Stillleben. Die Magie der Dinge

Eine vergessene Gattung neu betrachtet


Facharbeit (Schule), 2012

58 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Bildgattungen
1.1 Das Altar- und Andachtsbild
1.2 Mythos, Märchen, dichterische Überlieferung
1.3 Die Architektur
1.4 Das Tierbild
1.5 Die Landschaftsmalerei
1.6 Die Porträtkunst
1.7 Die Genremalerei
1.8 Die Historienmalerei
1.9 Das Stillleben

2. Das Stillleben
2.1 Die Entstehung des Begriffes „Stillleben“
2.2 Entwicklung von Stillleben
2.2.1 Antike
2.2.2 Mittelalter
2.2.3 Protorenaissance und Renaissance
2.2.4 Autonome Stillleben
2.2.5 Barock
2.2.6 18. Jahrhundert
2.2.7 19. Jahrhundert
2.2.8 20. Jahrhundert
2.2.9 Fotografische Stillleben

3. Untergattungen von Stillleben
3.1 Blumenstillleben
3.2 Früchtestillleben
3.3 Jagdstillleben
3.4 Markt- und Küchenstillleben
3.5 Vanitas- Stillleben

4. Vanitas- Stillleben
4.1 Definition von Vanitas
4.2 Entwicklung von Vanitas- Stillleben
4.3 Der geschichtliche Hintergrund
4.4 Die Entwicklung in den anderen Ländern
4.5 Die drei großen Gruppen der Vanitas- Bildgegenstände
4.5.1 Symbole des weltlichen Lebens
4.5.2 Symbole der Vergänglichkeit
4.5.3 Symbole des Christentums
4.6 Bedeutung der Sinnbilder
4.6.1 Sinnbilder des weltlichen Lebens
4.6.2 Sinnbilder der Vergänglichkeit
4.6.3 Christliche Sinnbilder
4.7 Zusätzliche verwendete Vanitaszeichen
4.8 Pieter Claesz und David Bailly
4.8.1 Pieter Claesz- Vanitas- Stillleben mit Geige und Glaskugel
4.8.2 David Bailly- Selbstporträt mit Vanitassymbolen

5. Spätere Entwicklung des Vanitas und zeitgenössische Umsätzung
5.1 Zeitgenössische Umsätzung
5.2 Damien Hirst
5.2.1 Seine umstrittenen Werke
5.2.2 Künsterlische Werke mit Anspielung auf die Vergänglichkeit.
5.2.1.1. Pharmacy
5.2.1.2. For the love of God
5.3 Alben Covers und Songtexte
5.3.1 Haggard- Awaking centuries
5.3.2 Dark the Suns- All ends in Silence
5.3.3 Abyss of Pain- Professing through terror
5.3.4 In Flames- Sounds of a playground fading
5.4 Gegenüberstellung von Alt und Neu
5.4.1 Red Hot Chili Peppers- I´m with you versus Jacques de Gheyn- Vanitas
5.4.2 Pieter Claesz- Vanitas- Stillleben mit Nautiluspokal versus Three Doors Down- Seventeen days

6.Praktische Arbeit
6.1 Skizze
6.2 Interpretation der Gegenstände
6.3 Optimistische Interpretation
6.4 Pessimistische Interpretation

Nachwort

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

FBA- Begleitprotokoll

Eidesstattliche Erklärung

Vorwort

Die vorliegende Fachbereichsarbeit entstand im Zeitraum von September 2011 bis Februar 2012 im Oberstufenrealgymnasium Egg. Das Thema der Arbeit ergab sich aus einer Anregung des Betreuers, Herrn Professor Hirtenfelder.

Da wir im Unterricht schon das Thema Stillleben bearbeitet und dazu ein Bild gemalt haben, wollte ich mich vertiefender mit dieser für mich interessanten Thematik auseinandersetzen. Vor allem die Interpretation von den verschiedensten Gemälden und Band- Covers war für mich äußerst spannend.

Ich möchte all jenen danken, die mir bei der Durchführung der Fachbereichsarbeit mit Rat und Tat zur Seite standen. Mein ganz spezieller Dank gilt dabei meiner Familie und meinen Freunden. Sie haben meine FBA immer wieder durchgelesen, Verbesserungsvorschläge gemacht und mich motiviert. Auch bei der praktischen Arbeit konnte ich immer wieder auf die Hilfe meiner Freunde zurückgreifen.

