Sibylla Schwarz, Richard Dehmel und Oskar Kanehl. Drei Avantgardisten in Greifswald


Seminararbeit, 2013

36 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Der Avantgarde-Begriff
1.2 Die Feldtheorie von Pierre Bourdieu

2 Avantgardisten in Greifswalder in Bezug auf die Feldtheorie von Pierre Bourdieu
2.1 Die „pommersche Sappho“ Sibylla Schwarz
2.1.1 Die politische Lage von Pommern und Greifswald – Das politische Feld und das Feld der Macht während des Dreißigjährigen Krieges
2.1.2 Das soziale Feld der Sibylla Schwarz
2.1.3 Das literarische Feld zur Zeit der Sibylla Schwarz
2.2 Richard Dehmel – Sein Leben und seine besondere Freundschaft zu Carl Ludwig Schleich
2.2.1 Das literarische Feld zwischen den Jahrhunderten
2.2.2 Richard Dehmel und sein soziales Feld
2.2.3 Richard Dehmel und sein Bezug zur Hansestadt Greifswald
2.2.4 Richard Dehmel, ein Avantgardist des Naturalismus oder des Expressionismus?
2.3 Oskar Kanehl und der „Wiecker Bote“
2.3.1 Oskar Kanehl – Ein Kritiker des wilhelminischen Bildungssystems
2.3.2 Die „Greifswalder Hochschul-Blätter“
2.3.3 Der „Wiecker Bote“
2.3.4 Die Universität als autonome Institution – Existenz eines Subfeldes?

3 Resümee

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Avantgarde in der Provinz , so lautet der Titel dieser Arbeit, die sich speziell mit Personen auseinandersetzt, die eine enge Verbundenheit mit der Hansestadt Greifswald aufweisen. Diese Verbundenheit soll sich aber nicht nur auf der literarischen Ebene darstellen, sondern auch auf der menschlichen.

Die Avantgardisten, die hier untersucht werden, sind die berühmte Greifswalder Dichterin Sibylla Schwarz (1621-1638), die den größten Anteil in dieser Arbeit – nicht zuletzt aufgrund der deutlich reichhaltigen Forschungsergebnisse – einnehmen wird sowie der Rebell Oskar Kanehl (1888-1929) mit seinem „Wiecker Boten“. Desweiteren werden Richard Dehmel (1873-1920), der durch die Freundschaft mit dem Mediziner Carl Ludwig Schleich mit Greifswald verbunden war, in dieser Arbeit analysiert.

Literarische Avantgardisten, wie die gerade genannten Autoren, sind für die Region Greifswald ein besonderes Gut, denn jeder von ihnen bewirkte eine neue Stoßrichtung auf ihrem jeweiligen literarischen Feld. Die bourdieusche Feldtheorie soll in dieser Arbeit die jeweilige Beschreibung der Personen unterstützend begleiten, um diese soziologisch und literaturtheoretisch verorten zu können. Die Schwierigkeit bei der Bearbeitung wird sein, die Theorie von Bourdieu auf die unterschiedlichen literarischen Felder von Greifswald anzuwenden. Gemeint ist damit die jeweilige Zeit, in der sich die Akteure im literarischen Feld bewegten. Bis auf Sibylla Schwarz bewegen sich die anderen Personen nahezu in einem Feld, nämlich dem expressionistisch geprägten literarischen Feld. Zumindest Dehmel und Kanehl können mit ihrem Schaffen dieser literarischen Epoche zugeordnet werden.

