Die Brotrede Jesu. Eine Exegese zu Johannes 6, 22-59


Hausarbeit, 2013
35 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Persönliche Annäherung

2. Wissenschaftlich-methodische Exegese
2.1 Textkritik
2.2 Literarkritik
2.2.1 Äußere Abgrenzung / Kohärenz
2.2.2 Innerer Aufbau
2.2.3 Synoptischer Vergleich
2.3 Form- und Gattungkritik
2.3.1 Form- und Gattungsbestimmung
2.3.2 Formgeschichte
2.4 Traditionsgeschichte
2.5 Sozial- und zeitgeschichtliche Analyse
2.6 Redaktions- und Überlieferungskritik
2.7 Wirkungsgeschichte / Rezeptionsgeschichte
2.8 Einzelexegese
2.9 Theologische Gesamtdeutung

3. Hermeneutik / Vergegenwärtigung
3.1 Systematisch-theologische Besinnung
3.2 Religionspädagogische Hermeneutik
3.2.1 Bezug zum Bildungsplan Baden-Württemberg
3.3 Praktisch-theologische Hermeneutik

1. Persönliche Annäherung

In der folgenden Exegese werde ich mich mit der Brotrede Jesu befassen, die in Johannes 6, 22-59 steht.

Bei der Textkritik, die die ursprüngliche Textfassung ermitteln soll, muss ich mich auf den Vergleich verschiedener Textfassungen beschränken, da ich mit geringfügigen Altgriechischkenntnissen keine vollständige Textkritik durchführen kann.

Unter den Gesichtspunkten der Literarkritik werde ich den Text gliedern, ihn im Gesamtkontext betrachten und abgrenzen sowie die Sprache näher analysieren. Dazu gehören unter anderem Satzbau, Sprachniveau, Zeit und Schlüsselbegriffe. Mit einem synoptischen Vergleich wird die Literarkritik abgeschlossen.

Außerdem werde ich den Text form- und gattungskritisch betrachten. Zuerst bestimmte ich Form und Gattung; dann werde ich formgeschichtlich analysieren, welchen Ursprung diese Form hat.

Des Weiteren folgen Traditionsgeschichte und die sozial- und zeitgeschichtliche Analyse des Textes. Hierbei wird nach einzelnen Schlüsselbegriffen und Symbolen gesucht und nach der Bedeutung der Aussagen des Textes in sozialer und gesellschaftlicher Weise.

Die darauf folgende Redaktionskritik beschäftigt sich mit den Absichten des Redaktors; die Wirkungsgeschichte mit der Wirkung des Textes in der Kirchengeschichte.

Es folgt die theologische Gesamtdeutung, die nach der Botschaft des Textes fragt. Danach soll festgestellt werden, welche Bedeutung der Text in heutiger Zeit hat, wie seine Auslegungsweise heutzutage ist und was diese für verschiedene Gesellschaftsgruppen bedeutet.

Abgeschlossen wird die Exegese mit der hermeneutischen Betrachtung des Textes. Hierbei wird der Bildungsplan für Baden-Württemberg einbezogen und es wird geschaut, wie man den Text für den Unterricht nutzen kann.

Analysieren werde ich hauptsächlich die Brotrede. Einbezogen werden hierzu allerdings das Wunder der Speisung der 5000, der Seewandel Jesu, sowie die Scheidung unter den Jüngern, da diese für das Textverständnis und den Kontext wichtig sind. Diese Textabschnitte werden jedoch nur kurz beleuchtet, da eine genaue Analyse zu weit führen würde.

Ich persönlich habe den Text erst im Seminar „Das Johannesevangelium“ an der Hochschule kennengelernt. Er wurde weder während meiner Schulzeit, noch während des Konfirmandenunterrichts behandelt. Dies finde ich sehr schade, da der Text mir gut gefällt. Zwar ist die Brotrede sehr lang, aber durch die „Frage-Antwort“ Struktur verständlich dargestellt. Ich denke, dass sich viele Leute gut mit dem Text identifizieren können, da er das Unverständnis oder die Verwirrung vieler wiederspiegelt. Die im Text vorkommenden Juden verstehen nicht, wie Jesus das Brot sein kann. Mir ging es in jüngeren Jahren genauso; ich denke, dass gerade viele Kinder nur schwer nachvollziehen können, wie Jesu Fleisch gegessen werden kann. Diese Problematik wird in dem Text gut dargelegt und erläutert; es werden verschiedene Lösungsansätze gegeben. Dass Jesus selbst viel spricht, macht den Text lebendig und er lässt sich flüssig und mit Freude und Interesse lesen. Meiner Meinung nach kann man die Brotrede auch als Kind bereits lesen, jedoch wird man ihn erst später so richtig verstehen können.