Auch bei Herrn Professor Hirtenfelder möchte ich mich recht herzlich für die wissenschaftliche Betreuung meiner Arbeit bedanken!

Einleitung

„Kunst ist die Vermittlerin des Unaussprechlichen“

Eine kluge Lebensweisheit von Johann Wolfgang Goethe. Mit dieser Weisheit vermittelt er zwischen Menschen und Kunst und zeigt, dass letztere nicht nur Darstellungszweck für Schönheit und Lebensunschuld ist.

Obwohl viele Bilder uns beim ersten Anblick schon beeindrucken, sieht man erst beim zweiten Blick die Botschaft, die uns ein Künstler mit seinem Bild vermitteln will. Nicht selten sind es Botschaften, die bezwecken sollen, dass Menschen sich von ihrer Schein- oder Traumwelt abwenden und sich der Realität zuwenden.

Das sind oft Bilder aus der Gattung der Stillleben. Jeder Gegenstand hat eine Bedeutung und will dem Betrachter etwas vermitteln, sei es etwas Begehrenswertes wie Reichtum und Macht oder etwas Zerstörerisches wie Krieg, Leid oder die Vergänglichkeit allen Lebens.

Um diese geheimen Botschaften zu entschlüsseln, braucht es sehr viel Verstand und Intellekt. Die Interpretation und Entschlüsselung von diversen Stillleben, die ich studiert habe, haben mich so beeindruckt, dass ich gar nicht anders konnte als mich für dieses Thema zu entscheiden. Aber nicht nur die versteckten Botschaften haben mich zu diesem Thema angeregt, sondern auch mein großes Interesse für die kunsthistorische Entwicklung dieser Bildgattung hat zu der thematischen Wahl meiner FBA beigetragen.

1. Die Bildgattungen

Die verschiedenen Bildgattungen sind im Laufe der geschichtlichen Entwicklung aus der Kirchenkunst entstanden.1

1.1 Das „Altar- und Andachtsbild“

Das Altar- und Andachtsbild beschäftigt sich mit der bildhaften Darstellung von “Legenden [und] Illustrationen der heiligen Schrift(en).“2

1.2 „Mythos, Märchen, dichterische Überlieferung“

In dieser Gattung werden phantasiereiche Erfindungen, wie beispielsweise Ruhm, Ehre und Wachsamkeit in Gestalt von Personen dargestellt.3

1.3 Die „Architektur“

Das planvolle Entwerfen und Gestalten von Bauwerken ist der zentrale Inhalt der Architektur.“4

1.4 Das Tierbild

Das Tierbild ist die bildhafte Darstellung von verschiedenen Tierarten.5

1.5 Die Landschaftsmalerei

Die Landschaftsmalerei beschäftigt sich mit der Darstellung von verschiedenen Landschaften.6

1.6 Die Porträtkunst

Die Porträtkunst beschäftigt sich mit dem Abbild eines menschlichen Körpers.7

1.7 Die Genremalerei

In der Genremalerei werden typische Szenen aus dem bäuerlichen oder höfischen Leben dargestellt.8

1.8 Die Historienmalerei

In der Historienmalerei werden geschichtliche Ereignisse, aber auch Sagen, Legenden und Dichtungen dargestellt.9

1.9 Das Stillleben

2. Das Stillleben

Stillleben bezeichnet die Bildgattung, die sich mit diversen reglosen Gegenständen beschäftigt. Sei es ein Strauß mit den prachvollsten Blüten, ein Korb voller Früchte oder gar ein Bild mit den verschiedensten Alltagsgegenständen. Zwar sind es tote, reglose Modelle, die sich auf so einem Bild befinden, aber meistens steckt noch viel mehr dahinter als man beim ersten Anblick vermutet. Es ist eine Bildgattung, in der sich oft eine versteckte Botschaft oder Symbolik befindet und dazu anregt, über gewisse Themen nachzudenken. Außerdem hat sich die Komposition der Objekte und deren Farben nicht zufällig ergeben, sondern wurde jedes Mal sorgfältig überlegt. Es ist ein Bild, das meist erst durch tiefgründigere Betrachtung verstanden wird. Aber es gibt natürlich auch Ausnahmen, die das Gegenteil beweisen.10

