Sibylla Schwarz, Richard Dehmel und Oskar Kanehl. Drei bedeutende Personen, die das literarische Feld in Greifswald auf ihre Weise und in ihrer Zeit geprägt haben. Sibylla Schwarz, die den Beinamen "pommersche Sappho" trägt, war zu ihrer Zeit (der Dreißigjährige Krieg war in Greifswald angekommen) ein Wunderkind. Ihre hohe Bildung war zu dieser Zeit und besonders als Frau außergewöhnlich.
Richard Dehmel verband eine tiefe Freundschaft zu Carl Ludiwg Schleich. Er war der Hauptgrund für seine Reisen nach Greifswald.
Die Geschichte von Oskar Kanehl wird in dieser Arbeit umfangreich betrachtet. Diese Person ist kaum bekannt, doch tief mit Greifswald verwurzelt.
Die Arbeit beschäftig sich mit den Fragen, wie sich die jeweiligen Akteure im literarischen Feld von Greifswald und Pommern auszeichnen. Dazu wird die Theorie von Pierre Bourdieu angewand. Diese Theorie muss vorher modifiziert werden, da Bourdieu sie auf die französische Revolution bezieht. Bisher haben dies nicht allzu viele Forscher versucht und deshalb findet man auch nur den Aufsatz von Stefanie Stockhorst. Ebenfalls wird der Frage nachgegangen, wie sich die jeweiligen literarischen Felder, in denen sich die drei Avantgardisten bewegen", konstituieren und welche dynamischen Prozesse in ihnen wirken.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Der Avantgarde-Begriff
1.2 Die Feldtheorie von Pierre Bourdieu
2 Avantgardisten in Greifswalder in Bezug auf die Feldtheorie von Pierre Bourdieu
2.1 Die „pommersche Sappho“ Sibylla Schwarz
2.1.1 Die politische Lage von Pommern und Greifswald – Das politische Feld und das Feld der Macht während des Dreißigjährigen Krieges
2.1.2 Das soziale Feld der Sibylla Schwarz
2.1.3 Das literarische Feld zur Zeit der Sibylla Schwarz
2.2 Richard Dehmel – Sein Leben und seine besondere Freundschaft zu Carl Ludwig Schleich
2.2.1 Das literarische Feld zwischen den Jahrhunderten
2.2.2 Richard Dehmel und sein soziales Feld
2.2.3 Richard Dehmel und sein Bezug zur Hansestadt Greifswald
2.2.4 Richard Dehmel, ein Avantgardist des Naturalismus oder des Expressionismus?
2.3 Oskar Kanehl und der „Wiecker Bote“
2.3.1 Oskar Kanehl – Ein Kritiker des wilhelminischen Bildungssystems
2.3.2 Die „Greifswalder Hochschul-Blätter“
2.3.3 Der „Wiecker Bote“
2.3.4 Die Universität als autonome Institution – Existenz eines Subfeldes?
3 Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die enge Verbindung zwischen ausgewählten literarischen Avantgardisten und der Hansestadt Greifswald, wobei die bourdieusche Feldtheorie als theoretischer Rahmen dient. Ziel ist es, Sibylla Schwarz, Richard Dehmel und Oskar Kanehl soziologisch und literaturtheoretisch zu verorten, um deren spezifische Positionierung in den jeweiligen literarischen Feldern und deren Bezug zur Stadt Greifswald zu analysieren.
- Anwendung der bourdieuschen Feldtheorie auf unterschiedliche historische Epochen (Barock bis Expressionismus).
- Analyse des Einflusses politischer und sozialer Rahmenbedingungen auf das literarische Wirken der untersuchten Autoren.
- Untersuchung von Autonomie und Heteronomie im literarischen Feld der jeweiligen Zeit.
- Erforschung der Existenz eines literarischen Subfeldes in einer provinziellen Stadt wie Greifswald.
- Bewertung des Avantgarde-Status der Autoren im Kontext ihrer Zeit.
Auszug aus dem Buch
Die „pommersche Sappho“ Sibylla Schwarz
Das Leben von Sibylla Schwarz, der Greifswalder Barockdichterin, ist keineswegs vergleichbar mit den anderen beiden Personen, die hier noch vorgestellt werden. Sie ist in einem gewissen Maße eine Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit, denn sie ist einerseits den kulturellen Normen der res publica literaria unterworfen und andererseits durch die provinzielle Lage Greifswalds vom Rest der literarischen Elite in den großen bedeutenden Städten wie Nürnberg, Leipzig oder Königsberg abgeschnitten. Der Poetikprofessor Daniel Georg Morhof bezeichnete Sibylla als ein „Wunder ihrer Zeit“.
