Diese Arbeit zeigt einige intertextuellen Bezüge in Patrick Süskinds Roman "Das Parfum" und analysiert kritisch deren Wirkung für das Textverständnis.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung – Zum Roman „Das Parfum“
II. Hauptteil – Intertextualität
1. Definition von Intertextualität im Zusammenhang mit Süskinds Roman; Kritische Bemerkungen zur Intertextualität
2. Ausführliche Darstellung intertextueller Bezüge anhand zweier Beispiele
a) Der Romananfang (DP S. 5f.)
b) Die „Schöpfungsszene“(DP 160-163)
3. Jean-Baptiste Grenouille – ein Konglomerat intertextueller Verweise
III. Zusammenfassung der Ergebnisse, Ergänzungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen intertextuellen Bezüge in Patrick Süskinds Roman "Das Parfum". Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Autor durch bewusste Anleihen an Werke der Literaturgeschichte die Charakterentwicklung seines Protagonisten Jean-Baptiste Grenouille steuert und welche erzählerische sowie interpretative Tiefe er durch diese Technik erreicht.
- Analyse der Definition und Funktion von Intertextualität bei Süskind.
- Untersuchung spezifischer literarischer Vorbilder (z.B. Kleist, Nietzsche, Eichendorff).
- Deutung der Charakter-Konstruktion Grenouilles als intertextuelles Konglomerat.
- Hinterfragung der Autorenbewusstheit und der Wirkung auf verschiedene Lesertypen.
Auszug aus dem Buch
b) Die „Schöpfungsszene“ (DP S. 160 – 163)
Für die sogenannte „Schöpfungsszene“ werden von der Wissenschaft hauptsächlich drei Prätexte genannt: Friedrich Nietzsches Also sprach Zarathustra, der Schöpfungsbericht der Bibel im Buch Genesis, und Joseph von Eichendorffs Mondnacht.
Der Beginn der Passage, in der Grenouille sich in der Einsamkeit der Berge dazu hinreißen lässt, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen und von einer von ihm geschaffenen Düfte Welt zu fantasieren, endet mit der Formulierung „Also Sprach…“(DP S. 163). Dies ist wohl ein recht eindeutiger und sogar wortwörtlicher Verweis auf Nietzsches Roman, denn zum Einen ist dessen Titel bereit „Also sprach…“, zum Anderen enden die Reden Zarathustras genau mit diesen Worten, ähnlich wie in Das Parfum, in dem vor dieser Wortfolge die Beschreibung des Gedankenschwalls Grenouilles vorausging. Eine weitere Parallele zwischen beiden Werken ist der Rückzug in die Einsamkeit beider Hauptpersonen. Wie Zarathustra zieht sich auch Grenouille in die Einsamkeit der Berge zurück, und auch die Gottesfremdheit verbindet beide Charaktere. Allerdings kehrt Zarathustra im Anschluss an diese Phase des Nachdenkens zu den Menschen zurück, um den Menschen etwas Gutes zu tun, sondern lediglich weil er vor seiner eigenen Geruchlosigkeit flüchten möchte. Im Nachhinein handelt Grenouille dann auch absolut gegensätzlich zu Zarathustra: statt etwas Gutes im Sinn zu haben, ermordet er zahlreiche junge Mädchen, um ihnen ihre Körpergerüche zu rauben.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung – Zum Roman „Das Parfum“: Einführung in den Roman als eines der populärsten Werke der neueren deutschen Literaturgeschichte und Vorstellung des Protagonisten Jean-Baptiste Grenouille.
II. Hauptteil – Intertextualität: Theoretische Herleitung des Begriffs Intertextualität und detaillierte Untersuchung von Textbeispielen, die den intertextuellen Charakter des Romans verdeutlichen.
1. Definition von Intertextualität im Zusammenhang mit Süskinds Roman; Kritische Bemerkungen zur Intertextualität: Definition der Intertextualität nach Genette und Eco sowie Diskussion der Frage, inwieweit Süskind literarische Vorlagen bewusst in seine Erzählung einbettet.
2. Ausführliche Darstellung intertextueller Bezüge anhand zweier Beispiele: Analyse des Romananfangs im Vergleich zu Kleists "Michael Kohlhaas" sowie der "Schöpfungsszene" in Anlehnung an die Bibel, Nietzsche und Eichendorff.
3. Jean-Baptiste Grenouille – ein Konglomerat intertextueller Verweise: Darstellung des Protagonisten als Figur, deren Wesen und Schicksal aus verschiedenen intertextuellen Bausteinen wie "Peter Schlemihl", dem "Froschkönig" oder "Zwerg Nase" zusammengesetzt ist.
III. Zusammenfassung der Ergebnisse, Ergänzungen: Resümee über die Bedeutung der Intertextualität für die Charakterbildung Grenouilles und Reflexion über die Symbolik des Namens.
Schlüsselwörter
Patrick Süskind, Das Parfum, Intertextualität, Jean-Baptiste Grenouille, Literaturgeschichte, Romananalyse, Charakterentwicklung, Parodie, Literaturwissenschaft, Postmoderne, Motivgeschichte, Erzähltechnik, Referenztexte, Schöpfungsbericht, Meta-Erzählung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Intertextualität in Patrick Süskinds Roman "Das Parfum" und untersucht, wie der Autor literarische Anleihen nutzt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Definition von Intertextualität, die motivische Anlehnung an Klassiker der Literaturgeschichte und die Konstruktion des Protagonisten Grenouille.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Funktion der intertextuellen Bezüge für die Charaktergestaltung Grenouilles und die erzählerische Tiefe des Romans aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die intertextuelle Vergleiche zwischen Süskinds Werk und verschiedenen Referenztexten zieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die detaillierte Analyse spezifischer Textstellen (Romananfang, Schöpfungsszene) und die Charakteranalyse Grenouilles.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Intertextualität, Patrick Süskind, Grenouille, Motivgeschichte und Romananalyse charakterisiert.
Warum wird Grenouille in der Arbeit als "Antigott" bezeichnet?
Die Arbeit leitet diesen Begriff aus der Parodie der Schöpfungsszene ab, in der Grenouille sich zwar göttliche Züge anmaßt, aber in seiner Tatenlosigkeit das absolute Gegenteil eines Schöpfergottes verkörpert.
Welche Rolle spielt das Märchen "Zwerg Nase" für das Verständnis der Figur Grenouille?
Das Märchen dient als intertextueller Hinweis für die Namensgebung, die äußere Missbildung und die besondere Begabung des Protagonisten.
Wie deutet der Autor den Tod von Jean-Baptiste Grenouille im Kontext der Intertextualität?
Der Tod wird als makabere Anspielung auf biblische Motive (Eucharistie) gedeutet, bei der Grenouille von der Menge "aus Liebe" verzehrt wird.
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- Patrik Grün (Author), 2008, Patrick Süskind, Das Parfum. Intertextualität in Süskinds Roman anhand einzelner Beispiele., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268686