Karl IV. - Begräbniszeremonien als Ausdruck der Herrscherlegitimation


Hausarbeit, 2013
20 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Günther von Schwarzburg
2.1. Die Begräbniszeremonie
2.2 Ort der Grablegung

3. Karl IV
3.1 Die Begräbniszeremonie
3.2 Ort der Grablegung

4. Vergleich des zeremoniellen Ablaufs

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Bis zu Beginn des Spätmittelalters gab es keine festgeschriebenen Begräbniszeremonien. Erst im 14. Jahrhundert, zu Zeiten Karls IV., kam es zu einer entsprechenden Entwicklung. Dem römisch-deutschen Kaiser war bewusst, wie wichtig Rituale und Zeremonien waren, um die persönliche Macht zum Ausdruck zu bringen und zum Nutzen der eigenen Dynastie zu untermauern.

Schon in jungen Jahren war er bei Beerdigungen überall in Europa anwesend.[1] Als im Juni 1349 sein Gegenkönig Günther von Schwarzburg überraschend starb, nahm er an dessen Grablegung in Frankfurt am Main teil. Es ist zu vermuten, dass der nun unangefochtene deutsche König Eindrücke, die aus seinem persönlichen Erleben stammten, benutzte, um die Trauerzeremonie für Günther von Schwarzburg mitzugestalten.[2] Karls IV. eigenes Begräbnis im Jahr 1378 war eines der prunkvollsten Ereignisse, das die Stadt Prag bis zu diesem Zeitpunkt erlebt hatte. Belege dafür, dass er auch hier bei der Planung mitwirkte, gibt es allerdings nicht.[3]

Inwieweit der Luxemburger eventuell Sepulkralzeremonien als Mittel zur Legitimation seines Herrschaftsanspruchs und zu Sicherung der dynastischen Macht einsetzte, versuche ich in dieser Hausarbeit herauszuarbeiten. Dazu vergleiche ich die Beerdigung seines Gegenkönigs, Günther von Schwarzburg, 1349 in Frankfurt am Main mit seiner eigenen Bestattungszeremonie 1378 in Prag.

In Kapitel 2 findet sich eine Kurzbiographie von Günther von Schwarzburg. Daraufhin folgt eine Beschreibung der Begräbnisstätte und des Begräbniszeremoniells. Bei Karl IV. benutze ich die gleiche Reihenfolge. Anschließend vergleiche ich beide Bestattungszeremonien, um dann in Abschnitt 5 die Fragestellung der vorliegenden Hausarbeit zu beantworten.

2. Günther von Schwarzburg

Der 1303 geborene Günther von Schwarzburg stammte aus dem Hause Schwarzburg-Blankenburg, das zu der Anhängerschaft des im Oktober 1340 verstorbenen Königs Ludwig IV., genannt „der Bayer“, zählte. Um ihre Ansprüche auf den deutschen Königsthron geltend zu machen, benötigten die Wittelsbacher jetzt einen neuen Kandidaten. Man wandte sich an den englischen König Eduard und den Wettiner Friedrich, Landgraf von Thüringen und Markgraf von Meißen. Doch beide zeigten kein Interesse. Stattdessen verbanden sie sich vertraglich mit dem Luxemburger Karl IV. Mit Günther von Schwarzburg glaubten die Wittelsbacher nun endlich ihre Thronambitionen verwirklichen zu können. Am 30. Januar 1349 wurde er mit den Stimmen des Erzbischofs von Mainz, des Pfalzgrafen bei Rhein, des Markgrafen von Brandenburg und des Herzogs von Sachsen-Lauenburg in der Frankfurter Dominikaner-Kirche zum deutschen König und damit zum Gegenkönig Karls IV. gewählt.