Die Frage ist, ob sich der Barock mit Sibylla Schwarz auch mit der Feldtheorie analysieren lässt. Diese Frage stellte sich auch Stefanie Stockhorst.[1] Das Problem bei der Anwendung der Feldtheorie ist, dass Bourdieu diese Theorie auf Basis der französischen Literatur des 19. Jh. entwickelte.[2] Somit sind noch keine wissenschaftlich fundierten Ergebnisse, bis auf die von Frau Stockhorst, ermittelt worden. Wichtig, auch im Hinblick auf den Rahmen der Arbeit, ist, dass das literarische Feld und das Feld der Macht nur in der Lebenszeit von Sibylla Schwarz und der Stadt Greifswald im Dreißigjährigen Krieg betrachtet werden soll. Das Feld der Macht und speziell die Lebensbedingungen in Greifswald und auf dem Landgut Fretow werden ausschlaggebend für die Positionierung von Sibylla Schwarz im literarischen Feld der res publica literaria sein. Die Stellung der Frau in einer männerdominierenden Zeit muss dabei natürlich mit berücksichtigt werden. Ihr „kulturelles Kapital“ wird dabei eine entscheidende Rolle in Bezug auf ihre Avantgardisten-Rolle einnehmen.

Die Theorie von Bourdieu ist im Zuge dieser Arbeit nicht nur aufgrund der Zeit des Barock interessant, sondern auch bei der Konstituierung der unterschiedlichen Felder. Wie ist das literarische Feld des Expressionismus bestimmt und welche Position nahm Richard Dehmel und Oskar Kanehl in diesem ein? Kann man Dehmel im literarischen Feld von Pommern und Greifswald positionieren, obwohl er nur für ein paar Tage zu Gast war? Auch bei Oskar Kanehl kann man interessante Fragen zur bourdieuschen Feldtheorie aufstellen. Da in der Zeit von 1913/14 kaum literarisches Schaffen in Greifswald vorherrschte und die Universität eine autonome Stellung besaß, musst untersucht werden, ob sich die Hierarchisierungsprinzipien des literarischen Feldes dort wiederfinden.

Im Deutschland der Vorkriegszeit und des Expressionismus konstituieren sich verschiedene literarische Felder in denen die Akteure jeweils nach Macht streben. Diese literarischen Felder stehen nun in Konkurrenz mit anderen literarischen Feldern, die wiederum in dem Konglomerat Deutschlands zum „Hauptfeld der Literatur“ zusammengefasst werden und dort dynamisch-wechselseitigen Machtbestrebungen nachgehen. Kann man deshalb von einem „Subfeld“ sprechen? Diese Frage soll näher im Abschnitt 2.3.4. untersucht werden.

Im Folgenden wird zunächst der Avantgarde-Begriff erläutert. Anschließend werden die hier genannten Personen ausführlich betrachtet und mit der Theorie von Pierre Bourdieu in Beziehung gesetzt. Die unterschiedliche Ausdifferenzierung der Felder wird dabei gleich vorgenommen. Am Ende soll ein Dokument entstehen, welches die Beziehung der einzelnen Personen mit Greifwald herauskristallisiert und die Anwendung der Feldtheorie rechtfertigt.

1.1 Der Avantgarde-Begriff

Was ist eigentlich Avantgarde? Dieser Begriff wird meistens mit der Kunst in Verbindung gesetzt. Avantgarden sind neue ästhetische Ausdrucksmöglichkeiten und mit der künstlerischen und literarischen Bewegung verbunden.[3] Allgemein bedeutet der Begriff soviel wie eine „Vorhut“ oder besser: eine Neuheit oder Vorreiterrolle auf einem Gebiet. Hans Magnus Enzensberger kritisierte diesen Begriff, der ursprünglich aus dem militärischen Bereich stammt, auf das schärfste. Denn im Prinzip hält diese Avantgarde-Rolle nicht lange an, denn im nächsten Moment kann dieser durch einen anderen Künstler schon wieder verblassen. Desweiteren ist dieser Begriff nicht nur mit der künstlerischen Qualität verbunden. Er sollte eher als formale oder inhaltliche Neuheit verstanden werden.[4] Von Oswald Wiener wird zwischen einer Primär- oder Avantgardekunst und einer Sekundär- oder angewandten Kunst unterschieden. Der Unterschied zwischen beiden ist, dass sich die Primärkunst als Versuch oder Gedanke Neuland zu betreten versteht. Die Sekundärkunst hingegen bedient sich an den erarbeiteten Mittel der Primärkunst.[5] Der folgende Abschnitt fasst den Avantgarde-Begriff auch im Hinblick auf diese Arbeit gut zusammen:

