Von technisierten Menschen und vermenschlichter Technik. Zum Verhältnis von Gesellschaft und technologischer Entwicklung in STAR WARS


Bachelorarbeit, 2013

37 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mensch und Technik
2.1 Ursprung, Definition und Bedeutung von Technik
2.2 Frühe Technikansätze
2.3 Moderne Technikansätze
2.4 Betrachtungen von Robotern und Cyborgs

3. Science-Fiction und Star Wars: Ein Überblick
3.1 Was ist Science Fiction?
3.2 Star Wars: Eine Einführung

4. Technisierter Mensch in Star Wars
4.1 Verwendung und Bedeutung von Waffen
4.1.1 Primitive Waffen
4.1.2 Künstliche Feuerwaffen
4.1.3 Schwert als elitäre Waffe
4.2 Verschmelzung von Mensch und Maschine: Anakin Skywalker
4.2.1 Äußere Technik
4.2.2 Innere Technik

5. Vermenschlichte Technik in Star Wars
5.1 Maschinen als Handlungsträger
5.1.1 Droiden
5.1.2 Klone
5.1.3 Cyborgs
5.2 Der menschliche Roboter: C-3PO
5.2.1 Menschenähnlichkeit
5.2.2 Interaktionsqualität
5.2.3 Rahmenbedingungen

6. Resümee

7. Bibliographie

1. Einleitung

„A long time ago in a galaxy far, far away“: Vor über 30 Jahren liefen die einleitenden Worte der Science-Fiction-Saga Star Wars zum ersten Mal über die Leinwände. Als einer der größten Erfolge der Filmgeschichte und Auslöser für eine neue Ära des Filmmarketings hat Star Wars inzwischen Kultstatus erreicht. Im Mittelpunkt des Films steht die Geschichte des Sklavenjungen Anakin Skywalker und seine Verwandlung in Darth Vader, einen der größten Schurken der Filmgeschichte. Neben der reinen Unterhaltung beschäftigt sich die Saga jedoch auch mit dem Verhältnis zwischen Mensch und Technik und zeigt deutliche Parallelen zur Realität. In der vorliegenden Arbeit soll nun soziologisches Technikverständnis mit dem des Science-Fiction-Filmes verbunden werden und anhand des Beispiels Star Wars das Verhältnis von Mensch und Technik sowie die steigende Technisierung der Gesellschaft näher betrachtet werden.

Zunächst wird der Begriff der Technik erläutert und definiert (Kapitel 2), um anschließend verschiedene Ansätze der Techniksoziologie näher beschreiben zu können. Ausgehend von Arnold Gehlens früher Auffassung des Menschen als „Mängelwesen“, das auf technische Hilfsmittel angewiesen ist, werden auch neuere Positionen der Techniksoziologie diskutiert, die die Handlungsträgerschaft der Technik betonen. Durch eine Einführung in das Science-Fiction-Genre und Star Wars soll eine Verbindung vom technischen Verständnis in Realität und Fiktion gezeigt werden (Kapitel 3). Der empirische Teil der Arbeit baut anschließend auf neueren Ansätzen der Techniksoziologie auf und analysiert das Verhältnis von Mensch und Technik in Star Wars. Näher betrachtet werden einerseits die Technisierung des Menschen (Kapitel 4), andererseits die Vermenschlichung der Technik (Kapitel 5). Abschließend soll geklärt werden, inwiefern Star Wars als Projektion moderner Technik gesehen werden kann - auch wenn unsere Wirklichkeit noch nicht von Droiden, Klonen und Cyborgs besetzt ist.

Um einen besseren Lesefluss zu gewährleisten, wird in der folgenden Arbeit die männliche Form gewählt. Dies soll keinesfalls als Diskriminierung verstanden werden, da sich die Angaben in gleicher Weise auf Frauen und Männer beziehen.

