Die Faszination, welche die Musikinstrumente dabei auf Kinder ausüben und die daraus entstehende Motivation, sich musikalisch zu beschäftigen, wird am Projekt „Jedem Kind sein Instrument“ didaktisch und methodisch gewendet zu einem gelungenen musikpädagogischen Konzeptansatz. Wesentliche Merkmale sind hierbei ein spiel - und handlungsorientierter Unterricht, der einen anschaulichen oder besser anhörlichen sowie kindgerechten Zugang zur Musik möglich macht. Es gibt keine bessere Willensschulung, als etwas mit Freude wieder und immer wieder zu üben, gerade wenn Schwierigkeiten und Hindernisse zu überwinden sind. Alles Künstlerische, wenn es nur vom Lehrer lebendig und phantasievoll gepflegt wird, erfüllt diese Forderung.“ Dabei wird die Fähigkeit des richtigen Übens immer wieder in den Vordergrund gestellt.
Ausgehend von diesen Gedanken hat sich das Projekt JEKI entwickelt. Das nicht gänzlich unumstrittene, von Nordrhein-Westfalen ausgehende Projekt ist mittlerweile auch in anderen Bundesländern anzutreffen und auch Baden-Württemberg weist schon die ersten JEKI Projekte auf, die in ihrer Umsetzung jedoch von der ursprünglichen Form in Nordrhein-Westfalen abweichen.
Baden-Württemberg steckt zur Zeit ebenfalls große Anstrengungen in den Ausbau des schulischen Ganztagesangebotes, insbesondere in Form von Gemeinschaftsschulen, weshalb in dieser Arbeit im Bezug auf Baden-Württemberg die Relevanz des Projektes JEKI für die Gemeinschaftsschulen untersucht wird.
Bei ganztägiger „Beschulung“ bleibt für die Kinder und Jugendlichen nur wenig Zeit, um sich einem Hobby außerhalb der Schule zu widmen, da sie erst am späten Nachmittag von der Schule nach Hause kommen. Deshalb ist es im Kontext der Ganztagsschule wichtig, dass die außerschulischen Aktivitäten, wie Sport- oder Musikvereine in den Schulalltag integriert werden, da sie sonst, bei einer konsequenten Durchführung der Ganztagsschule keinen Platz mehr hätten. Im Zuge dessen muss eine verstärkte Kooperation zwischen Schulen, Vereinen und andern sozialen Einrichtungen stattfinden, die durchaus für beide Seiten von Vorteil sein können.
Diese Arbeit wird zunächst das Projekt JEKI von seiner Entstehung bis zur Durchführung kritisch beleuchten. Im Folgenden wird der aktuelle Forschungsstand zum Thema Ganztagsschulen und in diesem Kontext vornehmlich Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg beleuchtet, bevor darauf eingegangen wird, in welcher Form JEKI in Ganztagsschulen integriert werden kann oder [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Projekt JEKI
2.1 Die Entstehung des Projektes
2.2 Ziele des Projektes
2.3 Finanzierung von JEKI
2.4 JEKI in der Praxis
2.4.1 Das Projekt JEKI in Bochum
2.4.2 JEKI in Hamburg
2.4.3 JEKI in Baden Württemberg
3. Ganztagsschulen
3.1 Die Bedeutung von ganztäglicher Bildung für den Entwicklungsprozess von Kindern
3.2 Konzepte von Ganztagsschulen
3.3 Ziele der Ganztagsschulen
3.4 Umsetzung von Ganztagsschulen
3.5 Musikunterricht an Ganztagsschulen
4. Praktisch orientierter Musikunterricht an Schulen
4.1 Bläserklassen
4.1.2 Bläserklassen in der Praxis
4.2 Musikalische Grundschule
4.3 Primacanta
4.4 Jedem Kind seine Stimme
5. Kritik an Ganztagsschulen
6. Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg
6.1 Gemeinschaftsschule in Waldbronn
7. Relevanz des Projektes JEKI für die Ganztagsschulen in Baden Württemberg
7.1 Relevanz von früher musikalischer Bildung für die Entwicklung von Kindern
7.2 JEKI als frühe musikalische Bildung
7.3 Klangerfahrungen im Rahmen des Projektes JEKI
7.4 JEKI an Ganztagsschulen in Baden-Württemberg
8. Kritik an JEKI
9. Fazit
10. Bibliographie
10.1 Quellen
10.2 Zeitschriften
10.3 Internetquellen
10.4 Filme
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz des Musikprojekts „Jedem Kind sein Instrument“ (JEKI) im Kontext des Ausbaus von Ganztagsschulen, insbesondere der Gemeinschaftsschulen, in Baden-Württemberg. Ziel ist es, die didaktischen Ansätze von JEKI kritisch zu beleuchten, die Integration in den Schulalltag zu analysieren und alternative Modelle musikalischer Förderung zu vergleichen, um Perspektiven für eine effektive musikalische Bildung in einem heterogenen Schulsystem aufzuzeigen.
