Berlioz und seine Harold-Symphonie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Programm-Musik und deren Definitionsversuche
2.1 Definitionen
2.2 Sujet, poetische Idee und Programm

3. Harold-Symphonie
3.1 Entstehungsgeschichte und der biographische Hintergrund
3.2 Das Programm und der literarischer Hintergrund
3.3 Analyse

4. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Hector Berlioz (1803 – 1869) ist einer der faszinierendsten Komponisten des 19. Jahrhunderts. Sein Werk umfasst Klavier-, Kammer-, Orgel- und Harmoniummusik, aber auch Ouvertüren, Opern und Symphonien. Seinen symphonischen Hauptwerken gemeinsam ist, dass sie als Dramen verstanden werden wollen. Darunter zählen die Symphonie fantastique, Romeo et Juliette und die Harold-Symphonie. Von letzterer handelt diese Hausarbeit.

Die Frage mit der sich diese Arbeit beschäftigt lautet: Was ist bezeichnend für die Harold-Symphonie, vor allem wenn man sie unter dem Begriff der „Programm-Musik“ einordnet und versteht?

Zunächst werde ich der Frage nachgehen, was Programm-Musik ist (à Kap. 2). Hierbei versuche ich einen Überblick durch verschiedene Definitionsversuche zu geben (à Kap. 2.1), die wiederum von der Auffassung abhängen, wie das zugrunde gelegte Sujet oder Programm auf die Musik wechselseitig bezogen wird (à Kap. 2.2). Ich beziehe mich dabei unter anderem auf Franz Liszt und seinen Aufsatz: „Berlioz und seine Haroldsymphonie“[1].

In dem darauffolgenden Abschnitt (à Kap. 3) gehe ich direkt auf die Harold-Symphonie ein. Hierbei behandele ich die Entstehungsgeschichte (à Kap. 3.1), wobei ich mich auf die selbstverfassten „Memoiren“[2] von Hector Berlioz beziehe; natürlich bin ich mir dabei der Tatsache bewusst, dass diese nicht als objektive Geschichtsquelle zu werten sind. Der nächste Abschnitt (à Kap. 3.2) wirft einen Blick auf die spezifische Verarbeitung des Programms und des literarischen Hintergrunds der Harold-Symphonie. Im Anschluss (à Kap. 3.3) erfolgt eine kurze Analyse der Symphonie hinsichtlich der musikalischen Umsetzung und Anwendung der spezifischen literarischen Elemente des Harold-Stoffes, der von George Gordon Byron verfasst wurde. Dabei werden Besonderheiten in der Komposition hervorgehoben, insbesondere die Abkehr von der traditionellen Formenlehre. Ich halte mich bei der Analyse vor allem an das Buch „Berlioz – Die symphonisch-dramatischen Werke“ von Dömling[3]. Ein Fazit am Ende (à Kap. 4) fasst alle Erkenntnisse zusammen.

2. Programm-Musik und deren Definitionsversuche

2.1 Definitionen

In dem Buch „Musiker im Portrait“ von Salmen[4] wird davon gesprochen, dass die symphonischen Werke Berlioz‘ „[…] als musikalische Gestaltung einer gespaltenen Gemütswelt auch stilistisch als Programmsinfonien einzuordnen [sind]“[5]. Die Frage ist: Was beinhaltet der Begriff Programm-Symphonie? Was wird durch ihn an Musikwerken umrahmt? Dies wirft dann die Frage auf wie ältere Werke zu behandeln sind, wenn sie durch bestimmte Merkmale sich dem Begriff zwar zuordnen lassen, in deren Entstehungskontext dieser Begriff allerdings noch nicht existierte?

Nach Altenburg[6] herrscht hinsichtlich der Bedeutung des Begriffes Programm-Musik in der Musikwissenschaft eine „babylonische Sprachverwirrung“[7]. Das Betrifft zum einen die Frage der speziellen Merkmale und zum anderen das Problem der historischen Geltung des Begriffes. Ungeachtet dessen verbinden sich mit jenem Begriff „implizite als auch explizite“ ästhetische Werturteile.[8] Problematisch bleibt außerdem, dass der Begriff oftmals im Nachhinein, auf bestimmte Werke angewendet wurde, so zum Beispiel auf Beethovens 6. Symphonie, um dieser neuen aufkommenden „Gattung“ von Musik ein Idealbild und Paradebeispiel zu verschaffen. Jedoch ist Programm-Musik erst einmal grundsätzlich von den anderen Begriffen wie Tonmalerei und Charakterstück abzugrenzen.

