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Zufall und Kontingenz in Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften"

Título: Zufall und Kontingenz in Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften"

Tesis de Máster , 2013 , 87 Páginas , Calificación: 1,3

Autor:in: Oto Morár (Autor)

Literatura - Literatura moderna
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In Niklas Luhmanns Systemtheorie ist der Begriff der Kontingenz ein wichtiges Kennzeichen der Moderne. Nachdem sich Kontingenz im 18. Jahrhundert als ein neu erkanntes Phänomen gegenüber der christlich geprägten Providenz zu behaupten hatte, stellt sie am Ende der Moderne, das heißt zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits einen zentralen Aspekt eines neuen Erkenntnismodells der modernen Wissenschaft dar. Bei dem neuen Weltbild einer Kontingenzkultur wird von Wahrscheinlichkeit und Unbestimmtheit statt von Wahrheit und Notwendigkeit ausgegangen.
Auch in der Literatur der Moderne findet der Begriff der Kontingenz auf vielfältige Weise Eingang: In der Gattung des Romans nehmen möglichkeitsoffene Formen und Stilmittel wie Montagetechnik, Ironie oder hohe Reflexionsdichte zu. Ungelenkte freie Rezeption und variable Offenheit der Romanhandlung eröffnen dem Leser ein vorher unzugängliches Möglichkeitsspektrum. Musils Werk gilt als Musterbeispiel für die literarische Bearbeitung des Phänomens der Kontingenz. Sein Protagonist Ulrich benutzt die Fähigkeit alles „Mögliche“ zu denken, die Wirklichkeit nicht wichtiger zu nehmen als die gedachte Möglichkeit und durch den Verzicht auf Festlegung, den Möglichkeitssinn zu leben.
Diese Masterarbeit untersucht, wie Kontingenz und das damit eng verbundene Mo-tiv des Zufalls in Robert Musils Roman Mann ohne Eigenschaften relevant werden und welche Realitäten, Probleme und Folgerungen sich daraus ergeben.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 GRUNDLAGEN

2.1 Forschungsstand

2.2 Zufall, Kontingenz und Möglichkeit

2.3 Systemtheoretischer Bezug

2.4 Roman der Moderne: Musils Mann ohne Eigenschaften

3 ZUFALL/KONTINGENZ IM MANN OHNE EIGENSCHAFTEN

3.1 Zufall als Vorfall und Einfall

3.2 Kontingenz der Geschichte

3.3 Utopie des Essayismus

3.4 Ulrichs Möglichkeitssinn

3.5 Kontingenzkultur der Moderne

3.5.1 Wissenschaft als Fremdreferenz

3.5.2 Identitätskrise

3.6 Strategien der Kontingenzbewältigung

4 ZUSAMMENFASSUNG

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Zufall und Kontingenz in Robert Musils Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" unter Einbeziehung von Niklas Luhmanns Systemtheorie, um zu analysieren, wie der Protagonist Ulrich Strategien entwickelt, um in einer durch Kontingenz geprägten Moderne sinnhaft zu agieren.

  • Analyse des Zufalls als zentrales Motiv in der Romanhandlung.
  • Untersuchung der systemtheoretischen Konzepte von Kontingenz, Beobachtung und Fremdreferenz.
  • Reflexion des "Möglichkeitssinns" als Antwort auf die moderne Identitätskrise.
  • Diskussion des Essayismus als Methode zur Bewältigung der Moderne.

Auszug aus dem Buch

3.1 Zufall als Vorfall und Einfall

Sowohl im Eingangskapitel des ersten Buches (erster Band) als auch im Eingangskapitel des zweiten Buches (dritter Band) spielt der Zufall eine tragende Rolle. Da man davon ausgehen kann, dass den beiden Zufallsgeschehen ihre besondere Position im Roman nicht zufällig zugesprochen wurde, sondern der Autor damit die Wichtigkeit des Motivs unterstreichen wollte, ist ein besonderes Augenmerk darauf zu legen. Während es im Eingangskapitel des ersten Buches um einen realen Vorfall als Unfall, das heißt einen unglücklichen Zufall geht, löst im Eingangskapitel des zweiten Buches ein geistiger Einfall einen glücklichen Zufall aus, der dann in die Geschwisterliebe zwischen Ulrich und Agathe mündet.

Luhmann behandelt den Begriff des Zufalls vor allem im Kontext seiner Evolutionstheorie, wo er einen festen Platz hat. „Kein System kann Zufälle […] vermeiden, denn kein System hat genug Komplexität, um auf alles, was vorkommt »systematisch« zu reagieren“. Dabei lässt er dem Zufall folgerichtig mehr eine differenztheoretische als eine kausaltheoretische Bedeutung zukommen.

