Der Girl's Day. Eine kritische Einschätzung


Essay, 2013

13 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Was ist der Girls´Day? Wer ist beteiligt? Welche Ziele werden verfolgt?

2 Kritische Einschätzung, bzw.: Was hat der Girls´Day erreicht?

3 Literaturverzeichnis

1 Was ist der Girls´Day? Wer ist beteiligt? Welche Ziele werden verfolgt?

Der Girls´Day ist ein seit 2001 jährlich stattfindender Aktionstag, der jungen Mädchen der Klassen fünf bis zehn eine erste Orientierung in ihrer Berufs- und Lebensplanung ermöglicht.[1] Der vollständige Name des Girls´Day lautet: Girls´Day – Mädchen-Zukunftstag.[2] Angeregt wurde der Girls´Day durch eine Initiative aus Amerika.[3] In den USA gibt es seit 1993 den „Take-Our-Daughters-To-Work-Day“, an welchem amerikanische Schülerinnen Eltern oder Bekannte am Arbeitsplatz besuchen. Beim deutschen Girls´Day erhalten junge Frauen die Chance sich gezielt über MINT-Berufe zu informieren. Als MINT-Berufe werden Berufe aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik bezeichnet, in denen der Anteil an weiblichen Beschäftigten sehr gering ausfällt. Hier besteht wachsender Bedarf an gut qualifizierten Fachkräften. Ziel ist es daher, mehr junge Frauen für diese Berufsbereiche zu gewinnen. Neben der Chance, Einblicke in Berufsbereiche aus Technik, Naturwissenschaften und IT zu erhalten, haben Mädchen die Möglichkeit weibliche Vorbilder in Führungspositionen kennenzulernen.[4] Der Girls´Day möchte Mädchen in ihrer Berufswahl gezielt unterstützen. Er zeigt ihnen, welche vielfältigen Möglichkeiten ihnen offen stehen und möchte sie zu einer Inanspruchnahme motivieren. Über fünfzig Prozent der Mädchen entscheiden sich für einen Ausbildungsberuf im dualen System, unter dem kein naturwissenschaftlich-technischer ist. Ihre Wahl treffen sie dabei lediglich aus einem begrenzten Spektrum von zehn Ausbildungsberufen.[5] Diese Berufe sind[6]: Kauffrau im Einzelhandel (8,1%), Verkäuferin (7,3%), Bürokauffrau (6,5%), Medizinische Fachangestellte (6,2%), Industriekauffrau (5,3%), Friseurin (4,8%), Zahnmedizinische Fachangestellte (4,7%), Kauffrau für Bürokommunikation (4,2%), Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk (4,1%) und Hotelfachfrau (3,4%). Hier wird deutlich: Junge Frauen entscheiden sich für wenige Berufsfelder, das trifft auch für Studiengänge zu. So waren im Wintersemester 2009/2010 von den Studienanfängern für Elektrotechnik nur 8,9 % weiblich, für Maschinenbau/Verfahrenstechnik nur 11,9 %, für Informatik 13,8 % und für Physik 22 %.[7]

Die Berufswahl junger Menschen wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Dazu gehören „individuelle Kompetenzen und Interessen“[8], aber auch „Familie, Schule, Peergroups und die Zugangsmöglichkeiten zum Arbeitsmarkt“[9]. Der Girls´Day bezieht alle diese Instanzen ein. Da vor allem die Eltern wichtige Ratgeber für die Berufswahlentscheidung sind, ist ihre Einbeziehung besonders wichtig.[10] Es wird eine Breitenwirkung erzielt, da das Projekt bundesweit am gleichen Tag stattfindet und einzelne Initiativen gebündelt werden.[11] Durch den Girls´Day sollen junge Frauen in ihren Kompetenzen und Interessen gestärkt werden. Außerdem sollen sie ermutigt werden, MINT-Berufe auszuüben, da sie aufgrund ihrer Fähigkeiten und ihrer Bildung genauso gut dafür geeignet sind wie Jungen. Neigung und Talent bestimmen die Eignung für einen Beruf, nicht das Geschlecht oder der kulturelle Hintergrund.[12] Obwohl junge Frauen schulisch gut qualifiziert sind, gelingt es ihnen oft nicht, ihre guten Leistungen im Berufsleben gewinnbringend einzusetzen.[13] Viele Berufe, in denen vorwiegend Frauen arbeiten, werden schlechter bezahlt, bieten geringere Aufstiegschancen und sind oft mit unregelmäßigen Arbeitszeiten verbunden.[14] An dieser Stelle sei auf Rollenstereotypen hingewiesen, die sich durch unsere Gesellschaft ziehen. Trotz einer immer stärker gewordenen Emanzipation der Frau in der Gesellschaft und Berufswelt, haben Rollenstereotypen noch immer einen starken Einfluss auf die Berufswahl von Jugendlichen. „Durch die Vermittlung von Rollenstereotypen wird das mögliche Spektrum der beruflichen Orientierung junger Frauen und Männer massiv eingeschränkt.“[15] Hier möchte der Girls´Day intervenieren. Frauen sollen ihre Potenziale besser entfalten können. Ein Ziel des Girls´Day ist es, das „gesellschaftliche Bild von Frau und Mann im Erwerbsleben zu verändern“[16]. Daher ist neben den bereits genannten Einflussfaktoren für die Berufswahl der Faktor Geschlecht zu ergänzen. Geschlechtergerechtigkeit ist eine entscheidende Voraussetzung für eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung.[17] Der Girls´Day zielt also unter anderem auf eine „gleichstellungspolitische Wirkung“[18].