- Grundlagen und Konzeption des JEKI-Projekts
- Entwicklung und Zielsetzung von Ganztags- sowie Gemeinschaftsschulen
- Praktische Implementierung musikalischer Fördermodelle an Schulen
- Herausforderungen der Kooperation zwischen Schule und externen Anbietern
- Soziale Dimensionen und Inklusionspotentiale musikalischer Bildung
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Das Projekt JEKI in Bochum
„Kaum waren die Stadtverwaltung, Musikschulen sowie Schulen Bochums vom Projekt JEKI überzeugt, wurden sie von einer großzügigen Spende überrascht. Frau von Usslar vermachte ihre Stradivari Geige der GLS Treuhand e.G mit der Auflage, dass sie zur musikalischen Förderung eingesetzt wird. So wurde die Stradivari die Grundlage für „Jedem Kind ein Instrument“ in Bochum. Sie wurde verkauft und aus dem Erlös konnten die ersten 500 Instrumente finanziert werden.“43
In Bochum bekommen die Kindern im ersten Jahr die Möglichkeit, unterschiedliche Instrumente kennenzulernen, die ihnen im JEKI-Unterricht von der Lehrkraft vorgestellt werden. Innerhalb dieses Jahres wird neben der Vorstellung der Instrumente Wert auf rhythmische Erziehung, sowie Gesang gelegt.
Im zweiten Jahr entscheiden sich die Kinder schließlich für ein Instrument, welches sie dann in Grundzügen erlernen.44 Nach Ablauf des zweiten Jahres ist das Modell JEKI in Bochum beendet und die Kinder müssen selbst entscheiden, ob sie ihren Instrumentalunterricht fortsetzten wollen. Dies erfolgt dann gegebenenfalls privat. Somit folgt Bochum dem in Nordrhein-Westfalen entstandenen JEKI Grundmodell, welches auf zwei Jahre angesetzt ist und den Kindern danach freie Wahl lässt, ob sie das Instrument weiter lernen oder nicht.
In Bochum legte man im ersten JEKI Jahr nicht ausschließlich Wert darauf, dass die Kinder Instrumente ausprobieren, die heute in Gebrauch sind. So wurden auch historische Instrumente herangezogen, um diese auszuprobieren. Man möchte den SuS dadurch zeigen, dass eine lange Entwicklung notwendig war, bis die Instrumente so aussahen und klangen, wie es heute der Fall ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die positive Wirkung aktiven Musizierens auf die Entwicklung von Kindern und führt in die Problematik ein, Musik an Ganztagsschulen als wesentlichen Bestandteil zu etablieren.
2. Das Projekt JEKI: Dieses Kapitel erläutert die Konzeption, Ziele und Finanzierung des JEKI-Projekts sowie dessen praktische Umsetzung und Kooperationsformen an verschiedenen Standorten.
3. Ganztagsschulen: Hier werden die Konzepte, Ziele und die aktuelle Umsetzung von Ganztagsschulen in Deutschland diskutiert, mit besonderem Augenmerk auf die Verzahnung von Unterricht und außerschulischen Angeboten.
