Was haben Mediendesigner, Anwälte, Künstler und Musiker in diesen Tagen gemeinsam? Sie wollen alle nach Berlin! - oder in eine andere hippe Großstadt auf dieser Welt. Seit dem Übergang von der Industrie zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft beobachten Sozialwissenschaftler eine Trendwende aus den Vorstädten in die Großstädte zu ziehen. Auffällig ist die hohe Zahl an Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen, die alleine oder mit ihren Familien, ehemalige Arbeiterviertel zum Leben und Arbeiten bevorzugen, die vor wenigen Jahre nur für ihre hohe Dichte an Studierenden und Menschen mit Migrationshintergrund bekannt waren. Nun trifft man immer häufiger sogenannte Hipster auf den Straßen der urbanen Erlebniswelten an. Es kommt an vielen Orten zur Gentrifizierung: die ehemaligen Arbeiterviertel erfahren eine bauliche und symbolische Aufwertung und gleichzeitig werden sozial schwächere Bevölkerungsschichten durch erhöhte Mietpreise verdrängt.
Nun entsteht aus dieser Entwicklung ein Problem hinsichtlich der sozialen Integration zwischen diesen Gruppen. Der amerikanische Soziologe Louis Wirth, der zur Chicagoer Schule zählte, sieht die Stadt als Arena, wo sich verschiedene Bevölkerungsschichten aufgrund unterschiedlicher Lebensstile und -entwürfe im feindlichen Sinne voneinander abgrenzen. Doch diese Abgrenzung führe zu einer toleranten Einstellung der Großstadtbewohner, die durch kosmopolitische Geisteshaltung geprägt sind, weil sie in der Großstadt wohnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2 Gentrifizierung
2.1 Definition Gentrifizierung
2.2 Akteure der Gentrifizierung
2.3 Phasenmodelle der Gentrifizierung
2.3.1 Invasions-Sukzessions-Zyklus
2.3.2 Rent-Gap / Value-Gap
2.3.3 Phasen der Transformation kulturellen Kapitals in Gentrifizierungsprozessen
3 Moderne Wissensgesellschaft und Gentrifizierung
3.1 Die creative class bei Richard Florida
3.2 Manuel Castells Netzwerkgesellschaft
3.3 Nico Stehr – Wissensökonomie
3.4 Die Bedeutung der Wissensklassen für den Gentrifizierungsprozess und Kritik an den Theorien Floridas, Castells und Stehrs
4 Urbane Entwicklungen und Gentrifizierung
4.1 Frauen und Family Gentrification
4.2 Vielfalt und Migration
4.3 Soziale Segregation bei Pierre Bourdieu
5 Fazit und Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht, ob die Gentrifizierung im Kontext der modernen Wissensgesellschaft als ein Erfolgsmodell für die soziale Integration in städtischen Räumen betrachtet werden kann, wobei insbesondere die Rolle neuer Wissensklassen und deren Einfluss auf urbane Verdrängungsprozesse analysiert wird.