Konstitutiv für die Avantgarde ist einerseits der Gestus des Traditionsbruches, der Mythos der Innovation, andererseits der Antagonismus zur etablierten Ordnung, die Aggression gegen gesellschaftliche Konventionen. Festzustellen ist bei den klassischen Avantgarden (Futurismus, Dada, und Surrealismus) eine neuartige und zunehmende Radikalisierung der Mittel im Kampf gegen die Bourgeoisie und die akademische Kunst […].[6]

Aus diesem einen Satz können zahlreiche Informationen zu den in dieser Arbeit herangezogenen Personen entnommen werden. Zweifellos lassen sich alle der ersten Kategorie von Wiener zuordnen. Das junge Wunderkind Sibylla Schwarz als Dichterin in einem männerdominierenden literarischen Feld, die in diesem zarten Alter Gedichte schrieb wie der bedeutende Martin Opitz. Oder der linksexpressionistische Oskar Kanehl, der mit seinem „Wiecker Boten“ „eine Bombe in das schwarze Ketzernest Greifswald“[7] schmiss und somit seine Aggression gegen die Gesellschaft von Greifswald zeigte. Weiter sollte der Begriff nicht ausgeweitet werden. Die Personen werden mit diesem an einer anderen Stelle in Bezug gesetzt.

1.2 Die Feldtheorie von Pierre Bourdieu

In diesem Abschnitt soll die Theorie von Bourdieu kurz erläutert werden, um die Basis für eine spätere Differenzierung dieser Theorie zu legen.

Die Theorie von Bourdieu hat als Gegenstand nicht die Gesellschaft, sondern das Soziale, welches von ihm in horizontaler Ebene in verschiedene Felder aufgeteilt ist. Diese Felder sind durch verschiedene Institutionen gekennzeichnet.[8] Das dominante Feld ist das Feld der Macht , auf dem sich die anderen Felder (literarisches-, politisches-, soziales- und das universitäre Feld) aufbauen. Diese Felder sind durch die jeweiligen Akteure mit ihrem speziellen Habitus bestimmt. Die Verbindung von Habitus und Feld ist dabei der Antrieb, also ein dynamischer Prozess der das Feld bedingt. Jedem Feld liegt dabei ein Autonomisierungsprozess zugrunde, der sich auch in der Gesellschaft zeigt.[9]

Die Eigenschaft der Akteure ist es, über Kapital (kulturell, ökonomisch, sozial, symbolisch) zu verfügen, um die jeweiligen Positionen in den verschiedenen Feldern zu besetzen. Jeder Akteur strebt in seinem Feld nach der größtmöglichen Macht.[10] Aufgrund dieser nach machtstrebenden Eigenschaft kommt es in den einzelnen Feldern zu Machtkämpfen zwischen den Akteuren. Diese Machtkämpfe sind häufig mit Transformationsprozessen verbunden. Auch die Felder der Kulturproduktion sind Auseinandersetzungen unterworfen. Dort kristallisieren sich zwei Prinzipien heraus: einmal das heteronome Prinzip, indem sich diejenigen Akteure behaupten, die das Feld ökonomisch und politisch dominieren. Zum anderen gibt es das autonome Prinzip, in dem die Akteure vom ökonomischen und politischen Kapital weitestgehend unabhängig sein wollen und bspw. für den literarischen Wert des Werkes einstehen. Bei ihnen steht somit die Akkumulation kulturellen Kapitals im Vordergrund. Akteure des heteronomen Prinzips sind durch die Nachfrage von Mäzen oder Kunden bestimmt, während die Akteure des autonomen Prinzips, unabhängig von der Nachfrage durch das Publikum, künstlerisch produktiv sind.[11]

Um die hier zu betrachtenden Personen mit der Feldtheorie Bourdieus zu erfassen, benötigt es einer Differenzierung dieser Theorie. Diese Differenzierung soll an dieser Stelle nur angedeutet werden und dann bei den jeweiligen Personen angewendet werden. Als Beispiel für eine Differenzierung soll hier Sibylla Schwarz herangezogen werden.

