Entspannungstraining mit Kindern im Grundschulalter


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
32 Seiten, Note: bestanden (keine Notenvergabe)

Leseprobe

1.Theoretische Grundlagen

1.1.Anwendungsgebiete

Kinder sind heute einer Vielzahl von Reizen ausgesetzt, durch die ständige Berieselung der Kinder mit Werbespots, Fernsehfilmen, Videospielen etc , kann es zu einer regelrechten Reizüberflutung kommen. Ruhige, stille Momente, wie das Spielen im Wald oder das stundenlange Ausmalen eines Malbuches werden immer seltener. Hinzu kommt, dass die Freizeit der Kinder immer geringer wird: Oftmals hetzten die Kinder von Termin zu Termin, nach dem Sportverein kommt der Klavierunterricht, am nächsten Tag die AG in der Schule, dazwischen noch Hausaufgaben und am Wochenende das Vereinsspiel.

Auch die gesellschaftlichen Anforderungen an die Kinder steigen, sie müssen sich immer früher in immer komplexeren Lebensräumen zurechtfinden und Orientierungsmöglichkeiten entdecken in einer Welt, in der die Zukunft immer offener wird.

Neben der Aufklärung der, z.T. sehr ehrgeizigen Eltern, scheint es immer sinnvoller zu werden, den Kindern einen Gegenpol zu bieten, und sie die positiven Effekte der Entspannung kennen lernen zu lassen.

Bei 2/3 der Kinder finden sich zu irgendeinem Zeitpunkt einfache Verhaltensstörungen wie Nägelkauen, Einschlafstörungen oder Schulschwierigkeiten. Diese sind die häufigste Indikationen zum Autogenen Training oder anderen Entspannungsverfahren.[1]

Bei Ihnen ,aber auch bei gesunden Kindern, lassen sich Verbesserungen der Konzentration, ein leichteres Einschlafen, die Reduzierung von Angst und der Rückgang von stressbedingten Verhaltensweisen feststellen.

Es liegen diverse Studien vor, die die Wirksamkeit von Entspannungsverfahren in verschiedenen medizinischen Kontexten untersuchen z.B. beim Tourette-Syndrom, bei Asthma bronchiale oder in der pädiatrischen Onkologie.

Das vorliegende Konzept richtet sich allerdings an gesunde Kinder und solche, mit leichten Stresserscheinungen. Es soll dem Kind in erster Linie Spaß bereiten und nicht zusätzlichen Stress. Die Kinder sollen in einer entspannten Atmosphäre lernen, loszulassen und sich zurückzuziehen. Das Training dient als Kompetenzvermittlung für den Alltag.

Ziele sind z.B. die Steigerung von Kreativität und Phantasie, das Erlangen eines Zugangs zum positiven Erleben des Körpers, die Erweiterung von sinnlichen Fähigkeiten und die Schaffung eines Kontrapunktes zu stressreichen Anforderungen des Alltags.

1.2.Kontraindikationen

Da sich das Konzept wie schon oben erwähnt an gesunde Kinder und Kinder mit leichten Schwierigkeiten richtet, ist die Zielgruppe relativ klar umrissen. Leichte Schwierigkeiten bedeutet für mich Einschlafstörungen, leichte Konzentrationsschwierigkeiten oder Stresssymptome wie Nägelkauen etc.

Generell sind Entspannungstechniken jedoch auch für aggressive Kinder oder Kinder mit stärkeren Verhaltensschwierigkeiten geeignet.

Kontraindikationen sind in jedem Fall Erkrankungen aus dem psychotischen Formenkreis wie Schizophrenie, Wahnvorstellungen oder starke Angstzustände sowie Epilepsie.

Störungen wie hyperkinetische Syndrome, Depressionen oder schwerwiegende Aggressionen können die Vermittlung von entspannungsverfahren auch erheblich beeinträchtigen[2].

