Woran liegt es, dass mir unsere neue Nachbarin unsympathisch ist, obwohl ich sie gar nicht kenne? Wieso fällt scheinbar nur mir auf, dass sie sich sehr merkwürdig verhält? Wie kann es sein, dass ich von diesem Lehrer so grundlegend falsch eingeschätzt werde? Warum sieht er mich völlig anders als ich wirklich bin? Weshalb schätzen wir so oft Menschen falsch ein, ohne ihnen die Gelegenheit zu geben uns vom Gegenteil zu überzeugen?
Diese und ähnliche Fragen habe ich mir schon etliche Male gestellt. Erst als ich im Rahmen des Moduls B3 an einem Seminar teilgenommen habe, in dem es um ,,Interaktionstheorien und ihre Bedeutung für Beratungsprozesse" ging, gelang es mir dieses Verhalten zumindest ansatzweise zu verstehen. Es scheint etwas mit dem Phänomen der Übertragung und Gegenübertragung zu tun zu haben, dass wir einen ,,subjektiven Erwartungsrahmen" ausbilden, der uns ,,Vor- und Parallelerfahrungen auf neue Situationen" übertragen lässt.
Jeder Mensch ist durch seine Erziehung, sein soziales Umfeld und durch die daraus entstehenden Wünsche, Ängste und Hoffnungen geprägt. Besonders die Rolle der des Pädagogen/ der Pädagogin, dem Erzieher/ der Erzieherin, des Sozialarbeiters/ der Sozialarbeiterin, ... empfinde ich in diesem Zusammenhang als höchst interessant, da eben auch diese/r als Mensch nicht frei von Prägungen seiner Vergangenheit ist. Diese werden zwangsläufig in die Arbeit mit dem Klienten eingebracht und können die gegenwärtige Situation verzerren. In diesem Kontext ist wohl auch der Satz ,,Die Wahrnehmung einer Situation wird von der Persönlichkeit des Wahrnehmenden radikal beeinflusst" zu verstehen.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Entdeckung und Bedeutungswandel des Begriffs der Übertragung
2.1. Übertragung nach Sigmund Freud
2.2. Übertragung nach Ralph R. Greenson
3. Entdeckung und Bedeutungswandel des Begriffs der Gegenübertragung.
3.1 Sigmund Freud: Gegenübertragung als Beeinträchtigung und das Chirurgen-, Spiegelidea
3.2. Paula Heimann: Gegenübertragung als Schöpfung des Patienten
4. Übertragung / Gegenübertragung und pädagogischer Bezug
4.1. Erscheinungsformen von Übertragung und Gegenübertragung
4.2. Positive / Negative Übertragung und Wiederholungszwang
4.3. Gegenübertragung als komplementäre und konkordante Identifizierung
5. Die Relevanz der reflektierten Gegenübertragung
6. Fazit
7. Anhang
Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter „Übertragung“ in der Pädagogik?
Übertragung bedeutet, dass Klienten oder Schüler unbewusste Wünsche, Ängste oder Erfahrungen aus früheren Beziehungen (z. B. zu den Eltern) auf den Pädagogen projizieren.
Was ist die „Gegenübertragung“?
Die Gegenübertragung beschreibt die emotionalen Reaktionen des Pädagogen auf den Klienten. Diese können durch die Übertragung des Klienten ausgelöst werden oder auf eigenen Prägungen des Pädagogen basieren.
Warum ist die Reflexion der Gegenübertragung wichtig?
Unreflektierte Gegenübertragung kann die professionelle Beziehung verzerren. Eine bewusste Auseinandersetzung hilft dem Pädagogen, den Klienten objektiver wahrzunehmen und professionell zu handeln.
Wie definierte Sigmund Freud diese Begriffe?
Freud sah Übertragung zunächst als Hindernis, später als Werkzeug. Die Gegenübertragung betrachtete er kritisch als Beeinträchtigung, die der Pädagoge (oder Analytiker) kontrollieren müsse.
Was sind positive und negative Übertragungen?
Positive Übertragung äußert sich in Vertrauen oder Zuneigung, während negative Übertragung durch Ablehnung oder Feindseligkeit geprägt ist. Beide beeinflussen den pädagogischen Prozess maßgeblich.
- Quote paper
- Master of Arts Kathrin Mütze (Author), 2009, Chancen und Risiken von Übertragung und Gegenübertragung im pädagogischen Feld, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268534