Das Feld der Macht ist in der Zeit von Sibylla Schwarz durch die politischen Wirren und den Dreißigjährigen Krieg in Pommern bestimmt. Somit muss auf die verschiedenen Aspekte eingegangen werden, die dieses Feld definieren. Desweiteren ist dieses Feld durch die Dominanz des Mannes gekennzeichnet, in der die Frau andere Aufgaben hatte als sich schriftstellerisch zu etablieren. Die Stellung der Frau im literarischen Feld der res publica literaria muss dabei ebenfalls mit einbezogen werden. Resultieren aus dieser Erkenntnis die zwei Hierarchisierungsprinzipien, die oben mit dem heteronomen und dem autonomen Prinzip (Pol) beschrieben sind? Dies gilt es in dieser Arbeit zu untersuchen. Aus der Tatsache heraus, dass es in dieser männerdominierenden Gesellschaft auch Frauen gab die den Durchbruch schafften, könnten sich diese beiden Pole konstituieren.

2 Avantgardisten in Greifswalder in Bezug auf die Feldtheorie von Pierre Bourdieu

In den folgenden Ausführungen werden nun die Akteure Sibylla Schwarz, Richard Dehmel und Oskar Kanehl mit dem Avantgarde-Begriff in Verbindung gebracht und ihr Leben und (literarisches-) Schaffen in Greifswald aufgezeigt. Desweiteren wird die Theorie von Bourdieu mit diesen Personen verknüpft und, wie oben schon angedeutet, differenziert.

2.1 Die „pommersche Sappho“ Sibylla Schwarz

Das Leben von Sibylla Schwarz, der Greifswalder Barockdichterin, ist keineswegs vergleichbar mit den anderen beiden Personen, die hier noch vorgestellt werden. Sie ist in einem gewissen Maße eine Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit, denn sie ist einerseits den kulturellen Normen der res publica literaria unterworfen und andererseits durch die provinzielle Lage Greifswalds vom Rest der literarischen Elite in den großen bedeutenden Städten wie Nürnberg, Leipzig oder Königsberg abgeschnitten. Der Poetikprofessor Daniel Georg Morhof bezeichnete Sibylla als ein „Wunder ihrer Zeit“[12]. Sie begann bereits im jungen Alter von 13 Jahren und schrieb bis zu ihrem Tod (1638) Gedichte, die die Einschätzung von Morhof noch unterstreichen. Desweiteren muss der Dreißigjährige Krieg erwähnt werden, der die Lebenszeit von Sibylla maßgeblich beeinflusste. Auf dieser noch weiter auszuführenden Basis ist das Feld der Macht in Pommern während des Dreißigjährigen Krieges und das soziale Feld von Sibylla und ihrer Familie zu untersuchen. Aus dem Feld der Macht wird sich dann das literarische Feld rekon-struieren lassen und dabei die Frage geklärt, ob eine Autonomie und Heteronomie erkennbar sind.

2.1.1 Die politische Lage von Pommern und Greifswald – Das politische Feld und das Feld der Macht während des Dreißigjährigen Krieges

Grundlegend für Sibyllas Leben war die Situation Greifswalds und Pommerns während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). Aus diesem wird dann später die Lebenssituation der Familie Schwarz rekonstruiert.

Mit dem Kriegseintritt Dänemarks verlagerte sich der Krieg allmählich in den Norden. Pommern blieb durch die loyale Haltung des pommerschen Herzogs Bogislaw XIV. zum Kaiser neutral. Somit waren Verteidigungsmaßnahmen nicht angebracht, was sich jedoch negativ auf die Kriegskasse auswirkte.[13] Mit dem Einzug von Wallensteins Truppen in das schlecht vorbereitete Pommern, die auf dem Marsch nach Norden zahlreiche Stützpunkte eroberten, kam es zu einer immer schlechteren Situation der Bevölkerung. Bogislaw XIV. musste der Forderung Wallensteins 1627 nachkommen, dass seine Regimenter Quartier und Verpflegung bekommen sollten. Häuser von Beamten, Ritter, Professoren und Geistlichen sowie Bürgermeistern und Ratsherren sollten dagegen nicht beansprucht werden. Jedoch war dies nicht immer der Fall. Infolgedessen quartierten sich die zahlreichen Soldaten und Söldner in die Häuser der anderen Bevölkerungskreise ein und es kam zu Plünderungen und Übergriffen, obwohl dies strikt verboten war. Die Folge war, dass Hinterpommern ausgebeutet wurde und bald den Truppen, die Stralsund belagern und befreien sollten, keine Versorgung mehr bot.[14] Die Folge des Einmarsches der Truppen Wallensteins beschreibt Batkin in seiner Excidium Germaniae folgerndermaßen:

