J. S. Mill "Utilitarismus". Sanktion der Moral des größten Glücks


Hausarbeit, 2012

14 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mill und der Utilitarismus

3. „Von der fundamentalen Sanktion des Nützlichkeitsprinzips“
3.1. Warum das allgemeine Glück wünschenswert ist
3.2. Sanktionen des Nützlichkeitsprinzips
3.3. Gemeinschaftsgefühl der Menschen als Fundament der Moral

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit „John Stuart Mill – Utilitarismus“ befasst sich mit der utilitaristischen Ethik nach John Stuart Mill (1806 – 1873), welcher diese als englischer Philosoph und Ökonom des 19. Jahrhunderts und ausgehend von dem Konzept seines Vaters James Mill, auf welches er sich stets beruft, neu gestaltete.

Der Utilitarismus ist eine aus dem angelsächsischen Sprachraum stammende philosophische Richtung, welche menschliches Handeln nach dessen Nutzen für die Einzelnen sowie für die Gesamtheit bewertet. Nach der utilitaristischen Ethik gelten jene Handlungen als wünschenswert, welche, so formulierte es ihr Begründer Jeremy Bentham, das „größte Glück der größten Zahl“ unter Einbezug der gesamten betroffenen Menschheit zur Folge haben, denn sowohl nach Bentham als auch nach Mill steht Glück als ein Synonym für Lust und Lust sei „als Endzweck wünschenswert“ [Mill (1976): 25]. Die Qualität einer jeden Handlung wird also an ihren Folgen gemessen und gegen die Folgen anderer möglichen Handlungen ab gewägt. Mit Hilfe des sogenannten hedonistischen Kalküls soll das Glück und Leid aller Betroffenen berechnet und so eine Entscheidung über die zu bevorzugende Handlung getroffen werden können. Die „Beförderung des Glücks ist der Maßstab, an dem alles menschliche Handeln gemessen werden muss“ [ebd.: 117]. Handlungen werden als moralisch richtig angesehen, solange sie die Tendenz haben, Glück zu befördern, und insoweit als moralisch falsch, „als sie die Tendenz haben, das Gegenteil von Glück zu bewirken.“ [ebd.: 23]

Genau aus diesem Grund allerdings steht jene Art des Denkens, welche besonders in angelsächsischen Länder eine weitaus größere Anerkennung genießt als beispielsweise in Deutschland, welches vorranging durch Kant und die christliche Ethik geprägt ist, unter häufiger Kritik, denn das größte Glück für die größte Zahl der Menschen könnte auch das Opfern anderer bedeuten.

Neben zahlreichen Kritikern gibt es auch viele Verteidiger des Utilitarismus. John Stuart Mill ist einer von ihnen und der wohl bekannteste und penetranteste. In seiner Schrift „Utilitarism“ versucht er den Utilitarismus und dessen Normen und Absichten zu erklären, ihn dem Leser näher zu bringen und zu zeigen, wie sich der Utilitarismus gegenüber den Forderungen der allgemein erwarteten Gerechtigkeit verhält, denn „Darüber, was gerecht ist, gibt es ebenso viele Meinungsverschiedenheiten und ebenso heftige Diskussionen wie darüber, was für die Gesellschaft nützlich ist.“ [Mill (1976): 165], wobei „Recht und Unrecht ebenso wie Wahrheit und Falschheit eine Frage von Beobachtung und Erfahrung“ [ebd.: 11] seien und doch „Gerechtigkeit, die auf Nützlichkeit gegründet ist, den Hauptteil und den unvergleichlich bedeutsamsten und verbindlichsten Teil aller Moral ausmacht“ [ebd.: 177].

In meiner nun folgenden Arbeit wird besonderes Augenmerk auf das dritte Kapitel gelegt werden, in welchem die Frage nach den Sanktionen der utilitaristischen Norm und deren Motiv erläutert wird. In diesem Zusammenhang soll auch geklärt werden, warum ein Mensch mehr an dem allgemeinen Glück als an seinem eigenen interessiert sein sollte und weshalb das Gemeinschaftsgefühl der Gesellschaft von Utilitaristen als so wichtig erachtet wird. Durch eine eng an dem Primärtext „Der Utilitarismus“ geführte Argumentation sowie Anregungen aus dem Seminar sollen diese und weitere Aspekte genauer betrachtet werden.

2. Mill und der Utilitarismus

Mills „Utilitarismus“ wird als eine der philosophisch anspruchsvollsten Verteidigungen der utilitaristischen Ethik angesehen. Die zum Zwecke der vorliegenden Arbeit betrachtete Neuausgabe soll, so Dieter Birnbacher, die Bedeutung des Begriffs wiederherstellen und die Ethik des Utilitarismus als eine ernstzunehmende Moraltheorie rehabilitieren. Mill wolle den Utilitarismus verteidigen und bewirken, dass ihn jeder anerkennt, in der Absicht seine utilitaristische Ethik einem jedem zugänglich zu machen. Zu diesem Zweck versucht Mill „ den Gegnern so weit wie möglich entgegenzukommen“ und den „konsequente(n) und radikale(n) Utilitarismus Benthams so weit wie möglich“ abzuschwächen, um sich den „überkommenden moralischen Überzeugungen“ anzunähern, (so)dass das Bedenkliche am Utilitarismus – das Anstößige eines ungemilderten Hedonismus, die Loslösung der Moral von der Religion oder der Unzulänglichkeiten einer Ableitung der Gerechtigkeit aus der Nützlichkeit, wie sie Hume unternommen hatte, gemindert, wenn nicht sogar aufgehoben erscheint.“ [ebd.: 202].