Im Teilsystem der Kunst, der auch die Literatur umfasst, ist für Luhmann der Zufall ein einmaliges Ereignis mit einem Überraschungswert. Je nach Beobachterebene ist die Wahrnehmung des Zufalls eine andere. Für den Beobachter erster Ordnung ist es die Überraschung des Zufalls selbst, der ohne Ankündigung eintritt. Der Beobachter zweiter Ordnung kann erkennen, wie andere die Überraschung aufnehmen und aus seiner höheren Position heraus reflektieren, was Zufall sein könnte und was nicht.

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: Einführung in die Relevanz von Kontingenz in der Moderne und die Fragestellung zur Rolle von Zufall und Ulrichs Möglichkeitssinn in Musils Werk.

GRUNDLAGEN: Darstellung des Forschungsstandes, begriffsgeschichtliche Einordnung von Zufall und Kontingenz sowie Etablierung des systemtheoretischen Rahmens.

ZUFALL/KONTINGENZ IM MANN OHNE EIGENSCHAFTEN: Analyse der Zufallsereignisse, der Kontingenz der Geschichte, der Bedeutung des Essayismus und der Entwicklung von Ulrichs Möglichkeitssinn als Antwort auf die Moderne.

ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Analyseergebnisse und abschließende Einordnung von Ulrichs Haltung im Kontext der modernen Kontingenzkultur.

Schlüsselwörter

Robert Musil, Mann ohne Eigenschaften, Kontingenz, Zufall, Systemtheorie, Niklas Luhmann, Möglichkeitssinn, Essayismus, Moderne, Identitätskrise, Beobachtung zweiter Ordnung, Kausalität, Funktionalitätsprinzip, Ulrich, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Funktion und Bedeutung des Zufalls und der Kontingenz in Robert Musils Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" und setzt diese in Bezug zur Systemtheorie von Niklas Luhmann.

Welche Themenfelder sind zentral für die Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Konzepte des literarischen Zufalls, der Kontingenz als moderne Kategorie, der wissenschaftstheoretische Bezug zur Literatur sowie die Figur des Ulrich als "Möglichkeitsmensch".

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie der Protagonist Ulrich auf die Kontingenzkultur der Moderne reagiert und welche Bewältigungsstrategien er durch seinen "Möglichkeitssinn" und den "Essayismus" entwickelt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen systemtheoretischen Ansatz nach Niklas Luhmann, um Analogien zwischen systemtheoretischen Konzepten und den inhaltlichen bzw. formalen Aspekten von Musils Roman aufzudecken.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert exemplarische Textstellen, untersucht die Kontingenz der Geschichte, das Konzept des Essayismus, die wissenschaftlichen Einflüsse auf den Autor und die daraus resultierende Identitätskrise des Subjekts.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Neben dem zentralen Begriff der Kontingenz sind die Begriffe "Möglichkeitssinn", "systemtheoretischer Bezug", "Essayismus" und "Moderne" entscheidend.

Wie unterscheidet der Autor zwischen Zufall und Kontingenz?

Zufall wird als Ereignis der Wirklichkeit definiert, während Kontingenz einen Bereich der Möglichkeit beschreibt; Zufall ist somit eine realisierte Kontingenz.

Welche Rolle spielt die Wissenschaft als "Fremdreferenz" im Roman?

Die Wissenschaft dient dem Kunstsystem als Beobachtungsquelle, um die Komplexität der Welt abzubilden und literarische Reflexionen über die Grenzen der Kausalität anzustellen.

Wie bewertet die Arbeit Ulrichs "Möglichkeitssinn"?

Er wird als eine Chance zur Perspektiverweiterung gesehen, birgt jedoch gleichzeitig die Gefahr einer Entscheidungsschwäche, die Ulrich durch aktives Handeln zu überwinden versucht.

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Detalles

Título
Zufall und Kontingenz in Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften"
Universidad
University of Hagen  (Kulturwissenschaften)
Calificación
1,3
Autor
Oto Morár (Autor)
Año de publicación
2013
Páginas
87
No. de catálogo
V268743
ISBN (Ebook)
9783656597353
ISBN (Libro)
9783656597339
Idioma
Alemán
Etiqueta
Zufall Kontingenz Robert Musil Systemtheorie Mann ohne Eigenschaften Möglichkeitssinn Essayismus Identitätskrise Kontingenzbewältigung Möglichkeit Wirklichkeit Moderne Niklas Luhmann
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Oto Morár (Autor), 2013, Zufall und Kontingenz in Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268743
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