Aspekte einer optimalen Kapitalstruktur für kleine und mittlere Unternehmen


Masterarbeit, 2004

131 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsübersicht

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhangverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Unternehmensfinanzierung
2.1 Veränderte Rahmenbedingungen (Basel II)
2.2 Systematisierung der Finanzierungsarten
2.2.1 Innenfinanzierung
2.2.2 Außenfinanzierung
2.2.3 Alternativen zu den herkömmlichen Finanzierungsmitteln
2.3 Charakteristiken des Kapitals
2.3.1 Eigenkapital
2.3.2 Fremdkapital
2.3.3 Mezzaninkapital
2.4 Finanzierungszielsetzungen
2.4.1 Liquidität
2.4.2 Rentabilität
2.4.3 Sicherheit bzw. Risiko
2.4.4 Unabhängigkeit

3 Grundlagen Kapitalstruktur
3.1 Kennzahlen in bezug auf die Kapitalstruktur
3.1.1 Verschuldungsgrad
3.1.2 Eigenkapitalquote
3.1.3 Eigenkapitalrentabilität
3.1.4 Gesamtkapitalrentabilität
3.2 Finanzwirtschaftlicher Leverage-Effekt
3.2.1 Leverage-Chance
3.2.2 Leverage-Risiko
3.3 Risiko
3.3.1 Allgemeines und operatives Risiko
3.3.2 Kapitalstrukturrisiko
3.3.3 Kombinierter Risikoeffekt
3.4 Kapitalkosten und Unternehmenswert
3.4.1 Zusammenhang
3.4.2 Mathematische Darstellung

4 theorien zur optimalen Kapitalstruktur
4.1 Theorienentwicklung im Rahmen der Forschungslehre
4.2 Kapitalkostentheoretische Ansätze
4.2.1 Traditioneller Ansatz
4.2.1.1 Annahmen
4.2.1.2 Modellansätze zum optimalen Verschuldungsgrad
4.2.1.3 Kritische Würdigung
4.2.2 Modigliani & Miller-Ansatz
4.2.2.1 Annahmen des Modells ohne Steuern
4.2.2.2 Irrelevanz der Kapitalstruktur
4.2.2.3 Kritische Würdigung
4.2.3 Trade-off Theorie
4.2.3.1 Steuerlicher Effekt
4.2.3.2 Insolvenzkosten
4.2.3.3 Kritische Würdigung
4.3 Neuere Kapitalstrukturtheorien
4.3.1 Agency-Kosten
4.3.2 Unternehmenszyklen
4.3.3 Umweltdynamischer Ansatz
4.4 Vergleichende Würdigung der einzelnen Theorien

5 Vorschlag Einer optimalen Kapitalstruktur
5.1 Gestaltung der Kapitalstruktur
5.1.1 Optimale Kapitalstruktur nach Rentabilitätskriterien
5.1.2 Implikationen der risikodifferenzierten Fremdkapitalzinsen
5.1.2.1 Kreditverteuerung
5.1.2.2 Risiko
5.1.3 Berücksichtigung der Geschäftstätigkeit
5.1.4 Individualisierte optimale Kapitalstruktur
5.2 Stärkung der Eigenkapitalquote
5.3 Weitere Aspekte der Kapitalstruktur

6 Zusammenfassung und fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Systematisierung der Finanzierungsarten

Abbildung 2: Verschuldungsgrad

Abbildung 3: Leverage-Chance, Fremdkapitalzinsen konstant

Abbildung 4: Leverage-Chance, Fremdkapitalzinsen abhängig vom Verschuldungsgrad

Abbildung 5: Leverage-Risiko, Fremdkapitalzinsen abhängig vom Verschuldungsgrad

Abbildung 6: Leverage-Risiko, Fremdkapitalzinsen konstant

Abbildung 7: Leverage-Horn

Abbildung 8: Traditionelle These

Abbildung 9: Traditionelle These ohne Konditionenanpassung

Abbildung 10: M&M

Abbildung 11: Trade-off Graphik

Abbildung 12: Unternehmenszyklen und Finanzierungsbedarf

Abbildung 13: Umweltdynamik, Verschuldungsgrad und Unternehmensleistung

Abbildung 14: Finanzierungszins, Eigenkapitalquote und Eigenkapitalrendite

Abbildung 15: Auswirkungen der Finanzierungsarten auf die Bilanz

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Leverage-Effekte: Verläufe der Eigenkapitalrendite bei konstantem Gesamtkapital

Tabelle 2: Implikationen der Geschäftstätigkeit auf den Verschuldungsgrad

Tabelle 3: Vergleich der Theorien

Tabellen 4 und 5: Auswirkung der Fremdkapitalzinsen auf die Eigenkapitalrentabilität

Tabelle 6: Faustregel

Tabelle 7: Matrix zur Ermittlung des Verschuldungsgrades

Tabelle 8: Effekte der Finanzierungsarten auf die Zielsetzungen des Unternehmers

Tabelle 9: Abwägung von Unabhängigkeit und Fremdkapitalaufnahme

Anhangverzeichnis

Anhang 1: Definitionen des Mittelstands

Anhang 2: Vergleich der gängigsten Rechtsformen von mittelständischen Unternehmen

Anhang 3: Qualitative Kriterien des internen Ratings

Anhang 4: Quantitative Kriterien des internen Ratings

Anhang 5: Eigenkapital nach Unternehmensgrößenklassen bzw. Rechtsformen

Anhang 6: Beteiligungsfinanzierung nach Rechtsform

Anhang 7: Öffentliche und private Finanzierungshilfen

Anhang 8: M&M mit Steuern

Anhang 9: Formelübersicht

Anhang 10: Leverage-Chance (Szenario 1a): gleichmäßiges, lineares Wachstum von r(EK)

Anhang 11: Leverage-Chance (Szenario 1b): Alternativberechnung

Anhang 12: Leverage-Chance (Szenario 2) und Leverage-Risiko (Szenario 1)

