„Und es erging das Wort des Ewigen an Jona, den Sohn des Amittais, besagend:
<<Auf, geh nach Ninewe, der großen Stadt, und rufe aus über sie, denn ihre Bosheit ist vor mich heraufgekommen.>>“1
Mit diesen Worten ruft Gott Jona ben Amittai zum Prohetendienst und verlangt von ihm schier Unvorstellbares! Er soll in die große Stadt Assyriens - nach Ninive - ziehen und da den Feinden Israels deren Vernichtung prophezeien. Jona weiß nur eins, das will er nicht tun und er läuft weg, in die entgegengesetzte Richtung, nach Jaffa und dann mit dem Schiff nach Tarsis (vermutlich im heutigen Spanien), um sich dort vor Gott zu verstecken. Aber Gott lässt einen gewaltigen Sturm aufkommen, welcher das Schiff zu versenken droht. Die heidnischen Seeleute beginnen zu ihren Göttern um Beistand zu flehen, Jona aber versteckt sich im tiefsten Schiffsraum. Die Matrosen werfen das Los, wessen Schuld für ihre Misere verantwortlich ist und das Los fällt auf Jona. Jona erzählt nun von Gottes Größe und dessen Macht und warum er geflohen ist und das der Sturm wegen ihm tobt. Die Seeleute werfen Jona auf dessen Bitte in das tosende Meer und sofort beruhigt sich der Sturm. Sie bekennen sich zu Gott, beten und entrichten Brandopfer.
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1 Naftali Herz Tur-Sinai: Die Heilige Schrift, Hänssler-Verlag, 1995, Neuhausen-Stuttgart
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Nacherzählung der Geschichte des Jona
3. Bedeutung des Buches für die abrahamitischen Religionen
3.1 Jona als Symbolfigur der göttlichen Gnade
3.2 Vergleich der Novellen: Matrosen und Niniviten
3.3 Theologische Einbettung in das Prophetenkorpus
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel dieser Arbeit ist es, die Erzählung des Propheten Jona im Kontext der abrahamitischen Religionen zu deuten und die zentrale Bedeutung der göttlichen Gnade und Milde herauszuarbeiten. Die Autorin untersucht dabei sowohl die literarische Struktur der Novellen als auch die theologischen Implikationen des Textes für das Judentum, Christentum und den Islam.
- Die literarische und historische Einordnung des Buches Jona.
- Analyse der zentralen Botschaft von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes.
- Untersuchung der Rolle Jonas als Bote und die Auseinandersetzung mit dem jüdischen Partikularismus.
- Vergleichende Interpretation der Figuren (Matrosen, Niniviten) und ihre Bedeutung für die Menschheit.
- Intertextuelle Bezüge zu den biblischen Büchern Joel und Hiob.
Auszug aus dem Buch
Die Vielschichtigkeit der Erzählung: Gottes Milde und die Rolle Jonas
Jona - dessen Name auf Hebräisch „Taube“ bedeutet- zeigt schon mit seinem Namen die Funktion seiner Person und zwar die des Boten der Gnade Gottes. In der Hebräischen Bibel, in der Geschichte der Sintflut (siehe Gen 8.10ff), wird schon einmal von der Taube als Symbol des Friedens zwischen den Menschen und Gott erzählt. Eine von Noah gesandte Taube kehrt von der Suche nach Land mit einem Olivenzweig zur Arche zurück und bezeugt damit Gottes Gnade gegenüber dem Menschen. Diese Gnade und Barmherzigkeit Gottes ist dem Leser der Bibel wohl bekannt, denn sie ist eines der dreizehn Attribute Gottes welche im Buch Exodus 34.6f aufgezählt werden. Das Buch Jona gilt aber in nichtjüdischen Kreisen auch oft als Kritikschrift an dem jüdischen Partikularismus, demnach sich die Juden durch ihre Identifikation als Bundesvolk der Mission verschlössen und so gegen den universellen Heilswillen Gottes wirkten. Für die Juden symbolisiert die Erzählung Jonas Gottes Barmherzigkeit und die Kraft des Fastens und der Umkehr der Gläubigen. Daher auch die Rezitation des Buches an „Yom Kippur“ dem „Versöhnungstag“ oder „Tag der Sühne“.
Dem Leser des Jonabuches springt nach der Lesung gleich eine Botschaft und zwar die offenkundige primäre Aussage des Textes - Gottes Liebe und Güte gilt auch dem größten Sünder wenn es sich nur bekehre und Buße tue! - ins Auge. Aber der Text enthält darüber hinaus noch vielschichtige andere Aussagen und Bedeutungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Struktur der Erzählung ein, die aus zwei Novellen besteht, und benennt die zentrale Thematik der göttlichen Gnade.
2. Nacherzählung der Geschichte des Jona: In diesem Kapitel wird die biblische Geschichte von Jonas Berufung, seiner Flucht, dem Aufenthalt im Fisch und dem Auftrag in Ninive detailliert wiedergegeben.
3. Bedeutung des Buches für die abrahamitischen Religionen: Dieser Abschnitt analysiert die symbolische Bedeutung des Namens Jona und diskutiert die unterschiedliche Rezeption des Buches in Judentum, Christentum und Islam.
Schlüsselwörter
Prophet Jona, Tanach, Gnade Gottes, Ninive, Barmherzigkeit, Yom Kippur, abrahamitische Religionen, Partikularismus, Buße, Gottesliebe, Exegese, biblische Novelle, Umkehr, Heilswille.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer theologischen und literarischen Analyse der Erzählung des Propheten Jona aus dem Tanach.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Fokus stehen die göttliche Gnade, die Rolle des Propheten als Bote und die universelle Bedeutung der Geschichte für die abrahamitischen Religionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Erzählung zu deuten, Jonas Bedeutung für die Gläubigen darzulegen und die Kernbotschaft von Gottes Milde gegenüber reuigen Sündern hervorzuheben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine exegesegestützte Essayform, die auf historisch-kritischen Kommentaren und intertextuellen Vergleichen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine Nacherzählung der Ereignisse sowie eine tiefgehende Untersuchung der theologischen Motive wie Gottes Barmherzigkeit und der Vergleich zu anderen biblischen Büchern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Jona, Gnade, Ninive, Versöhnung, Buße, Glaube und abrahamitische Religionen.
Warum spielt das Buch Jona am Versöhnungstag (Yom Kippur) eine so wichtige Rolle?
Für die Juden symbolisiert die Geschichte die Kraft der Umkehr und Gottes Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen, die Buße tun.
Wie unterscheidet sich das Buch Jona von anderen Prophetenbüchern des Tanach?
Im Gegensatz zu anderen Prophetenbüchern, die Wortsammlungen enthalten, ist das Buch Jona eine erzählerische Novelle, die in ihrem Aufbau eher an Prophetenlegenden aus dem 1. Buch der Könige erinnert.
- Arbeit zitieren
- Yvonne Büchner (Autor:in), 2013, Das Buch des Propheten Jona oder die Erzählung von der Gnade und der Milde Gottes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/268953