1.3. Besonderheiten bei der Entspannungsarbeit mit Kindern.

Die Alterangaben bezüglich eines sinnvollen Alters zum Erlernen von Entspannungsverfahren sind unterschiedlich, autogenes Training können Kinder beispielsweise in modifizierter Form schon ab einem Alter von etwa vier Jahren erlernen.[3]

Für Kinder scheinen dabei Entspannungsverfahren ideal zu sein, die geringe Voraussetzungen an das Sprachverständnis, an die Konzentrationsfähigkeit und an das Abstraktionsvermögen stellen. Mit den standardisierten Formeln kommen Kinder meist nicht zurecht, es ist daher sinnvoll, die Formeln des autogenen Trainings, wenn man dieses als eine Entspannungsmethode nutzen möchte, mit Vergleichen zu verbinden z.B. schwer wie ein Elefant.

Besonders geeignet ist es auch, Imaginationsverfahren mit spezifischen Entspannungsinstruktionen zu verbinden. Die Instruktionen müssen für das Kind dabei leicht nachvollziehbar sein. Daher werde ich in mein Seminarkonzept die Kapitän Nemo- Geschichten miteinbeziehen, die diesen Anforderungen gerecht werden. Die Aufmerksamkeit des Kindes wird dabei auf angenehme Weise gebunden ohne große Konzentrationsleitungen oder Disziplin zu verlangen.

Da Entspannung aber immer ein individuelles und prozesshaftes Geschehen ist, können nicht nur rein vorgefasste Geschichten eingesetzt werden, denn sie sind nicht flexibel genug. Persönliche Bilder oder Vorstellungen sprechen den Klienten außerdem besonders an. Mit Hilfe des Lieblingshelden oder des Lieblingsortes der Kinder lassen sich Rahmengeschichten bilden, in die man dann gezielte Entspannungselemente einbauen kann, z.B. Wärme oder Schwere.

Da Kinder immer einen wesentlich stärkeren Bewegungsdrang haben als Erwachsene, müssen Bewegungsmöglichkeiten wie Spiele oder Turnübungen in das Verfahren integriert werden.

Besonders wichtig ist dies zu Beginn des Stunde, damit die Teilnehmer erst mal den Stress und die Außenwelt hinter sich lassen können und ankommen können in der Situation des Kurses.

Die Gruppengröße sollte etwa bei acht[4] Kindern liegen um sich genügend dem einzelnen Kind zuwenden zu können. Größere Gruppen verursachen auch oft zuviel Unruhe und Durcheinander.

Der Alterunterschied der Teilnehmer sollte nicht mehr als drei Jahre betragen.

Eine gute Zeit für Seminare mit Kindern dieser Altersstufe ist der Nachmittag.

1.4. Der Seminarraum

Der Seminarraum muss einige Kriterien erfüllen, um den Verlauf der Stunden positiv zu unterstützen:

Der Raum sollte gemütlich aber nicht überladen sein, denn ansonsten wird die Konzentration der Kinder zu stark abgelenkt. Es ist sinnvoll, dass es in der näheren Umgebung nicht zu laut ist, denn dies würde die Konzentration erheblich stören.

Besonders gut wäre die Einrichtung einer Ecke, in der ein Kind, dass absolut nicht mitmachen möchte, eine ruhige Beschäftigung findet, z.B. ein Buch, ein Mandala zum Ausmalen etc. So kann es sich jederzeit entscheiden, an einer Übung doch teilzunehmen , stört aber die anderen Kinder nicht.