Anhang 13: Leverage-Risiko (Szenario 2a): linearer Abfall von r(EK) von V

Anhang 14: Leverage-Risiko (Szenario 2b): Alternativberechnung

Anhang 15: Leverage-Horn

Anhang 16: Traditionelle These: optimaler Verschuldungsgrad

Anhang 17: M&M ohne Steuern

Anhang 18: Kapitalstruktur, Fremdkapitalkosten und Eigenkapitalrendite

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit

Verwendet man die Mittelstandsdefinition des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn[1], dann tragen mittelständische Unternehmen in Deutschland mit knapp 50% zur Bruttowertschöpfung der Unternehmen bei, beschäftigen rund 70% der Arbeit­nehmer und stellen insgesamt mehr als 99% aller Unternehmen dar[2]. Wirtschafts­politisch betrachtet sind die kleineren und mittleren Unternehmen, auch KMU genannt, für die Aufrechterhaltung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Staates eine treibende Kraft. Durch Innovationen und Produktivität kurbeln KMU das wirtschaftliche Wachstum an und schaffen Arbeitsplätze. Deshalb werden die mittelständischen Unternehmen auch als Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichnet. Jedoch sind KMU in ihrem Finanzierungsverhalten aufgrund ihrer Größe und Rechtsform[3] stärk eingeschränkt. Als Hauptfinanzierungsquellen kommen so gut wie ausschließlich einbehaltene Gewinne sowie Bankkredite in Frage, wobei die letzteren einen Anteil von 70% an den langfristigen Verbindlichkeiten bzw. 90% an den Gesamtverbindlichkeiten ausmachen und als Finanzierungsform für KMU in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben[4]. Für die Aufnahme des Großteils an Finanzierungsquellen wie die momentan aktiv diskutierten Anleihen oder Asset Backed Securities ist der Zugang zum Kapitalmarkt Voraussetzung. Ein Börsengang kommt jedoch für die Mehrheit der KMU aufgrund der regulatorischen Anforderungen bezüglich der Mindestkapitalvolumina, Publizitäts- und Offen­legungspflichten sowie Kommunikations­anforderungen nicht in Frage. Die Finanzierungs­quellen sind demnach sehr begrenzt. Die Situation der limitierten Finanzierungs­kapazität ließ die Bedenken um so größer werden, als die Diskussionen über das zweite Konsultationspapier des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, kurz Basel II, aufkeimten und im Zuge derer eine Kreditverteuerung für den Mittelstand prognostiziert wird. Von den Banken wird gefordert, Kreditnehmer gemäß deren jeweiliger Bonität in Risikoklassen einzustufen. Zur Ermittlung der Bonität werden Ratings durchgeführt. Ziel des Ratingprozesses ist, dem Unter­nehmen eine gewisse Risikoklasse zuzuweisen, welche neben weiteren Risiken dessen Ausfallrisiko reflektiert. Unternehmen, die ein gutes internes Rating haben, werden Kredite zu niedrigeren Zinsen erhalten, umgekehrt resultiert ein hohes Risiko in einem hohen Zinssatz, also einer Kreditverteuerung. Das Risiko der Ausfallwahr­schein­­lichkeit und die verfügbaren Besicherungsmöglichkeiten bestimmen also die zu entrichtende Zinsmarge. Doch hier liegt der Knackpunkt der Diskussion um Basel II. Eine niedrige Kapitalstruktur wird mit hohem Risiko interpretiert. Deutsche Mittel­ständler haben jedoch im internationalen Vergleich eine relativ niedrige Eigen­kapitalquote[5], was auf institutionell-rechtliche Rahmen­bedingungen zurückzuführen ist. Die Fremdkapitalaufnahme bietet sich aufgrund der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Zinsen an, und das für Deutschland typische Hausbankprinzip begünstigt die Kreditaufnahme durch Banken. Auch werden Fremdkapitalgeber aufgrund des Gläubiger­schutzes im Falle einer Insolvenz zuerst bedient, so dass Fremdkapital eher gewährt wird und in Folge dessen eine hohe Eigenkapitalquote nicht im Mittelpunkt der Finanzierungspolitik steht, oder vielmehr stand. Da KMU jedoch wegen der begrenzten Möglichkeiten der Kapitalaufnahme auch weiterhin auf den klassischen Bankkredit angewiesen sind, müssen sie sich an die neuen Finanzierungskonditionen anpassen. Dies bedeutet, dass die Eigenkapitalbasis gestärkt werden muss, um die Finanzierungsstruktur zu verbessern, was zu einem besseren Rating und einer güns­tigeren Fremdkapitalaufnahme bei sonstiger guter Geschäftslage führt. Das Finanz- und Rechnungswesen im Unternehmen muss folglich eine Finanzierungsstruktur planen, die für das jeweilige Unternehmen optimal ist. Denn nur so können die zukünftigen Finanzierungs­anforderungen geplant und erfüllt werden. In vielen Unternehmen hat sich die Finanzierungsstruktur im Laufe der Jahre eingependelt oder wurde an Vergleichsunternehmen derselben Branche ausgerichtet. Aufgrund der neuen Bedingungen hinsichtlich der Kreditaufnahme stellt sich die Frage nach der optimalen Beschaffenheit der Kapitalstruktur und welche Kriterien in diesem Zusammenhang zu beachten sind. Es muss also eruiert werden, was als Optimalitäts­kriterium gelten kann. Die Anforderung an den Unternehmer, neben dem operativen Geschäft die strategische Finanzplanung aktiv zu gestalten, rückt forciert durch Basel II in den Mittelpunkt der unternehmerischen Aktivitäten. Unternehmer, die sich frühzeitig informieren und eine aktive Kapitalstrukturpolitik betreiben, werden kosten­günstigere Finanzierungskonditionen erhalten. Anhand dieser Arbeit sollen die Aspekte einer optimalen Kapitalstruktur aufgezeigt werden.