Ein erweiterter Blickwinkel des Berufswahlspektrums kann sowohl Chancen für die Zukunft der Mädchen als auch für potenzielle zukünftige Arbeitgeber bieten. Die Mädchen können sich beim Aktionstag über vielfältige Berufe informieren, Einblicke in die Berufspraxis bekommen, sich in typisch praktischen Arbeiten ausprobieren und frühzeitig Kontakte zu Personalverantwortlichen knüpfen für Praktika oder Ausbildungsstellen.[19] Neben einer politischen Bedeutung wird hier die ökonomische Bedeutung des Aktionstages deutlich.[20]

Die Berufswahl stellt einen lebenslangen Prozess dar, mit dem die Jugendlichen möglichst früh konfrontiert und zugleich unterstützt werden sollten. Der Girls´Day bietet eine von vielen schulischen und außerschulischen Möglichkeiten. Um einige weitere Beispiele zu nennen: Schnuppertage und Praktika, Mentoringprogramme für Schülerinnen und Studentinnen, Technik-Camps für Mädchen, Kurse und Workshops oder Schnupperwochen in Universitäten.[21] Da der Girls´Day Thema dieser Ausarbeitung ist, soll nur kurz darauf hingewiesen werden, dass es analog einen Aktionstag für Jungen von Klasse fünf bis zehn gibt, den Boys´Day. Dieses Angebot gibt es erst seit 2011. Im Sinne gleichstellungspolitischer Maßnahmen müssen auch Jungen als Zielgruppe berücksichtigt werden. Nur so kann eine größere Vielfalt in den einzelnen Berufen erreicht werden. Die mit Vorurteilen behafteten Rollenbilder gilt es aufzubrechen. Außerdem soll der Boys´Day sicher stellen, dass Jungen nicht durch den Girls´Day benachteiligt werden und im deutschen Bildungssystem womöglich „ins Hintertreffen geraten“[22]. Jungen erhalten Einblicke in Berufe aus dem sozialen, erzieherischen und pflegerischen Bereich, sowie in Dienstleistungsbetriebe. In diesen Berufsfeldern sind Männer ausdrücklich erwünscht, denn hier dominieren weibliche Fachkräfte. Zudem gelten diese Berufe noch immer als „typische Frauenberufe“[23]. Entscheidend für die Einführung des Boys´Day war die Tatsache, dass sich mehr als 50 % der Jungen für einen Ausbildungsberuf entschieden haben, der zu den zwanzig jungentypischen gehört. Dabei ist unter den zehn am häufigsten gewählten Berufen kein Beruf aus dem sozialen, erzieherischen oder pflegerischen Bereich.[24] Der Aufbau ist wie beim Girls´Day: Die Jungen nehmen an Workshops für den Erwerb sozialer Kompetenzen teil, sowie an Tagespraktika. In diesem Jahr finden der Girls´ und Boys´Day am 25. April statt. Auf die Trennung von Mädchen und Jungen wird dabei viel Wert gelegt, „um breitere und vielfältigere Interessen für (die) Berufs- und Lebensplanung zu entwickeln“[25]. Außerdem liegt die Vermutung nahe, dass sich sowohl Jungen unter sich als auch Mädchen untereinander in für sie bislang „eher untypischen“ Berufen geschlechtergetrennt wohler fühlen und sich mehr zutrauen als im unmittelbaren Vergleich mit dem anderen Geschlecht, das ja in diesen Berufen dominiert. Der Girls´und Boys´Day sind die beiden bundesweit größten Projekte zur geschlechtersensiblen Berufs- und Lebensplanung.[26] Die Förderung des Girls´Day wird übernommen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Außerdem fließen Mittel des Europäischen Sozialfonds zur Förderung ein.[27] Das Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. koordiniert den Mädchen-Zukunftstag. Er ist eine Gemeinschaftsaktion von mehreren Trägern, z.B. der Bundesagentur für Arbeit und des Deutschen Gewerkschaftsbundes.[28] Beim Girls´Day werden den Teilnehmerinnen vielfältige Tagespraktika geboten, in denen sie ihre Talente in handwerklich-technischen, IT- oder Ingenieurberufen erproben können.[29] Die Aktivität der Mädchen steht im Vordergrund. Sie haben die Möglichkeit einen Tag lang mitzuarbeiten, zu werken, tüfteln, forschen und zu experimentieren.[30] Der Girls´Day konnte sich etablieren. Jedes Jahr beteiligen sich Unternehmen; Betriebe, die technische Abteilungen und Ausbildungen anbieten, sowie Hochschulen und Forschungszentren.[31] Die Voraussetzung für Unternehmen, als Veranstalter am Girls´Day mitzuwirken, besteht darin, dass in dem vorgestellten Beruf der Frauenanteil weniger als vierzig Prozent beträgt.[32] Eine wiederholte Teilnahme von Unternehmen und Schulen zeigt, dass die Sensibilität für das Thema gendersensible Berufsorientierung bereits gewachsen ist.