4. Praktisch orientierter Musikunterricht an Schulen: Das Kapitel stellt ergänzend zu JEKI weitere Modelle wie Bläserklassen, Musikalische Grundschulen und Gesangsprojekte als Ansätze für musikalische Förderung vor.
5. Kritik an Ganztagsschulen: Die kritische Analyse befasst sich mit der selektiven Wirkung des Schulsystems und den Herausforderungen bei der individuellen Förderung innerhalb heterogener Klassen.
6. Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg: Es wird die Struktur von Gemeinschaftsschulen als Sonderform der Ganztagsschule in Baden-Württemberg und deren pädagogische Zielsetzung analysiert.
7. Relevanz des Projektes JEKI für die Ganztagsschulen in Baden Württemberg: Dieses Kapitel verknüpft die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Bedeutung früher musikalischer Bildung mit den spezifischen Anforderungen der Ganztagsschulentwicklung in Baden-Württemberg.
8. Kritik an JEKI: Hier werden kritische Aspekte beleuchtet, wie etwa die Qualifikation des Lehrpersonals, Schwierigkeiten im Gruppenunterricht und organisatorische sowie finanzielle Herausforderungen.
9. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Chance, durch die Integration von JEKI in den Schulalltag eine nachhaltige musikalische Förderung für alle Kinder zu sichern.
Schlüsselwörter
JEKI, Ganztagsschule, Gemeinschaftsschule, Musikpädagogik, Instrumentalunterricht, Baden-Württemberg, musikalische Bildung, Kooperation, Inklusion, Begabungsförderung, soziale Integration, Musikschule, Gruppenunterricht, Schulentwicklung, musikalische Grundausbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie das Musikprojekt „Jedem Kind sein Instrument“ (JEKI) in den Schulalltag integriert werden kann, um Kindern eine frühzeitige musikalische Förderung im Kontext des ausgebauten Ganztagsschulbetriebs zu ermöglichen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen musikalischer Bildung, die Organisationsformen von Ganztags- und Gemeinschaftsschulen, verschiedene musikpädagogische Praxismodelle sowie die kritische Reflexion von Kooperationsmodellen und Finanzierungsaspekten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Relevanz und Umsetzbarkeit von JEKI für die neu eingeführten Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg zu prüfen, um eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung der Kinder zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine wissenschaftliche Hausarbeit, die auf der Analyse bestehender fachwissenschaftlicher Literatur, Evaluationsstudien (z.B. der Bochumer Begleitstudie) und der kritischen Auswertung von Konzepten zur Ganztagsschulentwicklung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des JEKI-Projekts, die Analyse von Ganztagsschulkonzepten, die Darstellung alternativer Musikprojekte, eine kritische Auseinandersetzung mit der Ganztagsschule und die spezifische Betrachtung der Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie JEKI, Ganztagsschule, Musikpädagogik, Inklusion, Kooperation, Gemeinschaftsschule und musikalische Grundbildung charakterisieren.
Wie unterscheidet sich das JEKI-Modell in Heidenheim von dem in Bochum?
Im Gegensatz zum Bochumer Modell, das als Grundschulprojekt mit Wahlmöglichkeiten angelegt ist, beginnt das Projekt in Heidenheim erst in der zweiten Klasse mit verpflichtendem Blockflötenunterricht und bietet eine deutlich geringere Instrumentenauswahl, um Kosten zu senken.
Warum ist die Kooperation zwischen Schule und Musikschulen für den Erfolg entscheidend?
Die Kooperation ist essenziell, da sie Fachkompetenz und pädagogische Betreuung im Schulalltag zusammenbringt. Ohne eine enge institutionelle und didaktische Abstimmung ist eine qualitative musikalische Förderung innerhalb der Ganztagsstruktur organisatorisch kaum umsetzbar.
- Citar trabajo
- Fabian Müller (Autor), 2013, Das Projekt "Jedem Kind sein Instrument (JEKI)" und seine Relevanz für die Ganztagsschulen in Baden-Württemberg, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268367