1.2 Aufbau der Arbeit

Kapitalstrukturentscheidungen sind Finanzierungsentscheidungen. Deshalb werden zunächst in Kapitel 2 die veränderten Finanzierungs­rahmenbedingungen bedingt durch Basel II kurz dargestellt. Danach werden die für die Diskussion der Kapital­struktur relevanten Teilbereiche der Unternehmensfinanzierung aufgezeigt. Dazu werden die von KMU zugänglichen Finanzierungsarten nach der Herkunft systematisiert, die Charakteristiken des jeweiligen Kapitals dargelegt und die Finanzierungs­zielsetzungen erläutert. Kapitel 3 deckt die Grundlagen zum Ver­ständnis der Kapitalstruktur ab. Diese beinhalten die Kennzahlen, die zur quantitativen Messung der Kapitalstruktur dienen, die Auswirkungen des finanz­wirt­schaftlichen Leverage-Effektes, die Bedeutung des Risikos und der Zusammenhang sowie die mathematische Darstellung der Kapitalkosten und des Unter­nehmens­wertes. Kapitel 4 widmet sich den Theorien, die sich mit der optimalen Kapital­struktur auseinandersetzen. Für eine bessere Einordnung dieser Theorien wird dabei zuerst auf den Rahmen der Forschungslehre eingegangen, aus dem sich diese Theorien entwickelt haben. So können die Theorien in kapitalkostentheoretische und neuere Kapitalstrukturtheorien unterschieden werden. Nach einer vergleichenden Würdigung der vorgestellten Theorien werden die Erkenntnisse dieser Arbeit zu­sammen­gefasst und im Sinne einer Handlungsempfehlung für die Eruierung einer optimalen Kapitalstruktur für Unternehmer von KMU dargestellt. Kapitel 6 fasst die in dieser Arbeit gewonnenen Erkenntnisse zusammen und schließt mit einem Fazit.

2 Unternehmensfinanzierung

„Alle Maßnahmen im Unternehmen, die direkt oder indirekt der Beschaffung oder Rückzahlung von Finanzmitteln, d.h. der Versorgung des Unternehmens mit dem Produktionsfaktor „Kapital“ dienen, ...“[6] bezeichnet man als Unternehmens­finanzierung. Finanzierungsentscheidungen fallen demnach bei der Kapital­auf­bringung, Verwaltung und Rückzahlung an. Bei der Verwaltung des Kapitals muss sichergestellt werden, dass sowohl geplante Tätigkeiten, die in der Regel das operative Geschäft oder Investitionen betreffen, als auch außergewöhnliche Ereignisse mit ausreichend Kapital finanziert werden können. Betrachtet man die Kapitalaufbringung als einen eigenständigen Finanzierungsbereich, kann dieser in drei Teilbereiche aufgeteilt werden[7]. Diese sind die Kapitalstruktur, das Kapital­volumen und die Kapitalkosten. Unter der Kapitalstruktur versteht man die langfristige, möglichst optimale Zusammensetzung der unterschiedlichen Finanzierungs­arten, die dem Unternehmen zur Verfügung stehen. Wie optimal in diesem Sinne zu interpretieren ist, wird in der vorliegenden Arbeit näher untersucht. Das Kapitalvolumen als weiterer Teilbereich der Kapitalaufbringung ist der für die Geschäftstätigkeit notwendige Kapitalbedarf und die Kapitalkosten diejenigen Kosten, die für die einzelnen Kapitalkomponenten anfallen. Diese Teilbereiche beein­flussen sich gegenseitig und fließen somit teilweise in die Erklärungsansatze dieser Arbeit ein, im Vordergrund steht jedoch die Diskussion der Kapitalstruktur. In diesem Kapitel wird zunächst kurz auf Basel II und die damit verbundenen ver­änderten Rahmenbedingung für die Finanzierung eingegangen. Im Anschluss daran werden die für KMU relevanten Finanzierungsarten nach deren Herkunft systematisiert, danach die Charakteristiken von Eigen-, Fremd- und Mezzaninkapital aufgezeigt und die unterschiedlichen Finanzierungszielsetzungen dargelegt.

2.1 Veränderte Rahmenbedingungen (Basel II)

Basel II ist eine Konsequenz der veränderten Rahmenbedingungen der Finanz­märkte[8], deren zunehmende Integration gemeinsame regulatorische Bestimmungen und mehr Transparenz erfordert. Dabei soll Basel II als banken­aufsichtliches Regel­werk zur Stabilisierung des Finanz­systems und der Banken im inter­nationalen Kontext beitragen. Banken müssen in Zukunft die Bonität der Kreditantragsteller bewerten, wobei KMU hauptsächlich im so genannten internen Ratingverfahren der Banken beurteilt werden. Die für das interne Rating bereitzustellenden Informationen sind detaillierter und umfangreicher als bei Kreditwürdigkeitsprüfungen[9]. Auch finden regelmäßige Überprüfungen des Urteils statt, um das Ratingurteil der aktuellen Geschäftssituation anzupassen. Eine intensivierte Zusammenarbeit zwischen Bank und Unternehmer ist die Folge. Zur Ermittlung der Ausfall­wahrscheinlichkeit der Kreditnehmer werden qualitative und quantitative Kriterien[10] sowie historische Ausfalldaten herangezogen. Als qualitative Faktoren werden mitunter die Unternehmerperson oder Nachfolgeregelungen bewertet, quantitative Faktoren beziehen sich auf die finanzielle Ausstattung der Unternehmung. Hier wird besonderes Augenmerk auf die Besicherungs­möglichkeiten und die Kapitalstruktur gelegt, denn ein Unternehmen, das über die notwendigen Eigenmittel zur Überbrückung von Engpasszeiten verfügt, hat ein geringeres Ausfallrisiko. Deshalb werden Unternehmen mit einem guten Ratingurteil Kredite zu niedrigeren Zinsen erhalten, umgekehrt resultiert ein hohes Risiko in einer Kreditverteuerung. Dies begründet sich damit, dass Banken die gewährten Kredite je nach Risikoklasse des Kreditnehmers mit einer gewissen Höhe an Eigenkapital unterlegen müssen. Je höher das Ausfallrisiko ist, desto höher muss die erforderliche Eigenkapitaleinlage der Bank sein, was sich aufgrund der individuellen Gestaltung der Finanzierungs­konditionen auf den Kreditnehmer überträgt. KMU müssen sich demnach aktiv um ein gutes Ratingurteil bemühen, um eine Kreditverteuerung zu vermeiden.

2.2 Systematisierung der Finanzierungsarten

Die Finanzierungsarten lassen sich nach der Herkunft des Kapitals systematisieren. Dabei wird das Kapital dem Unternehmen entweder durch Maßnahmen von außen oder von innen zur Verfügung gestellt. Man unterscheidet deshalb in Außen- und Innenfinanzierungsarten. Eine weitere Finanzierungssystematik orientiert sich an der Rechtstellung der Kapitalgeber, es wird zwischen Eigen- und Fremdkapitalgebern unterschieden. Im folgenden werden die für die Mehrheit der KMU zugänglichen Finanzierungsalternativen dargestellt, die untenstehende Abbildung zeigt diese im Überblick auf. Auf Finanzierungsinstrumente, die auf dem Kapitalmarkt angeboten werden, wird nicht eingegangen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Systematisierung der Finanzierungsarten

Quellen: in Anlehnung an Kreis, R., S. 41 und Perridon, L, Steiner, M., S. 336.

