Zombies, lebende Tote oder Untote. Zwischenzeitlich gibt es vielerlei Namen für die aus den Gräbern wieder auferstandenen Leichen, die in den letzten 30 bis 40 Jahren immer wieder besonders Spielfilme bevölkerten und Zuschauer weltweit in Angst und Schrecken versetzten. Dabei hat sich der Zombie im Laufe der Zeit immer weiter entwickelt und verändert, erlebte Vermischungen und Umdeutungen und wurde zu einem Stück Popkultur ähnlich wie Vampire oder Werwölfe.
Der hier vorliegende Text ergründet im Folgende die Entwicklungsgeschichte des Zombiemythos, ausgehend von seinen Ursprüngen in Homers Odyssee und den südamerikanischen Voodookulten über zahlreiche Literatur- und Filmadaptionen verschiedenster Intentionen bis hin zu Computerspielen und Zombie Walks.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anfänge / Phase 1
2.1. Homers „Odyssee“
2.2. Südamerikanische Voodookulte
2.3. Kolonialisierung
2.4. Die ersten Filmzombies
3. Fleischfressende Leichen / Phase 2
4. Gewaltexzesse und Weiterentwicklungen / Phase 3
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die kulturelle Evolution und symbolische Bedeutung des Zombiemythos. Ausgehend von antiken Quellen und voodooistischen Wurzeln wird analysiert, wie sich der Zombie durch verschiedene Phasen der Literatur- und Filmgeschichte zu einem Spiegelbild gesellschaftlicher Ängste und politischer Spannungen entwickelt hat, wobei der Fokus auf der Dekonstruktion des Zombies als bloßes Monster hin zur Metapher menschlichen Fehlverhaltens liegt.
- Historische Herleitung des Zombieglaubens
- Die Entfremdung und Kolonialismus-Kritik in der Zombie-Metaphorik
- Die Transformation durch George A. Romeros Filmtrilogie
- Weiterentwicklungen durch Splatter-Kino und moderne Virus-Thematiken
- Die soziologische Interpretation des Untoten als Spiegel der Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
2.1. Homers „Odyssee“
Im elften Kapitel bzw. Gesang des im 8. Jahrhundert v. Chr. entstandenen Heldenepos mit dem Titel „Die Totenwelt“ reist Odysseus in den Hades, die griechische Unterwelt, um von dem bereits verstorbenen Seher Teiresias zu erfahren, ob und wie er den Heimweg nach Ithaka finden kann.
Um die Seele des Toten anzulocken, beschwört er ihn in einem Ritual, welches daraus besteht, dass er zunächst eine kleine Grube gräbt, deren Rand mit einem Milch-Honig Gemisch, Süßwein und Wasser umgießt, im Anschluss helle Gerste darüber streut und zum Abschluss Schafen die Hälse aufschneidet und deren Blut in die Grube sickern lässt.
„Aus der Tiefe sammelten da sich die Seelen der hingeschiedenen Toten“. Sie alle möchten sich an dem Blut laben. Die wird ihnen von Odysseus allerdings verwährt. Er möchte das Blut nicht vergeuden, bevor er nicht Teiresias gesprochen hat. Nicht einmal seine verstorbene Mutter lässt er sich dem Blut nähern. Diese scheint ihn überdies auch gar nicht zu erkennen. Nachdem Teiresias seine Schuldigkeit als Seher getan hat, befragt Odysseus ihn nach diesem Umstand. Er antwortet:
„Wen du von den abgeschiedenen Toten dem Blute näher kommen lässt, der wird dir Untrügliches künden; wem du es aber verwehrst, wird dir wieder nach hinten zurückkehrn.“
Diese Szene zeigt zwei Elemente, die in der heutigen Zombievorstellung immer noch bestand haben. Erstens, dass sich Zombies vom Blut/Fleisch der Lebenden ernähren (auch wenn in diesem Falle nur das von Ziegen ohne den kannibalistischen Aspekt) und zweitens, dass sich die Toten nicht (zumindest nicht ohne Ritual o.ä.) an ihr Vorleben erinnern und selbst Bekannte oder Verwandte nicht wiedererkennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Begriffsdefinition des Zombies ein und skizziert die methodische Unterteilung der Arbeit in verschiedene Entwicklungsphasen, um den Zombie als Ausdruck spezifischer Ängste und Kulturgebiete zu analysieren.