2. Mensch und Technik

Technik spielt eine wichtige Rolle im Leben des Menschen, da er ohne Hilfsmittel in der Natur nicht überleben kann. Dieses Kapitel wird sich einleitend mit Arnold Gehlens Definition des Menschen als „Mängelwesen“ beschäftigen und aufzeigen, weshalb technische Hilfsmittel essentiell sind für unser Leben. Anschließend werden moderne Technikansätze näher betrachtet.

2.1 Ursprung, Definition und Bedeutung von Technik

Der Begriff Technik kommt vom griechischen „téchne“, welches Handwerk und Kunstfertigkeit bezeichnet (Rammert, 1993, 12). Im Allgemeinen umfasst er „alle künstlich hervorgebrachten Verfahren und Gebilde, symbolische und sachliche Artefakte (...), die in soziale Handlungszusammenhänge zur Steigerung ausgewählter Wirkungen eingebaut werden“ (ebd., 10). Außerdem bezeichnet Technik die Verfahrensweisen, die angewandt werden, um eine bestimmte Zweck-Mittel-Verbindung zu erreichen. Technik kann im soziologischen Sinne also als „Verknüpfung eines Artefakts mit einer sozialen Handlungsform“ (Kopp / Schäfers, 2010, 328) gesehen werden. Im engeren Sinne handelt es sich um Werkzeuge, die vom Menschen hergestellt werden, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen. Sie werden eingesetzt, um eine gewisse Handlung durchzuführen und eine Wirkung zu erzielen. Somit kann Technik als begründbares, zweckorientiertes Handeln bezeichnet werden.

Laut Nina Degele umfasst der Technikbegriff drei Komponenten: Materialität, Handlung und Wissen (2002, 19f.). Unter Materialität versteht die Autorin Technik als sachliches Artefakt, also etwas Sicht- und Greifbares, zum Beispiel eine Maschine. Technik kann aber auch in Form einer Handlung auftreten, meist in Verbindung mit dem Begriff der Techniken. Im alltäglichen Sprachgebrauch gibt es beispielsweise Tanztechniken, Schreibtechniken oder auch Kochtechniken. All diese sind technische Handlungen. Durch seine Erfahrung weiß der Mensch, wie er bestimmte Gegenstände einsetzen muss, um den gewünschten Zweck zu erfüllen. Des Weiteren steht Technik auch für eine Form von Wissen. Der Umgang mit Technik fordert vom Verwender Spezialwissen über die Entwicklung, Benutzung und Instandhaltung.

Technik ist ein Bestandteil des Alltags und spielt eine wichtige Rolle für jede Gesellschaft: „Techniken sind ohne Frage zu allen Zeiten und an allen Orten vermittelnde, formende und fundierende Elemente sozialer Handlungen und sozialer Systeme“ (Rammert, 2007, 14). Technisches Handeln ist eine Art von sozialem Handeln, da zahlreiche alltägliche Handlungen von Technik beeinflusst werden und nicht nur einzelne Personen betreffen, sondern auch deren Mitmenschen.

2.2 Frühe Technikansätze

Bereits Arnold Gehlen erkannte, dass der Mensch auf Technik angewiesen ist (1940, 19ff). Er bezeichnet den Menschen als „Mängelwesen“, dessen Körper im Vergleich zum Tier zahlreiche Defizite aufweist: Seine Instinkte sind unspezialisiert und seine Organe wenig ausgeprägt; er hat kein wärmendes Fell und kann sich weder verteidigen noch angreifen. Ohne Hilfsmittel kann der Mensch nicht überleben: „innerhalb natürlicher, urwüchsiger Bedingungen würde er als bodenlebend inmitten der gewandtesten Fluchttiere und der gefährlichsten Raubtiere schon längst ausgerottet sein“ (ebd., 22). Der Mensch ist also auf Technik angewiesen und braucht Hilfsmittel wie Kleidung, Waffen oder Autos.