2.1 Die Entstehung des Begriffes „Stillleben“

Wie man schon an diesem Begriff erkennt, handelt es sich um „stilles Leben.“ Der anfängliche Begriff für Stillleben entstand in der Mitte des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden. Anfangs gab es noch viele verschiedene Bezeichnungen „für spezielle Varianten des Stilllebens wie „fruytagie“ (Früchtekorb), „bancket“ oder „ontbijt“ (Bankett-, oder Frühstücksbild)“.11

Später benutzte man für diverse Bilder, die dieser Gattung entsprachen, das Wort „stilleven“. „Stilleven“ wurde von den germanischen und angelsächsischen Sprachen aus dem Holländischen übernommen“12 und bedeutet „regloses Modell“ oder „unbewegte Natur“.13

Ein Jahrhundert später entstand in Frankreich das Wort „nature morte“ und bedeutet nach Jean-Baptiste Descamps nichts anderes als ein Bild mit „unbeweglichen Gegenständen“.14

2.2 Entwicklung von Stillleben

2.2.1. Antike

Es entstanden schon sehr früh Kunstwerke, die einen Bezug auf die später entwickelten Stillleben haben. Bilder, auf denen Lebensmittel zu sehen waren, wurden bei den Xenien15 als Zeichen für die Gastfreundlichkeit benutzt. „Diese Abbildungen lösten sich aber bald aus diesem Zusammenhang und erhielten eine dekorative und repräsentative Funktion.“ In vielen solchen Bildern sind nicht nur Lebensmittel abgebildet, sondern auch Blumen, Geschirr, Silbergeräte und Schreibgeräte.16

Diese Bilder waren vielmals in antiken Villen vorzufinden und hatten den Zweck den Reichtum und den Lebensstandard einer Familie zu präsentieren.17 Schon in der Antike gab es die „aufgestellte Forderung, daß die Kunst (…) die Malerei nicht zu imitieren habe, sondern sie sogar übertreffen müsse“.18

2.2.2. Mittelalter

Im Mittelalter gab es weit weniger Abbildungen von Elementen des Stilllebens, als sie in der Antike vorzufinden waren. Bücherstillleben wurden häufig im Zusammenhang mit Andachtsbildern oder Heilgendarstellungen abgebildet. „Der Grund dafür ist die (generelle) Verneinung der Abbildung irdischer Realität.“ Da das jetzige Leben nur von kurzer Dauer ist und es als bloße Vorbereitung für das eigentliche Leben, des ewigen Lebens, nach dem Tod, gilt.19

Aber auch im Zusammenhang mit Landschaftsbildern oder mythologischen Szenen traten immer wieder Elemente des Stilllebens, als natürliche Objekte, auf.20

2.2.3. Protorenaissanceund Renaissance

„In der 21 Protorenaissance gelang [es] italienischen Künstlern (…) die Modellierung plastischer Bildgegenstände durch Schatten und erste räumlich- perspektivische Darstellung.“ Das heißt, dass „die Grundvorstellung für illusionistische Malerei“ geschaffen wurde. In der Renaissance traten auch wieder Objekte des Stilllebens in Gemälden auf. In dieser Epoche waren sie aber nicht nur als Objekte in Bildern zu sehen, sondern bekamen symbolische Bedeutungen. In vielen Marienbildern gelten die „Symbole Lilie, Akelei und Iris zusammen mit Waschgeräten als Symbol für die Reinheit Marias.“22

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Jacopo de Barbari:„Stillleben Rebhuhn, Eisenhandschuhe und Armbrustbolze“

Das Stillleben „Rebhuhn, Eisenhandschuhe und Armbrustbolze“ von Jacopo de Barbaris wird indirekt als Vorstufe für das autonome Stillleben bezeichnet. Dabei handelt es sich „nicht nur um ein Wandgemälde, sondern um eine stilllebenartige Darstellung“. Es gibt aber noch viele weitere Gemälde, auf denen naturgetreu wie möglich Gegenstände dargestellt wurden, wie beispielsweise geöffnete Schränke mit sich darin befindenden Gegenständen. Der Grund für dieses enorme Interesse an derartigen Bildern, war einerseits die Sammelleidenschaft und anderseits der Drang die Natur genauer zu erforschen. Dabei entstanden detailreiche Naturstudien, die gesammelt und durch die Erfindung des Buchdrucks auch verbreitet werden konnten. Das enorm angestiegene Interesse an der Natur machte sich auch in der Kunst bemerkbar, da immer mehr detailreichere Blumen und Früchte in den Kunstwerken in Erscheinung traten. „[Aber] als direkte Vorstufe des autonomen Stilllebens, im besonderen (…) [des] Mahlzeitstillleben(s), dürfen die seit dem 16. Jahrhundert gefertigten Markt- und Küchenstücke angesehen werden.“23