Karl IV. jedoch war militärisch und diplomatisch erfolgreicher. Mit einem immer stärker werdenden Rückhalt im Reich und einem am 26. Mai 1349 in Eltville geschlossenen Vertrag konnte er Günther von Schwarzburg zwingen, auf die Königswürde zu verzichten. Als dieser dann am 14. Juni 1349 überraschend verstarb, war der Luxemburger alleiniger römisch-deutscher Herrscher.[4]

2.1 Die Begräbniszeremonie

Nachdem Günther von Schwarzburg nach kurzer Krankheit im Johanniterhof in Frankfurt in gestorben war, wurde sein Leichnam im Chor der Kirche aufgebahrt. Am folgenden Tag versammelten sich die Begräbnisteilnehmer und trugen den Sarg von der Johanniterkirche bis zum Bartholomäusstift. An der Spitze der Prozession schritt der Klerus, danach folgte ein unbewaffneter Ritter mit der Standarte des Fürsten, anschließend ein Pferd mit dessen Rüstung. Diesem folgten zwei weitere Pferde mit nicht behelmten Bewaffneten. Der nachfolgende behelmte Reiter war mit Schild und Schwert Günthers von Schwarzburg ausgerüstet war.[5] Schild und Schwert waren nach unten gekehrt.[6] Nun folgte eine Personengruppe, die sechzehn Kerzen trug und der sich zwanzig schwarzgekleidete Grafen anschlossen, die die mit vier Fahnen bedeckte Bahre mit dem Leichnam trugen. Direkt dahinter schritt Karl IV. Die anwesenden Kurfürsten und andere Adlige folgten ihm und bildeten den Abschluss des Trauerzuges. Da der Schwarzburger in Frankfurt eine große Anhängerschaft hatte, ist es durchaus möglich, dass eine Abordnung der Bürgerschaft an der Prozession teilnahm. Nachweisbar ist dies bisher nicht.[7]

Beim Totengottesdienst in der St. Bartholomäuskirche wurden die fünf genannten Pferde geopfert[8]. Die Leichenrede wurde gehalten, anschließend wurde der Tote begraben. Das seidene Tuch, das während der Zeremonie über das Grab gehalten wurde, blieb dort dreißig Tage lang liegen.[9]

2.2 Ort der Grablegung

Günther von Schwarzburg wurde in Frankfurt beigesetzt, obwohl sich die Grabstätten seiner Vorfahren in Arnstadt, der thüringischen Residenz der Schwarzburger, befanden und obwohl eine Überführung dorthin durchaus möglich gewesen wäre.[10]

Zu der Stadt am Main hatte der Fürst eine besondere Beziehung. Als Nachfolger Ludwigs des Bayern war er hier, dem Ort, an dem üblicherweise die Königswahlen statt fanden[11], im Januar 1349 zum deutschen König gekürt worden. Frankfurt gehörte zu den Reichsstädten, die den Wittelsbacher unterstützt hatten und nun auch auf Seite des Schwarzburgers standen. Vom Zeitpunkt seiner Wahl bis Ende April befand er sich fast ständig in der Stadt und wurde nach dem Abschluss des Vertrages von Eltville[12], schon krank auf einer Bahre liegend, auch dorthin wieder zurückgebracht.[13] Hier starb er am 14. Juni 1349 und wurde vier Tage später in der Bartholomäuskirche zu Grabe getragen.

Der Frankfurter Sakralbau gründete sich auf eine Kapelle aus dem 7. Jahrhundert. Das sich daraus entwickelnde Gotteshaus wurde Salvatorkirche genannt. Im 13. Jahrhundert kam es zu wesentlichen baulichen Veränderungen und nach der Überführung von Reliquien des heiligen Bartholomäus wurde die Kirche zu dessen Ehren umbenannt. Wahlkirche war der älteste Kirchenbau Frankfurts wohl seit 1315. In der von Karl IV. im Jahr 1356 erlassenen Goldenen Bulle wurde das Gotteshaus endgültig als Ort der Königswahl festgelegt.[14] Das hohe Ansehen, das diese Stätte genoss, könnte ausschlaggebend für Günther von Schwarzburg gewesen zu sein, sich hier beerdigen zu lassen..[15]

[...]


[1] Vergl. Smahel, Franticek: Zur politischen Präsentation und Allegorie im 14. und 15. Jahr

hundert, München 1994 (= Otto-von-Freising-Vorlesungen der Katholischen Universität

Eichstätt, Bd: 9).S.1 ff.

[2] Ebd. S. 6 f.