Sie begann bereits im jungen Alter von 13 Jahren und schrieb bis zu ihrem Tod (1638) Gedichte, die die Einschätzung von Morhof noch unterstreichen. Desweiteren muss der Dreißigjährige Krieg erwähnt werden, der die Lebenszeit von Sibylla maßgeblich beeinflusste. Auf dieser noch weiter auszuführenden Basis ist das Feld der Macht in Pommern während des Dreißigjährigen Krieges und das soziale Feld von Sibylla und ihrer Familie zu untersuchen. Aus dem Feld der Macht wird sich dann das literarische Feld rekonstruieren lassen und dabei die Frage geklärt, ob eine Autonomie und Heteronomie erkennbar sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, die Autoren Sibylla Schwarz, Richard Dehmel und Oskar Kanehl vorzustellen und deren Verbundenheit zu Greifswald mithilfe der Feldtheorie von Bourdieu zu untersuchen.
2 Avantgardisten in Greifswalder in Bezug auf die Feldtheorie von Pierre Bourdieu: Dieser Hauptteil analysiert die drei Autoren individuell, prüft deren Positionierung in den jeweiligen literarischen Feldern unter Berücksichtigung von Kapital, Habitus und sozialen Strukturen und hinterfragt deren Avantgarde-Status.
3 Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen, bestätigt die außergewöhnliche Stellung der Autoren und bekräftigt die Bedeutung der Anwendung der Feldtheorie auf die untersuchten literarischen Subfelder.
Schlüsselwörter
Avantgarde, Greifswald, Feldtheorie, Pierre Bourdieu, Sibylla Schwarz, Richard Dehmel, Oskar Kanehl, Wiecker Bote, Literaturtheorie, literarisches Feld, soziales Feld, Barock, Expressionismus, Autonomie, heteronomes Prinzip.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die literarischen Avantgardisten Sibylla Schwarz, Richard Dehmel und Oskar Kanehl im Kontext ihrer persönlichen Beziehung zur Hansestadt Greifswald unter Anwendung der Feldtheorie nach Pierre Bourdieu.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Anwendung soziologischer Literaturtheorie auf historische Autoren, der Einfluss von Machtverhältnissen und gesellschaftlichen Zwängen auf das literarische Schaffen sowie die Rolle lokaler Gegebenheiten wie der Stadt Greifswald für die literarische Produktion.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die drei genannten Akteure soziologisch und literaturtheoretisch zu verorten, ihre Positionen innerhalb ihrer jeweiligen literarischen Felder zu bestimmen und zu klären, inwiefern sie als Avantgardisten gelten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die bourdieusche Feldtheorie, um durch eine differenzierte Analyse von Kapital (kulturell, sozial, ökonomisch) und Habitus das literarische Wirken und die Autonomie der Autoren zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Autoren Sibylla Schwarz (Barock), Richard Dehmel (zwischen den Jahrhunderten) und Oskar Kanehl (Expressionismus/Wiecker Bote) einzeln analysiert und ihre spezifischen sozialen und literarischen Felder untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Avantgarde, Feldtheorie, Greifswald, literarisches Feld, Sibylla Schwarz, Richard Dehmel, Oskar Kanehl und Autonomie charakterisiert.
Inwieweit spielte die Universität Greifswald eine Rolle für die behandelten Autoren?
Die Universität fungierte als autonomes Machtgefüge in Greifswald, das insbesondere für Oskar Kanehl und dessen Auseinandersetzung mit den akademischen Strukturen der wilhelminischen Zeit eine zentrale Rolle spielte.
Was macht den „Wiecker Bote“ zu einem besonderen Untersuchungsgegenstand?
Der „Wiecker Bote“ gilt als Beispiel für ein literarisches Subfeld in Greifswald, in dem Oskar Kanehl durch seine Zeitschrift linksexpressionistische Kritik an der Gesellschaft übte und eine eigenständige Position gegenüber dem etablierten akademischen Umfeld bezog.
- Citation du texte
- Tobias Noack (Auteur), 2013, Sibylla Schwarz, Richard Dehmel und Oskar Kanehl. Drei Avantgardisten in Greifswald, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268488