2.2.4.Autonome Stillleben

Stillleben als selbstständige Gattung hat sich auch nur entwickelt, weil viele verschiedene Faktoren dazu beigetragen haben. Zum einen war der „Ersatz der menschlichen Figur durch ein Objekt als Träger einer inhaltlichen Botschaft als Voraussetzung des autonomen Stillleben[s].“ Zum anderen, hatten viele Künstler auch noch die malerische Fähigkeit, die Natur so detailreich wie möglich darzustellen.24

Außerdem war erst durch die Auflösung der Gilde25 ein Kunstmarkt entstanden, der die Weiterentwicklung von Stillleben nicht mehr behinderte.26 Aber der genaue Zeitpunkt, ab wann Stillleben eine selbstständige Gattung wurde, ist nicht bekannt, da zu viele Stillleben verloren gegangen sind. „Sicher ist, dass das Stillleben sich in Europa am Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts als eigenständige Gattung zu formieren begann (...)“ Vor allem in den Niederlanden, Deutschland, Italien und Spanien waren stilllebenartige Gemälde sehr beliebt und in diesen Ländern trat diese Gattung im 17. Jahrhundert auch zuerst auf.27

2.2.5.Barock

Am Beginn des 17. Jahrhunderts gab es in Holland ein enormes Interesse an exotischen Pflanzen und Blumenzwiebeln, dabei verstärkte sich auch der Handel mit anderen europäischen Ländern. Die exotischen Pflanzen hatten einen enormen Wert und somit wurden auch immer mehr Bilder von den wertvollen Blumen gemalt.28

Vor allem die Stadt Utrecht war das Zentrum von diversen Blumen- und Früchtestillleben. Aber nicht nur in Utrecht, sondern in ganz Holland und Flandern war das Stillleben sehr weit verbreitet und erlebte im Barock seine Blütezeit. Die Künstler wollten in ihren Künsten die Schönheit der Natur und des alltäglichen Lebens erfassen, aber sie wollten „auch eine verschlüsselte Botschaft [und] einen gedanklichen Inhalt (…) vermitteln.“ Die verschlüsselte auch moralische Botschaft, die durch Symbole dargestellt wurde, trat dabei immer mehr in den Hintergrund. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts galt Stillleben mehr oder weniger nur noch als dekoratives Gemälde, das darum auch als Prunkstillleben bezeichnet wurde.29

2.2.6. 18.Jahrhundert

Durch den Qualitätsverlust im 18. Jahrhundert gehörte das Stillleben fast zu dem untersten Rang aller Bildgattungen.30 Dabei verlor ein Teil der Gesellschaft das Interesse und ihre Erwartungen an diese Kunst. Somit hatten die Künstler mehr Freiheit und konnten sich mit anderen Themen in der Kunst beschäftigen, wie mit Licht, Farbe und Komposition der Gegenstände.31

Der französischer Künstler Jean Sinéon Chardin befreite das Stillleben endgültig von seiner symbolischen Bedeutung, er verwendete sehr viele verschiedene Farben, was vor allem die Impressionisten sehr begeisterte.32

2.2.7. 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert verlor die Bildgattung Stillleben ihre inhaltliche und moralische Botschaft, Farbe und Form wurden immer mehr in den Vordergrund gestellt. Vor allem Impressionisten und Realisten gaben „dem Stillleben eine [ganz] neue Bedeutung.“ Der Künstler Cézanne33, zeigte mit seinen Stillleben dass Farbe Komposition wichtiger sind als die Bedeutung der einzelnen Objekte.34

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2:Cézanne:„stillleben mit Obstschale“

