externen Wissensbasis (K) beheben lässt.
- Pfad D markiert die – erkennbar als Ausnahme modellierte - klassische Technology-Push-Situation, in der revolutionäre Innovationen durch neue Forschungsergebnisse ermöglicht werden (z. B. Lasertechnik).
- Pfad I symbolisiert schließlich die Rückwirkungen der Produkt- und Prozessinnovationen auf die Forschung (z. B. Entdeckung des Penicillins aufgrund der vorherigen Erfindung des Mikroskops).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung der Innovationsforschung ein und definiert die grundlegenden Begriffe sowie den Modellbegriff im wirtschaftswissenschaftlichen Kontext.
2 Erklärungsmodelle von Innovationen: Das Hauptkapitel systematisiert verschiedene Innovationsparadigmen – von linearen über interaktive und netzwerkbasierte Ansätze bis hin zur Evolutionstheorie – und würdigt deren Aussagekraft.
3 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der vorgestellten Modelle, wobei die zunehmende Komplexität der Erklärungsansätze und die Notwendigkeit branchenspezifischer Betrachtungen hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Innovation, Innovationsmanagement, Erklärungsmodell, Technology-Push, Market-Pull, Chain-Linked-Modell, Innovationssysteme, Cyclic Innovation Model, Evolutionstheorie, Wissensbasis, Feedback, Netzwerkparadigma, Produktinnovation, Prozessinnovation, Wettbewerbsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Einordnung und kritischen Bewertung von Erklärungsmodellen, die versuchen, das komplexe Phänomen von Innovationen in Unternehmen zu strukturieren und verständlich zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die historische Genese von Innovationsmodellen, die Unterscheidung zwischen linearen und nicht-linearen Ansätzen sowie die Bedeutung von Netzwerken und evolutionären Mechanismen für den Innovationserfolg.
Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die verschiedenen Ansätze aus der Literatur zu beschreiben, zueinander in Beziehung zu setzen und deren praktischen Nutzen sowie Grenzen für Unternehmen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde verwendet?
Die Arbeit folgt einer literaturbasierten, theoretischen Analyse und kritischen Würdigung bestehender wissenschaftlicher Konzepte und Modellgenerationen im Bereich der Innovationsforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sukzessive das Black-Box-Modell, das lineare Paradigma, das interaktive Paradigma, das Netzwerkparadigma sowie das evolutionstheoretische Paradigma detailliert vorgestellt und hinterfragt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Innovationsprozess, Paradigmenwechsel, Rückkopplung, Wissensbasis, Mutation und Selektion sowie branchenspezifische Innovationssysteme geprägt.
Welche Bedeutung hat das "No-Free-Lunch"-Theorem in dieser Arbeit?
Das Theorem wird genutzt, um zu untermauern, dass Innovationserfolge im evolutionären Kontext primär durch den zielgerichteten Einsatz von bereichsspezifischem Wissen erreicht werden können, anstatt durch zufällige Prozesse.
Wie unterscheidet sich das Cyclic Innovation Model (CIM) von früheren Ansätzen?
Das CIM ersetzt starre, sequentielle Kettenstrukturen durch ein Modell zyklischer Interaktionen an vier zentralen Knotenpunkten, was eine stärkere synergetische Vernetzung und Flexibilität ermöglicht.
- Arbeit zitieren
- Andreas Noak (Autor:in), 2012, Erklärungsmodelle von Innovationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268081