[...]


[1] Vgl. http://www.girls-day.de/Girls_Day_Info/Girls_Day_kurz_erklaert (Stand: 01.02.2013).

[2] Vgl. http://www.boys-day.de/Boys_Day_Info/Haeufige_Fragen_FAQs#Soziale (Stand: 01.02.2013).

[3] Vgl. http://www.girls-day.de/FAQ (Stand: 01.02.2013).

[4] Vgl. ebd. (Stand: 01.02.2013).

[5] Vgl. http://www.girls-day.de/Girls_Day_Info/Daten_und_Fakten (Stand: 01.02.2013).

[6] Die Top-Ten-Ausbildungsberufe beziehen sich auf 2011; vgl. ebd. (Stand: 01.02.2013).

[7] Vgl. Schulbroschüre „Informationen & Praxishilfen für Lehrerinnen und Lehrer“ unter: http://www.girls-day.de (Stand: 01.02.2013). [Im Folgenden zitiert als: Schulbroschüre.]

[8] Wentzel, Wenka/ Mellies, Sabine/ Schwarze, Barbara (Hrsg.): Generation Girls´Day. Opladen: Budrich UniPress, 2011. S. 7. [Im Folgenden zitiert als: Wentzel.]

[9] Ebd.

[10] Vgl. Schulbroschüre (Stand: 01.02.2013).

[11] Vgl. Wentzel. S. 8.

[12] Vgl. „Aktionsleitfaden für Unternehmen und Organisationen“ unter: http://www.girls-day.de/Service_Material/Downloadcenter(Stand: 01.02.2013). [Im Folgenden zitiert als: Aktionsleitfaden.]

[13] Vgl. Wentzel. S. 10.

[14] Vgl. ebd. S. 11.

[15] Ebd.

[16] Ebd. S. 9.

[17] Vgl. Wentzel. S. 9.

[18] Ebd. S. 10.

[19] Vgl. ebd. S. 7.

[20] Vgl. ebd. S. 10.

[21] Vgl. ebd. S. 63.

[22] Ebd. S. 12.

[23] http://www.boys-day.de/Boys_Day_Info/Haeufige_Fragen_FAQs#Soziale (Stand: 01.02.2013).

[24] Vgl. http://www.boys-day.de/Boys_Day_Info/Haeufige_Fragen_FAQs#Soziale (Stand: 01.02.2013).

[25] http://www.neue-wege-fuer-jungs.de/Aktuelles/Aufruf2013 (Stand: 01.02.2013).

[26] Vgl. ebd.

[27] Vgl. Schulbroschüre.

[28] Vgl. Ebd.

[29] Vgl. http://www.neue-wege-fuer-jungs.de/Aktuelles/Aufruf2013 (Stand: 01.02.2013).

[30] Vgl. Aktionsleitfaden.

[31] Vgl. Wentzel. S. 7.

[32] Vgl. http://www.girls-day.de/FAQ (Stand: 01.02.213).

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Details

Titel
Der Girl's Day. Eine kritische Einschätzung
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V268169
ISBN (eBook)
9783656594680
ISBN (Buch)
9783656594703
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
girl, eine, einschätzung
Arbeit zitieren
Anja Reckenfeld (Autor:in), 2013, Der Girl's Day. Eine kritische Einschätzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268169

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