2.2.8. 20. Jahrhundert

Der spanische Künstler Matisse hat die Bedeutung der Formen von den Bildgegenständen so sehr in den Vordergrund gestellt, dass die anderen wichtigen Faktoren wie Komposition und Bedeutung in den Hintergrund traten. Farben und Formen werden in seinen Bildern dazu benutzt, die einzelnen Gegenstände zu vereinheitlichen und zu einem Ganzen zu machen.35

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Henri Matisse: „stillleben mit Obst neben Bronze- Statue“

2.2.9. Fotografische Stillleben

Die technologische Weiterentwicklung ermöglichte es den Künstlern mit einfachen Mitteln ein Stillleben abzulichten. Diese Art von Stillleben wird öfters als „still-life- photography“ bezeichnet.36

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die Themen bei den einzelnen Bildern immer wieder verändert. Angefangen von Obst und Früchten bis hin zu Vanitas37 Stillleben wurde fast jeder Gegenstand schon einmal dargestellt. In der modernen Gesellschaft hat die Bedeutung von Stillleben eine ganz andere Wertigkeit bekommen.38

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Robert Mapplethorpe: "Orchideen"

3. Untergattungen von Stillleben

Als sich die Gattung Stillleben zu einer autonomen Bildgattung entwickelte, sind viele verschiedene Untergattungen entstanden. Viele Künstler fingen an, „sich auf den einen oder anderen Typus zu spezialisieren“. Diese sehr rasche Entwicklung konnte nur geschehen, weil in den Niederlanden diese Kunst sehr hoch geschätzt wurde. In anderen Ländern, die „stärker von akademischen Lehren“ bestimmt waren, wie Italien und Frankreich, wurde das Stillleben nicht so sehr geschätzt. Es gibt eine Bandbreite von verschiedenen Untergattungen, einige davon sind Blumen-, Früchte-, Jagd-, Markt - und Küchenstillleben und Vanitas- Stillleben.39

3.1 Blumenstillleben

Das Blumenstillleben hat sich im 16. Jahrhundert zu einer selbstständigen Gattung entwickelt. Im Mittelalter hat man Blumen mit Heilkräutern assoziiert oder sie wurden als religiöse Symbole angesehen. Aber durch die „geographischen Entdeckungen des 16. Jahrhunderts (…) [wuchs] [auch] das Interesse an exotischen Blumen.“ Dadurch, dass Blumen sehr selten und meist sehr teuer waren, haben Hofmaler angefangen sie auf ihren Bildern in den Vordergrund zu stellen. Die Blume als eigenständiges Motiv hat sehr viele verschiedene Funktionen. Einerseits galt die Blume als christliches Symbol und wurde häufig als Sinnbild für die Vergänglichkeit eingesetzt. Anderseits spiegelten die exotischen Blumen auch Reichtum und Seltenheit wieder, da sie meistens aus sehr fernen Ländern importiert wurden.40

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Albrecht Dürer: "Das großeRasenstück"

Die Blumenstillleben waren „auch [ein] Ersatz für nichtgemachte ästhetische Erfahrungen“. „[Da nur] die Tulpenzwiebeln (…) Handelswaren [waren] nicht aber die aufgeblühten Pflanzen.“ So sah man auf diversen Bildern die Schönheit der Blumen, wie man sie in der Realität nie erblicken konnte. Die Vertreter der frühen Stilllebenmalerei waren vor allem Jan Brueghel, Jacques de Gheyn und Dürer. Obwohl Dürer im 15. Jahrhundert gelebt hat, hat er mit seinem Bild „Das große Rasenstück“, das später entwickelte Blumenstillleben geprägt.41

3.2 Früchtestillleben

Da das Früchtestillleben sehr ähnliche Ansätze wie das Blumen- und Frühstücksstillleben hatte, war es schwer eine klare „Grenze zwischen Früchtebildern und anderen Stillleben zu ziehen.“ Bevor sich das Früchtestillleben zu einer eigenständigen Gattung entwickelte, hat man diesen Bildtypus oft in religiösen Bildern und Porträts wiedergefunden. Vor allem die Künstler Aertsen und Beuckelaer gaben diesem Typus eine ganz neue Bedeutung. Bei ihren Gemälden trat die symbolische Bedeutung der Früchte und deren moralische Botschaft in den Vordergrund und war meist ein Sinnbild für „Reichtum und Wohlstand.“ Früchtestillleben hatten verschiedene Funktionen. Zum einen „eigneten sich [die Bilder] zur Übermittlung [von] religiösmoralischen Botschaften.“ Wie das Blumenstillleben könnte das Früchtestillleben auch ein Hinweis für den Tod sein, da Früchte auch nur für kurze Dauer in ihrer Schönheit strahlen. Zum anderen weisen die Bilder auf den „sozialen Status“ hin, da sich importierte Früchte nur sehr wohlhabende Leute leisten konnten. Deshalb gelten sie auch als Symbol für Reichtum und Luxus.42