Tiere hingegen können in einer bestimmten natürlichen Umgebung überleben. Sie verfügen über spezielle Instinkte, Sinne und Organe, die an ihren jeweiligen Lebensraum angepasst sind. Aufgrund dieser Spezialisiertheit können sie jedoch nur in ihrer festgelegten Umwelt überleben. So würde ein Eisbär im Dschungel nicht lebensfähig sein, da seine Sinne, Organe und Ernährung an das Eis als natürlichen Lebensraum angepasst sind. Mit ihren körperlichen Spezialisierungen sind Tiere dem „unspezialisierten“ Menschen überlegen, weil er nicht von Natur aus mit überlebenswichtigen Fähigkeiten ausgestattet ist (ebd., 22).

Als wichtigster Ausgleich der körperlichen Mängel und somit Überlebenschance des Menschen sieht Gehlen „Arbeitsfähigkeit und Handlungsgabe“ (ebd., 23), also Hände und Intelligenz. Mit Hilfe seiner Hände kann der Mensch Nahrung beschaffen oder Kleidung und Werkzeuge erschaffen. Hierbei spielt vor allem der bewegliche Daumen, worüber kein Tier verfügt, eine wichtige Rolle, denn er ermöglicht besseres Greifen und somit besseres Bearbeiten von natürlichen Materialien. Mit Hilfe seines Verstandes und seiner damit verbundenen Handlungsfreiheit kann der Mensch sein Überleben sichern.

Aufgrund seiner „Unspezialisiertheit“ verfügt der Mensch über keinen eingegrenzten, natürlichen Lebensraum, sondern kann sich seine Umwelt mit Hilfe technischer Mittel selbst gestalten. Da ihm nicht nur eine Umwelt zur Verfügung steht, sondern viele verschiedene, definiert Gehlen den Lebensraum des Menschen als „Welt“. Aus der Fülle an Umwelten resultiert die notwendige „Weltoffenheit“. Der Mensch kann und muss sich aufgrund seines unspezialisierten Körpers an verschiedene Lebensräume anpassen. Er verändert die Wirklichkeit, damit er überleben kann (ebd., 23).

Gehlen sieht diese Weltoffenheit als Belastung, weil sie unzählige Möglichkeiten bietet und dem Menschen dadurch zahlreiche Entscheidungen abverlangt. Die Aufgabe des Einzelnen ist es nun, diese Reizüberflutung zu bekämpfen: „Aus eigenen Mitteln und eigentätig muß der Mensch sich entlasten, d.h. die Mängelbedingungen seiner Existenz eigentätig in Chancen seiner Lebensfristung umarbeiten“ (ebd., 25). Somit lässt sich erkennen, dass der Mensch zum ständigen Denken und Handeln gezwungen ist, da seine Instinkte und Sinne sein natürliches Überleben nicht sichern. Er muss die Natur verändern und bearbeiten, sodass sie ihm als Lebensraum dient. Daher gibt es keinen richtigen „Naturmenschen“, da der Mensch die natürliche Welt immer verändern muss, um darin zu überleben. Diese vom Menschen bearbeitete Natur wird von Gehlen als „zweite Natur“ oder auch „Kultur“ (ebd., 27) bezeichnet. Sie umfasst alle Produkte, die durch den Menschen erschaffen wurden und nicht von der Natur selbst. Somit steht Kultur im Gegensatz zur Natur, ist jedoch auch eine notwendige Ergänzung, da der Mensch ohne die Bearbeitung der Natur nicht überlebensfähig wäre.