2.2.1 Innenfinanzierung

Unter Innenfinanzierung versteht man die Freisetzung von Unternehmenskapital in liquide Mittel. Beträge aus Desinvestitionen, Umsatzerlöse und Zins- und Dividenden­erträge aus Kapitalanlagen[11] sind Finanzierungsmöglichkeiten, die unternehmens­intern generiert wurden. Wenn diesen in der Entstehungsperiode keine auszahlungs­wirksamen Aufwände gegenüberstehen, können diese zur internen Finanzierung genutzt werden. Das Innenfinanzierungspotential wird anhand der Kenn­zahl des finanzwirtschaftlichen Cash Flows ermittelt, der die Netto­zahlungs­ströme einer Periode und somit das Innenfinanzierungspotential des Unternehmens aufzeigt.

Finanzierung aus Rückstellungen

Rückstellungen werden gemäß § 249 HGB für Verbindlichkeiten gebildet, die ungewiss und in ihrer Höhe und Fälligkeit noch unbekannt sind. Hierzu zählen Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten, drohende Verluste aus schwebenden Geschäften, unterlassene Aufwendungen für Instandhaltungen und Abraumbeseitigungen, Gewährleistungen ohne rechtliche Verpflichtung, unter­lassene Aufwendungen und bestimmte Aufwandsrückstellungen[12]. Bis die Rück­stellungen aufgelöst werden, kann das Unternehmen über die Rückstellungs­beträge für die Innenfinanzierung verfügen. Anders als bei Großunternehmen haben für KMU aufgrund ihrer begrenzten Größe Pensionsrückstellungen keine Bedeutung. Bilanziell betrachtet sind Rückstellungen Verbindlichkeiten, zählen also zum Fremdkapital.

Finanzierung durch Kapitalfreisetzung

Hierzu zählen die Finanzierungsmöglichkeiten durch Abschreibungen, Rationalisierungs­maßnahmen und dem Verkauf von nicht betriebsnotwendigen Vermögens­gegenständen. Vorausgesetzt, dass das Unternehmen den Ab­schrei­bungs­gegenwert in Form von Umsatzerlösen erzielt, kann über diesen verfügt werden. Durch die sofortige Reinvestition der Abschreibungsgegenwerte eines neuen Anlagegegenstandes kann unter gewissen Voraussetzungen ein Kapazitätserweiterungseffekt oder Lohmann-Ruchti-Effekt erzielt werden[13]. Hierbei wird das freigesetzte Kapital zur Finanzierung von betrieblichen Anlagen eingesetzt, die betriebliche Kapazität kann dadurch erweitert werden. So wie Rationalisierungsmaßnahmen bestehende Geschäftsprozesse optimieren können und dadurch Kapital freigesetzt wird, resultiert auch der Verkauf von nicht betriebs­notwendigen Vermögensgegenständen in der Kapitalfreisetzung. Die Finanzierung durch Kapitalfreisetzung ist eine Form der Eigenfinanzierung.

Selbstfinanzierung

Man unterscheidet zwischen der offenen und stillen Selbstfinanzierung, beide sind Instrumente der Eigenfinanzierung. Die offene Selbstfinanzierung entspricht der Gewinnthesaurierung, d.h. die Gewinne werden nicht an die Eigentümer aus­geschüttet, sondern im Unternehmen einbehalten, wobei diese mit 45% voll versteuert werden. In der Bilanz werden dabei Rücklagen gebildet. Dies kann mit der „Schütt-aus-hol-zurück“ Politik umgangen werden, wobei die Unternehmens­gewinne als Dividende ausgeschüttet werden und dann aufgrund einer Kapital­erhöhung wieder in das Unternehmen einfließen[14]. Änderungen in der Steuer­gesetz­gebung jedoch wie die Einführung des Halbeinkünfteverfahrens lassen diese Verfahrensweise als nicht mehr sinnvoll erscheinen. Die stille Selbstfinanzierung entsteht durch die Bildung stiller Reserven aufgrund bilanz­politischer Maßnahmen. Stille Reserven werden entweder durch die Unter­bewertung von Aktiva, wie zum Beispiel bei Aktivposten durch erhöhte Abschreibungen von Anlagegütern, oder der Überbewertung der Passiva, z.B. durch einen überhöhten Ansatz von Rückstellungen, gebildet[15].

Vor allem KMU sind auf ihr Innenfinanzierungspotential angewiesen. Die begrenzten Möglichkeiten der Fremdkapitalaufnahme erfordert die Generation von internen Mitteln für die Unternehmensfortführung und der Tätigung von Investitionen. Der Vorteil der Innenfinanzierung ist, dass keine Zins- und Tilgungs­zahlungen anfallen und der Unternehmer seine Autonomie bewahrt. Jedoch können je nach wirtschaftlicher Lage die Innenfinanzierungskapazitäten stark schwanken, in konjunkturell schlechten Zeiten ist es schwieriger Gewinne zu thesaurieren. Dem kann gegengesteuert werden, indem z.B. nicht betriebsnotwendige Vermögens­gegenstände veräußert werden oder die Eigenkapitalausstattung von vornherein bewusst großzügig geplant wird.

2.2.2 Außenfinanzierung

Für Kapitalstrukturentscheidungen sind aufgrund des strategischen Planungs­charakters nur die langfristigen Finanzierungsmaßnahmen von Bedeutung, auf die kurzfristigen wird deshalb nicht eingegangen. Dabei steht den KMU nur eine begrenzte Auswahl an langfristigen Außenfinanzierungsoptionen zur Verfügung. Die Beteiligungs­finanzierung und der Bankkredit sind klassische Mittel der Kapitalaufbringung.

