Die vorliegende Hausarbeit „John Stuart Mill – Utilitarismus“ befasst sich mit der utilitaristischen Ethik nach John Stuart Mill (1806 – 1873), welcher diese als englischer Philosoph und Ökonom des 19. Jahrhunderts und ausgehend von dem Konzept seines Vaters James Mill, auf welches er sich stets beruft, neu gestaltete.
Der Utilitarismus ist eine aus dem angelsächsischen Sprachraum stammende philosophische Richtung, welche menschliches Handeln nach dessen Nutzen für die Einzelnen sowie für die Gesamtheit bewertet. Nach der utilitaristischen Ethik gelten jene Handlungen als wünschenswert, welche, so formulierte es ihr Begründer Jeremy Bentham, das „größte Glück der größten Zahl“ unter Einbezug der gesamten betroffenen Menschheit zur Folge haben, denn sowohl nach Bentham als auch nach Mill steht Glück als ein Synonym für Lust und Lust sei „als Endzweck wünschenswert“ [Mill (1976): 25]. Die Qualität einer jeden Handlung wird also an ihren Folgen gemessen und gegen die Folgen anderer möglichen Handlungen ab gewägt. Mit Hilfe des sogenannten hedonistischen Kalküls soll das Glück und Leid aller Betroffenen berechnet und so eine Entscheidung über die zu bevorzugende Handlung getroffen werden können. Die „Beförderung des Glücks ist der Maßstab, an dem alles menschliche Handeln gemessen werden muss“ [ebd.: 117]. Handlungen werden als moralisch richtig angesehen, solange sie die Tendenz haben, Glück zu befördern, und insoweit als moralisch falsch, „als sie die Tendenz haben, das Gegenteil von Glück zu bewirken.“ [ebd.: 23]
Genau aus diesem Grund allerdings steht jene Art des Denkens, welche besonders in angelsächsischen Länder eine weitaus größere Anerkennung genießt als beispielsweise in Deutschland, welches vorranging durch Kant und die christliche Ethik geprägt ist, unter häufiger Kritik, denn das größte Glück für die größte Zahl der Menschen könnte auch das Opfern anderer bedeuten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mill und der Utilitarismus
3. „Von der fundamentalen Sanktion des Nützlichkeitsprinzips“
3.1. Warum das allgemeine Glück wünschenswert ist
3.2. Sanktionen des Nützlichkeitsprinzips
3.3. Gemeinschaftsgefühl der Menschen als Fundament der Moral
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht John Stuart Mills utilitaristische Ethik, mit einem spezifischen Fokus auf die Herleitung der moralischen Sanktionen und die Bedeutung des Gemeinschaftsgefühls als Fundament der utilitaristischen Moral.
- Grundlagen und Weiterentwicklung des Utilitarismus durch J.S. Mill
- Die Frage der wünschenswerten Natur des allgemeinen Glücks
- Analyse der inneren und äußeren Sanktionen des Nützlichkeitsprinzips
- Das Gemeinschaftsgefühl als triebkraftbasierte Grundlage der Moral
- Kritische Reflexion der Anwendbarkeit utilitaristischer Prinzipien
Auszug aus dem Buch
3.2. Sanktionen des Nützlichkeitsprinzips
Mill zufolge stünden dem Nützlichkeitsprinzip eben jene Sanktionen zu Gebote, welche auch jeglichen anderen moralischen Systemen zu Gebote stünden, jedenfalls bestehe „kein Grund warum es nicht so sein sollte“. Diese Sanktionen seien sowohl die innere als auch die äußere Sanktion. Letztere beschreibt die „Hoffnung auf Gunst und Furcht vor Ungunst unserer Mitmenschen, Mitgefühl und anderer Gefühle gegenüber Mitmenschen und auch gegenüber Gott“ [ebd.: 83]. Die äußere Sanktion ist das, was von außen auf unser Handeln einwirkt. Eine genauere Ausführung hält Mill für unnötig.
Er sehe auch keinen Grund, warum die eben aufgeführten Motive nicht mit „derselben Vollständigkeit und Wirksamkeit an die utilitaristische Moral“ geknüpft werden können sollten wie auch an jede andere Moral; denn egal in welcher Moral, die Menschen strebten doch immer nach Glück und erwarteten stets von ihren Mitmenschen, dass sich diese gegenüber ihnen auch glücksmaximierend verhielten. Eben dies sei die Grundlage des Utilitarismus. In der Religion werde das Fördern des allgemeinen Glücks als das ‚Gute‘ betrachtet und als Gottes Wille, ohne Begründung und Eigennutz. Der Utilitarismus allerdings könne sich der gleichen Wirksamkeit äußerer Belohnung und Bestrafung als Mittel der Erziehung bedienen wie die Religion. In diesem Punkt scheinen sich die Anhänger der allgemein verbreiteten Moralvorstellung und die Utilitaristen einig zu sein.