Um Natur in Kultur umzuformen, bedient sich der Mensch der Technik. Diese gleicht die fehlende Ausprägung der Sinne und Instinkte aus und wird als charakteristisches Merkmal des Menschen betrachtet: „Wenn man unter Technik die Fähigkeit und Mittel versteht, mit denen der Mensch sich die Natur dienstbar macht, indem er ihre Eigenschaften und Gesetze erkennt, so gehört sie in diesem allgemeinsten Sinne zum Wesen des Menschen“ (Gehlen, 1957, 8). Am Zwang der Werkzeugherstellung lässt sich erkennen, dass Technik ein wichtiges Mittel für das Überleben des Menschen ist und somit einen prägenden Bestandteil der Gesellschaft darstellt. Technik ermöglicht, Artefakte zu erstellen, die von ihrem natürlichen Zustand weiterentwickelt wurden. So ist der Faustkeil, welcher als erstes Werkzeug des Menschen gilt, nicht nur ein gewöhnlicher Stein: Er wurde vom Menschen so bearbeitet, dass er einen Zweck erfüllt. Er ist verformte Natur und dadurch ein Teil von Kultur. Der Mensch ist also überall dort überlebensfähig, wo er Natur bearbeiten und somit Kultur erzeugen kann. Er verändert seine Umwelt und macht sie „lebensdienlich“ (Gehlen, 1940, 26). Technik stellt daher eine Entlastung für den Menschen dar und ermöglicht ihm das Leben und Überleben.

Gehlen erkannte, dass technische Artefakte den Menschen als Verstärkung, Verlängerung oder Ersatz der Organe dienen (1957, 8). Als „Verstärkungstechniken“ definiert er jene Techniken, die die natürlichen Kräfte und Glieder der Menschen verstärken. Der Faustkeil gilt als Verstärkung der Hände, da er die natürliche Kraft der menschlichen Hand erweitert. Als Weiterentwicklung des Faustkeils ist auch der Hammer eine Organverstärkung, da er stärker ist als die bloße Faust. Er kann außerdem als Organverlängerung der menschlichen Hand gesehen werden. Auch Ruder und Stelzen verlängern Organe, nämlich Arme und Beine. Sie knüpfen an die natürlichen, menschlichen Glieder an und ermöglichen aufgrund der größeren Spannweite ein leichteres und schnelleres Vorankommen. Gleichzeitig verstärken sie somit auch die natürliche Kraft. Auch Fernrohr und Mikroskop gelten als Organverstärkung, da sie die natürliche Sehkraft des Menschen verbessern. Im Normalfall sieht der Mensch in einem bestimmten Bereich gut, mit Hilfe der beiden Erfindungen ist es ihm jedoch auch möglich, extrem weit entfernte und sehr kleine Elemente klar zu erkennen. Die Verstärkungstechniken entlasten somit die Organe, da sie in kürzerer Zeit und mit geringerem Aufwand den gleichen Zweck erfüllen können. Neben der Verstärkung der Organe ist der Mensch in manchen Fällen auch auf Organersatz angewiesen. Als Ersatz der Angriffsorgane hat er Waffen entwickelt, um beispielsweise Nahrung zu beschaffen. Eine technische Erfindung, die sowohl Organersatz, als auch Organentlastung darstellt, ist das Flugzeug: Es ersetzt die Flugunfähigkeit des Menschen und übersteigt außerdem alle möglichen Flugleistungen (ebd, 8).

Laut Gehlen wird Organisches immer stärker durch Anorganisches ersetzt (1957, 9). So treten künstlich erstellte Stoffe an die Stelle natürlicher Materialien und auch die Kraft der Organe wird immer mehr durch die anorganische Kraft, zum Beispiel durch moderne Fortbewegungsmittel, ersetzt. Die steigende Wichtigkeit des Anorganischen setzt sich auch in der modernen Techniksoziologie fort.

2.3 Moderne Technikansätze

Während frühere Positionen der Techniksoziologie den Menschen als Erzeuger der Technik sehen, wird Technik heute als Akteur gesehen. Die Frage nach der technischen Handlungsträgerschaft - inwiefern Maschinen handeln können - rückt somit immer mehr in den Vordergrund. Hier spielt auch die Verteilung des Handelns zwischen Mensch und Maschine eine wichtige Rolle (vgl. Schulz-Schaeffer, 2003).