Beteiligungsfinanzierung

Die Beteiligungsfinanzierung als einer Form der Eigenfinanzierung ermöglicht eine Stärkung der Eigenkapitalbasis des Unternehmens. Das von Kapitalgebern zur Verfügung gestellte Kapital hat einen haftenden Charakter und wirkt sich somit positiv auf den Eigenkapitalanteil des Unternehmens aus. Die Aufnahme weiterer Fremdfinanzierungsmöglichkeiten wird aufgrund der besseren Eigen­kapital­quote begünstigt. Auch entstehen keine Aufwendungen für die bereit­gestellten Mittel. Der Kapitalgeber hingegen erwirbt Eigentumsrechte am Unternehmen, er wird Teilhaber, d.h. je nach Beteiligungsfinanzierungsart wird er mit am Gewinn beziehungsweise Verlust beteiligt. Der stille Gesellschafter z.B. leistet eine Einlage, die direkt in das Vermögen des Geschäftsinhabers übergeht, aber nicht in der Bilanz ausgewiesen wird[16]. Er erhält auf seine Einlage einen angemessenen Gewinnanteil und wird, falls nichts gegenteiliges vereinbart wurde, nicht am Verlust beteiligt. Beim Ausscheiden des stillen Gesellschafters wird er in der typischen stillen Gesellschaft mit seiner nominellen Einlage bedient, bei der atypischen stillen Gesellschaft gilt dieser aufgrund der Gewinn- und Verlustbeteiligung als Mitunternehmer. Der Geschäftsinhaber muss dabei 25% des Gewinns des stillen Gesellschafters an das Finanzamt abführen[17].

Des weiteren wird Beteiligungsfinanzierung durch Kapital­beteiligungs­ge­sell­schaf­ten, Venture Capital Gesellschaften oder Business Angels geleistet. Dabei wird vor allem kleineren und mittleren hoch innovativen Unternehmen mit exze­llenten Wachstumsperspektiven in der Frühphase der Geschäftstätigkeit Risikokapital zur Verfügung gestellt. Für dieses Kapital besteht keine Rückzahlungspflicht, es gibt keinen festen Zinsanspruch und geht im Insolvenzfall verloren[18]. Kapitalbeteiligungsgesellschaften investieren im Normalfall in Unternehmen traditioneller Bereiche, während Venture Capital Gesellschaften sich hauptsächlich an Unternehmen der High-Tech-Branche beteiligen. Business Angels sind wohlhabende Privatpersonen, die Unternehmen in ihrem Vorhaben mit beraterischer Tätigkeit und Beteiligungssummen um die 500.000 € unterstützen, ohne dass die Renditemaximierung im Vordergrund steht.

Die Möglichkeiten und Funktionen dieser Form der Eigenkapitalaufbringung sind von der Unternehmensrechtsform[19] abhängig. Beteiligungskapitalgeber erlangen Mitbestimmungsrechte und leisten häufig unternehmerische Beratung, was zu Divergenzen mit dem Unternehmenseigner führen kann, wenn dieser in seiner unternehmerischen Unabhängigkeit beeinträchtigt wird. Zudem sind die Anforderungen der Beteiligungsgesellschaften an die Mindestrendite der Unternehmen sehr hoch, so dass hauptsächlich Unternehmen mit hohen Wachstumspotentialen und stabilen Cashflows Beteiligungskapital erhalten[20]. Betrachtet man jedoch nicht nur den organisierten Markt für Beteiligungskapital, dann lässt sich feststellen, dass es eine Vielzahl an Privatinvestoren bzw. Business Angels gibt, die über Foren Beteiligungskapital anbieten. Trotz der möglichen Schwierigkeiten, Beteiligungskapital zu erhalten und dem Verlust an unter­nehmerischer Unabhängigkeit, bedingt durch die Erlangung von Mit­be­stimmungs­rechten seitens Kapitalgeber, ist die Beteiligungsfinanzierung im Hinblick auf die Stärkung der Eigenkapitalbasis eine sehr attraktive Finanzierungsform.

Langfristige Bankkredite

Für die Fremdfinanzierung von Anlagevermögen wie Fahrzeuge, Maschinen, Gebäude und Grundstücke werden von KMU insbesondere langfristige Bank­kredite in Anspruch genommen. Deren wichtigste Hauptmerkmale sind die Notwendigkeit der Besicherung, eine Mindestlaufzeit von in der Regel 4 Jahren, die Tilgung als Fest- oder Ratendarlehen und die Zinsanpassung während der Kreditlaufzeit[21]. Bei der Sicherstellung durch Grundpfandrechte wird der Kredit über das Grundvermögen des Unternehmens abgesichert. Dazu erfolgt im Grund­buch ein Eintrag eines Pfandrechts, welches bei fiduzarischer Natur eine Grundschuld, bei akzessorischer eine Hypothek darstellt. Im Falle der Nicht­einhaltung der Schuldentilgung bzw. einer Insolvenz kann der Kreditgeber auf die Gegen­werte der Grundstücke zurückgreifen. Die Tilgung der Kredite erfolgt entweder in gleichmäßigen Zahlungen über die Laufzeit verteilt, wie dies bei Ratendarlehen der Fall ist, oder am Ende der Laufzeit als einmalige Summe wie bei Festdarlehen.

2.2.3 Alternativen zu den herkömmlichen Finanzierungsmitteln

Die für KMU in Frage kommenden und häufig genutzten Finanzierungsalternativen sind das Factoring, die Forfaitierung bei Export- und Importgeschäften, das Leasing und öffentliche Fördermittel.

Factoring

Beim Factoring verkauft das Unternehmen Forderungen, die aus Lieferungen und Leistungen entstanden sind, an ein Finanzierungsunternehmen, dem Factor. Bilanziell findet ein Aktivtausch von Forderungen in Bankguthaben statt, was eine Möglichkeit der Refinanzierung darstellt. Der Factor übernimmt in der Regel drei Funktionen, die Dienstleistungsfunktion, wie z.B. die Debitorenbuchhaltung oder das Mahn- und Inkassowesen, die Delkrederefunktion, also das Risiko des Forderungsausfalls bzw. die Kreditversicherungsfunktion, und die Finanzierungs­funktion, bei der eine Auszahlung von 80-90% des Forderungs­gegenwertes wenige Tage nach Einreichung realisiert wird[22]. Übernimmt der Factor alle drei genannten Funktionen, handelt es sich um ein echtes Factoring. Beim unechten Factoring wird die Delkrederefunktion nicht übernommen, das Kreditrisiko trägt das Unternehmen. Der Factor stellt für seine Dienstleistung Finanzierungszinsen und Gebühren in Rechnung, die sich am Umsatz des Klienten bemessen[23]. Die Vorteile des Factoring sind vielfältig[24]. Durch den Abbau von Forderungen und Verbindlichkeiten können Kosten bezüglich der Informationsbeschaffung, Debitoren­buchhaltung, Kreditprüfung und dem Mahnwesen eingespart werden, des weiteren werden mit der Delkrederefunktion des Factors Verluste aufgrund möglicher Insolvenzen der Geschäftspartner vermieden werden. Ein Unternehmen sollte die Dienste eines Factors wahrnehmen, wenn die Factoringkosten günstiger ausfallen als die internen Kosten für die Forderung aus Lieferungen und Leistungen.