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: WillemKalf: "stillleben mit Nautilusbecher"

Außerdem waren die Bilder sehr dekorativ, da im 18. Jahrhundert die moralische Botschaft ja sowieso in den Hintergrund getreten ist. Eine andere Funktion war dass, „das Malen von Früchten (…) [zur] Ausbildung des Malers“ gehörte. Als Vertreter dieses Typus galten: Willem Kalf, Nicolaes Gillis und Floris van Schooten.43

3.3 Jagdstillleben

Das Jagdstillleben ist eng verbunden mit dem Küchenstück. Vor allem die frühere Oberschicht, speziell der Adel, war sehr an diesem besonderen Typus interessiert. Die Jagd war ja meist ein Privileg vom damals herrschenden Adel.44 Der flämische Maler Frans Snyders arbeitete mit Jan Brueghel und Peter Paul Rubens zusammen und beeinflusste deren Kunst durch hinzufügen von Tiermotiven. Seine Bilder heben sich von dem klassischen „Nature morte“ ab, da er zu den toten Tieren meistens auch lebende Tiere hinzumalte. So entstand in seinen Bildern ein Kontrast zwischen Leben und Tod.45

Das Jagdstillleben repräsentierte oft geschlachtete Tiere und dies galt als Symbol für die feudale Gesellschaft46.47

Außerdem hatte das Jagdstillleben auch noch einen engen Zusammenhang mit dem Vanitas-Gedanken,48 da die toten Tiere symbolisch für den Zerfall allen irdischen Lebens standen.

[...]


1 Mitschrift einer gestellten Frage zum Thema Stillleben an Herr Professor Hirtenfelder; Bundesgymnasium Egg; 11.10.11

2 Pawlik/Straßner: Bildende Kunst; Begriffe und Reallexikon; 5. ergänzte Auflage; Köln 1977; S. 24/25

3 Ebd.

4 Bildgattungen; Architektur; Wikipedia; URL:http://de.wikipedia.org/wiki/Architektur in der Fassung vom 03.01.2012

5 Pawlik/Straßner; Köln 1977; S. 24/25

6 Wissensdigital; Kunst: Gattungen der Malerei; URL: http://www.wissen- digital.de/Kunst:_Gattungen_der_Malerei in der Fassung vom 18.10.2011

7 Wissensdigital; Kunst: Gattungen der Malerei; URL: http://www.wissen- digital.de/Kunst:_Gattungen_der_Malerei in der Fassung vom 18.10.2011

8 Ebd.

9 Ebd.

10 Mitschrift einer gestellten Frage zum Thema Stillleben an Herr Professor Hirtenfelder;

Bundesgymasium Egg; 11.10.11

11 Schneider, Norbert; stillleben; Realität und Symbolik der Dinge, Die stilllebenmalerei der früheren Neuzeit; Köln 1999; S.7

12 Bott, Gian Casper; Illusion und Augenschmaus; Eine Gattung sucht ihren Namen; In: Wolf Norbert (Hrsg.): Stillleben; S. 6-7; hier S. 7

13 Schneider, Norbert; Köln 1999; S.7

14 Schneider, Norbert; Köln 1999; S.7

15 Definiton von Xenien laut: http://woerterbuch.babylon.com/xenien/ : Xenien (griech.),

ursprünglich„Gastgeschenke“, nannte der römische Dichter Martial (1. Jahrhundert n. Chr) das 13. Buch seiner Epigramme, die als Begleitverse zu Geschenken gedacht waren.