2. Das Vorgespräch

Grundlage der Begegnung mit dem Seminarleiter sollten die drei Grundvariablen der Basiskompetenz von Beratern im psychosozialen Bereich sein, die Carl.R. Rogers beschrieben hat:

- Empathie, also die Fähigkeit, sich in den Klienten einzufühlen, seine Bedenken und Ängste nachvollziehen und darauf eingehen zu können.
- Wertschätzung, als Fähigkeit, den Klienten mit allen Schwächen und Schwierigkeiten zu akzeptieren. Dies schließt auch besonders seine Art und Weise, sich dem Entspannungstraining zu nähern und damit umzugehen ein.
- Selbstkongruenz, dies bedeutet Echtheit in den eigenen Gefühlsäußerungen, also auch Äußern von Bedenken und Zweifeln anstatt diese zu unterdrücken oder zu überspielen.[5]

Das Erstgespräch ist gerade in der Arbeit mit Kindern besonders wichtig, da sich die Kinder, um zu entspannen, wohl fühlen müssen, dies ist bei einer Aversion gegen den Gruppenleiter/ die Gruppenleiterin allerdings nicht möglich.

Auch müssen die Eltern sich darüber klar werden, ob sie ihre Kinder in die Obhut der/ des Gruppenleiters/ leiterin überhaupt entlassen möchten.

Es ist also wichtig, sich dem Gegenüber als vertrauenswürdiger Begleiter und kompetent(e)r Fachmann/ Fachfrau zu zeigen[6].

Während des Vorgesprächs, das mit den Eltern bzw. einem Elternteil und mit dem Kind gehalten werden sollte, sollten auch Erwartungen der Eltern geklärt werden.

Es muss klar werden, was der Entspannungskurs kann und was nicht( keine Therapie, keine Beseitigung schwerer Krankheiten oder Störungen etc.).

Es kann die Eltern sicherlich beruhigen, wenn sie wissen, was in den einzelnen Stunden passiert, so dass man ihnen zu dem empfohlenen Merkblatt[7] auch noch einen kurzen Seminarplan aushändigen kann.

Wenn Materialien in den Stunden verteilt werden, mit denen die Kinder auch zu Hause arbeiten können, ist es sicherlich sinnvoll, eine kleine Notiz für die Eltern beizuheften oder vor Beginn des Seminars eine Liste mit Anmerkungen auszuhändigen. So können die Eltern die Kinder sicherlich beruhigter in die Kurse entlassen.( siehe Anlage)

Beim Erstgespräch sollten auch folgende Fragen geklärt werden:

- Gibt es besondere Schwierigkeiten oder Probleme?
- Gibt es Erwartungen von den Kindern oder von den Eltern?
- Hat das Kind schon Vorerfahrungen mit Entspannungsmethoden und wie bewertet es diese?[8]

Die Eltern sollten darüber informiert werden, dass das Training in der Gruppe durchgeführt wird. Gegebenenfalls wird Einzeltraining vereinbart.

Dies kann bei besonders unruhigen oder aggressiven Kindern notwendig sein.

Des weiteren werden der Terminplan der Sitzungen die Klärung der Kostenübernahme und die Besprechung, was das Kind mitbringen soll ein Bestandteile des Gesprächs sein.

3. Das Seminarkonzept

3.1. Die erste Stunde

Eine kurze Begrüßung durch den Gruppenleier, die Gruppenleiterin.

Ein Kind( jede Woche ein anderes) darf das „ Bitte –nicht- stören- Schild " an die Tür hängen.

Die mitgebrachten Taschen, Matten etc. werden erst mal in einer Ecke gelagert, damit viel Platz zum Bewegen vorhanden ist.

Dann beginnt die Gruppe mit der Bewegung:

Die Kinder sollen zunächst langsam durch den Raum gehen, dann sollen sie versuchen, schneller zu gehen ohne zu rennen, anschließend sollen sie ganz langsam durch den Raum schleichen.

Danach gehen die Kinder erst mal wieder in einem normalen Tempo und setzen dann immer genau einen Fuß vor den anderen, machen also Zwergenschritte, um danach ganz große Riesenschritte zu machen.

Anschließend richten sich die Kinder bis auf die Zehenspitzen auf und greifen mit den Händen nach oben, um die Sterne von Himmel zu pflücken.