Forfaitierung

Bei der Forfaitierung werden mittel- bis langfristige Exportforderungen an einen Forfaiteur oder eine Factoring-Gesellschaft übertragen[25]. Die Forfaitierung ist demnach dem Factoring ähnlich, wobei hier im Speziellen Forderungen aus Exportgeschäften abgetreten werden. Die Unterscheidung zwischen echter und unechter Forfaitierung hängt davon ab, ob der Forfaiteur oder der Exporteur das Ausfallrisiko der Forderung trägt. Des weiteren übernimmt der Forfaiteur die Finanzierungsfunktion sowie die Delkrederefunktion, nicht aber die Dienstleistungsfunktion, also die Verwaltung der Forderungen. Die Forfaitierung nimmt in der Regel die Form eines Wechsels ein, da die strengen Vorschriften des Wechselrechts und die Akzeptanz und weite Verbreitung sehr gute Sicherheiten bieten. Auch ist die Wechselfinanzierung abstrakt und nicht an das Handelsgeschäft gebunden[26]. Weitere Sicherheiten werden mit Bürgschaften oder Bankgarantien gestellt. Die Vorteile des Factorings greifen auch bei der Forfaitierung, wobei die Reduzierung des Ausfallrisikos bei Exportgeschäften und die Freisetzung von Kapital im Vordergrund stehen.

Leasing

Das Leasing wird in Operating- und Finance-Leasing unterschieden. Das Operating Leasing hat eine verhältnismäßig kurze Laufzeit und kann wie ein Mietvertrag verstanden werden. Das Finance Leasing hat eine feste, unkündbare Laufzeit und kann als Ratenkaufvertrag betrachtet werden. Leasing wird als alternative Finanzierungsform von mittelständischen Unternehmen gern genutzt, da es die Eigenkapitalbasis und die Liquidität im Gegensatz zum sofortigen Erwerb eines Wirtschaftsgutes schont. Auch werden Leasingraten als steuerlicher Aufwand berücksichtigt. Jedoch entstehen höhere Kosten als beim Sofort- oder Kreditkauf und bei Kreditwürdigkeits- bzw. Bonitätsprüfungen werden die Mietzahlungsverpflichtungen mitberücksichtigt[27], was sich wiederum negativ auf die Kreditlinie auswirkt.

Öffentliche Fördermittel

„Fördermittel sind finanzielle Mittel oder Bürgschaften, die Unternehmen von den Kommunen, den Ländern, dem Bund oder der Europäischen Union für bestimmte Zwecke zur Verfügung gestellt werden, ...“[28]. Hierbei sollen gezielt das wirtschaftliche Wachstum und die Produktivität eines Staates gefördert werden, um dessen Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen und zu verbessern. Aus diesem Grund werden öffentliche Förderprogramme für Wirtschaftsbereiche offeriert, die sich im Wachstum befinden. Damit finden gleichzeitig Strukturwandel im Markt statt, die für das Wirtschaftswachstum unerlässlich sind. Auch existiert eine Vielzahl an öffentlichen Förderprogrammen, welche die Position von KMU stärken sollen[29]. Aufgrund des Hausbankprinzips werden die Fördermittel durch die Hausbank beantragt, die entscheidet, ob der Antrag an die verschiedenen Institutionen, wie die KfW, die DtA oder dem ERP weitergeleitet wird. Als Finanzierungshilfen[30] werden mitunter Kredite mit im Vergleich zu Marktkonditionen verbesserten Zinsen angeboten oder andernfalls nicht finanzierbare Investitionen bezuschusst. Die Industriekreditbank bietet z.B. Kredite für die langfristige Maschinenfinanzierung mit einer Laufzeit von 10-15 Jahren an, wobei die Tilgung als Ratendarlehen erfolgt und der Festzinssatz sich am Kapitalmarkt orientiert[31]. Die Kreditwürdigkeitsprüfung jedoch ist eher ertrags- statt sachorientiert und kann so die Chancen auf eine Kreditgewährung erhöhen. Finanzierungshilfen werden auch gezielt zur Stärkung der Eigen­kapitalbasis angeboten. Diese sind z.B. das Eigenkapitalhilfeprogramm des Bundes oder Investitionszuschüsse für die in Betracht kommenden KMU. Zins­zuschüsse helfen bei der Betriebsmittelfinanzierung und erhöhen die Kapita­ldecke. Des weiteren werden Bürgschaften übernommen, so dass die Beleihungs­grenze aufgrund der erhöhten Sicherheiten erweitert werden kann.

Betrachtet man die für KMU in Frage kommenden Finanzierungsquellen, lässt sich feststellen, dass diese sehr begrenzt sind. Dies begründet sich vor allem aus dem fehlenden Zugang zum Kapitalmarkt. Die für KMU ausgestalteten Börsensegmente zielen auf sehr spezifische Unternehmen ab. Der Neue Markt ist für junge, hochinnovative Unternehmen interessant und der SMAX für die etablierten, traditionellen Unternehmen. Lediglich 400 der 3,3 Millionen[32] mittelständischen Unternehmen in Deutschland haben seit Einführung des Neuen Marktes 1997 ein Going Public durchgeführt[33]. Insofern müssen auf die traditionellen Finanzierungs­mittel zurückgegriffen werden, um die Eigenkapitalbasis stärken zu können, wobei thesaurierte Gewinne und Bankkredite die Hauptfinanzierungsquellen darstellen. Des weiteren sind als Alternativen zu den herkömmlichen Finanzierungsmitteln das Factoring und das Leasing für KMU von großer Bedeutung, und öffentliche Förder­mittel bieten eine Vielzahl an Förderprogrammen an. Diese werden durch die Hausbank beantragt, der bürokratische Prozess ist dabei sehr umfangreich. Jedoch ist es lohnenswert, sich frühzeitig zu informieren und die Konditionen zu vergleichen, da eine im Vergleich zum Markt günstigere Finanzierung realisiert werden kann bzw. Finanzierungshilfen gestattet werden, für die sich sonst keine Kapitalgeber finden lassen. Auch die Beteiligungsfinanzierung gewinnt trotz mangelndem organisierten Markt an Attraktivität, viele Privatinvestoren sind bereit Kapital zur Verfügung zu stellen, jedoch unter Erlangung von Mitbestimmungsrechten.

