Platons Phaidon. 67b-72e


Hausarbeit, 2011

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Platons Phaidon

1. Einleitung

2. Einordnung in den Text des Abschnittes  67b-72e

3. Der erste Unsterblichkeitsbeweis der Seele
3.1 Das einfache Werden
3.2  Das zweifaches Werden

4. Weitere Umgebung

5. Schlussbemerkung und philosophische Einwände

6. Literatur

Einleitung

Der zum Tode verurteilte Sokrates wird am letzten Tag seines Lebens von Freunden und Fremden, unter denen sich auch Kebes und Simmias befinden, welche im Folgenden die Hauptdialogpartner Sokrates sind, besucht. Die Darstellung dieses Ereignisses wird in Form einer wirklichkeitsnahen Wiedergabe präsentiert, da die Geschichte von Phaidon nacherzählt wird. So berichtet dieser also, dass die Besucher Sokrates unerwarteter Weise nicht trauernd oder leidend vorfinden, sondern, dass  er ganz im Gegenteil  „Glücklich nämlich erschien (…) in seinem Verhalten und in seinen Worten“ (Platon: 58e). Die Frage, die sich im anschließenden Dialog stellt, ist, was nach dem Tod geschieht, sodass Sokrates unbeschwert auf diesen zuschreiten kann.

Platon geht von einem Dualismus von Körper und Seele aus. Der lebende Mensch bildet eine Einheit dieser beiden, welche erst im Zuge des Todes getrennt wird. „Und das sei das Tot-Sein, wenn der Körper, getrennt von der Seele, abgesondert ganz für sich ist“ (ebd: 64c) Philosophen sollten sich daher auf Tod freuen, da die reine Erkenntnis nur von der Seele alleine erlangt werden kann. Der Körper behindert die Seele in der Wahrheitsfindung, welche ein Philosoph anstrebt. Daher sollte ein echter Philosoph, der der Liebhaber der Weisheit ist, diesem Moment, in dem sich die Seele nur auf sich selbst konzentriert, freudig entgegen blicken. Allerdings legitimiert dies keinen Selbstmord, da sonst eine Übernahme der Totalität des eigenen Lebens erfolgen würde. Kebes äußert die Angst, dass die Seele beim „Tod wie ein Lufthauch oder Rauch, nicht auch zerstoben ist und verflogen und nichts und nirgends mehr ist.“ (ebd: 70a), woraufhin Sokrates insgesamt vier verschiedene Beweise für die Unsterblichkeit der Seele liefert.

Die Schlüssigkeit der Beweise und ihre Beweiskraft sind bis heute umstritten, wie auch die Interpretation nicht eindeutig geklärt ist, allerdings handelt es sich in dem Dialog hauptsächlich um die Frage nach der Unsterblichkeit der Seele.

Im Folgenden werde ich die Gedanken aus den Abschnitten 67b-72e wiedergeben, in denen sich mit dem ersten Beweis der Unsterblichkeit der Seele beschäftigt wird. Dieser Beweis ist ein physische Beweis, welchem der allgemeine Kreislauf der Dinge mit ständigem Übergang vom einen ins andere zu Grunde liegt, ohne welchen, so Sokrates, alle gegensätzlichen Zustände aufhören würden.

Abschließend werde ich mich kritisch mit der Argumentation Sokrates‘, beziehungsweise Platons auseinandersetzen.

2.Einordnung in den Text des Abschnittes  67b-72e

Der zu bearbeitende Abschnitt 56b-72e befindet sich am Anfang des Dialoges. Phaidon trifft auf Echakrates und berichtet ihm von dem Besuch bei Sokrates und dessen Beteiligten am letzten Tag vor Vollstreckung des Urteils. Echakrates hatte zuvor noch keine genauen Angaben zu der Anklage des bereits gerichteten Soktares vernommen und befragt nun Phaidon, welcher ihm von der Anklage wegen Missachtung der Götter berichtet und davon, dass „soviel Zeit zwischen dem Urteil und dem Tode“ (Platon: 58c) verstrich, da erst die Rückkehr des Festzuges nach Delos abgewartet werden musste, denn während dieser Zeit ist es Gesetz „von Staats wegen niemanden zu töten“ (ebd: 58b). Phaidon gesteht, dass er keine wirkliche Trauer empfindet, sondern seine Gefühle sich eher in „einer ungewohnten Mischung, die aus Lust zugleich und Betrübnis zusammengemischt war“ (ebd: 59a) befinden, da er sich sicher sei, das Sokrates mit göttlicher Begleitung von den Lebenden ging.

