In seinem 1998 erschienen Essay „Der flexible Mensch“ zeichnet Richard Sennett ein Bild der modernen Gesellschaft bzw. ihrer Entwicklung und beleuchtet dabei insbesondere das Verhältnis des die Gesellschaft prägenden Kapitalismus auf diese und seine Wirkungen auf das Leben des/der Einzelnen wie auch ihrer Generation bzw. die Identität und den Charakter dieser. Zentrale Perspektive Sennetts ist hierbei die Betrachtung dessen, was in modernen kapitalistischen Gesellschaften unter dem Begriff der „Flexibilität“ subsumiert wird.
Ziel der hier vorliegenden Arbeit ist es, die zentralen Thesen des Buches herauszuarbeiten und dabei zu versuchen, von Sennett genannte Beispiele möglichst nicht in die Arbeit einfließen zu lassen. Die Arbeit soll keine bloße Inhaltsangabe des Essays „Der flexible Mensch“ darstellen, sondern vielmehr die Kernaussagen Sennetts beleuchten. An einigen Stellen war es dennoch sinnvoll, genannte Beispiele kurz vorzustellen, da sie untrennbar von den wesentlichen Thesen waren. An Bezügen zu Literatur konzentriert sich die vorliegende Arbeit auf den 1998 erschienen Essay „Der flexible Mensch“ von Richard Sennett. An einigen Stellen wird auf die detaillierte Kennzeichnung der zitierten Stellen verzichtet. Diese sind durch die Strukturierung der Arbeit durch die Übernahme der Struktur des Buches bereits erkennbar. Wörtliche Zitate sind gekennzeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1 Biographisches zur Person Richard Sennetts
2 Richard Sennett, „Der flexible Mensch“
2.1 Kapitel 1.) Drift - Wie persönliche Erfahrungen in der modernen Arbeitswelt zerfallen
2.2 Kapitel 2.) Routine - Ein Übel des alten Kapitalismus
2.3 Kapitel 3.) Flexibilität – Die neue Strukturierung der Zeit
2.4 Kapitel 4.) Unlesbarkeit - Warum moderne Arbeitsformen schwer zu durchschauen sind
2.5 Kapitel 5.) Risiko - Warum Risiken auf sich zu nehmen verwirrend und deprimierend geworden ist
2.6 Kapitel 6.) Das Arbeitsethos - Wie sich das Arbeitsethos gewandelt hat
2.7 Kapitel 7.) Scheitern - Wie man mit dem Scheitern fertig wird
2.8 Kapitel 8.) Das gefährliche Pronomen - Gemeinschaft als Mittel gegen Drift
3 Persönliche Wertung des Essays
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die zentralen Thesen von Richard Sennetts Werk „Der flexible Mensch“ herauszuarbeiten, ohne das Buch bloß inhaltsangabend wiederzugeben. Im Fokus steht dabei die Analyse der Auswirkungen des modernen Kapitalismus auf die Charakterbildung, das Selbstverständnis und die Identität des Einzelnen im Kontext einer zunehmend flexibilisierten Arbeitswelt.
- Die Transformation von Identität und Kontinuität in modernen Arbeitsverhältnissen.
- Die historische und gesellschaftliche Bedeutung von „Routine“ versus „Flexibilität“.
- Machtstrukturen und Kontrollmechanismen in netzwerkbasierten Institutionen.
- Der Umgang mit Scheitern und Unsicherheit als neue Normalitätskonstruktion.
- Perspektiven der Gemeinschaft als kollektive Antwort auf den flexiblen Kapitalismus.
Auszug aus dem Buch
2.5 Kapitel 5.) Risiko - Warum Risiken auf sich zu nehmen verwirrend und deprimierend geworden ist
Risiko stellt in der modernen Gesellschaft ein Phänomen dar, welches nach Sennett seine Funktion als elementare Antriebskraft gerade deshalb hat, weil in der modernen, dynamischen Form der Gesellschaft mit ihrer Betonung der Flexibilität - vergleichbar mit der beschriebenen „Routine“ - Stillstand – im Sinne einer nicht ständigen Neukonstruktion – mit Tod gleichgesetzt wird. Die daraus resultierende Furcht davor, nichts zu tun, stellt Menschen vor die Herausforderung, enorme Risiken einzugehen, obwohl die Erfolgsaussichten relativ gering sind.
Er stellt fest, dass Risiko und damit verbundene „[…] [persönliche] Ängste […] tief mit dem neuen Kapitalismus verknüpft [sind].“ Während in Sennetts Beschreibung Risiko noch in der griechischen Tragödie als Synonym dafür stand, sein Schicksal herauszufordern, war der verbundene Inhalt bis ins 18. Jahrhundert gekoppelt an den Wunsch nach Kontrolle des Risikos bzw. dessen Minimierung.