2. Wissenschaftlich-methodische Exegese

2.1 Textkritik

Für die Untersuchung der Brotrede werden die Textfassungen der Zürcherbibel, der Lutherbibel von 1984 und der Einheitsübersetzung betrachtet. Unterschiede zwischen den einzelnen Fassungen sind farbig markiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Überschrift lassen sich bereits die ersten Unterschiede feststellen: Die Zürcher Bibel betitelt den Text mit „Das Brot des Lebens“, die Lutherbibel schreibt „Jesus das Brot des Lebens“ und in der Einheitsübersetzung heißt es „ Die Rede über das Himmelsbrot in der Synagoge von Kafarnaum“.

Die Überschrift der Einheitsübersetzung beschreibt den folgenden Text am genauesten; es wird bereits der Ort des Geschehens genannt und auch, worüber im Text gesprochen wird. Außerdem wird bereits angekündigt, um welche Textsorte es sich handelt (Rede). Die Zürcher Bibel bleibt sehr allgemein; sie nimmt den Kern des Textes auf. In der Lutherbibel wird „Das Brot des Lebens“, wie es auch in der Zürcher Bibel heißt, durch den Zusatz „Jesus“ noch genauer beschrieben. Das Brot wird in der Einheitsübersetzung anders benannt; hier heißt es Himmelsbrot. Die Unterschiede zeigen auf, welcher Fokus auf den Text gelegt wird. Für die Lutherbibel ist wichtig, dass Jesus das Brot des Lebens ist, wohingegen in der Zürcher Bibel lediglich der Bestand des Brotes des Lebens deklariert wird. In der Einheitsübersetzung spielen Ort und Textsorte eine Nebenrolle.

Es gibt einige sprachliche Unterschiede (blau markiert), durch die meistens kein anderer Sinn des Textes entsteht. Ob sich nun das Volk oder eine Menge an Menschen versammelt, ob Jesus etwas sagt oder spricht, dies gibt dem Text keinen anderen Sinn. Die Unterschiede liegen hier in der Ausdrucksweise. Manche Wörter wurden gewählt, weil sie schöner klingen, manche sind moderner. Es ist in der Lutherbibel von Kapernaum die Rede, wohingegen die Einheitsübersetzung und die Zürcher Bibel Kafarnaum schreiben. Trotzdem ist der gleiche Ort gemeint, es gibt lediglich verschiedene Ortsbezeichnungen.

Die modernere Ausdrucksweise der Einheitsübersetzung und der Zürcher Bibel im Gegensatz zur Lutherbibel wird unter anderem deutlich in Vers 35. Die Lutherbibel schreibt […] „nimmermehr dürsten“; die anderen Übersetzungen wählen […] „nie mehr Durst haben“. Die Einheitsübersetzung und die Zürcher Bibel sind hier bereits in neuer deutscher Rechtschreibung verfasst, die Lutherbibel enthält noch alte Rechtschreibung (dass/daß).

Wichtig sind die rot markierten Sinnunterschiede der Reden. Es gibt Unterschiede, die dadurch entstanden sind, dass eine der Übersetzungen einer Textstelle mehr Nachdruck verleihen wollte. Dazu gehört Vers 30, in dem die Lutherbibel sowie die Einheitsübersetzung die Frage wiederholen („Was tust du?“) Dadurch entsteht ein Nachdruck, der verdeutlicht, wie ernst und wichtig diese Frage ist; es klingt fast verzweifelt und anklagend. In Vers 33 spricht die Einheitsübersetzung von dem „Brot, dass Gott gibt“, bei den anderen beiden Übersetzungen ist es „Gottes Brot“, das einmaliger und wichtiger erscheint, als irgendein Brot, dass Gott gibt. Die Einheitsübersetzung schreibt in Vers 35, dass, wer zu Jesus kommt, „nie mehr hungern und nie mehr Durst haben wird“. In der Luther- und Zürcher Bibel steht erst „nicht mehr hungern“, dann „nie/nimmermehr Durst haben/dürsten“. Diese beiden Bibeln wählen die Klimax, eine Steigerung von „nicht“ zu „nie“. Trotzdem erscheint die Wirkung des Verses in der Version „nie/nie“ viel intensiver. Außerdem zu beobachten ist der Nachdruck in Vers 37. Hier spricht Jesus von „der Vater“. In der Lutherbibel hingegen sagt er „mein Vater“. Durch das Wort „mein“ wird die enge Beziehung von Jesus zu Gott dargestellt. Das Wort „der“ zeugt von Distanz, „mein“ von Nähe. Dadurch, dass Jesus versucht, die Menschen zu überzeugen, er sei der Sohn Gottes, ist die in der Lutherbibel gewählte Version überzeugender.