16 Artikel über Stillleben. Wikipedia. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Stillleben in der Fassung vom 21.10.11

17 Artikel über Stillleben. Wikipedia. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Stillleben in der Fassung vom 21.10.11

18 Schuster U.: Das stillleben- nature morte. Luitpold- Gymnasium München. Leistungskurs Kunsterziehung. URL: http://www.kusem.de/lk/still/still.htm in der Fassung vom 3.10.11

19 Artikel über Stillleben (wie Anm. 17)

20 Schuster (wie Anm. 18)

21 Definition von Protrenaissance laut: http://de.wikipedia.org/wiki/Protorenaissance :

Protorenaissance (auch Vorrenaissance) ist die Bezeichnung für eine Tendenz in Architektur, Malerei und Plastik im 11. und 12. Jahrhundert.

22 Artikel über Stillleben (wie Anm. 17)

23 Artikel über Stillleben (wie Anm. 17)

24 Ebd.

25 Definition von Gilde laut: http://de.wikipedia.org/wiki/Gilde_(Kaufleute) : Eine Gilde im engeren Sinne war im Mittelalter ein selbstnütziger und durch einen Schwur besiegelter Zusammenschluss von Kaufleuten (...)

26 Artikel über Stillleben (wie Anm. 17)

27 Ebd.

28 Schuster (wie Anm. 18)

29 Artikel über Stillleben (wie Anm. 17)

30 Schuster (wie Anm. 18); Artikel über Stillleben (wie Anm. 17)

31 Schuster (wie Anm. 18)

32 Artikel über Stillleben (wie Anm. 17)

33 Der Künstler Cézanne: http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Cézanne : Paul Cézanne (* 19.

Januar 1839 in Aix-en-Provence;†22. Oktober 1906 ebenda) war ein französischer Maler.

34 Schuster (wie Anm. 18)

35 Schuster (wie Anm. 18)

36 Artikel über Stillleben (wie Anm. 17)

37 Definition von Vanitas laut http://de.wikipedia.org/wiki/Vanitas: V anitas (lat.„leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit“; auch„Lüge, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit“) ist ein Wort für die jüdisch-christliche Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen.

38 Mitschrift einer gestellten Frage zum Thema Stillleben an Herr Professor Hirtenfelder; Bundesgymasium Egg; 19.12.11

39 Kirschenmann, Johannes; Wettengl, Kurt: stillleben. Kunst- und kulturgeschichtliche Aspekte einer Gattung; Kunsthistorische Forschugnsansätzte zum Stillleben, und Typen des Stilllebens; Köln 1994; Vgl. 3. Kunsthistorische Forschungsansätze zum stillleben und 4. Typen des stilllebens

40 Kirschenmann; Wettengl (wie Anm. 39) 4.1. Blumenstillleben

41 Kirschenmann; Wettengl (wie Anm. 39) 4.1. Blumenstillleben

42 Kirschenmann; Wettengl (wie Anm. 39) 4.2. Fruchtstillleben

43 Kirschenmann; Wettengl (wie Anm. 39) 4.2. Fruchtstillleben

44 Schneider, Norbert; Köln 1999; S.51

45 Ebd., S. 52

46 Definition von Feudale Gesellschaft laut: http://de.wikipedia.org/wiki/Feudale_Gesellschaft : Der Ausdruck Feudalismus (vom lateinischen feudum =„Lehen“→Lehnswesen) bezeichnet in den Sozialwissenschaften vor allem die Gesellschafts- und Wirtschaftsform des europäischen Mittelalters.

47 Schneider (wie Anm. 11), S. 53

48 Sinn und Sinnlichkeit; Das Jagdstillleben; URL: http://www.kgi.ruhr-uni- bochum.de/stillleben/data/html/6/1.htm in der Fassung vom 24.01.12

Ende der Leseprobe aus 58 Seiten

Details

Titel
Stillleben. Die Magie der Dinge
Untertitel
Eine vergessene Gattung neu betrachtet
Hochschule
Bundesoberstufenrealgymnasium Egg
Note
1
Autor
Jahr
2012
Seiten
58
Katalognummer
V268786
ISBN (eBook)
9783656598374
ISBN (Buch)
9783656598299
Dateigröße
4243 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Arbeit behandelt vor allem das Thema Vanitas Stillleben und deren geschichtlichen Entwicklung.
Schlagworte
Stillleben, Vanitas, Damien Hirst, Vergänglichkeit, Bildgattungen, Henri Matisse
Arbeit zitieren
Tina Halbeisen (Autor:in), 2012, Stillleben. Die Magie der Dinge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268786

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