Nach einiger Zeit werden sie dazu aufgefordert, nun im Entengang, in der Hocke, durch den Raum zu laufen.

Abschließend versammeln sich alle im Kreis in der Mitte des Raumes.

Die Kinder sollen nun ihren Lieblingsplatz im Raum suchen, an dem sie dann immer im Seminar die Übungen durchführen möchten.

Dafür stellen sich die Kinder vor, sie seien ihr Lieblingstier, z.B. ein Hund.

Sie laufen nun auf allen Vieren durch den Raum, schnüffeln und suchen solange herum, bis sich alle für einen Platz entschieden haben.

Diesen Platz gestalten sie dann so gemütlich wie sie möchten, mit den mitgebrachten Decken und Kissen.

Danach werden Zettel und Stifte verteilt, damit die Kinder sich ein Namensschild schreiben oder malen können.

Wenn alle Kinder ein Namensschild gemalt haben, fragt die Seminarleiterin/ der Seminarleiter, was die Kinder schon von Entspannung wissen und was sie sich unter Entspannung vorstellen.

Um zu verdeutlichen, was Entspannung ist, kann man folgendes Beispiel einflechten:

„Im Fernsehen, wenn dort Leichtathletik gezeigt wird, habt ihr sicher schon gesehen, dass die Hochspringer nicht einfach losrennen und über die Stange springen. Sie warten nicht einfach, sie entspannen sich. Und die konzentrieren sich. Gleichzeitig. Weil sie für den Sprung nämlich beides brauchen. Die Ruhe – ohne Ruhe dabei klappt alles nur halb so gut. Und die Konzentration. Die machen eine Entspannungsübung und stellen sich ihren Sprung vor. Jeden Schritt, innen, in ihrem Kopf. Die springen erst ein paar Mal in ihrem Kopf, und ganz aus der Entspannung heraus – und dann erst wirklich im Stadion. Wenn Entspannung einfach bloß Schlafen wäre, würde sie den Sportlern nichts bringen. Die Ruhe hat Entspannung mit dem Schlafen gemein, aber sie ist noch mehr, nämlich Konzentration. Und deshalb machen gerade Menschen, die sehr konzentriert sein müssen, die ihre Sache sehr gut machen wollen, Entspannung.“

[...]


[1] Hoffmann, Bernt: „ Handbuch Autogenes Training“, S.401

[2] Studienbrief 3, S.36

[3] Hoffmann, Bernt: „Handbuch autogenes Training“, S. 399 und 171

[4] Vollmar, Klausbernd: Autogenes Training für Kinder", S.20

[5] Studienbrief 5, Seite 56/57

[6] ebd., S.56

[7] ebd.S.58

[8] ebd. S.59

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Entspannungstraining mit Kindern im Grundschulalter
Hochschule
Bildungswerk für therapeutische Berufe Remscheid
Veranstaltung
Fortbildung zur Entspannungspädagogin
Note
bestanden (keine Notenvergabe)
Autor
Jahr
2004
Seiten
32
Katalognummer
V26864
ISBN (eBook)
9783638290746
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit ist ein auf acht Stunden angelegtes Seminarkonzept zur Entspannung für Kinder im Grundschulalter. Neben einem theoretischen Teil, der sich mit den Grundlagen der Entspannungsarbeit mit Kindern beschäftigt, enthält sie ein praktisches Konzept für acht Seminarstunden, dazu noch verschiedene Materialien wie zwei Entspannungsgeschichten und ein Eltern- sowie ein Kinderanschreiben. Dieses Konzept stellt die Grundlage der Abschlußprüfung zur Entspannungspädagogin dar.
Schlagworte
Entspannungstraining, Kindern, Grundschulalter, Fortbildung, Entspannungspädagogin
Arbeit zitieren
Svenja Plitt (Autor), 2004, Entspannungstraining mit Kindern im Grundschulalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26864

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