- Analyse stadtsoziologischer Theorien zur Wissensgesellschaft
- Untersuchung der Rolle der "kreativen Klasse" bei Gentrifizierungsprozessen
- Kritische Beleuchtung ökonomischer und kultureller Transformationsprozesse
- Diskussion der Auswirkungen auf die soziale Segregation und Integration
Auszug aus dem Buch
3.1 Die creative class bei Richard Florida
Richard Floridas Studien zur creative class stehen in enger Tradition zu den soziologischen und ökonomischen Forschungen zur Wissensgesellschaft bei Daniel Bell und Peter Drucker, die die Begriffe wissensbasierte Wirtschaft und Wissensökonomie prägten. Florida (2002) skandiert in seinem mittlerweile zum Standardwerk für Stadtplaner und Kommunalpolitiker gewordenen The Rise of the Creative Class, dass das kreative Milieu zum Motor der Wirtschaft wird und zugleich soziale Veränderungen mit sich bringt:
„These changes in the economy and in the workplace have in turn helped to propagate and legitimize similar changes in society at large. The creative individual is no longer viewed as an iconoclast. He–or she–is the new mainstream.“ (Florida 2002: 6)
Die creative class definiert Florida als eine ökonomisch determinierte Klasse, die ihren Lebensunterhalt mit dem Output von kreativer Arbeit verdient. Diese Art zu wirtschaften prägt ihre Bedürfnisse und Lebensentwürfe hinsichtlich Lebensstil, Konsum und soziales Umfeld. Nach Florida gibt sich die creative class ihr Selbstbild durch diese ähnlich konnotierten Identitäten und die Art und Weise, wie die 'Creative Worker' miteinander kooperieren. Florida denkt nicht in erster Linie wie Karl Marx in Klassenkategorien, die sich über Begriffe wie Eigentum, Kapital oder Produktion konstituiert. Die Mitglieder der kreativen Klasse haben nicht ausgesprochen viel materiellen Besitz, aber definieren sich über ihr geistiges Handwerk und teilen ähnliche Bedürfnisse und Wünsche, die nach Florida eine fast so starke Kohärenz wie die der Arbeiterklasse erreichen würde, ohne dabei Wert auf distinktives Klassenbewusstsein zu legen (vgl. Florida 2002: 68).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Gentrifizierung in der Wissensgesellschaft und deren Einfluss auf die soziale Integration.
2 Gentrifizierung: Definition des Begriffs, Vorstellung der Akteure sowie Erläuterung der Phasenmodelle und ökonomischer Erklärungsansätze.
3 Moderne Wissensgesellschaft und Gentrifizierung: Analyse der einflussreichen Theorien von Richard Florida, Manuel Castells und Nico Stehr zur Wissensgesellschaft.
4 Urbane Entwicklungen und Gentrifizierung: Untersuchung spezifischer Prozesse wie Family Gentrification, Auswirkungen von Migration und sozialer Segregation nach Bourdieu.
5 Fazit und Schluss: Zusammenfassung der Erkenntnisse zur Frage, ob die Wissensgesellschaft soziale Integration fördert oder eher exklusive Enklaven schafft.
Schlüsselwörter
Gentrifizierung, Wissensgesellschaft, Creative Class, Stadtsoziologie, Soziale Segregation, Urbanität, Wissensökonomie, Verdrängung, Reurbanisierung, Netzwerkgesellschaft, soziale Integration, postindustrielle Gesellschaft, Stadtplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der modernen Wissensgesellschaft und Gentrifizierungsprozessen in Städten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Theorie der Wissensgesellschaft, die Rolle der kreativen Klasse und Auswirkungen der Gentrifizierung auf die soziale Struktur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, ob die Gentrifizierung durch die Wissensgesellschaft ein Erfolgsmodell für soziale Integration in der Stadt darstellen kann.
Welche wissenschaftlichen Ansätze werden verwendet?
Es werden stadtsoziologische Ansätze von Autoren wie Richard Florida, Manuel Castells, Nico Stehr und Pierre Bourdieu herangezogen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Konzepte zur Wissensgesellschaft, die Rolle der Akteure sowie spezifische Entwicklungen wie Family Gentrification und Segregation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Gentrifizierung, Wissensgesellschaft, Creative Class, Soziale Segregation und Urbane Transformation.
Welche Rolle spielt die sogenannte "kreative Klasse" bei der Gentrifizierung?
Nach Florida agiert sie als Motor für wirtschaftliches Wachstum, führt jedoch laut Kritikern zu einer exklusiven Raumgestaltung und der Verdrängung einkommensschwacher Gruppen.
Was kritisiert der Autor an den Theorien der Wissensgesellschaft?
Die Arbeit beleuchtet die Kritik, dass die Konzepte soziale Ungleichheiten und Verdrängungsprozesse oft ausblenden und als vermeintliches Dogma dienen, um wirtschaftliche Aufwertung zu legitimieren.
- Citation du texte
- Leif Hanke (Auteur), 2012, Der Gentrifizierungsprozess durch die moderne Wissensgesellschaft. Ein Erfolgsmodell für soziale Integration in der Stadt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268587