[…] Man wandert bei zehn Meilen und siehet nicht einen Menschen, nicht ein Vieh, nicht einen Sperling, wo nicht an etlichen Orten ein alter Mann und Kind oder zwei alte Frauen zu finden. In allen Dörfern sind die Häuser voller todten Leichname und Aeser gelegen, Mann, Weib, Kind und Gesind, Pferde, Schweine, Kühe und Ochsen, neben und unter einander von der Pest und Hunger erwürgt, voller Maden und Würmer und von den Wölfen, Hunden, Krähen, Raben und Vögeln gefressen worden, weil Niemand gewesen, der sie begraben, beklaget und beweinet hat […].[15]

Die oben schon erwähnte Verelendung war das Resultat der Truppen Wallen-steins. Die Bevölkerung selbst hatte kaum bis gar keine Nahrungsmittel. Ernteausfälle resultierten aus der Landflucht. Dadurch entstanden eine Hungersnot und Krankheiten, die 66% der Bevölkerung Pommerns das Leben kosteten. Von 16 Mio. Einwohnern im damaligen Reich waren nach dem Krieg noch 10 bis 11 Mio. Menschen am Leben.[16] Greifswald wurde besonders hart von diesen Umständen getroffen. Die Stadt bot der zukünftigen Belagerung Stralsund einen idealen Ausgangspunkt und war zudem noch leicht zu verteidigen. Sie war zwar vom Franzburger Abkommen erfasst, jedoch wüteten die Truppen dort besonders schwer. Morde, Misshandlungen und Vergewaltigungen gehörten zum Kriegsalltag dazu. Von 1001 Greifswalder Häusern waren 1629 noch 426 mit Ortsansässigen bewohnt.[17]

Mit der späteren Kapitulation von Wallensteins Truppen, die aufgrund der nicht erfolgreichen Belagerung Stralsunds und den schlechten Versorgungsbedingungen im ausgebeuteten Pommern einherging, zogen die Schweden in Greifswald ein. Es kam der Frieden zurück, denn das schwedische Militär duldete keine Übergriffe. Mit dem Tod des letzten Greifenherzogs Bogislaw XIV. am 10. März 1637 kehrten die kaiserlichen Truppen, und somit Tod und Elend wieder nach Greifswald und Umgebung zurück.[18]

Pommern war durch die Übernahme durch Wallensteins Truppen und die damit einhergehende prekäre Situation für die Bevölkerung gekennzeichnet. Die Männerdominanz und das damit verbundene Frauenbild sind weitere Merkmale dieses Feldes. Frauen waren vom Ehemann sozial und ökonomisch abhängig sowie für die Familie zuständig und hatten kaum Rechte.[19] Für die Frauen des Adels war es natürlich anders. Dort verliefen die Eheversprechen nach dem dynastischen Verfahren.[20]

Es kann somit festgehalten werden, dass das Feld der Macht durch die politische Situation in Pommern, durch die Ständegesellschaft und durch die männerdominierende Stellung in allen Bereichen des Heiligen Römischen Reiches und in Pommern geprägt war, in dem die Frau zwar zu einer Randexistenz im kulturellen- bzw. im literarischen Feld (Ausnahmen waren Anna Ovena Hoyers[21], Sophie Elisabeth von Braunschweig[22] und Catharina Regina von Greiffenberg[23] ) zählte, im sozialen Feld der Familie jedoch eine bedeutendere Stellung einnahm.