John Stuart Mill sollte von seinem Vater zum „Wunderkind“ herangezogen werden: bereits mit dem dritten Lebensjahr liest und schreibt er, bald darauf lernt er die griechische und lateinische Sprache und wird in die Welt der höheren Mathematik eingeführt. James Mill, ein Anhänger der Lehre Platons, glaubte an die unbegrenzte Formbarkeit des Menschen durch die Erziehung und verfolgte den Vorsatz aus seinem Sohn einen vollendeten Utilitaristen zu machen, was er auch tat, streng nach Bentham`schen Richtlinien. J.S. Mill selbst war so an die Autorität seines Vaters gebunden, dass er sich erst nach dessen Tod zu einer objektiven und kritischen Betrachtungsweise der tief verankerten Lehre durchringen konnte. Je mehr Mill sich jedoch kritisch mit seiner Lebensweise auseinander setzte, desto größer wurde seine Angst vor einem bereits vorliegenden, abgestumpften Empfindungsvermögen aufgrund der Nützlichkeitslehre seines Vaters. Während dieser Krise, setzt sich Mill mit Romantikern und anderen nicht-utilitaristischen Theoretikern auseinander, um einen Überblick über die „Vielfalt des menschlichen Fühlens und Wollens“ [Mill (1976): 199] erlangen zu können. So kam es, dass J.S. Mill den Utilitarismus einer Generalüberholung unterzog und ihn, im Vergleich zur Ethik Benthams, wesentlich weiterentwickelte. Mill versteht zum Beispiel „Glück“ als Kompositum mehrerer zentraler Werte, welche in dem fünften Kapitel seiner Schrift systematisch beleuchtet werden.

Während Glück seinem Vater und auch Bentham nach ein Synonym für Lust ist und Lust „als Endzweck wünschenswert“ [ebd.: 25] angesehen wird, distanziert sich J.S. Mill an dieser Stelle und unterscheidet verschiedene Arten von Lust, nämlich jene, welche von höherer Qualität, und jene welche von niedriger Qualität seien. Stünden sich zwei Freuden gegenüber, so sei immer diejenige wünschenswerter, welche von einer Art Richtern, also Menschen, die beide Freuden bereits erfahren haben und somit quasi Experten für beide Freuden sind, für besser befunden und demnach bevorzugt wird. Ein intelligenter Mensch werde jene Tätigkeit empfehlen, welche von höherem Niveau zeugt. Für Mill steht fest, dass Lust nicht gleich Lust ist, denn es sei allgemein anzunehmen „dass Menschen [...] höhere Fähigkeiten [haben] als bloß tierische Gelüste und vermögen, sobald sie sich dieser einmal bewusst geworden sind, nur darin ihr Glück zu sehen“ [ebd. 27]. Das Leben des Philosophen sei dem des Genießers vorzuziehen, denn „kein intelligenter Mensch möchte ein Narr“ [ebd.: 29] sein, selbst wenn dessen Lust wesentlich schneller befriedigt ist, und dessen Glück leichter vollkommen ist, als Lust und Glück eines Gebildeten, welcher um die wahre Vollkommenheit weiß und sich deren Unerreichbarkeit bewusst ist. Daher sei er „lieber ein unglücklicher Mensch, als ein glückliches Schwein“. Mill erläutert, dass seine Überzeugung, dass „ einige Arten der Freude wünschenswerter und wertvoller sind als andere“, wenn sie auch von der Grundidee Benthams‘ abweichend ist, trotzdem „mit dem Nützlichkeitsprinzip, (dem Prinzip des größten Glücks insgesamt) durchaus vereinbar“ [Mill (1976): 23] ist. Der Begriff Glück fungiere in diesem Fall als Beschreibung eines Zustandes, der voll von Lust und frei von Unlust sei, so Mill, und sei auch für ihn „als Endzweck wünschenswert“ [ebd.: 25], wobei „der einzige Beweis dafür, dass etwas wünschenswert ist, der sein kann, dass die Menschen es tatsächlich wünschen.“ [ebd.: 105] und „jeder sein eigenes Glück erstrebt, insoweit er es für erreichbar hält“ [ebd.: 107] .

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
J. S. Mill "Utilitarismus". Sanktion der Moral des größten Glücks
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
2,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V268360
ISBN (eBook)
9783656587835
ISBN (Buch)
9783656587811
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mill, utilitarismus, sanktion, moral, glücks
Arbeit zitieren
Melissa Grönebaum (Autor), 2012, J. S. Mill "Utilitarismus". Sanktion der Moral des größten Glücks, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268360

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