Auf diesem Wege entwickelte sich u.a. die mathematische Disziplin der Wahrscheinlichkeitsrechnung, um 1200 n. Chr. begründet durch Leonardo da Pisa – auch Fibonaccis genannt –, der versuchen wollte, eben diese Risiken zu berechnen. Im Unterschied zu dieser Auffassung ist es in der heutigen Zeit kaum möglich, den Risiken des Lebens auf diese Weise entgegen zu treten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Biographisches zur Person Richard Sennetts: Biografische Darstellung des Autors, seiner akademischen Laufbahn und der Entstehungsgeschichte seines Werkes.
2 Richard Sennett, „Der flexible Mensch“: Einführung in das zentrale Thema des Essays: die Auswirkungen der Flexibilität im modernen Kapitalismus auf das Individuum und die Gesellschaft.
2.1 Kapitel 1.) Drift - Wie persönliche Erfahrungen in der modernen Arbeitswelt zerfallen: Untersuchung des Zerfalls von Lebenskontinuität durch kurzfristige Arbeitsbeziehungen und die Angst vor dem Kontrollverlust.
2.2 Kapitel 2.) Routine - Ein Übel des alten Kapitalismus: Analyse des Wandels in der Bewertung von Routine als ordnendes Element versus destruktive industrielle Praxis.
2.3 Kapitel 3.) Flexibilität – Die neue Strukturierung der Zeit: Betrachtung neuer Macht- und Kontrollstrukturen, die trotz (oder wegen) Flexibilisierung und Netzwerkorganisation entstehen.
2.4 Kapitel 4.) Unlesbarkeit - Warum moderne Arbeitsformen schwer zu durchschauen sind: Diskussion darüber, wie Flexibilisierung die Identitätsbildung und das Gemeinschaftsgefühl am Arbeitsplatz erschwert.
2.5 Kapitel 5.) Risiko - Warum Risiken auf sich zu nehmen verwirrend und deprimierend geworden ist: Analyse des Risikos als tägliche Notwendigkeit und dessen negative Auswirkungen auf das Selbstverständnis.
2.6 Kapitel 6.) Das Arbeitsethos - Wie sich das Arbeitsethos gewandelt hat: Historischer Vergleich zwischen dem alten Arbeitsethos der Zeitdisziplin und dem modernen Arbeitsethos der Teamarbeit.
2.7 Kapitel 7.) Scheitern - Wie man mit dem Scheitern fertig wird: Auseinandersetzung mit Scheitern als modernem Tabu und der Suche nach Erzählstrukturen zur Bewältigung dieses Phänomens.
2.8 Kapitel 8.) Das gefährliche Pronomen - Gemeinschaft als Mittel gegen Drift: Plädoyer für ein „Wir“ und die Stärkung von Gemeinschaft als kollektive Antwort auf die Herausforderungen des Kapitalismus.
3 Persönliche Wertung des Essays: Kritische Reflexion des Autors über Sennetts Essay, insbesondere hinsichtlich der Validität der Thesen und des Eindrucks von Sozialromantik.
Schlüsselwörter
Richard Sennett, Der flexible Mensch, Kapitalismus, Flexibilität, Arbeitswelt, Identität, Routine, Risiko, Arbeitsethos, Gemeinschaft, Scheitern, Kontrolle, Machtstrukturen, Sozialromantik, Drift.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Sennetts Essay „Der flexible Mensch“ und arbeitet dessen zentrale Thesen zu den soziologischen Auswirkungen des modernen Kapitalismus auf den Menschen heraus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den Konzepten von Flexibilität, der Auflösung von Lebenskontinuität, der Veränderung des Arbeitsethos sowie dem Umgang mit Risiko und Scheitern in einer flexiblen Arbeitswelt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Kernbotschaften Sennetts zu beleuchten und eine kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Transformation durch den modernen Kapitalismus zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine strukturierte Inhaltsanalyse und Zusammenfassung der Kapitel des Essays sowie eine kritische Reflexion und Einordnung des Werkes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich kapitelweise entsprechend dem Essay und behandelt Themen von der persönlichen Zerfallsangst über die historische Entwicklung von Routine und Arbeitsethos bis hin zu kollektiven Überlebensstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Flexibilität, Kapitalismus, Identitätszerfall, Arbeitsethos, Risiko, Scheitern und Gemeinschaft.
Warum bewertet der Verfasser der Arbeit einige Thesen Sennetts als kritisch?
Der Verfasser merkt an, dass viele Thesen stark auf den persönlichen Erfahrungen Sennetts basieren und das Werk eher ein Essay mit Deutungsangeboten als eine strenge wissenschaftliche Analyse ist.
Wie bewertet der Verfasser den abschließenden Vorschlag einer Gemeinschaft?
Der Verfasser empfindet den Vorschlag der Gemeinschaft als teilweise „sozialromantisch“ und hinterfragt, ob er tatsächlich langfristige Perspektiven zur Reform des Kapitalismus bietet.
- Citation du texte
- Hendrik Kahlbach (Auteur), 2014, 'Der flexible Mensch' von Richard Sennett. Eine Interpretation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268594