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Die Bedeutung familiärer Strukturen bei der Entstehung der Magersucht

Title: Die Bedeutung familiärer Strukturen bei der Entstehung der Magersucht

Bachelor Thesis , 2012 , 89 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Oxana Bin (geb. Butenko) (Author)

Social Work
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Die Magersucht ist eine sehr komplexe und ernst zu nehmende psychosomatische Erkrankung. Sie kann sowohl schwere körperliche als auch psychische Schäden anrichten
und unter Umständen sogar einen tödlichen Verlauf nehmen. Obwohl man bereits seit mehreren Jahrhunderten die Ätiologie der Magersucht erforscht, konnte bis jetzt keine
eindeutige Antwort geliefert und die der Anorexie zugrunde liegenden Ursachen erklärt werden. Man geht jedoch davon aus, dass es die Ursache für die Essstörung nicht gibt.
Stattdessen nimmt man an, dass es bei der Entstehung verschiedene Faktoren (biologische, soziokulturelle, individuelle sowie familiäre) mitbeteiligt sind, die unterschiedlich gewichtet auf eine Person einen gewissen Einfluss haben und so zu der Entstehung der
Magersucht beitragen.
Die vorliegende Arbeit versucht, aus einer systemischen Perspektive den Blick auf die Betroffenen zu werfen und sich mit der Frage zu beschäftigen, welche Bedeutung bei
der Entstehung der Magersucht der familiären Strukturen und Interaktionsmuster zukommt und wie die familiären Beziehungen und Anorexie zusammenhängen. Es werden
die mithilfe klinischer Beobachtungen und wissenschaftlicher Studien gewonnene Ergebnisse
dargestellt und eine Reihe von festgestellten Merkmalen der Familien mit einem erkrankten Kind ausgeführt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Begriffsdefinition

1.2. Unterschiedliche Betrachtungsweisen der Anorexia nervosa

1.3. Historischer Überblick

2. Das Krankheitsbild der Anorexia nervosa

2.1. Erscheinungsbild

2.1.1. Körperliche Veränderungen

2.1.2. Psychische Veränderungen

2.2. Epidemiologie

2.3. Komorbidität

2.3.1. Affektive Störungen

2.3.2. Zwanghafte Züge und Zwangsstörungen

2.3.3. Angststörungen

2.3.4. Persönlichkeitsstörungen

2.4. Verlauf

3. Ätiologie der Anorexia nervosa

3.1. Biologische Faktoren

3.2. Soziokulturelle Faktoren

3.3. Individuelle Faktoren

4. Familiäre Faktoren

4.1. Zwei-Prozess-Modell

4.2. Direkte familiäre Einflüsse auf das Essverhalten

4.3. Das Modell der „Psychosomatischen Familie“

4.3.1. Verstrickung

4.3.2. Überfürsorglichkeit

4.3.3. Veränderungsrigidität

4.3.4. Konfliktvermeidung

4.3.5. Einbeziehung des Kindes in eheliche Konflikte

4.4. Weitere Merkmale der Familien mit einem erkrankten Mitglied

4.4.1. Essen als Medium der Interaktion

4.4.2. Norm- und Leistungsorientierung

4.4.3. Harmoniegebot

4.4.4. Selbstaufopferung

4.4.5. Eltern der erkrankten Mädchen

4.4.6. Ehe der Eltern und emotionale Unsicherheit des Kindes

4.4.7. Vermeidung von Trennungen

4.5. Anorexie als Lösung familiärer Konflikte

5. Behandlung

6. Die Bedeutung und Aufgaben der Sozialarbeit bei Anorexia nervosa

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht aus einer systemischen Perspektive, welche Rolle familiäre Strukturen und Interaktionsmuster bei der Entstehung der Magersucht (Anorexia nervosa) spielen und wie familiäre Beziehungen mit dieser Erkrankung zusammenhängen.

  • Multifaktorielle Ätiologie der Anorexia nervosa
  • Systemische Familienmodelle bei psychosomatischen Erkrankungen
  • Familiäre Interaktionsmuster wie Verstrickung und Überfürsorglichkeit
  • Rolle der Sozialarbeit bei Prävention und Intervention

Auszug aus dem Buch

4.3.1. Verstrickung

Mit Verstrickung ist eine äußerst enge und sehr intensive Form der Interaktion innerhalb der Familie gemeint, die auch als verstrickt bzw. verschmolzen beschrieben wird (vgl. Reich 2003a: 28). Eine Einheit zu sein, keine innerfamiliären Grenzen zu gestatten und Privatsphäre abzulehnen, hat für solche verstrickten Familien einen höchsten Wert (vgl. Gerlinghoff u.a. 1999: 62). Die Verwendung des Wortes „wir“ ist für die verstrickten Familien charakteristisch. Auch wenn es um Eigenschaften einzelner Familienmitglieder handelt, wird auf das „Wir-Wort“ nicht verzichtet (vgl. Kock 2008: 47).

„Wir sind normal. Das einzige ist, das wir nicht essen können …“ (Zitat aus Minuchin u.a. 1983 zit. nach ebd.).

„Wir haben zur Zeit einen kritischsten Punkt erreicht … [das kritische Untergewicht der Tochter, Anm. O.B.]“ (Zitat aus Gerlinghoff u.a. 1999: 51).