Die innere Sanktion führt Mill weit ausführlicher aus als die äußere. Wie der Name vermuten lässt, beschreibt die innere Sanktion ein inneres Gefühl, „eine mehr oder weniger starke Empfindung der Unlust, die sich bemerkbar macht, sobald wir unserer Plicht zuwiderhandeln“ [ebd.: 85], sodass es einem moralischen Charakter schwer falle, wenn nicht sogar in speziellen und schwerwiegenden Fällen als unmöglich vorkomme, eine Pflichtverletzung zu begehen. Mill nennt dies das „Wesen des Gewissens“. Hierbei handle es sich um eine starkes, subjektives Gefühl, „die Gewalt, von der man getrieben wird“ [Mill (1976): 89], eine Art Gefühlsschranke, „die durchbrochen werden muss, sobald wir etwas tun wollen, was unsere Norm der Rechtmäßigkeit verletzt“ [ebd.: 87].
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die utilitaristische Ethik von John Stuart Mill vor, bettet sie in den historischen Kontext ein und umreißt das Ziel der Arbeit, insbesondere die Analyse der moralischen Sanktionen.
2. Mill und der Utilitarismus: Das Kapitel beleuchtet Mills Ziel, den Utilitarismus als ernstzunehmende Moraltheorie zu rehabilitieren und gegenüber der strengen Lehre Benthams weiterzuentwickeln.
3. „Von der fundamentalen Sanktion des Nützlichkeitsprinzips“: Hier wird untersucht, wie der Utilitarismus als moralisches System Verbindlichkeit erlangt und welche Rolle dabei die Überwindung des Egoismus spielt.
3.1. Warum das allgemeine Glück wünschenswert ist: Der Abschnitt diskutiert, warum das Glück der Gesamtheit als normatives Ziel gilt und wie Mill dies gegen den Vorwurf der „gottlosen Lehre“ verteidigt.
3.2. Sanktionen des Nützlichkeitsprinzips: Es werden die inneren und äußeren Sanktionen erläutert, wobei besonders dem „Wesen des Gewissens“ als innerer Schranke Bedeutung beigemessen wird.
3.3. Gemeinschaftsgefühl der Menschen als Fundament der Moral: Dieses Kapitel arbeitet heraus, dass das Bedürfnis nach Einheit mit den Mitmenschen die natürliche Basis für eine gerechte, utilitaristische Gesellschaft bildet.
4. Schlussbetrachtung: Die Autorin fasst Mills Argumentation kritisch zusammen und reflektiert die Anwendbarkeit der utilitaristischen Prinzipien auf moderne ethische Fragestellungen.
Schlüsselwörter
John Stuart Mill, Utilitarismus, Nützlichkeitsprinzip, Glück, Sanktionen, Gewissen, Gemeinschaftsgefühl, Moraltheorie, Ethik, Hedonismus, Egoismus, Gerechtigkeit, soziale Moral, Pflicht, Empfindungsvermögen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der utilitaristischen Ethik von John Stuart Mill und konzentriert sich speziell auf die Herleitung der moralischen Sanktionen in seinem Werk.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte des allgemeinen Glücks, die Unterscheidung zwischen inneren und äußeren Sanktionen sowie das Gemeinschaftsgefühl als Basis moralischen Handelns.
Was ist die primäre Zielsetzung der Hausarbeit?
Ziel ist es zu klären, welche Sanktionen der utilitaristischen Norm zugrunde liegen und warum ein Mensch ein Interesse daran haben sollte, das allgemeine Glück über sein eigenes zu stellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine textnahe, analytische Methode, die auf einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Primärtext „Der Utilitarismus“ von J.S. Mill basiert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil der Ausarbeitung im Fokus?
Der Hauptteil widmet sich detailliert dem dritten Kapitel von Mills Werk, in dem er die Begründung moralischer Verbindlichkeit im Utilitarismus liefert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Utilitarismus, Gemeinschaftsgefühl, moralische Sanktionen, hedonistisches Kalkül und Millsche Ethik beschreiben.
Wie unterscheidet sich Mills Auffassung von Glück von der seines Vaters oder Benthams?
Mill unterscheidet zwischen verschiedenen Qualitäten von Lust und betont, dass intellektuelle Freuden höherwertig sind als rein tierische oder sinnliche Gelüste.
Warum hält Mill das Gemeinschaftsgefühl für das Fundament der Moral?
Mill sieht in der natürlichen Tendenz des Menschen, sich als Teil eines Ganzen zu fühlen, die Voraussetzung dafür, dass individuelle Interessen mit denen der Gesellschaft harmonisiert werden.
Welche kritische Schlussfolgerung zieht die Autorin zur Umsetzbarkeit?
Die Autorin stellt fest, dass die Theorie zwar plausibel ist, jedoch bei konkreten moralischen Dilemmata wie der Sterbehilfe oder Gentechnik einer tieferen Klärung bedarf.
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- Melissa Grönebaum (Author), 2012, J. S. Mill "Utilitarismus". Sanktion der Moral des größten Glücks, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268360