Durch gesellschaftliche Unsicherheiten, zum Beispiel die steigende Anzahl der Umweltkatastrophen, und den rasanten technischen Wandel versucht die Soziologie, Analysen und Folgeabschätzungen der Technik näher zu betrachten. Durch die ständige Weiterentwicklung der Technik und deren Bedeutung für die moderne Gesellschaft, vor allem im EDV-Bereich, entwickeln sich auch die Ansichten der Techniksoziologie immer weiter. Die heute vorherrschenden Standpunkte reichen von Technikdeterminismus bis zu Sozialkonstruktivismus. Ersterer geht davon aus, dass die vorhandene Technik die Gesellschaft prägt und somit sozialen Wandel vorantreibt. Die unterschiedlichen Ausprägungen des Technikdeterminismus sehen Technik einerseits als Möglichkeit des Fortschrittes, andererseits aber auch als Gefahr für die Gesellschaft: Der Mensch sei von der Technik beeinflusst, übe jedoch seinerseits keinen Einfluss auf die technische Entwicklung aus (Degele, 2002, 24f.). Dieser Standpunkt spricht der Technik eine vom Menschen unabhängige Eigendynamik zu, denn die Maschine hat ein eigenes Leben, welches nicht vom Willen des Menschen gesteuert werden kann (Ruge, 2012, 22). Im Sinne des Technikdeterminismus entwickeln sich Menschen mit ihren Technologien weiter. Der amerikanische Soziologe William Ogburn prägte den Begriff des „Cultural Lag“ (1969, 134), der beschreibt, dass die Gesellschaft ihren technischen Innovationen hinterherhinkt, da sich die Lebens- und Sichtweisen der Menschen erst an die neuen Technologien anpassen müssen.

Dem Technikdeterminismus steht der Sozialkonstruktivismus gegenüber. Dieser sieht Technik als „Mittel zur Realisierung sozialer Zwecke“ (Degele 2002, 35) und als eine Art Lebensform. Vertreter dieses Standpunktes betonen, dass Technik nicht ohne den Menschen existieren kann, da sie eingerichtet und gepflegt werden muss. Technik wird also nicht mehr als künstliches Instrument einer Zweck-Mittel-Verbindung gesehen, sondern als eine Art Lebensform: „We do not use technology as much as we live them“ (Winner 1986, 11f; zit. nach Degele, 2002, 38; Hervorh. i.O.).

Zwischen den beiden Ausprägungen der Techniksoziologie beschreibt Rammert den Technopragmatismus, welcher die Verbindung von Technik und Gesellschaft erkennt und die Beziehungen, die sich aus diesem Zusammenspiel ergeben, analysiert (2007, 34). Somit werden die Beziehungen zwischen Menschen („Interaktion“), technischen Objekten („Intra-Aktion“) und ebenso zwischen Mensch und technischem Objekt („Interaktivität“) näher betrachtet. Alle drei Arten von Beziehungen beeinflussen die Gesellschaft. „Interaktionen“ zwischen Menschen bleiben grundsätzlich gleich, entwickeln sich jedoch durch neue Technologien, wie soziale Netzwerke, weiter. Bei der „Intra-Aktion“ lassen sich feste Abläufe (Start einer Rakete) und anpassungsfähige Abläufe (Kommunikation zwischen Robotern) unterscheiden. Die „Interaktivität“ zwischen Mensch und Maschine rückt immer mehr in den Vordergrund. Benutzt ein Mensch einen Hammer, so tritt er in eine unmittelbare Beziehung mit der Technik, weil er den Hammer mit seiner eigenen Hand hält. Steuert der Mensch jedoch über einen Computer eine technische Maschine, so tritt er in eine mittelbare Beziehung mit der Technik. Der Computer ist in diesem Fall der Vermittler zwischen Mensch und technischem Objekt. Die Technik steht also nicht im Gegensatz zum Menschen, sondern ist ein Instrument, damit er mit anderen künstlich erschaffenen Technologien kommunizieren kann.