Dadurch, dass einerseits ein sehr starker familiärer Zusammenhalt besteht, andererseits jedoch keine inneren Abgrenzungen existieren, wird die Privatheit des Individuums ver oder behindert (vgl. Liechti 2008: 144). Das Wohl der Familie hat Priorität vor dem Wohl ihrer einzelnen Mitglieder (vgl. Franke 2003: 50 f.). Es wird von den einzelnen Familienmitgliedern erwartet, dass sie nicht nur ihre komplette Freizeit mit der restlichen Familie teilen, sondern auch die ganze Familie an dem eigenen Leben, egal ob inner- oder außerfamiliär, teilhaben lassen. Hierzu einige Beispiele: Badezimmertüren werden häufig nicht abgeschlossen, Tagebücher bzw. Briefe eines anderen werden gelesen (vgl. Gerlinghoff u.a. 1999: 62). Eine 18-jährige Betroffene teilte sogar mit, dass es in ihrer Familie als eigensinnig angesehen wurde, die Toilettentür komplett zu schließen, auch wenn man seine Geschäfte erledigen musste (vgl. Liechti 2008: 144). Überdies scheinen die Grenzen zwischen dem Familiensystem und den Ursprungsfamilien der Eltern in nicht sehr hohem Maße ausgebildet zu sein (vgl. Reich 2003a: 28). Nicht wenige Eltern der Erkrankten sind immer noch an ihre eigenen Eltern stark gebunden

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Magersucht ein, beleuchtet das Interesse der Autorin und definiert den Aufbau der Arbeit unter Berücksichtigung verschiedener wissenschaftlicher Perspektiven.

2. Das Krankheitsbild der Anorexia nervosa: Dieses Kapitel beschreibt das klinische Erscheinungsbild der Magersucht, inklusive körperlicher und psychischer Veränderungen, epidemiologischer Daten sowie komorbider Störungen.

3. Ätiologie der Anorexia nervosa: Hier werden die verschiedenen Ursachenmodelle der Magersucht beleuchtet, wobei biologische, soziokulturelle und individuelle Faktoren differenziert betrachtet werden.

4. Familiäre Faktoren: Das zentrale Kapitel analysiert systemische Zusammenhänge, insbesondere das Modell der „psychosomatischen Familie“, und identifiziert spezifische Interaktionsmuster.

5. Behandlung: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über verschiedene Behandlungsansätze und Therapiekonzepte bei Anorexia nervosa.

6. Die Bedeutung und Aufgaben der Sozialarbeit bei Anorexia nervosa: Das Kapitel thematisiert die Rolle der Sozialarbeit in der Prävention, Krisenintervention und Unterstützung von Betroffenen sowie deren Familien.

7. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer individuellen, systemisch orientierten Betrachtungsweise für die erfolgreiche Arbeit mit Betroffenen.

Schlüsselwörter

Anorexia nervosa, Magersucht, familiäre Strukturen, systemische Perspektive, Sozialarbeit, Essstörungen, Verstrickung, psychosomatische Familie, Adoleszenz, Prävention, Krankheitsbild, Ätiologie, Interaktionsmuster, Überfürsorglichkeit, Therapie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung familiärer Strukturen und Interaktionsmuster bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Magersucht (Anorexia nervosa).

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zu den zentralen Themen gehören die systemische Sicht auf die Essstörung, die Analyse familiärer Dynamiken sowie die Möglichkeiten und Aufgaben der Sozialarbeit in diesem Kontext.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aus einer systemischen Perspektive zu untersuchen, wie familiäre Beziehungen und die Entstehung der Magersucht zusammenhängen und welche Rolle die Familie für die Betroffenen spielt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse klinischer Beobachtungen und wissenschaftlicher Studien sowie auf der Darstellung etablierter systemischer Erklärungsmodelle.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich dem Krankheitsbild, der multifaktoriellen Ätiologie, der detaillierten Untersuchung familiärer Faktoren wie Verstrickung und Überfürsorglichkeit sowie den Interventionsmöglichkeiten in der Sozialarbeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Anorexia nervosa, familiäre Strukturen, systemische Perspektive, Sozialarbeit und psychosomatische Familie charakterisiert.

Warum wird im Modell der "Psychosomatischen Familie" das Konzept der Verstrickung als zentral hervorgehoben?

Verstrickung beschreibt eine extrem enge, grenzenlose Interaktion innerhalb der Familie, die die Autonomiebestrebungen des Kindes hemmt und somit als maßgeblicher Risikofaktor für die Entwicklung einer Anorexie angesehen wird.

Wie bewertet die Autorin die Rolle der Sozialarbeit bei fehlender Krankheitseinsicht?

Die Sozialarbeit soll laut Autorin mit Geduld, Wertschätzung und professioneller Distanz agieren, um eine Vertrauensbasis aufzubauen, anstatt Druck aufzubauen, der bei Anorexie-Betroffenen meist kontraproduktiv wirkt.

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Details

Title
Die Bedeutung familiärer Strukturen bei der Entstehung der Magersucht
College
University of Applied Sciences Ludwigshafen
Grade
1,0
Author
Oxana Bin (geb. Butenko) (Author)
Publication Year
2012
Pages
89
Catalog Number
V268831
ISBN (eBook)
9783656590477
ISBN (Book)
9783656590460
Language
German
Tags
Magersucht Anorexia nervosa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oxana Bin (geb. Butenko) (Author), 2012, Die Bedeutung familiärer Strukturen bei der Entstehung der Magersucht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268831
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