2. Anfänge / Phase 1: Dieses Kapitel beleuchtet die historischen Ursprünge des Zombiemotives in Homers Odyssee, den Voodookulten und den kolonialen Strukturen sowie deren erste Adaption im frühen Film.
2.1. Homers „Odyssee“: Die Analyse der Odyssee identifiziert antike Ursprünge für das moderne Zombie-Konzept, insbesondere durch die Darstellung untoter Wesen als gierige, erinnerungslose Schatten.
2.2. Südamerikanische Voodookulte: Hier wird der Ursprung des modernen Zombieglaubens in den haitianischen Voodookulten untersucht, wobei die Grenzen zwischen religiösem Mythos und realen soziopolitischen Beweggründen wie Rache oder Sklaverei beleuchtet werden.
2.3. Kolonialisierung: Das Kapitel verknüpft die Entfremdung von Sklaven im Kolonialismus mit der Metaphorik des zombies als körperliche Hülle ohne Bewusstsein und analysiert die Rezeption dieser Thematik in der Literatur.
2.4. Die ersten Filmzombies: Hier wird der Übergang des Zombiethemas in das frühe Horror-Kino beschrieben, wobei der Film „Ich folgte einem Zombie“ als zentrales Beispiel für die Verbindung von Voodoo-Mythos und europäischer Erzählstruktur dient.
3. Fleischfressende Leichen / Phase 2: Dieses Kapitel widmet sich der maßgeblichen Neugestaltung des Zombiemythos durch George A. Romero, der den Zombie als fleischfressendes Monster etabliert und als Spiegelbild gesellschaftlicher Zerfallsprozesse nutzt.
4. Gewaltexzesse und Weiterentwicklungen / Phase 3: Die Analyse konzentriert sich auf die Radikalisierung der Gewaltdarstellung im Splatter-Film ab 1992 und die Modernisierung der Zombie-Thematik durch Virus-Szenarien und veränderte biologische Fähigkeiten.
5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung reflektiert die Transformation des Zombies vom religiösen Mythos zum festen Bestandteil der globalen Popkultur und betont seine Funktion als Spiegel gesellschaftlicher Missstände.
Schlüsselwörter
Zombie, Zombiefilm, Horrorfilm, Popkultur, George A. Romero, Voodoo, Kolonialismus, Untote, Gesellschaftskritik, Splatter, Metapher, Evolutionsgeschichte, Kino, Mythos, Horror.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische und kulturelle Entwicklung des Zombies – von seinen antiken literarischen Wurzeln bis hin zum modernen Zombie-Phänomen in Film, Literatur und Computerspielen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Ursprünge des Zombieglaubens in Voodoo-Kulten, die symbolische Entfremdung im Kolonialismus sowie die gesellschaftskritische Funktion des Zombies in der modernen Filmgeschichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu belegen, dass der Zombie weit mehr als ein hirnloses Monster ist; vielmehr fungiert er als Projektionsfläche für spezifische Ängste und als Metapher für Missstände in der westlichen Gesellschaft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen diachronen Ansatz, indem sie die Entwicklung des Mythos in drei definierte Phasen gliedert und diese anhand von Literaturanalysen und Filmbeispielen interpretativ erschließt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Anfänge in der Odyssee und Voodoo-Riten, die bahnbrechenden Filme von George A. Romero, sowie spätere Trends wie Splatter-Kino und virale Zombie-Erzählungen detailliert analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Zombiemythos, Gesellschaftskritik, Entfremdung, kulturelle Transformation und popkulturelle Evolution charakterisiert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen den verschiedenen "Phasen" des Zombies wichtig?
Die Phasen-Einteilung verdeutlicht, wie sich der Zombie an die jeweiligen historischen Kontexte anpasst – vom Sklaven-Gleichnis der Kolonialzeit bis zum Spiegel der Konsumgesellschaft und globaler Krisen.
Welche Rolle spielt George A. Romero in dieser Entwicklung?
Romero gilt als Wegbereiter, der den Zombiefilm durch radikale Neuerungen wie Kannibalismus und Gesellschaftskritik vom B-Movie-Horror zu einem ernsthaften Spiegel der menschlichen Natur erhob.
- Citation du texte
- Florian Biehl (Auteur), 2009, Zombies. Die Entwicklung von Homers „Odyssee“ bis zu Romeros „Land of the Dead“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268276