[3] Vergl Meyer, Rudolf J.: Königs- und Kaiserbegräbnisse im Spätmittelalter, Von Rudolf von

Habsburg bis Friedrich III., Köln (u.a.) 2000,S. 109. (= Forschungen zur Kaiser-und Papst­

geschichte des Mittelalters, Beihefte zu J.F. Böhmer, Regesta Imperii 19).

[4] Vergl. Schneidmüller, Bernd, Weinfurter, Stefan (Hrsg.): Die deutschen Herrscher des

Mittelalters, Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I. (919-1519), München

2003, S. 418 f.

[5] Vergl. dazu Meier, Thomas: Die Archäologie des mittelalterlichen Königsgrabes im christ- lichen Europa, Stuttgart 2002, S. 350 ff. Die Sitte der am Trauerzug teilnehmenden Ritter, von denen einige Waffen und Banner, Schild und Rüstung des Toten mit sich führten, hatte sich Mittelalter im mittel- und osteuropäischen Raum entwickelt, während in Westeuropa eine Ersatzfigur mitgeführt wurde. Diese „effigy“ sollte zur Darstellung der Unsterblichkeit des Königtums dienen. Das politische Amt blieb bestehen, während der Körper des Herrschers der Erde übergeben wurde. s. dazu auch Brückner, Wolfgang: Roß und Reiter im Leichenzeremoniell, Deutungsversuch eines historischen Rechtsbrauchs, in: Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde, 15/16. 1964/65, S. 156:“Es handelt sich auf alle Fälle um keine direkte Stellvertretung des Toten, als viel- mehr um eine von der Leiche losgelöste symbolische Vergegenwärtigung der hinfällig ge- wordenen Standesexistenz des Verstorbenen“:

[6] Vergl. dazu Reinsch, Diether, Roderich: In seiner im Rechtshistorischen Journal 1994, veröffentlichten Vorlesung verweist er auf das Motiv der umgekehrten Herrschaftszeichen. Er sieht darin das Symbol für das Ende eines irdisch Hochstehenden, dessen Tod jedoch auf der gleichen Ebene stattfindet wie der Tod eines jeden seiner Untergebenen. Dazu zitiert er auf Seite 259 den Satz des Joannes Zonaras, eines byzantischen Geschichtsschreiber des 12.Jahrhunderts: „So ist nichts von allem Menschlichen bleibend und fest, nichts ist vertrauenswürdig und gewiß, sondern alles geht dahin, leichter umgedreht und umgestürzt als ein Würfel“. s. auch Meyer: Königs- und Kaiserbegräbnisse, S. 105: „Damit wollte man das Ende der kaiserlichen Herrschaft betonen und zwar im Gegensatz zur dynastischen Gewalt, für die die öffentliche Kontinuität demonstriert werden sollte.“

[7] Vergl. Meyer: Königs- und Kaiserbegräbnisse, S. 89 f.

[8] Zum Opferzeremoniell s. Brückner, Wolfgang: Roß und Reiter im Leichenzeremoniell,

S. 156: „Während des Requiems wurden die ‚equi quinque‘ von zwei

Rittern zum Hauptaltar geführt und von den Freunden des Toten mit 40 Gulden ausgelöst“:

[9] Vergl. Meyer: Königs- und Kaiserbegräbnisse, S.89 f.

[10] Ebd. S. 98.

[11] Karl IV. war 1346 in Rhense gewählt worden.

[12] Vertrag mit Karl IV. am 26.05.1349 in dem Günther von Schwarzburg auf die Königswürde

verzichtete.

[13] Vergl. Meyer: Königs- und Kaiserbegräbnisse, S.97.

[14] Vergl. Knapp, Ulrich: Stätten deutscher Kaiser und Könige im Mittelalter, Darmstadt 2008,

S. 123.

[15] Vergl. Meyer: Königs- und Kaiserbegräbnisse, S. 98 f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Karl IV. - Begräbniszeremonien als Ausdruck der Herrscherlegitimation
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Geschichte)
Veranstaltung
Seminar
Note
2,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V268654
ISBN (eBook)
9783656596653
ISBN (Buch)
9783656596639
Dateigröße
760 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
karl, begräbniszeremonien, ausdruck, herrscherlegitimation
Arbeit zitieren
Gudrun Kahles (Autor), 2013, Karl IV. - Begräbniszeremonien als Ausdruck der Herrscherlegitimation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268654

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