Für die Frage nach der Handlungsträgerschaft der Technik spielt die „Akteur-Netzwerk-Theorie“, geprägt von Bruno Latour, eine wichtige Rolle. Sie schreibt der Technik die Möglichkeit zum Handeln zu. Dieser Standpunkt spricht der Maschine also eine Fähigkeit zu, die zuvor dem Menschen vorbehalten war. Der Mensch handelt nun nicht mehr alleine, sondern interagiert mit der Technik. Sein Handeln ist in ein Netzwerk eingebunden (vgl. Ruge, 2012, 31). Die Theorie beschränkt sich jedoch auf zweckrationales Handeln und lässt emotionales außer Acht (Degele, 2002, 140). Daher spielt sie vor allem für die Robotik eine wichtige Rolle, da hier der Mensch in direkten Kontakt mit einer handelnden Maschine tritt und die beiden sich somit in einem gemeinsamen Netzwerk befinden. Dem Roboter wird grundsätzlich jedoch nur zweckrationales - und kein emotionales - Handeln zugeschrieben. Die „Akteur-Netzwerk-Theorie“ wird oftmals kritisiert, da sie jeden Gegenstand zum (zumindest eingeschränkten) Handeln befähigt.

Auch Schulz-Schaeffer beschäftigt sich mit der technischen Handlungsträgerschaft (2003, 9ff.). Er beschreibt sie als „Resultat der Übertragung geläufiger Deutungsmuster des sozialen Lebens auf technische Artefakte“ (ebd., 9). Während frühere Ansichten der Soziologie der Technik keine Handlungsfähigkeit zuschreiben, erläutert Schulz-Schaeffer, warum Maschinen als handelnde Objekte verstanden werden können: Die Beziehung zwischen Mensch und Technik beruht auf Gegenseitigkeit. Jedes Werkzeug bewegt sich in eine bestimmte Richtung oder führt eine bestimmte Bewegung aus, an die sich der Mensch anpassen muss. Auch wenn der Mensch das Werkzeug steuert, muss er es dennoch auf eine bestimmte Art verwenden. Des Weiteren argumentiert Schulz-Schaeffer, dass sich Handeln im weiteren Sinne mit gesellschaftlichen Gewohnheiten, Erwartungen und Routinen beschäftigt. Da es sich bei technischen Hilfsmitteln ebenfalls um Objekte handelt, denen ein bestimmter Zweck und somit eine bestimmte Routine zugeschrieben wird, kann Technik in dieser Hinsicht als handlungsfähig betrachtet werden. Bei der Verwendung eines Hammers muss beispielsweise beachtet werden, wie er gehalten wird und wie die Bewegung ausgeführt werden soll, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Neben den bereits erwähnten Argumenten spielt auch die Entwicklung interaktiver Programme eine Rolle für die Handlungsträgerschaft der Technik. Innovative Technik wird so programmiert, dass sie mit dem Menschen kommunizieren kann und daher als handlungsfähiges Instrument angesehen wird. Hochentwickelte Maschinen können im Gegensatz zu einfachen Maschinen besser auf Veränderungen reagieren und somit selbstständiger handeln.

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Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Von technisierten Menschen und vermenschlichter Technik. Zum Verhältnis von Gesellschaft und technologischer Entwicklung in STAR WARS
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt  (Institut für Kultur-, Literatur- und Musikwissenschaften)
Veranstaltung
Kultursoziologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
37
Katalognummer
V268203
ISBN (eBook)
9783656594598
ISBN (Buch)
9783656594611
Dateigröße
827 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Star Wars, Technik, Gehlen, Techniksoziologie
Arbeit zitieren
Isabella Preuer (Autor), 2013, Von technisierten Menschen und vermenschlichter Technik. Zum Verhältnis von Gesellschaft und technologischer Entwicklung in STAR WARS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268203

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