In Vers 39 soll Jesus nichts verlieren, so schreiben die Zürcher Bibel und die Lutherbibel. In der Einheitsübersetzung ist dem verlieren ein zugrunde gehen gleichgestellt. Wenn man etwas verliert impliziert dies nicht gleich ein zugrunde gehen, daher wurde dem Vers durch den gewählten Ausdruck ein Nachdruck verliehen. Diesen Nachdruck findet man erneut in der Einheitsübersetzung in Vers 46. Die beiden anderen Bibeln schreiben: „Nicht dass/als ob jemand den Vater gesehen hätte“, die Einheitsübersetzung wählt hierfür „Niemand hat den Vater gesehen“. Durch das „niemand“ wird deutlich, dass dieser Satz keinen Widerspruch duldet. Die anderen Übersetzungen drücken sich weitaus vorsichtiger und zurückhaltender aus.

Vers 52 ist ein erneutes Beispiel für die Distanz, die durch ein Wort ausgedrückt werden kann. Die Einheitsübersetzung sagt: „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“, die anderen Bibeln benutzen hier den Satz „Wie kann der uns sein Fleisch zu essen geben?“. Da sich die Juden gegen Jesus stellen, ihm nicht glauben und nicht verstehen, was er ihnen sagt, bauen sie eine Distanz zu ihm auf. Diese Distanz wird durch das Wort „der“ statt „er“ sehr deutlich. Liest man die Sätze laut, so betont man automatisch „der“ eher abfällig und fast verachtend.

In Vers 55 steht auch ein Sinnunterschied: Laut Einheitsübersetzung sagt Jesus „Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank“. Noch intensiver drückt dies die Zürcher Bibel aus: „Denn mein Fleisch ist wahre Speise und mein Blut ist wahrer Trank“. Nun ist das Fleisch nicht nur eine wirkliche Speise, sondern auch eine wahre. Die Speise ist nicht nur echt und real, sondern auch vertrauenswürdig und glaubhaft. Die Lutherbibel verdeutlicht dies allerdings noch stärker, indem sie schreibt: „Denn mein Fleisch ist die wahre Speise und mein Blut ist der wahre Trank.“ Die Artikel sagen aus, dass es neben dieser Speise keine andere wahre Speise geben kann; es ist die einzig wahre.

Es gibt zwei Unterschiede, die mehrmals in dem Text vorhanden sind: „Wahrlich, wahrlich“ (Lutherbibel) und „Amen, amen (andere Bibeln), sowie „Jüngster Tag“ und „Letzter Tag“ (Einheitsübersetzung). Für Menschen, die sich nicht näher mit den Bibelübersetzungen befassen, scheint es sich hier um sehr unterschiedliche Ausdrücke zu handeln. Jedoch ist Amen eine hebräische Affirmation im Sinne von „wahrlich“ (deutsch „so ist es“). Es bedeutet also das gleiche. Der letzte Tag ist der jüngste Tag. Nach unserem modernen Zeitablauf-Verständnis müsste es der älteste jemals kommende Tag sein, aber da mit diesem Tag etwas Neues kommt; also das Reich Gottes endgültig anbricht, ist er zugleich der erste und damit jüngste Tag des neuen Zeitalters.

Insgesamt gesehen gibt es einige sprachliche Unterschiede, die den Sinn nicht verändern, sowie Sinnunterschiede, die meistens entstanden sind, da der Textteil deutlicher betont werden sollte. Es lässt sich festhalten, dass die Zürcher Bibel und die Einheitsübersetzung modernere Formulierungen benutzen, wohingegen die Lutherbibel an den alten Ausdrücken festhält. Trotzdem ähneln sich alle Übersetzungen.

Im Folgenden gilt die Lutherbibel als Textgrundlage.

[...]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Die Brotrede Jesu. Eine Exegese zu Johannes 6, 22-59
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg  (Evangelische Theologie)
Veranstaltung
Johannesevangelium
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
35
Katalognummer
V268625
ISBN (eBook)
9783656596264
ISBN (Buch)
9783656596240
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
brotrede, jesu, eine, exegese, johannes
Arbeit zitieren
Sina Meyer (Autor), 2013, Die Brotrede Jesu. Eine Exegese zu Johannes 6, 22-59, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268625

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