2.1.2 Das soziale Feld der Sibylla Schwarz

In diesem Abschnitt soll das Leben der Sibylla Schwarz während dieser schwierigen politischen und menschlichen Zeit beschrieben werden. Die Erfahrungen mit Wallensteins Truppen und den damit verbundenen Konsequenzen verarbeitet sie in ihren Gedichten, die der Pfarrer Samuel Gerlach, ihr langjähriger Freund und Förderer, 1650 unter dem Titel Deutsche Poetische Gedichte herausgebracht hat.[24]

[...]


[1] Vgl. Stockhorst, Stefanie: Feldforschung von der Erfindung der Autonomieästhetik? Zur relativen Autonomie barocker Gelegenheitsdichtung. In: Text und Feld. Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur. Hrsg. von Markus Joch und Norbert Christian Wolf. Tübingen: Niemeyer 2005, S. 55-71.

[2] Vgl. ebd., S. 55.

[3] Vgl. Lohse, Rolf/Scherer, Ludger: Einleitung. In: Avantgarde und Komik. Hrsg. von Ders. Amsterdam: Rodopi 2004, S. 9.

[4] Vgl. Wiegmann, Hermann: Die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts. Würzburg: Königshausen & Neumann 2005, S. 347.

[5] Vgl. Wiener, Oswald: 1979, S. 183, zitiert nach: Lohse/Scherer 2004, S. 9.

[6] Vgl. ebd.

[7] Vgl. Müller-Waldeck, Gunnar: Literarische Spuren in Greifswald. Greifswald: Universität 1990, S. 106.

[8] Vgl. Jurt, Joseph: Das literarische Feld. Das Konzept von Bourdieu in Theorie und Praxis. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1995, S. 75.

[9] Vgl. Jurt 1995, S. 84f.

[10] Vgl. Bourdieu, Pierre: Die Regeln der Kunst. Genese und Struktur des literarischen Feldes. Übersetzt von Bernd Schwibs und Achim Russer. Frankfurt/Main: Suhrkamp 2001, S. 342.

[11] Vgl. Bourdieu 2001, S. 344f.

[12] Morhof, Daniel Georg: Unterricht Von Der Teutschen Sprache Und Poesie. Kiel: Reumann 1682, S. 438.

[13] Vgl. Inachin, Kyra: Die Geschichte Pommerns. Rostock: Hinstoff 2005, S. 67.

[14] Vgl. Inachin 2005, S. 67f.

[15] Batkin: Excidium Germaniae, zitiert nach Ganzenmueller, Petra: Wider die Ges(ch)ichtslosigkeit der Frau: Weibliche Selbstbewusstwerdung zu Anfang des 17. Jahrhunderts am Beispiel der Sibylle Schwarz (1621-1638). Dissertation. British Columbia: University 1998, S. 124, zitiert nach Lahnstein, S. 22f.

[16] Vgl. Ganzenmueller 1998, S. 127.

[17] Vgl. ebd., S. 128f.

[18] Vgl. Ganzenmueller 1998, S. 132f.

[19] Vgl. Becker-Cantarino, Barbara: Der lange Weg zur Mündigkeit. Frau und Literatur (1500-1800). Stuttgart: Metzler 1987, S. 46.

[20] Vgl. Ganzenmueller 1998, S. 56.

[21] Vgl. Becker-Cantarino 1987, S. 220.

[22] Vgl. ebd., S. 246.

[23] Vgl. ebd.

[24] Vgl. Ganzenmueller 1998, S. 158.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Sibylla Schwarz, Richard Dehmel und Oskar Kanehl. Drei Avantgardisten in Greifswald
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Deutsche Philologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
36
Katalognummer
V268488
ISBN (eBook)
9783656595496
ISBN (Buch)
9783656595465
Dateigröße
664 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schwarz, Kanehl, Dehmel, Literarisches Feld, Barock, Bourdieu, Greifswald, Avantgarde
Arbeit zitieren
Tobias Noack (Autor), 2013, Sibylla Schwarz, Richard Dehmel und Oskar Kanehl. Drei Avantgardisten in Greifswald, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268488

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