Am Anfang ist es nicht verständlich für die Besucher, dass Soktates so gelassen und glücklich wirkte und er sogar noch Euenos aufforderte ihm doch in den Tod zu folgen „wenn er klug wäre“ (ebd: 60c), was allerdings keine Aufforderung zum Suizid sein sollte, denn „Gewalt wird er sich doch nicht selbst antun; denn dies, sagen sie, sei nicht recht“ (ebd: 61c), töte man sich selbst, so erzürnt man die Götter. Ein Mensch muss auf seinen Tod so lange warten, „bis der Gott irgendeine Notwenigkeit dazu verfügt hat“ (ebd: 62c), wie es bei ihm selbst nun der Fall ist. Seine Meinung, ein Philosoph solle sich auf den Tod freuen, ist für die Beteiligten zuerst nicht nachzuvollziehen, ebenso wenig wir für Echakrates. Simmias und Kebes werfen Sokrates sogar vor, dass es ihm zu leicht falle sie alle und auch die Götter einfach zurückzulassen. Sokrates startet daraufhin sich zu verteidigen, wie vor Gericht: „Wohlan denn (…) laßt mich versuchen, ob ich mich mit besserem Erfolg vor euch verteidigen kann als vor den Richtern.“ (ebd: 63b). Sokrates erklärt, dass er davon ausgehe zu anderen „wackeren Männern“ und „zu Göttern, die ganz treffliche Herren sind“ (ebd: 63c) zu kommen.  „(E)in Mann, welcher als wahrer philosophisch sein Leben vollbracht, müsse getrost sein, wenn er im Begriff ist zu sterben, und der frohen Hoffnung, daß er dort Gutes in vollem Maße erlangen werde, wenn er gestorben ist“ (Platon: 63e-64a). Echte Philosophen bereiten sich ihm nach ihr ganzen Leben lang auf den Tod vor, fingen sie an sich zu fürchten, wenn es dann schließlich so weit ist, wäre lächerlich. Der Leib hat Bedürfnisse und Lüste, um welche sich der Mensch bemüht, außerdem verfälscht er die Wahrnehmung. Philosophen versuchen sich von den körperlichen Trieben möglichst wenig beeinflussen zu lassen, doch erst durch den Tod, wenn die Seele vom Leib getrennt ist, kann sich die Seele voll und ganz auf sich selbst konzentrieren. Dieser Ansicht stimmen Simmias und Kebes zu.

Was folgt, ist der erste Beweis der Unsterblichkeit der Seele. Ihm schließen sich drei weitere an, welche zunehmend Platons Ideenlehre erkennen lassen, und abschließend der Tod Sokrates, welchen die Besucher, durch die Worte Sokrates‘ überzeugt, beruhigt doch trauernd hinnehmen können.

Der 1. Unsterblichkeitsbeweis der Seele

3. Der 1. Unsterblichkeitsbeweis der Seele

Es ist das Geschäft der Philosophie, das Leben über die Trennung von Leib und Seele zu proben und jene zu reinigen, sowie sich selbst im eigenen Leibe zu sammeln, deswegen sollte man auch „als richtiger Philosophierender“ (ebd: 67e) keine Angst vor dem Tod haben. Sokrates wird, so sagt er, in der Hoffnung sterben, all das zu erlangen, wonach er im vorangegangenen Leben gestrebt hat. Ihm nach wäre es „die größte Torheit, wenn (Philosophen) dann nicht mit Freuden dahin gehen wollten, wo sie die Hoffnung haben, dasjenige zu erlangen, was sie im Leben liebten“,  (ebd: 67e+68a) nämlich die Weisheit und im selben Zug die Trennung von dem unangenehmen Störfaktor, dem Leib. Sokrates hofft, dass er dort, wohin er nach dem Tod gehen wird, „zur Genüge dasjenige erlangen (wird) worauf alle (…) Bemühungen in dem vergangenen Leben gezielt haben.“ (ebd: 67b). Er tritt seinem Schicksal nicht wie von den Besuchern erwartet ängstlich, sondern voller Hoffnung entgegen und ist überzeugt, dass auch jeder andere, der eine reine Seele in sich trägt, dies tun solle.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Platons Phaidon. 67b-72e
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V268370
ISBN (eBook)
9783656587712
ISBN (Buch)
9783656587699
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
platons, phaidon
Arbeit zitieren
Melissa Grönebaum (Autor), 2011, Platons Phaidon. 67b-72e, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268370

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