Altenburg[9] fasst folgende Bedeutungen des Begriffes Programm-Musik zusammen: Erstens, ausgehend von den Werken der Komponisten und Theoretiker aus dem Umkreis der Neudeutschen Schule[10], wird seit Mitte des 19. Jh. von jeder Art selbstständiger Instrumentalmusik gesprochen, der ein „außermusikalisches Sujet“ zu Grunde liegt.[11] Von Bedeutung ist hierbei, dass das Sujet „die musikalische Konzeption bestimmt oder zumindest beeinflußt hat“[12]. Als konkretes Bespiel kann hier die Harold-Symphonie genannt werden.[13] Dabei kann die äußere Form des dargestellten Sujets oder Programms sehr unterschiedlich sein. Der Begriff Programm-Musik dient daneben als Oberbegriff für verschiedene Gattungen der Instrumentalmusik: Symphonische Dichtung, Programmouvertüre, Programmsymphonie sowie auch für Klavier – und Kammermusik mit Programm.[14]

Zweitens werden neben selbstständigen Instrumentalwerken einzelne Instrumentalsätze, die eine bestimmte Funktion ausüben und in dem Kontext eines größeren Werkes eingebettet sind, als Programm-Musik bezeichnet.[15] Hierzu gehören zum Beispiel Schauspiel- oder Opernouvertüren. Diese Subsumtion derartiger Werke unter die Kategorie Programm-Musik ist jedoch nicht ganz unproblematisch, da sie außer Acht lässt, dass jene eine eigene Tradition und Geschichte haben.[16]

Drittens wird Programm-Musik mit Tonmalerei gleichgesetzt. Bei der Gleichsetzung wird jedoch davon ausgegangen, Programm-Musik erzähle außermusikalische Vorgänge mit musikalischen Mitteln. Somit tendiert sie dahin, die Logik der traditionellen Formprinzipien der Instrumentalmusik (zum Beispiel die Sonatenhauptsatzform) durch die eigene des Programms oder Sujets zu ersetzen. Ausgehend von dieser Auffassung muss das Programm notwendig der Komposition beigegeben sein, um sie zu verstehen.[17] Weiterhin verbindet sich damit auch eine zeitliche Komponente, die für den schöpferischen Kompositionsakt bedeutet, dass die schriftliche Fixierung und Fertigstellung des Programms vor der eigentlichen musikalischen Gestaltung stehen müsse.[18]

Viertens wurde der Begriff auf Vokalwerke ausgedehnt, was zur Bildung des Begriffes „Programmchanson“ führte. Einzelne Chorsätze in Opern, Oratorien oder Kantaten, die als musikalisches Ausdrucksmittel Tonmalerei beinhalteten, wurden auch unter dem Begriff „Programm-Musik“ subsumiert.[19] Liszt[20] betrachtet das Thema aus historischer Perspektive, was folgendes Zitat wiedergibt:

„Durch das gesungene Wort hat von jeher eine Verbindung zwischen der Musik mit literarischen oder quasi literarischen Werken bestanden; gegenwärtig wird nun eine Vereinigung beider erstrebt, als die bis jetzt vorgekommen. Die Musik nimmt in ihren Meisterwerken mehr und mehr die Meisterwerke der Literatur in sich auf“.[21]

[...]


[1] Liszt, F.: Berlioz und seine Haroldsymphonie. 1855.

[2] Berlioz, H.: Memoiren. 1985.

[3] Dömling 1997

[4] Salmen, G.: Musiker im Portrait. Das 19. Jahrhundert. 1983.

[5] vgl. ebd.: S. 74.

[6] Altenburg, D.: Programmusik. 1997a.

[7] ebd.: S. 1822.

[8] vgl. ebd.

[9] vgl. ebd.

[10] Der Begriff wurde 1895 von Fr. Bendel geprägt. Zur Neudeutschen Schule zählen nach ihm die Komponisten: H. Berlioz, Fr. Liszt, R. Wagner und R. Schumann. Bendel ging bei der Begriffsprägung von der Idee eines beständigen Fortschrittes in der Geschichte der Musik aus. Heterogene Traditionsstränge subsumierte er unter folgender Gliederung: neben der Neudeutschen Schule unterschied er die Ära der davorliegenden Altdeutschen Schule (Protestantische Kirchenmusik der er Bach und Händel zuordnete) und nach dieser die Zeit der Klassizität (als deren Vertreter er Haydn und Mozart zuordnete). Als Wendepunkt erschien für ihn das Schaffen Beethovens, der ausgehend von diesem Geschichtsverständnis, die Neudeutsche Schule als drittes Glied dieser Einordnung eröffnete (vgl. Altenburg: Neudeutsche Schule 1997b, S. 66 f.).

[11] Altenburg 1997a, S. 1822.

[12] ebd.

[13] Wie das Programm beziehungsweise Sujet die musikalische Konzeption der Harold-Symphonie beeinflusst hat erläutere ich im Kapitel 2.2.

[14] vgl. ebd.

[15] vgl. ebd.

[16] vgl. ebd.

[17] vgl. ebd.: S. 1822 f.

[18] vgl. ebd.: S. 1823.

[19] vgl. ebd.

[20] Liszt 1855.

[21] ebd.: S. 77.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Berlioz und seine Harold-Symphonie
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Musikwissenschaften)
Veranstaltung
Musikästhetik
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V268926
ISBN (eBook)
9783656599319
ISBN (Buch)
9783656599302
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hector Berlioz, Harold-Symphonie, Musikästhetik, Harold en Itali, Programmmusik, Programmsymphonie, Musik im 19. Jahrhundert, Musikästhetik im 19. Jahrhundert, Literarische Vorbilder in Symphonien des 19. Jahrhunderts
Arbeit zitieren
Lukas Jäger (Autor), 2013, Berlioz und seine Harold-Symphonie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268926

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