2.3 Charakteristiken des Kapitals

Im folgenden wird auf die Charakteristiken des Eigen-, Fremd- und Mezzanin­kapitals eingegangen, da diese für die Konzeption der Kapitalstruktur entscheidend sind.

2.3.1 Eigenkapital

Eigenkapital ist der „Teil des Kapitals, der der Unternehmung von ihren Eigentümern in deren Eigenschaft als Eigentümer zur Verfügung gestellt oder durch Nichtentnahme des Gewinns (Selbstfinanzierung, Gewinnthesaurierung) belassen wird.“[34] Das Eigenkapital kann folglich entweder von außen in der Form von Einzahlungen oder Sachanlagen der Gesellschafter zugeführt werden oder durch die Thesaurierung von Gewinnen intern generiert werden. Rechtlich gesehen erfüllt das Eigenkapital sowohl eine Haftungs- als auch eine Bemessungsfunktion. Die Haftungsfunktion steht im Sinne des Gläubigerschutzes und besagt, dass Verluste zunächst durch Eigenkapitalreserven gedeckt werden und im Falle der Insolvenz der Unternehmung zuerst das Fremdkapital zurückbezahlt werden muss, bevor etwaige verbleibende Anteile an die Eigentümer verteilt werden. Bei der unbeschränkten Haftungsfunktion kann zudem das Privatvermögen des Unternehmers anbelangt werden, das ist der Fall beim Einzelkaufmann, dem OHG-Gesellschafter, dem Komplementär der KG und dem Gesellschafter der bürgerlichen Gesellschaft[35]. Die beschränkte Haftung ist abhängig von der Höhe der Einlage und gilt für den Kommanditisten der KG und dem GmbH-Gesellschafter. Die Bemessungsfunktion bedeutet, dass Anteilseigner je nach Umfang des eingebrachten Eigenkapitals Verfügungsrechte besitzen. Bei Aufnahme von Eigenkapital durch Beteiligungen erlangen Teilhaber deshalb Mitbestimmungsrechte.

2.3.2 Fremdkapital

Das Fremdkapital wird bezeichnet als „Finanzielle Mittel, die dem Unternehmen – im Gegensatz zum Eigenkapital – zeitlich befristet überlassen werden.“[36] Es werden mit dem Fremdkapitalgeber, der zum Beispiel ein Kreditinstitut, eine Versicherung, eine private Person, eine staatliche Institution oder ein anderes Unternehmen sein kann, Zins- und Tilgungsvereinbarungen getroffen, die der Unternehmer zu einem bestimmten Termin unabhängig vom Erfolg zu leisten hat. Fremdkapitalgeber verlangen in der Regel Sicherungen des verliehenen Kapitals. Diese können in Real- und Personalsicherheiten unterschieden werden. Unter anderen umfassen die Realsicherheiten Sicherungsübereignungen, Bausparverträge, Festgelder, Aktien oder Lebensversicherungen. Personalsicherheiten sind z.B. Bürgschaften oder Garantien. Im Falle einer Sicherungsübereignung gehen sicherungsübereignete Gegenstände in das Eigentum des Kreditinstituts über, bleiben jedoch im Besitz des Kreditnehmers, solange er damit seine Geschäftstätigkeit weiterhin ausüben und somit die Schulden tilgen kann. Bei der Bürgschaft verpflichtet sich der Bürge gegenüber dem Kreditgeber anstelle des Kreditnehmers für die Kreditsumme nebst Zinsen aufzukommen. Des weiteren unterscheidet man zwischen der akzessorischen und fiduziarischen Sicherheit, wobei die erstere mit Begleichung der Hauptschuld erlischt, die letztere jedoch fortbesteht. Kreditwürdigkeits- oder Bonitätsprüfungen sollen eruieren, ob die persönliche wie wirtschaftliche Kreditwürdigkeit des Unternehmers gewährleistet ist. Auf Fremdkapital zu entrichtende Zinsen können als Aufwand steuerlich abgesetzt werden.

2.3.3 Mezzaninkapital

Mezzaninkapital ist als Zwischenform von Eigen- und Fremdkapital zu sehen. So werden bei einer möglichen Insolvenz zuerst die Fremdkapitalgeber bedient, dann die Mezzanin-Kapitalgeber und an dritter Stelle die Eigenkapitalgeber[37]. Normalerweise erfolgt der Ausweis als handels- und steuerrechtlicher Aufwand, die Laufzeit ist wie beim Fremdkapital befristet. Aufgrund des hybriden Charakters des Mezzaninkapitals gibt es jedoch verschiedene Ausgestaltungen. Eine Form der Mezzaninfinanzierung ist zum Beispiel die stille Beteiligung[38].

2.4 Finanzierungszielsetzungen

Die für den mittelständischen Unternehmer relevanten finanzwirtschaftlichen Zielsetzungen sind Liquidität, Rentabilität, Sicherheit beziehungsweise Risiko und unternehmerische Unabhängigkeit. Dieser Kriterien bedient sich der Unternehmer, um eine Finanzierungsstrategie aufgrund seiner Geschäftstätigkeit und persönlichen Präferenzen zu bestimmen und auszurichten. Dabei stehen die Zielsetzungen zum Teil konträr gegeneinander.

2.4.1 Liquidität

Nur ein Unternehmen mit genügend finanziellen Mitteln, also der notwendigen Liquidität, kann Forderungen und Verbindlichkeiten fristgerecht erfüllen und finanzielle Engpasszeiten überbrücken. Eine andauernde Illiquidität führt zur Zahlungsunfähigkeit und als Konsequenz zur Insolvenz. Um sicherzustellen, dass zu jedem Zeitpunkt Liquidität gewährleistet ist, wird anhand der Liquiditäts- oder Finanzplanung der Finanzmittelbedarf für einen bestimmten Zeitraum ermittelt. Die Daten aus der Planbilanz und Plan-GuV ermöglichen die Ermittlung des entsprechenden Kapitalbedarfs. Anforderungen an die notwendige Liquidität implizieren allerdings nicht, dass die Finanzierungsmittel im Sinne einer Überliquidität lediglich auf der Bank liegen sollen. Vielmehr ist die Investition der überschüssigen Mittel in kurz- und langfristige Anlagemöglichkeiten sinnvoll, wobei die kurzfristigen bei Bedarf aufgelöst und in liquide Mittel umgewandelt werden können. Eine Investition des Kapitals vermindert die Liquidität und steigert die Rentabilität aufgrund des Zinserhaltes.

2.4.2 Rentabilität

Bei einem rentablen Unternehmen sind die Kosten- und Leistungsprozesse derart optimiert, dass Gewinne maximiert werden können, wobei zu beachten ist, dass das alleinige Gewinnmaximierungsbestreben auch zur Geschäftsbeendigung führen kann[39]. Dies ist z.B. bei Geschäftsauflösungen der Fall, wo mit alten Anlagegegenständen eine maximale Auslastung erreicht werden soll statt neue, für den Fortbestand des Unternehmens wichtige, Investitionen zu tätigen. Die Rentabilität ist neben der Liquidität das wichtigste Zielsetzungskriterium für die meisten Unternehmen. Nur ein rentables Unternehmen produziert und verkauft zu wett­bewerbsfähigen Preisen, ist konkurrenzfähig und kann wachsen.

2.4.3 Sicherheit bzw. Risiko

Bei einer reinen Eigenfinanzierung fallen keine Zins- und Tilgungszahlungen an, es besteht keine Gefahr der Nichterfüllung dieser Zahlungen. Jedoch kann der steuermindernde Effekt von den auf das Fremdkapital zu entrichtenden Zinsen nicht genutzt werden. Dies resultiert in hohen Eigenkapitalkosten, was dem Rentabilitäts­kriterium widerspricht. Ein Finanzierungsmix aus Eigen- und Fremdkapital liegt demnach nahe. Der Fremdkapitalgeber wiederum stellt nur dann Finanzierungs­mittel zur Verfügung, wenn er eine angemessene Verzinsung und Tilgungen für den geleisteten Kapitaleinsatz erhält und davon ausgehen kann, diese Mittel zurückzuerhalten. Dazu beurteilt er das Gesamtrisiko des Unternehmens aufgrund von Prüfungen und gestaltet die Konditionen entsprechend seiner Auswertungen. Hierbei steigen die vom ihm geforderten Zinsen für das verliehene Kapital mit dem Ausfallrisiko der Unternehmung, wobei er zudem eine Risikoprämie verlangen kann. Dies wiederum steigert die Finanzierungskosten und somit das Risiko der Nichterfüllung für das Unternehmen, was zu einem finanziellen und somit Geschäftsrisiko führen kann.

[...]


[1] Siehe Anhang 1: Definitionen des Mittelstands

[2] Vgl. Günterberg, B., Wolter, H.-J., S. 21 f.

[3] Siehe Anhang 2: Vergleich der gängigsten Rechtsformen von mittelständischen Unternehmen

[4] Vgl. IfM Bonn: MittelstandsMonitor 2003, S. 61

[5] Siehe Anhang 5: Eigenkapital nach Unternehmensgrößenklassen bzw. Rechtsform

[6] Feucht, M., S. 94

[7] Vgl. Perridon, L., Steiner, M., S. 8

[8] Vgl. IfM Bonn: MittelstandsMonitor 2003, S. 62 ff.

[9] Vgl. Arnold, W.: S. 21

[10] Siehe Anhang 3 und 4: Qualitative und Quantitative Kriterien des internen Ratings

[11] Vgl. Feucht, M., S. 126

[12] Vgl. Perridon, L., Steiner, M., SS. 465-483

[13] Vgl. Kreis, R., S. 6

[14] Vgl. Feucht, M., S. 127

[15] Vgl. Kreis, R., S. 65

[16] Vgl. Perridon, L., Steiner, M., S. 363

[17] Vgl. Kreis, R., S. 46

[18] Vgl. Betsch, O., Groh, A., Lohmann, L., S. 320

[19] Siehe Anhang 6: Beteiligungsfinanzierung nach Rechtsform

[20] Vgl. Paffenholz, G. (2001), S. 6

[21] Vgl. Jahrmann, F. U., S. 134 ff.

[22] Vgl. Jahrmann, F. U., S. 216-219

[23] Vgl. Kreis, R., S. 88

[24] Vgl. Perridon, L., Steiner, M., S. 445-447

[25] Vgl. Schneck, O., S. 340

[26] Vgl. Jahrmann, F. U., S. 234

[27] Vgl. Kreis, R., S. 77

[28] Feucht, M., S. 100 ff.

[29] Aufgrund der Vielzahl an angebotenen Fördermitteln spricht man auch von Förderdschungel. Die Webpage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie bietet Recherchemöglichkeiten anhand der Förderdatenbank nach Fördergebiet, -bereich, -berechtigen und -art: www.bmwi.de

[30] Siehe Anhang 7: Öffentliche und private Finanzierungshilfen

[31] Vgl. Jahrmann, F. U., S. 173

[32] Vgl. Günterberg, B., Wolter, H.-J., S. 21

[33] Vgl. Paffenholz, G. (2001), S. 4

[34] Gräfer, H., S. 77

[35] Siehe Anhang 2: Vergleich der gängigsten Rechtsformen von mittelständischen Unternehmen, Mindestkapital und –anteile sowie Haftung

[36] Schneck, O., S. 347

[37] Vgl. Feucht, M., S. 176

[38] Vgl. Betsch, O., Groh, A., Lohmann, L., S. 304

[39] Vgl. Perridon, L., Steiner, M., S. 13

Ende der Leseprobe aus 131 Seiten

Details

Titel
Aspekte einer optimalen Kapitalstruktur für kleine und mittlere Unternehmen
Hochschule
Hochschule Pforzheim  (Pforzheim Graduate School)
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
131
Katalognummer
V26834
ISBN (eBook)
9783638290531
Dateigröße
1160 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Master These kann auch als Diplomarbeit betrachtet werden und wurde im Rahmen des Masterstudiums "International Finance and Accounting" erstellt.
Schlagworte
Aspekte, Kapitalstruktur, Unternehmen
Arbeit zitieren
Master of Arts in International Finance and Accounting Anna Kerl (Autor), 2004, Aspekte einer optimalen Kapitalstruktur für kleine und mittlere Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26834

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